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Wirtschaftsingenieur: Einstiegsjob & Karriere in vielen Bereichen

Ingenieurswesen Wirtschaftsingenieure sind die neuen Job-Allrounder

Wirtschaftsingenieure sind doppelt begabt: Sie verstehen die Technik und die Zahlen, entwickeln Innovationen und steuern den Einkauf. Nach dem Studium steht ihnen fast jede Branche offen.

Kirstin von Elm | , aktualisiert

Im Einkauf liegt der Gewinn - das weiß nicht nur der gute Kaufmann, sondern auch so mancher Ingenieur. Zum Beispiel BMW-Chef Norbert Reithofer: Insgesamt vier Milliarden Euro Material- und Beschaffungskosten will Reithofer, der an der TU München Fertigungstechnik und Betriebswissenschaft studiert hat, bis 2012 einsparen. Der Einkauf - andernorts oft noch als öde Bestellabwicklung verschrien - ist bei BMW Chefsache: Jüngst schuf Reithofer dafür sogar ein eigenes Vorstandsressort. Der neue Chef-Einkäufer Herbert Diess leitete zuvor die Motorradsparte des bayerischen Fahrzeugherstellers, die er auf Effizienz trimmte.

Mit dem neuen BMW-Einkaufsvorstand hat Diplom-Wirtschaftsingenieur Stefan Stark zwar noch nicht persönlich zu tun gehabt. Dass der 28-jährige Facheinkäufer seine Lieferantenauswahl jedoch ranghohen Managern, zum Beispiel den jeweiligen Baureihenleitern vorstellt, ist üblich. "Ich war überrascht, wie schnell ich hier als Berufseinsteiger Verantwortung übernehmen durfte", sagt Stark. Seit November 2007 arbeitet er bei BMW in München.

Schon wenige Monate nach seinem Jobstart ging er das erste Mal auf Shoppingtour - quer durch Osteuropa und nur noch begleitet von einem Frischling aus der Entwicklungsabteilung. Zusammen klapperten die beiden Nachwuchskräfte eine Woche lang potenzielle Lieferanten für elektronische Bordnetzkomponenten wie Stromverteiler, Kondensatoren und Sicherungen ab. "Ich vergleiche nicht nur die Preise und schreibe Bestellungen, sondern ich muss auch die reibungslose Versorgung unserer Werke sicherstellen", erklärt Stefan Stark.

Wirtschaftsingenieure haben weit gefächerte Kenntnisse

Reichlich viel verlangt von solchen Frischlingen? Ein reiner Diplom-Kaufmann wäre vermutlich überfordert - der junge Wirtschaftsingenieur Stark kann dagegen auf sein Doppelstudium mit Schwerpunkt Maschinenbau an der FH Ingolstadt zählen. Außerdem hat er zuvor bereits eine Ausbildung zum Elektroniker bei Audi in Ingolstadt absolviert und sich danach zwei Jahre lang berufsbegleitend zum Elektrotechniker weitergebildet. Als Student verhalf ihm 2006 ein Praktikum bei BMW zur Aufnahme in das Förderprogramm "Fastlane". Aus diesem Talent-Pool herausragender Praktikanten und Werkstudenten rekrutiert BMW viele seiner Fach- und Führungskräfte.

Wie eine Autofabrik tickt und eine Kalkulation erstellt wird, weiß Stefan Stark also ganz genau. Darüber hinaus hat er aber auch das technische Rüstzeug, um unterschiedliche Fragen zu klären: Kann der Zulieferer pünktlich in der geforderten Menge und Qualität liefern? Wie flexibel kann der Produzent auf Extrawünsche reagieren? Wie tragfähig ist der Plan B, falls dem Zulieferer einer seiner eigenen Lieferanten ausfällt? Welche Folgen hätte eine Produktionsverlagerung zugelieferter Bauteile ans andere Ende der Welt?

Auf Basis von Starks Empfehlungen werden langfristige Verträge, teilweise im dreistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Kommt es während der Serienproduktion bei einem seiner Zulieferer zu Qualitäts- oder Lieferproblemen, weil plötzlich ein Stecker nicht mehr passt, eine Schiffsladung versinkt oder der Laden gar Pleite geht, muss der Facheinkäufer möglichst schnell eine wirtschaftlich und technisch akzeptable Lösung finden.

