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Ingenieurbedarf Grüne Pioniere

In der Branche der Erneuerbaren Energien wächst der Bedarf an Ingenieuren rasant: Der Sektor bietet anspruchsvolle Aufgaben für Technikexperten. Führungskräfte verdienen ähnlich gut wie in Konkurrenzindustrien.

Andreas Schulte | , aktualisiert

Grüne Pioniere

Foto: determined/Fotolia.com

Der Engpass ist schon da, und die Situation wird sich noch verschlimmern. 60 Ingenieure beschäftigt der Bremer Windparkentwickler WPD, sieben mehr sollten es eigentlich sein. Doch die zu finden ist schwer.

"Der Bedarf ist größer als das Angebot", sagt Marketingmanager Christian Schnibbe. An den Hochschulen werden zu wenig ausgebildet, auch weil die "rasante Entwicklung der Branche nicht abzusehen war".

Und künftig wird die Nachfrage noch steigen. "Wir werden weiter wachsen und Ingenieursstellen ausschreiben", sagt Schnibbe.

Auftrieb durch Energiewende

Nicht nur die rasch expandierende Windenergiebranche wirbt um qualifizierte Mitarbeiter. Die Energiewende verschafft dem Wirtschaftszweig der Erneuerbaren insgesamt viel Auftrieb.

"Wir sehen in allen Bereichen ein großes Potenzial für Ingenieure", sagt Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energie.

In vielen Firmen aber mangelt es an Know-how, um sich im Wettbewerb um begehrte Fach- und Führungskräfte zu behaupten. "Die Branche ist jung, es fehlt an Erfahrung beim Personalmarketing und bei der Entwicklung langfristiger Rekrutierungsstrategien", sagt Arwid Detlefs, Geschäftsführer und Experte für Erneuerbare Energien der Hamburger Personalberatung TGMC Management Consulting. Nur selten würden konkrete Karrierepfade aufgezeigt.

Rascher Aufstieg bleibt Ausnahme

Schneller als in anderen Branchen erreichten Ingenieure auch bei den Erneuerbaren keine Toppositionen, sagt Detlefs. Trotz des Wachstums sei ein rascher Aufstieg weiter eher eine Ausnahme, denn die Regel.

Ob ein Wechsel in die Branche reizvoll ist, hängt damit sehr stark von der Persönlichkeit ab. "Wer Pioniergeist verspürt und Lust hat, etwas zu bewegen, kann das auf dem Gebiet der Erneuerbaren sicher eher tun als in den klassischen Branchen", sagt Detlefs. "Die Strukturen und Prozesse sind noch nicht so festgefahren."

Aus fachlicher Sicht erscheinen die vielfältigen technischen Herausforderungen reizvoll. Es warten Aufgaben, die Expertise aus einer ganzen Reihe von technischen Disziplinen erfordern und diese auch kombinieren.

Dazu zählen etwa Elektro- und Energietechnik, der Maschinenbau sowie die Agrar-, Umwelt- und Verfahrenstechnik.

Ganz konkret heißt das: "Für einen gestandenen Ingenieur aus dem Automobilbereich kann es durchaus reizvoll sein, den Antriebsstrang einer riesigen Windturbine zu konzipieren", sagt Personalberater Detlefs.

Unterstützung auf allen Gebieten

Das Unternehmen Juwi in der Nähe von Mainz verlässt sich nicht allein darauf, spannende Aufgaben zu bieten. Der Produzent von Bio-, Solar-, und Windenergie legt viel Wert auf die Work-Life-Balance und lockt neue Mitarbeiter auch mit einem Andachtsraum und einer firmeneigenen Turnhalle.

Juwi unterstützt auch jene Beschäftigte, die pendeln – die Firma hat einen eigenen Shuttle-Service, der zwischen dem Firmensitz in Wörrstadt und der nächstgelegenen Großstadt Mainz pendelt.

Unzufrieden mit dem Gehalt

Aufholen kann die Branche der Erneuerbaren noch beim Gehalt – das ist das Ergebnis einer Befragung der Personalberatung TGMC.

232 Mitarbeiter von Windkraftunternehmen machten Ende 2011 mit – fast drei Viertel von ihnen waren Akademiker. 55 Prozent der Befragten gaben an, "in einer eher nicht gut bezahlenden Branche" zu arbeiten. 45 Prozent waren mit ihrem Gehalt unzufrieden.

Tatsächlich aber ist der Einkommensunterschied nicht so hoch.

"Ingenieure erhalten in der Windkraft bei vergleichbaren Positionen eine ähnliche Vergütung wie etwa bei einem Automobilzulieferer", sagt Experte Detlefs.

Im bundesweiten Durchschnitt erhält der Leiter einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung laut der Personalberatung Kienbaum jährlich rund 116.000 Euro.

Suche nach Elektroingenieuren

Selbst die Unternehmen der gebeutelten Solarindustrie suchen noch akademisch gebildete Techniker - trotz Entlassungen. Der Wechselrichterhersteller SMA Solar etwa kündigte im Oktober an, dass 450 der weltweit 5500 Mitarbeiter gehen müssen, Elektroingenieure aber werden weiter gesucht.

Rund hundert Millionen Euro investiert die Firma 2012 in Forschung und Entwicklung. Nur so könne man sich langfristig vom Wettbewerb abheben, sagt Sprecherin Anja Jasper. Führungskräfte erhalten zwischen 55.000 Euro und 65.000 Euro plus variable Gehaltsanteile.

Die starke Konkurrenz aus Fernost macht der Solarbranche weiter zu schaffen. "Die Perspektiven sind nur schwer einzuschätzen", sagt Detlefs. Wer Sicherheit sucht, dem empfiehlt er Stadtwerke oder große Versorger wie RWE und Eon als Arbeitgeber. Auch hier werden die Erneuerbaren immer wichtiger.

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