Interview Dresscode für den Büro-Sommer

Bei 30 Grad und mehr wird die Arbeit im heißen Büro zur Qual. Da kann man auf Krawatte und den dunklen Anzug doch gerne mal verzichten, oder? Carolin Lüdemann ist Business-Coach und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. Sie erklärt, worauf Sie bei der Kleiderwahl im Sommer achten müssen.

Martin Maibücher | , aktualisiert

Frau Lüdemann, gilt der Dresscode im Job auch bei Temperaturen über 30 Grad?
Ja. Der Dresscode ändert sich nicht. Es sei denn, das Unternehmen hat einen anderen Dresscode für den Sommer herausgegeben. Banken erlauben manchmal, dass im Sommer ein kurzärmliges Hemd getragen werden darf. Solche Ausnahmen für warmes Wetter sind aber eher rückläufig. Die Unternehmen haben die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter den Kleidungsstil dann zu locker handhaben. Für manchen Kollegen fängt der Sommer nämlich schon an den ersten warmen Tagen im April an.

Was sind klassische Dresscode-Sünden?
Eine Regel gilt immer: Kurze Hosen sind nicht erlaubt. Wenn die Krawatte im Unternehmen Vorschrift ist, fällt auch das Kurzarm-Hemd weg. Zur Krawatte gehört einfach ein langärmliges Hemd, das man aber – wenn zu heiß wird – hochkrempeln darf. Für Frauen gilt: Ganz egal, wie warm es draußen ist, sobald sie Bein zeigen, müssen sie auch immer Feinstrümpfe tragen. Die Oberteile müssen immer die Schultern bedecken und einen Ärmelansatz haben. Die berühmten Spaghetti-Träger dürfen es dann nicht gerade sein. Auch Sonnenbrillen haben im beruflichen Kontext nichts zu suchen. Auch wenn man sie locker ins Haar steckt, vermitteln Sonnbrillen doch eher Freizeitcharakter als Seriosität. Zudem wecken sie den Eindruck, dass man etwas zu verbergen hat.

Wie viel nackte Haut darf sein?
Die Kleidung darf nicht zu kurz oder zu knapp ausfallen. Wenn Frauen einen Rock tragen, muss er eine Handbreit über dem Knie enden, in konservativen Branchen sagt man sogar knieumspielend.

Und das Schuhwerk?
Offene Schuhe gehen auf gar keinen Fall, weder bei den Herren noch bei den Damen. Männer müssen geschlossene Schuhe tragen, also nichts, was in irgendeiner Weise an Sandalen erinnern könnte. Bei den Damen müssen die Schuhe um die Zehen herum ebenfalls immer geschlossen sein, nur an der Ferse dürfen sie offen sein. Flip-Flops sind daher ein No-Go.

Was ist, wenn der Chef luftige Kleidung erlaubt – dürfen Tattoos und Körperschmuck gezeigt werden?
Nein, das geht nicht. Ich sage immer, dass man die Regeln für sich selbst und nicht für jemand anderen befolgt. Wer dagegen verstößt, der tut das auf eigene Gefahr. Wenn jemand also Tattoos oder Köperschmuck zur Schau stellt, dann ist er sehr risikofreudig.

In manchen Unternehmen sieht man das aber lockerer.
Es muss immer darauf geachtet werden, in welcher Branche, in welchem Unternehmen und in welcher Position jemand arbeitet. Daraus leitet sich ab, wie hoch die Anforderungen an den Dresscode sind. Wer in der IT-Branche oder in einer Werbeagentur arbeitet, für den gilt ein anderer Dresscode als für Mitarbeiter in einer Bank oder einem Dax-Konzern. Zudem darf man sich dort, wo es keinen Kundenkontakt gibt, etwas legerer kleiden.

Wer aber Kundenkontakt hat … 
… der muss sich korrekt kleiden. Pauschal kann man sagen: Je häufiger ein Arbeitnehmer sein Unternehmen nach außen hin repräsentiert, desto höher sind die Anforderungen an sein Auftreten und an seine Kleidung. Wer viel Kundenkontakt hat, darf sich keine Besonderheiten erlauben. Dazu gilt, je höher die Position, desto dunkler die Kleidung. Da darf man also auch im Sommer nicht den hell-beigen Anzug aus dem Schrank holen.

Wen kann man fragen, wenn man sich bei der Kleiderwahl unsicher ist?
Es ist schon in Ordnung, den Vorgesetzten zu fragen, gerade wenn man neu in einem Unternehmen ist. Wer danach fragt, demonstriert kein Unwissen, sondern zeigt, dass ihm bewusst ist, dass die Kleidung ein relevanter Faktor ist und dass er die Spielregeln befolgen möchte. Die Kleidung des Chefs zeigt in der Regel, welche Erwartungen er an die Kleidung seiner Mitarbeiter hat.

Und was ist, wenn ich total unpassend gekleidet im Büro erscheine? 
Ich habe schon das eine oder andere Mal gehört, dass Arbeitgeber zu ihren Arbeitnehmern sagen: „So geht’s nicht. Gehen Sie bitte nach Hause und ziehen Sie sich um!“ Das ist natürlich äußerst unangenehm. Dazu kommen die mittelbaren negativen Konsequenzen. Wenn es zum Beispiel darum geht, wer auf der Karriereleiter nach oben klettert, werden die Vorgesetzten auf den ersten Blick sagen, der wird es wohl nicht sein, weil er sich durch sein Äußeres einfach nie dafür angeboten hat. Letzten Endes schadet man sich durch unpassende Kleidung am meisten selbst.

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