Dazu braucht er einen guten Marktüberblick. "Mir gefällt, dass ich mich nicht nur in der BMW-Welt bewege, sondern einen intensiven Einblick in die Zuliefer-Unternehmen bekomme", sagt Stark. Aber nicht nur mit seinen Ingenieurkollegen im Werk und bei den Lieferanten, sondern auch mit den Zahlenprofis im Controlling diskutiert der Wirtschaftsingenieur auf Augenhöhe. Gemeinsam mit dem zuständigen Controller leitet er zum Beispiel aus den technischen Produktanforderungen die Herstellkosten ab und kalkuliert Ertragsziele. An diesen Zahlen muss er sich auch selbst messen lassen.

Grenzgänger wie Stefan Stark, die sich sicher zwischen kaufmännischer und technischer Unternehmenswelt bewegen, sind selbst in Krisenzeiten gefragt. "Die zweifache Qualifikation ist einer der Gründe, dass Wirtschaftsingenieuren fast alle Branchen und Wirtschaftsbereiche offen stehen", sagt Tim Böger. Er ist Chef der Hamburger Beratung Personalmarkt. Besonders in den Bereichen Einkauf, Logistik und Vertrieb sind Wirtschaftsingenieure für viele Unternehmen erste Wahl. Fast jedes zweite Stellenangebot fiel laut Adecco Stellenindex 2008 in einen dieser Bereiche (siehe Grafik).

Branchenübergreifende Jobchancen

Insgesamt wollten deutsche Unternehmen im letzten Jahr 3700 Wirtschaftsingenieure neu einstellen (siehe Grafik Seite 4). Das ist zwar etwas weniger als im Vorjahr, doch neben der Industrie haben vor allem Beratungsgesellschaften, Energiekonzerne und Ingenieurdienstleister nach wie vor viele Positionen zu besetzen. Unternehmen wie Brunel, Ferchau oder Yacht Teccon haben ihre Einstellungsziele trotz Finanzkrise kaum heruntergefahren. Zur Hannover Messe reisen sie 2009 mit Hunderten von offenen Stellen im Gepäck an. Vom 20. bis 24. April werden die Recruiting-Teams auf dem Job & Career Market in Halle 6 wieder zahlreiche Gespräche führen.

Neben guten Studienleistungen und einschlägigen Praktika achten Personalmanager in international ausgerichteten Konzernen bei potenziellen Neuzugängen inzwischen verstärkt auf erste Auslandserfahrung. Nützliche Kontakte und konkrete Hilfestellung beim Organisieren von Auslandsaufenthalten und Praktika erhalten angehende Wirtschaftsingenieure zum Beispiel über das internationale Studenten-Netzwerk Estiem (European Students of Industrial Engineering and Management, www.estiem.org). Die Organisation unterhält Büros an 62 Universitäten in 25 europäischen Ländern. Jedes Jahr organisiert Estiem den europaweiten Fallstudienwettbewerb "Times", an dem deutsche Teams regelmäßig teilnehmen.

Nur mit Hilfe der deutschen Arbeitsämter könnten die Unternehmen ihren Bedarf jedenfalls nicht decken. Dort sind die Wirtschaftsprofis eine Minderheit. Nicht einmal jeder zehnte arbeitslos gemeldete Ingenieur hat dieses Fach studiert. Gegenüber 2005 ist die Zahl der arbeitslosen Wirtschaftsingenieure von knapp 4000 auf unter 2000 zurückgegangen und selbst in den letzten zwölf Monaten nur moderat gestiegen.

Zahl der Studienanfänger steigt

Die guten Jobaussichten locken immer mehr Erstsemester in das anspruchsvolle Doppelstudium: Knapp 15000 Studienanfänger schrieben sich im Wintersemester 2007/2008 für Wirtschaftsingenieurwesen ein. Das waren rund 4000 mehr als noch im Herbst 2003. Parallel dazu stieg auch die Zahl der Absolventen um über 60 Prozent auf 7640 im Prüfungsjahr 2007.

Nicht nur bei der Jobsuche, sondern auch bei Verdienst und Aufstiegschancen zahlt sich die Kombination betriebswirtschaftlicher und technischer Kenntnisse für junge Wirtschaftsingenieure aus. "Die Gehälter sind schon beim Berufseinstieg leicht überdurchschnittlich", sagt Vergütungsprofi Tim Böger von Personalmarkt.

