Interview mit Existenzgründer Pirmin Vlaho "Fahrt Eure Antennen aus!"

Gründen ohne BWL-Studium? Kein Problem! Pirmin Vlaho, 35, hat während seines Lehramtsstudiums einen Spezialschuh für Schlagzeuger entwickelt. Der Kölner Jungunternehmer erzählt im Interview, wie er seine Geschäftsidee auch ohne Spezialwissen verwirklichen konnte.

Benjamin O'Daniel | , aktualisiert


Pirmin Vlaho, Existenzgründer aus Köln    Foto: Privat

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Spezialschuh für Schlagzeuger zu entwickeln?

Ich spiele seit meiner Jugend Schlagzeug. Wenn man viel in der Musikszene unterwegs ist, unterhält man sich auch ständig über das Equipment. Und da ist mir das Problem "Schuhe" aufgefallen. Viele Schuhe haben Versteifungsmaterialien in den Kappen, man hat kein Gefühl im Fuß. Manche schwören deswegen auf Chucks, andere helfen sich mit Kletterschuhen.

So reifte die Idee in mir: Warum entwickle ich nicht einen Spezialschuh, der endlich einmal gut sitzt? Das ist auch mein Ratschlag an Studenten, die nach Geschäftsideen suchen: Fahrt Eure Antennen aus! Hört Euch um, was die Leute für kleine Wünsche haben, was ihnen nicht passt. Unterhaltet Euch mit ihnen über das Problem. So findet ihr häufig auch gleich Hinweise für eine Lösung.

Mit der Idee allein ist es aber nicht getan. Haben Sie schon vorher in der Schuhbranche gearbeitet oder wie konnten Sie Ihre Idee umsetzen?

Nein, ich habe keine Ahnung, wie man Schuhe baut. Aber ganz ehrlich: Das braucht man auch nicht! Es gibt doch genügend Spezialisten, die nichts anderes machen außer Schuhe zu produzieren. Die muss man von seiner Idee überzeugen. Es geht also darum, Kooperationspartner zu finden.

Wenn man kein Unternehmen überzeugen kann, sollte man seine Idee noch einmal kritisch überprüfen. Vielleicht ist es eine nette Idee, aber es gibt keine wirkliche Nachfrage nach dem Produkt oder ähnliche Produkte sind bereits gescheitert. Wenn man dies herausfindet, hat man sich viel Mühe, Zeit und Geld gespart.


Pirmin Vlaho, Existenzgründer aus Köln    Foto: Privat

Und wie haben Sie den Vertrieb organisiert?

Der Vertrieb ist heutzutage viel einfacher als früher. Es kostet nicht viel Geld, sich im Internet eine eigene Seite und einen Shop einzurichten. Und Werbung kann man über Social Networks wie Facebook machen oder über Affiliate Marketing.

Natürlich steckt darin auch viel Arbeit, aber man muss nicht zwangsläufig in die Schuhläden kommen, um einen Schuh zu verkaufen. Allerdings sind wir mit Dreaks auch in Läden vertreten – in Musikgeschäften. Neben dem Schlagzeug stehen also direkt Dreakshoes.

Haben Sie eigentlich BWL studiert?

Nö. Ich habe Sozialwissenschaften und Bio auf Lehramt studiert. Meiner Meinung nach kann jeder Mensch ein Unternehmen gründen, BWL braucht man dafür nicht – zumindest in der Anfangszeit. BWL ist doch letztlich eine Verwaltungswissenschaft für die Privatwirtschaft. Das hat mit dem Entrepreneur-Gedanken nichts zu tun. Natürlich sollte man wissen, was Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung bedeutet. Aber das kann man letztlich auch in einem Buch nachlesen.

Hat Ihnen Ihr Studium für die Firmengründung geholfen?

Wenn wir mal ehrlich sind, brauchen wir vieles vom "Studienkram" später nicht mehr. Hinzu kommt, dass man einiges auch wieder vergisst. Aber vielleicht kommt es auch drauf an, was man studiert hat. Ich könnte mir vorstellen, dass Ingenieure weitaus intensiver ihr Studiumswissen bei einer Geschäftsidee gebrauchen können – sofern sie aus ihrem Metier gründen.

Mir hat mein Studium zumindest nicht wirklich geholfen. Mein Eindruck ist allerdings: Die Geschäftsidee findet man meistens auf einem Feld, das einen begeistert. Eine persönliche Leidenschaft, ein Hobby oder auch ein spezieller Bereich im Beruf.


Pirmin Vlaho, Existenzgründer aus Köln    Foto: Privat

Und wenn man die Idee hat: Schließt man sich Zuhause ein und entwickelt die Lösung?

Genau das ist ein allseits beliebter Irrtum: Ich sitze in meiner Bude und grüble ein paar Jahre. Dann melde ich ein Patent an und werde so reich wie Bill Gates. Ich denke, es läuft ganz anders: Man erkennt die Probleme und Wünsche der Menschen in einem Spezialgebiet, in dem man sich auskennt. Dann entwickelt man eine Lösung.

Die Entwicklung der Lösung sollte unbedingt mit der Zielgruppe ZUSAMMEN geschehen. Man ist also "draußen". Man ist mit der Zielgruppe zusammen und nicht alleine am Reißbrett in seiner Bude. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man eine überzeugende Lösung für das Problem der Zielgruppe gefunden hat, die sich auch verkauft. Für das Produkt nimmt man etwas mehr als es in der Produktion kostet. Von der Differenz lebt man dann.

Im persönlichen Umfeld gibt es häufig Menschen, die von einer Existenzgründung abraten. Wie sind Sie damit umgegangen?
 
Es gibt immer Menschen, die einen runterziehen, den Kopf schütteln oder sagen: Das funktioniert doch eh nicht! Ich denke: Man muss nicht allen seine Geschäftsidee erzählen – auch wenn man vielleicht ein inneres Bedürfnis hat, über seine Pläne zu sprechen. So baut man nur unnötig Druck auf und die ständigen Nachfragen der Kritiker nerven tierisch. Ich habe zu Beginn nur mit den Menschen über meine Idee gesprochen, von denen ich ausgegangen bin, dass sie mich weiterbringen.

Karriere-Tipp:

Das E-Book "Studenten als Existenzgründer" schaut sich den Gründer-Nachwuchs aus Deutschland an: Auf welche Ideen kommen junge Gründer? Wie sollte man vorgehen, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen? Welche Stolpersteine gibt es – und wie umschifft man sie? Existenzgründerberater und Jungunternehmer geben praktische Tipps.





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