Interview "Das Gründerklima hat sich verbessert"

Prof. Dr. Jürgen Schmude, Lehrstuhlinhaber für Gründungsforschung an der Uni Regensburg, fordert mehr Unternehmergeist an deutschen Unis. Seine Studie zeigt: Nach oben ist noch Luft. Junge Karriere hat ihn dazu interviewt.

Astrid Dörner | , aktualisiert

Junge Karriere: Herr Schmude, Sie sind Autor der Studie "Vom Studenten zum Unternehmer - Welche Universität bietet die besten Chancen?" Was ist Ihr Fazit?
Jürgen Schmude:
Das Gründerklima an deutschen Hochschulen hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. Aber einige Unis ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus. Es gibt zum Beispiel kaum Hochschulen, die in allen Bereichen spitze sind. Einige haben noch deutliche Schwächen.

Von den 65 untersuchten Hochschulen hat die Universität Wuppertal am besten abgeschnitten. Warum?
Die Wuppertaler haben ihr Angebot auf drei Säulen gestützt. Es gibt Lehrstühle, ein Forschungsinstitut und einen Gründerservice, der bei allen praktischen Fragen hilft. Positiv ist auch, dass sich das Angebot nicht nur an Wirtschaftswissenschaftler richtet, sondern auch Natur- und Geisteswissenschaftler zum Gründen animiert. Klassischerweise zögern Studenten dieser Fachrichtungen eher beim Schritt in die Selbstständigkeit.

Woran liegt es, dass renommierte Unis wie Mannheim oder Bonn vergleichsweise schlecht abschneiden?
Bonn ist Schlusslicht in unserer Tabelle. In Mannheim wird in diesem Wintersemester erst ein Gründungslehrstuhl eingerichtet. Leider hängt vieles an Einzelpersonen, denn das Thema Gründung ist ein Bottom-up-Prozess. Das kann nicht von oben herab diktiert werden. Leider fehlt vielen Professoren noch das Bewusstsein dafür, ihre Studenten auf die unternehmerische Selbstständigkeit vorzubereiten.

Warum ist das so wichtig?
Wir sind auf Innovationen angewiesen. Hochschulen müssen also daran interessiert sein, gute Ideen ihrer Studenten marktfähig zu machen. Es geht aber nicht nur darum, Gründer zu produzieren. Auch Konzerne wie die Deutsche Bank achten beim Rekrutieren darauf, dass Bewerber eine gesunde Mischung aus Angestelltenmentalität und Unternehmergeist haben.

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