Das bestätigt auch eine aktuelle Gehaltsstudie des VDI Verlags. Derzufolge verdienen Wirtschaftsingenieure im Mittel beim Start ins Berufsleben 39500 Euro. Das sind rund 500 Euro mehr als der Durchschnitt aller Jobstarter mit Ingenieurtitel.

Dass die Kombination aus Wirtschaft und Technik zudem den Aufstieg in eine gut dotierte Managementposition mit Personal- und Budgetverantwortung erleichtert, kann Christian Schuchardt bestätigen: "Viele Wirtschaftsingenieure erreichen aufgrund ihrer fundierten interdisziplinären Ausbildung eine Position in der Unternehmensleitung", sagt der Professor der Hochschule Bremen und Präsident des Verbandes Deutscher Wirtschaftsingenieure (VWI). Für seine Berufsbilduntersuchung befragt der VWI in regelmäßigen Abständen Personalentscheider und Absolventen zu Einstiegs- und Karriereperspektiven von Wirtschaftsingenieuren in Deutschland.

Automobilkonzerne zahlen am besten

Wer wie Stefan Stark einen der immer noch begehrten "Autojobs" ergattert, hat beim Gehalt die Nase weit vorn. Automobilkonzerne, Luftfahrtindustrie und Energieversorger, aber auch Entsorgungsfirmen und Beratungsunternehmen gehören zu den Branchen, die traditionell am besten zahlen. Ingenieurbüros und Softwareschmieden dagegen entlohnen selbst die vielseitigen Wirtschaftsingenieure eher unterdurchschnittlich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich hier viele kleinere Unternehmen tummeln, die mit den üppigen Löhnen von BMW, EADS oder Eon nicht mithalten können.

Ob ein Unternehmen weniger als 100 oder mehr als 1000 Mitarbeiter hat, macht für einen Wirtschaftsingenieur laut Personalmarkt vom Start weg jährlich mehr als 8000 Euro Unterschied auf dem Gehaltszettel aus (siehe Grafik Seite 4).

Dafür sind in mittelständischen Unternehmen die Entscheidungswege meist kürzer und die Hierarchien flacher als bei den Multis. Eigene Ideen und Projekte lassen sich hier in der Regel schnell und unbürokratisch umsetzen. Mit der Unternehmensgröße steigt zudem der Spezialisierungsgrad. Stefan Stark ist zum Beispiel nur für den Einkauf ganz weniger Komponenten eines Autos zuständig.

Größere Wissensbasis im Mittelstand zu erwerben

Im Mittelstand erwerben Einsteiger dagegen schnell eine breitere Wissensbasis. "Man bekommt viel rascher einen Einblick, wie ein Unternehmen funktioniert, und man wird motiviert, auch mal einen Blick über den Tellerrand zu werfen", sagt zum Beispiel Thomas Müllerschön. Der Vorstand der Ulmer Uzin Utz, einem mittelständischen Spezialisten für Bodenbeläge, beschäftigt rund 720 Mitarbeiter. Bei einem Familienunternehmen wie diesem erführen Mitarbeiter eine ganz andere Wertschätzung als in Großkonzernen, die ständig auf die Quartalszahlen schielen, sagt der Vertriebs- und Finanzchef. Den Beweis für seine These liefert der 40-jährige Diplom-Wirtschaftsingenieur, der auch das Personalressort verantwortet, gleich selbst: 2002 stieg er zum Finanzvorstand auf und wurde so eines der jüngsten Vorstandsmitglieder einer börsennotierten Aktiengesellschaft in Deutschland. Das von ihm entwickelte Risikomanagement für den Bodenbelag-Produzenten zeichnete die Unternehmensberatung Deloitte soeben mit einem Preis für nachhaltige Wertschöpfung aus.

Müllerschön ist überzeugt, dass die Doppelqualifikation Wirtschaft plus Technik als Karriereturbo wirkt: "Dadurch lassen sich Projekte und Themen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und bewerten. Das Ergebnis ist eine größere Entscheidungskompetenz", sagt er.

Diese besondere Entscheidungskompetenz der Wirtschaftsingenieure ist überall dort gefragt, wo komplexe technische Zusammenhänge in Kosten und Erträge übersetzt werden müssen, zum Beispiel bei der Frage, welche Forschungs- und Entwicklungsprojekte wirtschaftlichen Erfolg versprechen und welche man besser ersatzlos streicht. Auch in der Krise müssen die Unternehmen schließlich weiter an den Innovationen von morgen arbeiten, aber niemand kann es sich leisten, die knappen Mittel mit der Gießkanne zu verteilen.

