Interim-Management "Unternehmen rufen erst, wenn es brennt"

Rüdiger Kabst ist Professor für Personalwesen an der Universität Gießen. Er forscht zum Thema Interim-Management. Im Interview mit Handelsblatt-Redakteurin Claudia Obmann spricht er über die Branche, ihr Image und Zukunftstrends.

Claudia Obmann | , aktualisiert

In Deutschland ist das Interim-Management bei weitem nicht so verbreitet wie in Skandinavien, den Niederlanden oder Großbritannien. Woran liegt das?
Es gab ein Image-Problem. Chefs auf Zeit führten ein Schattendasein bis es im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung einen sprunghaften Anstieg des Bedarfs an Management-Kapazitäten gab. Vor allem die Treuhandgesellschaft rekrutierte damals kurzerhand festangestellte Führungskräfte aus der westdeutschen Industrie, um die volkseigenen Betriebe abzuwickeln. Rückblickend mit zweifelhaftem Erfolg.

Hinterlassen Interim-Manager heute noch Scherbenhaufen?
Inzwischen ist die Branche sehr viel professioneller aufgestellt als damals. Der Bedarf an qualifizierten Kräften wächst, aber auch die Anforderungen an die Manager auf Zeit steigen.

Warum?
Weil die Unternehmen den Problemlöser meist erst rufen, wenn es schon brennt. Dann aber muss es der Beste mit der größten Expertise und Erfahrung sein. Daraus resultiert ein Trend zur Überqualifikation von Interim-Managern.

Zeigt sich das beim Honorar?
Ja, das steigt natürlich. Und um das Honorar wird selten gefeilscht.

Wie viel verdient denn ein Interim-Manager derzeit pro Tag?
Bei einem Einsatz auf der ersten oder zweiten Führungsebene liegt der Durchschnitt bei rund 1500 Euro plus Spesen.

Da würden doch sicher gern auch klassische Unternehmensberater zum Zuge kommen ...
Ja schon, aber ihnen fehlt die Umsetzungserfahrung.

Wie wird sich die Branche der Interim-Manager weiterentwickeln?
Kurzfristig betrachtet, steigt nicht nur die Zahl der Wiederholungsmandate, sondern auch die der Neukunden. In etwa zehn Jahren wird man deutschen Unternehmern nicht mehr erklären müssen, was Interim-Manager machen. Dann wird es selbstverständlich sein, sie einzusetzen.

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