Intelligenzsteigerung Werden Menschen immer klüger?

In Intelligenztests zeigen heutige Probanden bessere Ergebnisse als diejenigen vor einigen Jahrzehnten. Das hat vermutlich weniger mit den Gehirnen als vielmehr mit den Tests zu tun.

von Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert

Werden Menschen immer klüger?

Foto: milanmarkovic78/Fotolia.com

Dass die Menschheit den vergangenen 60 Jahren generell klüger geworden ist, wird wohl niemand ernsthaft eindeutig behaupten wollen. Aber unterm Strich, so wollen Peera Wongupparaj, Veena Kumari und Robin Morris vom Kings College London jetzt herausgefunden haben, zeigen die Untersuchungen der menschlichen Intelligenz seit 1950 eine Zunahme des durchschnittlichen Intelligenzquotienten bei jüngeren Generationen gegenüber ihren Eltern und Großeltern.

Verbesserung um IQ-20 Punkte

Die drei Forscher werteten in ihrer Meta-Studie für die Fachzeitschrift "Intelligence" 405 frühere Studien aus. Zusammengenommen betrafen diese Untersuchungen mehr als 200.000 Menschen aus 48 Ländern über einen Zeitraum von 64 Jahren.

Sie konzentrierten sich dabei auf einen bestimmten Teil des IQ-Tests, die so genannten "Raven's Progressive Matrices". Demnach verbesserten sich die Ergebnisse seit 1950 um das Äquivalent von 20 IQ-Punkten.

Dieser Anstieg verlief allerdings nicht in allen Ländern gleichmäßig. In Entwicklungsländern waren die durchschnittlichen IQ-Leistungen in den 1950er und 60er Jahren deutlich schwächer als die in der westlichen Welt. Mittlerweile erreichen sie fast deren Niveau. Die größten Zunahmen waren in Indien und China zu verzeichnen, aber auch in den USA, während der IQ in Großbritannien den Autoren zufolge leicht zurückging.

Mögliche Erklärung

Mit physiologischen Veränderungen in den Gehirnen ist der IQ-Anstieg in so kurzer Zeit über allenfalls drei Generationen natürlich nicht zu erklären. Sondern möglicherweise mit veränderten kulturellen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf das Verhalten von Menschen in den betreffenden Test-Situationen.

Neben der allgemeinen Zunahme der Dauer des Schulbesuchs der meisten Kinder in allen Ländern, die möglicherweise die Fähigkeiten zur Lösung von Aufgaben gestärkt haben dürfte, erklären Psychologen die besseren Ergebnisse auch noch durch einen speziellen Effekt: Je länger junge Menschen Schüler sind, desto besser stellen sie sich auf die besondere Situation einer Prüfung ein. Sie kommen zum Beispiel einfach besser mit dem psychischen Druck klar, den Tests – auch freiwillige – erzeugen. Von "Test-Weisheit" spricht deswegen der Psychologe Arthur Jensen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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