Noch immer eine männliche Domäne

Wie man Top- und Flop-Projekte unterscheiden kann, hat Katrin Gesthüsen deshalb schon in ihrer Diplomarbeit untersucht, die sie bei Siemens im Innovationsmanagement schrieb. "Ich habe auch ein Praktikum in der Wirtschaftsprüfung gemacht und dort Patente und Erfindungen bewertet. Aber das war mir noch nicht technisch genug", sagt sie. Eine Ansicht, die nach wie vor nicht allzu viele Mädchen teilen: Vier von fünf angehenden Wirtschaftsingenieuren sind männlich.

Das können auch spezielle Frauen-Studiengänge wie sie die FH-Wilhelmshaven anbietet, nur langsam ändern. Angehende Wirtschaftsingenieurinnen studieren in der Küstenstadt die ersten drei Semester unter sich, um etwaige Hemmungen und Berührungsängste gegenüber technischen Fragestellungen abzubauen. Danach geht es in gemischten Vorlesungen weiter. "Das Gegenargument, unsere Studentinnen lernten nicht, sich in einer Männerwelt zu behaupten, lässt sich so leichter entkräften", sagt Professorin Ulrike Schleier, die Leiterin des Studiengangs. Ihre Absolventinnen arbeiten heute bei Airbus, Audi, Eon, Ruhrgas, MAN, Siemens und der Meyer Werft.

Katrin Gesthüsen hatte jedenfalls schon in der Schule ein Faible für Technik. Heute arbeitet die 27-jährige Wirtschaftsingenieurin bei der Frankfurter Unternehmensberatung Altran und unterstützt Technologiekonzerne bei kritischen Entscheidungen rund um deren Innovationen.

Wirtschaft und Technik werden verknüpft

Auch Florian Ranft befasst sich mit den Marktchancen innovativer Technologien. Seine Promotion am Lehrstuhl für Kunststofftechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ist eingebettet in ein branchen- und firmenübergreifendes Forschungsprogramm. Dabei geht es um die Entwicklung neuer High-Tech-Materialien. "Ich finde es spannend, wissenschaftliches Arbeiten mit wirtschaftlichen Interessen zu verknüpfen", sagt der 31-jährige Diplom-Wirtschaftsingenieur. Bei seinem aus Bundesmitteln geförderten Großprojekt stimmen aus seiner Sicht auch die Rahmenbedingungen für eine Promotion: "Die Lernkurve ist steil, gleich vom ersten Tag an ging es hier zur Sache", sagt Ranft. Die Ziele seien klar formuliert und der Draht zu wichtigen Ansprechpartnern kurz - für Doktoranden keine Selbstverständlichkeit.

Promovierende Wirtschaftsingenieure wie Florian Ranft sind allerdings eine seltene Spezies. Den meisten genügt das umfangreiche Studium, das jeweils rund 70 bis 80 Prozent der Inhalte aus der klassischen Wirtschafts- und Ingenieurausbildung abdeckt. Mit dem Master oder Diplom in der Tasche fühlt sich die Mehrheit der Uni-Abgänger fit für den direkten Einstieg in den Job, nur 14 Prozent absolvieren laut VWI Berufsbilduntersuchung noch ein Traineeprogramm (siehe Grafik Seite 2).

Promotion hat Seltenheitswert

Für eine Promotion entscheidet sich nicht einmal jeder hundertste Absolvent. Zu den wenigen Ausnahmen zählt Heiko von der Gracht: Der 30-Jährige bräuchte eigentlich eine XL-Visitenkarte - nicht nur wegen der belgischen Urahnen mit dem klangvollen Namen, sondern auch für seine vielen Titel und Abschlüsse.

Den europäischen Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen und Logistik-Management mit Vorlesungen an der Hochschule Niederrhein (Mönchengladbach/Krefeld) und an der Fontys Hogschol im niederländischen Venlo schloss er 2003 mit zwei Diplomen und Auszeichnung ab. Seine praxisorientierte Diplomarbeit schrieb er am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund, wo gerade ein neues Tiefkühllager für den Handelskonzern Rewe geplant wurde. Darin befasste er sich mit den speziellen Herausforderungen beim Kommissionieren von Fischstäbchen, Pizza und Eistorte unter arktischen Temperaturen und beschloss, anschließend noch zu promovieren.

