Interview mit Anna Fromme Als Beraterin zurück an die Uni

Seit knapp zwei Jahren arbeitet die Unternehmensberaterin Anna Fromme, 27, für die Boston Consulting Group (BCG). Eines ihrer Projekte brachte die Wirtschaftsingenieurin zurück an ihre alte Uni in Karlsruhe. Der Auftrag: die Fusion der Hochschule mit dem Forschungszentrum voranzutreiben.

Dorothee Fricke | , aktualisiert

Junge Karriere: Ihr eigener Studienabschluss ist noch gar nicht so lange her. Wie hat es sich angefühlt, jetzt als Beraterin wieder an die alte Universität zurückzukehren?
Anna Fromme: Ich habe mich sehr gefreut, dass ich in diesem Team mitarbeiten konnte. Wenn man dazu beitragen kann, die eigene Uni an die Spitze der deutschen Hochschullandschaft zu bringen, ist das ein tolles Gefühl. Dass ich die Hochschule kannte - mein Diplom in Wirtschaftsingenieurwesen ist ja erst zwei Jahre her -, hat mir den Zugang erleichtert. Man kennt die Strukturen und weiß, wen man ansprechen kann.

Uni und Forschungszentrum sind in Karlsruhe fusioniert. Was war Ihre Aufgabe dabei?
So ein Zusammenschluss wie der zwischen der Uni Karlsruhe und dem Forschungszentrum ist einzigartig in der deutschen Hochschullandschaft. Das ist natürlich ein gewaltiger Kraftakt. Die Aufgabe der Boston Consulting Group bestand vor allem im Projektmanagement. Wir haben 140 Mitarbeiter beider Einrichtungen dabei unterstützt, das Konzept für das neue Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, auszuarbeiten, und wir haben die Arbeitsprozesse gesteuert.

Die Bosten Consulting Group hat die Uni "pro bono" beraten, also ohne Honorar. Warum?
BCG hat viel Erfahrung mit Fusionen in der Wirtschaft. Unsere Geschäftsführer waren überzeugt, dass das KIT von dieser Erfahrung profitieren kann. BCG unterstützt immer wieder öffentliche Institutionen honorarfrei mit ihrem Know-how, zum Beispiel auch den Wiederaufbau des Schulsystems in New Orleans.

Aus Unternehmen hört man oft, dass die Belegschaft skeptisch reagiert, wenn eine Unternehmensberatung ins Haus geholt wird. Wie war das an der Uni?
Am Anfang gab es schon eine gewisse Skepsis, das ist klar. Manche Gesprächspartner waren unsicher, was wir an Wissen beisteuern könnten. Letztendlich waren jedoch alle froh über die Unterstützung. Viele haben sich sogar persönlich bedankt und gesagt: "Wie hätten wir das bloß ohne euch geschafft?"

Wobei konnten Sie konkret helfen?
Auf dem Weg zum KIT ging es nicht nur um Konzepte, sondern auch um Kommunikation, sowohl die externe als auch die interne. Deshalb war die Zusammenarbeit beider Kommunikationsabteilungen so wichtig. Wir haben gemeinsam an einem internen Kommunikationsplan gearbeitet und dafür gesorgt, dass es verschiedene Informationskanäle gibt, wie etwa einen Newsletter, der alle Beteiligten - Forscher, Mitarbeiter, Studenten - über die Fortschritte und nächsten Schritte informiert. Ähnlich wie bei der Fusion eines Unternehmens ist Transparenz enorm wichtig.

Worin liegen denn die Unterschiede zwischen einer Hochschule und einem Unternehmen?
Eine Hochschule ist viel dezentraler organisiert als ein Unternehmen. Die einzelnen Institute haben eine große Unabhängigkeit.

Gutes Stichwort: Haben sie dem KIT nicht erst einmal ein ordentliches Management verordnet?
Nein, man kann eine Forschungseinrichtung nicht von heute auf morgen in einen straff geführten Betrieb verwandeln. Das war aber auch nie das Ziel. Forschung funktioniert anders, Forscher brauchen Unabhängigkeit. Trotzdem muss der Aufbau einer so großen Institution professionell gesteuert werden, und hier haben wir Vorschläge gemacht.

