Interview: Gründer im Ausland Wie sich Unternehmer bei der Expansion verzetteln

Der Anwalt und Startup-Experte Konstantin Ewald erklärt, welche rechtlichen Fallstricke junge Unternehmer bei der Expansion ins Ausland beachten müssen.

Jens Tönnesmann | , aktualisiert


Foto: Michael Kvakin/Fotolia

Herr Ewald, nur wenige Gründer etablieren sich im Ausland. Warum?

Ewald: Heutzutage ist es leicht, Kunden im Ausland zu bedienen – vor allem für Internet-Startups, auf deren Plattformen von überall zugegriffen werden kann. Klar, dass manche Gründer ihre Produkte von Anfang an in mehreren Ländern anbieten. Aber wer zu früh internationalisiert, läuft Gefahr, sich zu verzetteln.

Das müssen Sie erklären.

Es kostet nicht nur Geld, seine Produkte in aller Welt anzubieten. Jeder Markt hat seine Eigenheiten: Kunden mit unterschiedlichen Vorlieben, Mitbewerber mit mehr Energie und nicht zuletzt ein Rechtssystem mit eigenen Tücken. Also lieber einen Gang zurückschalten, erst mal in Deutschland ein funktionierendes Angebot aufbauen und dann Schritt für Schritt expandieren – zunächst nach Österreich und in die Schweiz, wo das Rechtssystem dem deutschen ähnlich ist.

Gibt es innerhalb Europas denn noch nennenswerte rechtliche Hürden?

Es ist einfach wie nie, von Deutschland aus Geschäfte in ganz Europa zu machen. Risiken gibt es trotzdem: Wer beispielsweise von Deutschland aus Kunden in Europa bedient, unterliegt automatisch dem Verbraucherschutzrecht in deren Heimatländern. Ein Beispiel: In Deutschland kann man seine Online-Einkäufe zwei Wochen lang widerrufen – für Kunden aus anderen europäischen Ländern gelten ganz andere, sehr unterschiedliche Fristen.


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Wie lassen sich Konflikte vermeiden?

Anfangs sollten Gründer sehr kulant mit ihren Kunden im Ausland umgehen. Sobald sie einen Kundenstamm aufgebaut haben, sollten sie rechtliche und vor allem auch steuerliche Fragen mit Experten klären. Sonst fliegt ihnen das Geschäft womöglich um die Ohren, wenn es eine größere Dimension erreicht hat.

Welche Fallen gibt es noch?

Wer seine Kundendaten auf Rechner außerhalb Europas überträgt, weil dort die Kapazitäten günstiger sind, muss dafür häufig die Einwilligung seiner Kunden einholen. Das wird dann zum Problem, wenn man gar nicht weiß, wo genau diese Daten in der Rechnerwolke des Internets lagern. Die Datenschutzbehörden haben angekündigt, genauer hinzuschauen – das ist eine Gefahr für viele Unternehmen.

Gibt es Situationen, in denen Gründer im Ausland auf weniger Widerstand stoßen?

Vor allem beim Datenschutz. Wer sein Geschäftsmodell auf sozialen Netzwerken wie Facebook aufbaut, stößt in Deutschland schnell an Grenzen, die es so anderswo nicht gibt. Für deutsche Gründer ist das ein Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz im Ausland. Manche ziehen deswegen bewusst ins Silicon Valley.


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Zumal viele Gründer fürchten, dass ihre Idee dort kopiert wird, wenn sie selbst nicht zugegen sind.

Gründer verlieren aber auch Zeit und Geld, wenn sie zu früh Baustellen in mehreren Ländern aufmachen. Wer versucht mit mehreren Bällen zu jonglieren, die auch noch alle unterschiedlich schnell und hoch fliegen, dem fallen sie womöglich alle hin.

Hilft es, wenn Gründer sich Mitstreiter suchen, die mitjonglieren?

Das liegt nahe, wenn man gleich mehrere Auslandsmärkte erobern will. Trotzdem rate ich davon ab, die Expansion zu delegieren. Mindestens einer der Gründer sollte für eine Weile mitgehen – so wie es beispielsweise Heiko Hubertz vom Social-Games-Anbieter Bigpoint gemacht hat. Das konnte er erst, als das Geschäft im Heimatmarkt rund lief.

Mit Investoren fällt die Expansion leichter. Gibt es Risiken, wenn man sich mit Geldgebern aus dem Ausland einlässt?

Ich rate Gründern aus Deutschland dringend dazu, Verträge mit ausländischen Geldgebern nach deutschem Recht zu schließen. Es ist dann trotzdem möglich und sogar ratsam, die Beteiligungsverträge in englischer Sprache abzufassen. Das signalisiert Professionalität und hilft dabei, weitere internationale Investoren ins Boot zu holen.


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Setzt dieser Schritt eine Tochterfirma nach ausländischem Recht voraus?

Je mehr Umsatz ein Startup im Ausland erwirtschaftet, umso mehr Personal und Marketing braucht es vor Ort, und umso sinnvoller wird es, dort eine Tochterfirma zu gründen. Für den Anfang genügt es allerdings, vor Ort Netzwerke aufzubauen und Referenzkunden zu suchen. Da sollte man nichts überstürzen. Anders verhält es sich mit Markenrechten.

Inwiefern?

Jeder sollte früh klären, ob sein Unternehmensname in anderen Ländern belegt ist. Zum Glück wissen das die meisten Gründer: Sie googlen ihre Namen und reservieren sämtliche Internet-Adressen, bevor sie an den Start gehen.

Internet-Adressen kosten nur ein paar Euro. Aber wie kostspielig ist es, Markenrechte international zu sichern?

Wer eine Marke schützen lassen will, zahlt für die Eintragung beim Deutschen Patent- und Markenamt ein paar Hundert Euro. Und selbst wer einen europaweiten Schutz will, kommt in der Regel mit unter 2000 Euro davon. Wichtig ist allerdings, bei der Anmeldung aus mehr als 40 Warenklassen die richtige zu wählen – sonst war die Anmeldung umsonst.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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