Innovationspotenzial Flache Hierarchien für mehr Ideenreichtum

Mitarbeiter, die selbst organisiert arbeiten, sind glücklicher, sagen Motivationsforscher. Für Unternehmen haben flache Hierarchien auch einen wirtschaftlichen Nutzen: Sie sparen Personalkosten und werden innovativer.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Flache Hierarchien für mehr Ideenreichtum

Ideenreichtum 2

Foto: faithie / Fotolia.com

"Innovation wird im Mittelstand oft falsch verstanden", sagt einer, der es wissen muss. "Da geht es um Evolution statt Revolution, nämlich: wie machen wir unser ohnehin tolles Produkt noch besser?", so Stephan Wegerer, der die Abteilung Innovationsmanagement bei der adidas group veranwortete und nun Partner bei der auf Familienunternehmen spezialisierten Beratung Weissman & Cie. ist. Dort berät er familiengeführte klein- und mittelständische Unternehmen bis hin zu weltweit tätigen Konzernen, wie uvex oder Fackelmann.

Er sagt: "Unternehmen müssen sich klar machen, dass ihr Kunde nicht der Händler ist, sondern der, der bei dem Händler einkaufen geht."

Das wüssten die Unternehmen natürlich selbst – allerdings nur in der Theorie. Bei der Umsetzung hapere es dann, so seine Erfahrung. "Angekommen in dem Sinne, dass sich etwas verändern muss, ist das Thema überall. Aber es geht ja nicht nur darum, auch irgendetwas mit Social Media zu machen oder einen Online-Shop anzubieten, sondern das Geschäftsmodell zu hinterfragen, einzureißen und neu aufzubauen. Und was das bedeutet, ist überhaupt nicht angekommen."

Flache Hierarchien bringen Ideen und Innovationen hervor 

Wie Studien zeigen, liegt es häufig auch an der Struktur der Unternehmen, dass sie sich mit Innovationen so schwer tun. So zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Kienbaum zusammen mit der Jobbörse StepStone, dass Unternehmen mit flachen Hierarchien innovativer sind: 61 Prozent der Firmen, die mit wenigen Hierarchiestufen auskommen, bringen aus Sicht ihrer Mitarbeiter besonders gut neue Ideen hervor. Im Gegensatz dazu wird nur ein Drittel der Unternehmen, die stark hierarchisch organisiert sind, von seinen Mitarbeitern als besonders innovativ eingeschätzt.

14.000 Fach- und Führungskräfte wurden für die Studie befragt. Von denen sagen 74 Prozent der Fachkräfte und 68 Prozent der Führungskräfte, dass sie in (stark) hierarchischen Unternehmen arbeiten. Und 18 Prozent der befragten Fachkräfte haben das Gefühl, die Führung ihres Unternehmens begrüße es nicht, wenn Mitarbeiter Ideen und Verbesserungsvorschlägen einbringen.

"Die deutsche Wirtschaft verschenkt noch viel zu viel Innovationspotenzial. Anstatt jedoch zu fordern, jede Firma egal welcher Größe solle einfach seine Hierarchiestufen zusammenstreichen, sind neue Antworten gefragt, wie auch in großen Unternehmen mit vielen Leitungsebenen Verantwortung delegiert und der Mitarbeiter an Entscheidungen des Managements beteiligt werden kann", sagt Walter Jochmann, Geschäftsführer bei Kienbaum. Außerdem zeigt die Studie, dass Unternehmen, in denen die Hierarchien flach sind, erfolgreicher wirtschaften.

Doch nicht nur die steilen Hierarchien stehen einer lebendigen Innovationskultur in den Firmen im Wege. Auch das Verhalten der Unternehmensführung spiele eine Rolle: Die Arbeitszufriedenheit und damit auch Motivation und Innovationskraft der Mitarbeiter variiere mit dem Führungssystem. Demnach sind Befragte, die in einem hierarchisch aufgebauten Unternehmen arbeiten, deutlich unzufriedener, als die, die flexibel arbeiten können.

Schlechtes Zeugnis für Chefs und deren Führungsstil

"Mitarbeiter und Teams, die vorrangig durch die Unternehmensgeschäftsführung geführt werden, können sehr selbstbestimmt und eigenverantwortlich arbeiten – das steigert die Motivation, sich stark für das Unternehmen zu engagieren und kreativ zu sein", sagt StepStone-Geschäftsführer Dettmers.

Allerdings ist dieser Führungsstil noch lange nicht in jedem Unternehmen angekommen. Deshalb stellen die Fachkräfte ihren Chefs auch ein schlechtes Zeugnis aus: Zwei Drittel der in der Studie befragten Fachkräfte halten ihre Führungskraft nicht für fit für die Herausforderungen der Zukunft.

Im Gegensatz dazu schätzen die Führungskräfte ihre Leistung wesentlich besser ein: Sie sind tendenziell davon überzeugt, dass sie eine Zukunftsvision verfolgen, die ihre Mitarbeiter anspornt, und dass ihre Mitarbeiter sie als Symbol für Erfolg und Leistung sehen. "Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Selbstverständnis der Führungskräfte und der von den Mitarbeitern erlebten Realität von Führung im Arbeitsalltag. Das eröffnet Potenziale für die zukünftige Gestaltung und Entwicklung von Arbeitsinhalten und -abläufen in den Unternehmen", sagt Kienbaum-Geschäftsführer Walter Jochmann.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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