Immobilien Bei ECE weht ein frischer Wind

Das Hamburger Unternehmen ECE baut Shoppingcenter und sucht Mitarbeiter auch ohne Immobilienwissen. Die Anforderungen sind so vielschichtig wie die Aufgabenbereiche im Konzern. Durch die so einsetzende Verjüngung in der Führungsebene weht ein frischer Wind bei ECE.

Stefanie Bilen | , aktualisiert

Er kommt von einer der renommiertesten Hochschulen für BWL und Management - und dann findet sich der Diplom-Kaufmann auf dem Sofa einer alten Dame wieder, um gute Stimmung zu machen. Oliver Prinz denkt schmunzelnd an die Situation zurück. Wie er, kurz nach seinem Einstieg, bei einer Eigentümergemeinschaft saß und bei Kaffee und Kuchen dafür warb, auf dem Land seiner Gastgeber ein Einkaufszentrum zu bauen. "Es ist meine Aufgabe, dass wir die Baugenehmigung für ein Objekt erhalten. In der ersten Projektphase geht es darum, das nötige Bauland zu sichern", sagt Prinz.

Wir - das ist ECE Projektmanagement International, Europas Marktführer unter den Entwicklern und Betreibern von Shoppingcentern. In 15 Ländern ist ECE derzeit aktiv, zunehmend auch mit Bürogebäuden. 22 Center und 22 Büroimmobilien sind in Bau oder in Planung, und vor allem in Ost- und Südosteuropa will das Unternehmen, das wie der gleichnamige Versandkonzern zur Familie Otto gehört, expandieren. Dort sind Shoppingcenter weniger verbreitet als im Westen. Und dafür sucht ECE neue Mitarbeiter. Rund 3000 sind es bisher.

Interesse an Menschen ist auch in diesem Job wichtig

Oliver Prinz, Absolvent der Privat-Uni WHU in Vallendar, ist seit zweieinhalb Jahren dabei. Er ist Objektentwickler und steht immer am Anfang der Mammutprojekte: Von der Idee bis zur Eröffnung eines Shoppingcenters vergeht oft ein Jahrzehnt und es kostet mehrere Hundert Millionen Euro. Dass er sich auch um Dinge wie ein Kaffeekränzchen kümmern muss, stört ihn nicht. "Mir gefällt, dass man in diesem Job Empathie benötigt. Wer kein Interesse an Menschen hat, sollte hier nicht anfangen."

Rund 35 Objektentwickler arbeiten bei ECE, 20 von ihnen für den deutschsprachigen Raum, so wie Prinz. 112 Center hat ECE bisher eröffnet, und das heißt: Die Objektentwickler haben 112 Mal lange im Voraus die Grundstücke bewertet und erworben und Umbauten bei bestehenden Häusern konzipiert. Was sich nach einem Klacks anhört, hält Personaldirektor Rolf Kamprad für die Königsdisziplin: "Objektentwickler sollten verhandlungsstark sein und gute Nerven haben. Da sie die Entscheidung über hohe Investitionen vorbereiten, stehen sie besonders im Fokus der Geschäftsführung."

Ein Jahr lang begleitete Prinz einen erfahrenen Objektentwickler und arbeitete nach und nach eigenverantwortlich. Auch wenn er noch immer nicht alle Feinheiten kennt, wie er sagt, betreut er heute ein bis drei Projekte parallel und steuert ein Team von zehn Architekten, Ingenieuren, Betriebswirten, Bau- und Vertragsjuristen, Vermietungsmanagern und Center Managern. Momentan beschäftigt ihn ein Einkaufszentrum in Neumünster, für das er bis zum Herbst mit einer Baugenehmigung rechnet. Allerdings plant auch die Konkurrenz von der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft ein Center in der 77000 Einwohner großen Stadt in Schleswig-Holstein.

Die Einkaufszentren sind häufig in der Kritik

Und so ist Prinz regelmäßig unterwegs, um den Oberbürgermeister, die Stadträte, Einzelhändler und Verbandsmitglieder für seine Ideen zu begeistern und um die Gunst der Einwohner zu buhlen. Dazu gehört auch, auf Versammlungen vor tausend Menschen aufzutreten.