Weil er als FH-Absolvent 2003 nicht ohne zusätzliche Vorlesungen zur Promotion an seiner Wunsch-Universität in Dortmund zugelassen worden wäre, sattelte von der Gracht aufs Doppeldiplom in zwei Semestern noch einen Master in International Logistics an der Universität Plymouth drauf. Als einer der Jahrgangsbesten hätte er anschließend zwar in Dortmund loslegen können, doch nach seiner Rückkehr aus England entschied er sich stattdessen lieber für eine Promotion an der European Business School EBS in Oestrich-Winkel.

Auch duale Studien sind möglich

Anfang 2005 war dort ein neuer Lehrstuhl für Einkauf, Logistik und Supply Chain Management im Aufbau begriffen, der zu seinem Studienprofil passte. An diesem Supply Chain Management Institut der EBS hat Heiko von der Gracht im Dezember 2007 nicht nur seinen Doktortitel erworben, sondern noch berufsbegleitend innerhalb eines Jahres das Intensivstudium zum Diplomierten Einkaufsleiter durchgezogen.

Mit so viel geballter Einkaufs-Expertise bewarb er sich bei der auf Einkauf und Logistik spezialisierten Unternehmensberatung Brainnet in Bonn und stieg dort im Januar 2008 ein. "Mein absoluter Wunsch-Arbeitgeber", erklärt er.

Das Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz profitiert von der aktuellen Krise, denn gerade im Einkauf entdecken viele Unternehmen jetzt noch gewaltiges Einsparpotenzial. Clever einzukaufen hilft den Unternehmen aber nicht nur beim Sparen und der Qualitätsverbesserung. "Die Beschaffung innovativer Produkte und Dienstleistungen wird zunehmend zum strategischen Wettbewerbsfaktor", sagt Heiko von der Gracht.

Schwerpunkt langfristige Materialbeschaffung

In diesem Jahr sollen die 220 Brainnet-Mitarbeiter noch weitere neue Kollegen dazubekommen. Bevorzugt sind zwar berufserfahrene Spezialisten, doch mit seiner passgenauen Ausbildung und dem Thema seiner Doktorarbeit konnte der Newcomer auch frisch von der Uni punkten: Darin befasste er sich mit systematischer Zukunftsforschung und langfristigen Trends in Einkauf und Logistik - ein Novum für die eher kurzfristig planende Branche. Gemeinsam mit hochrangigen Managern diskutiert er nun in Workshops oder im Rahmen strategischer Beratungsprojekte, wie sich die Beschaffung in den nächsten 20 Jahren entwickeln wird.

Wenn also BMW-Einkäufer Stefan Stark wissen möchte, wie und wo BMW im Jahr 2025 einkauft, erwarten ihn hier ein paar spannende Antworten.

Florian Ranft: Nanotubes statt Business Club

Kohlenstoff-Nanoröhrchen, im Fachjargon Carbon Nanotubes genannt, sind eine tolle Erfindung. Die winzigen Röhrchen mit einem Durchmesser von nur wenigen Millionstel Millimetern (= Nanometern) haben ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Denn mit ihrer Hilfe verwandeln sich herkömmliche Werkstoffe beinahe in Wunder-Material.

Carbon Nanotubes leiten Strom und Wärme um ein Vielfaches besser als alle bisher bekannten Werkstoffe. Aufgrund ihrer außerordentlichen Festigkeit lassen sich daraus in Zukunft ultraleichte und trotzdem stabile Baustoffe für fast alle Branchen fertigen: federleichte Auto- oder Flugzeugbauteile, Lacke und Folien, die Sonnenenergie nutzen, Miniatur-Werkzeuge aus elektroaktiven Materialien oder atemberaubende Brücken und Wolkenkratzer aus Ultrahochleistungsbeton.

Der Haken an der Sache: Bisher lassen sich nur wirre Knäuel und keine einzelnen Röhrchen herstellen. Florian Ranft, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunststofftechnik der Universität Erlangen-Nürnberg, will das ändern. Er erforscht, wie sich die mikroskopisch kleinen Kohlenstoff-Röhrchen entwirren und besser verarbeiten lassen. Der 31-Jährige hat Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau studiert und bereits seine Diplomarbeit im Bereich Kunststofftechnik verfasst. Jetzt will er dazu noch promovieren.