Welche Schwierigkeiten gab es dabei?
Die Restriktionen, denen eine öffentliche Einrichtung unterliegt, sind immer noch ziemlich groß. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Vergütung: Weil die Gehälter gedeckelt sind, kann Karlsruhe nicht mit Institutionen wie der ETH Zürich und schon gar nicht mit amerikanischen Spitzeneinrichtungen mithalten. Wenn man internationale Top-Forscher anlocken will, ist das natürlich ein Standortnachteil. Ein anderes Beispiel ist, dass das KIT ja eine ganz neue Marke darstellt, die kommuniziert werden muss. Wenn ein Unternehmen wie RAG sich in Evonik umbenennt, fließt viel Geld in die Werbung. Da kann das KIT auch als geförderte Elite-Uni natürlich nicht mithalten.

Wie kann das KIT denn trotzdem eine starke Marke werden?
Mit einer guten Kommunikationsstrategie kann man natürlich einiges erreichen. Letztendlich wird die Marke KIT aber durch Qualität stark. Dadurch, dass im KIT Themen und Schwerpunkte wie in Zentren gebündelt sind, wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Wissenschaftler gestärkt. Das schafft beste Voraussetzungen für Spitzenforschung.

Was haben denn die Studenten davon, wenn das KIT als Forschungseinrichtung noch stärker wird?
Mit Sicherheit wird im KIT auch die Lehre internationaler. Es werden zum Beispiel viel mehr Professoren aus dem Ausland kommen. Zudem erhalten Studenten durch die direkte Anbindung an das Forschungszentrum frühzeitig Einblick in die Forschung.

Versetzen Sie sich noch einmal in die Lage einer Studentin: Was würden Sie ganz persönlich an der Uni Karlsruhe verbessern?
Eindeutig die Raumsituation. Es gibt eine große Nachfrage nach Räumen, in denen sich Studenten zum Lernen treffen können. Das wäre schon enorm wichtig.

Mauern einreißen

Wir wollen die Mauern zwischen Uni und außeruniversitärer Forschung einreißen: Mit dieser Ansage ging die Uni Karlsruhe beim Elite-Uni-Wettbewerb von Bund und Ländern an den Start. Der Zusammenschluss von Uni und Forschungszentrum zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) war der zentrale Punkt in der Bewerbung der Fridericiana. Mit diesem Zukunftskonzept konnte Karlsruhe bei der Exzellenz-Jury punkten: Schon in der ersten Auswahlrunde im Oktober 2006 bekam die Uni Karlsruhe den Elite-Status und erhält in den nächsten Jahren fast hundert Millionen Euro zusätzlich für die Spitzenforschung.
Die strategische Allianz mit dem Forschungszentrum soll Karlsruhe als Standort inter-nationaler Spitzenforschung zum Leuchten bringen. Zusammen bringen es beide Institutionen auf rund 8000 Mitarbeiter und ein Jahresbudget von mehr als einer halben Milliarde Euro. Mit diesem personellen und finanziellen Potenzial hofft man in Karlsruhe, zur Weltspitze der Wissenschaftseinrichtungen aufzuschließen.

Das Kürzel KIT - sprich Ka - I - Te - ist kein Zufall: Die Analogie zum MIT, dem renommierten "Massachusetts Institute of Technology", wurde bewusst gewählt. Auch Studenten und junge Forscher sollen vom Zusammenschluss der beiden Einrichtungen profitieren: Für den Forscher-Nachwuchs wird das "Karlsruhe House of Young Scientists" eingerichtet, in den "Young Investigator Groups" können Nachwuchsforscher eigene Projekte bearbeiten. Organisatorisch ist der Zusammenschluss, der mit Hilfe der Boston Consulting Group vorbereitet wurde, inzwischen abgeschlossen: Noch im Dezember wird der Fusionsvertrag unterzeichnet.

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