Vom Bund gefördert

Sein Forschungsprojekt ist Teil der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Innovationsallianz Carbon Nanotubes (InnoCNT). Die rund 80 Projektpartner aus Wirtschaft und Wissenschaft haben sich Anfang 2009 zusammengeschlossen, darunter die Konzerne BASF, Bayer, EADS, Evonik und Siemens. Gemeinsam wollen sie in 18 Teilprojekten die neue Technologie erforschen und konkrete Anwendungsmöglichkeiten für Carbon Nanotubes erschließen.

Neben dem wissenschaftlichen Arbeiten - zum Beispiel dem Auswerten von Fachliteratur oder der Konzeption und Durchführung von Tests - beansprucht das Projektmanagement die Hälfte von Ranfts Zeit. Er organisiert Projekttreffen, informiert Partner und Geldgeber über Fortschritte, beschafft technische Ausrüstung und überwacht Termine und Ausgaben.

Mindestens genauso wertvoll wie die Promotion, die bis 2012 fertig sein soll, sind die beruflichen Kontakte, die er über das Forschungsnetzwerk knüpft: "Ich treffe hier viele beeindruckende Persönlichkeiten, darunter renommierte Professoren und Vorstände", sagt Ranft: "Die Carbon Nanotubes bringen mich weiter als jeder Business Club."

Katrin Gesthüsen: Kassenschlagern auf der Spur

Statt Zeit und Geld mit Flops zu verschwenden, wollen Unternehmenschefs ihre Entwicklungs- und Marketinginvestitionen auf Kassenschlager konzentrieren. Schon in ihrer Diplomarbeit hat sich Katrin Gesthüsen deshalb überlegt, wie sich bei Ideen rechtzeitig die Spreu vom Weizen trennen lässt.

Bei Siemens im Innovationsmanagement entwickelte die Diplomandin einen Leitfaden für den Umgang mit radikalen Innovationen - also bahnbrechenden Erfindungen wie Auto, Glühbirne oder PC. "Rückblickend ist meist leicht zu erkennen, warum ein Entwicklungsprojekt gescheitert ist", sagt die 27-Jährige. "Aber am Anfang steht man in einem stockdunklen Raum und weiß nicht, wie groß er ist und was sich in den Ecken befindet."

Um Licht in diese Blackbox der Erfindungen zu bringen, analysierte Gesthüsen die Phasen des Innovationsprozesses bei Deutschlands größtem Technologiekonzern: Wie und wo werden Informationen beschafft? Auf welcher Basis und zu welchem Zeitpunkt werden Entscheidungen getroffen? Das Ergebnis ihrer Untersuchung ist definitiv kein Flop: "Der Leitfaden funktioniert, das konnte ich anhand eines Referenzprojekts nachweisen." Ein Jobangebot der Münchener folgte prompt.

Doch die Absolventin der TU Darmstadt entschied sich im Januar 2008 für die internationale Technologieberatung Altran. Statt ausschließlich Siemens zu beraten, reizte sie die Aussicht, viele verschiedene Unternehmen kennenzulernen.

Technologieberatung heißt Projektarbeit

Gleich am ersten Arbeitstag stürzte sie sich in Düsseldorf in ihr erstes Projekt. In den letzten 14 Monaten hat sie für den Mobilfunkkonzern Vodafone sämtliche Zulieferer bewertet, um eine systematische Entscheidungsgrundlage zu schaffen: Welcher Handyhersteller setzt technische Vorgaben von Vodafone besonders flexibel und zuverlässig um? Wer liefert schnell und hat genügend Testgeräte parat? Wer ist bereit und technisch in der Lage, künftige Strategien mit zu tragen, beispielsweise die Entscheidung für ein neues Betriebssystem?

Ihren Report wird die Wirtschaftsingenieurin in Kürze dem Management präsentieren. Mit den Zulieferern werden ihre Ergebnisse anschließend diskutiert und dann Verbesserungsvorschläge für die weitere Zusammenarbeit abgeleitet.

Katrin Gesthüsen sieht sich unterdessen nach dem nächsten Projekt um. Die Telekommunikationsbranche gefällt ihr und passt zu ihrem Studienschwerpunkt Nachrichten- und Kommunikationstechnik. Trotzdem darf es, wenn es nach ihren Wünschen geht, jetzt eine andere Branche und Aufgabe sein. "Durch wechselnde Einsätze kann ich schnell viel dazulernen. Das ist sehr wichtig für meine Karriere als Beraterin."

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