Es liegt in der Natur der Sache, dass es nicht nur Befürworter gibt. Immer wieder heißt es, ECE zerstöre mit seinen Centern die Innenstädte und vertreibe kleine Einzelhändler. Nicht selten gehört die Lokalpresse zu den Kritikern. "Die Auseinandersetzung darf man nicht scheuen", sagt Prinz. ECE versuche schon aus Eigeninteresse, in jedem Projekt zu einem Drittel regionale Einzelhändler unterzubringen, um einen Mix unterschiedlicher Geschäfte anzubieten. Dennoch dürfe er nicht zart besaitet sein, wenn die Geschäftsführung ihn beispielsweise wegen unpassender Aussagen gegenüber der Presse zur Rede stellt. "Es schadet niemandem, sich Kritik anzuhören", sagt Prinz.

Wie erfolgreich ECE letztlich ist, dazu sagt das Unternehmen wenig. Umsatz? Gewinn? Werden nicht veröffentlicht. Als Nenngröße wird bloß der Jahresumsatz der rund 12000 Mietpartner in den 112 Shoppingcentern verbreitet, er lag zuletzt bei rund 13 Milliarden Euro.

Doch auch ECE bekommt die Krise zu spüren. Manche Projekte, beispielsweise in Russland, sind auf Eis gelegt und Mitarbeiter entlassen worden. Nicht mehr 20 Absolventen werden wie ursprünglich geplant in diesem Jahr eingestellt, sondern wohl nur zwischen fünf und zehn.

Auch die Immobilienbranche ist von der Krise betroffen

Wer es ins Unternehmen schafft, wird gefördert und gefordert. So beschreiben Branchenkenner den Ansatz von ECE, früh Verantwortung zu übertragen und Einsatz zu erwarten. Der Vorsitzende der Geschäftsführung lebt das vor. Alexander Otto, 41, leitet das Unternehmen seit neun Jahren, wurde aber trotz seiner Herkunft - sein Vater Werner Otto gründete ECE 1965 - nicht gleich zum Chef ernannt. Er stieg als Projektleiter ein und wurde sukzessive ausgebildet. In Hamburg hört man viel Gutes über ihn: "Alexander Otto ist eine überaus sympathische Persönlichkeit, die von großer unternehmerischer Verantwortung geprägt ist, wie sie ganz speziell in Hamburg gepflegt wird", sagt Wirtschaftssenator Axel Gedaschko.

Ottos Arbeit beeindruckt auch Volker Kraft. Er wurde 2008 vom ECE-Chef angesprochen, weil das Unternehmen einen Controller brauchte, aber auch einen Investmentexperten. Das reizte den 36-jährigen Ökonomen. So stieg der ehemalige Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Allianz Capital Partners als einer von drei Bereichsleitern im kaufmännischen Projektmanagement für die Wirtschaftlichkeitsrechnung der Auslandsaktivitäten ein. Er beurteilt, ob Bauvorhaben in Polen, Tschechien, Ungarn, Griechenland oder der Türkei sinnvoll sind - und wo nachgebessert werden muss.

Zugleich ist er dafür verantwortlich, dass die Projekte am Finanzmarkt platziert, also Investoren gefunden werden. Um die Suche zu erleichtern und die Investmentsummen zu stückeln, ist Kraft dabei, einen Immobilienfonds aufzulegen. Ein Novum für ECE. "Viele Investoren sprechen wir bislang gar nicht an, weil die hohen Anlagesummen für sie nicht infrage kommen."

Durch einen Fonds hätten die Geldgeber die Möglichkeit, sich mit kleineren Summen zu beteiligen. In einem Jahr soll der Fonds an den Markt gehen. Dass Kraft von ECE überzeugt ist, liegt wohl auch daran, dass sein Vater, Heinrich Kraft, die Firma vor Otto 26 Jahre lang führte.

Die Verjüngung auf der Führungsebene sorgt für frischen Wind

Alle wichtigen Schritte beim Fonds-Aufbau bespricht er mit dem Inhaber, was Kraft als Vorteil bezeichnet: "Es ist deutlich spürbar, dass ECE ein Familienunternehmen ist. Die Entscheidungswege sind kurz, ich habe Zugang zum Inhaber, und der Fokus liegt auf der Sache."

Das Unternehmen galt lange als Festung, das die Führungspositionen intern besetzt. Branchenbeobachter bewerten es positiv, dass sich ECE jetzt für junge Talente öffnet. "ECE öffnet sich sehr und verjüngt das Management", sagt Stephan Jung, Vorstand des German Council of Shopping Centers. "Das Unternehmen hat die Kommunikation verstärkt, was ich für enorm wichtig halte. Das erwarten junge Mitarbeiter heute."

Hariolf Wenzler, Geschäftsführer der renommierten Bucerius Law School, lobt die Firma ebenfalls: "ECE ist ein erfolgreiches Unternehmen, das unsere Studierenden durch seine Innovationskraft, seine internationale Ausrichtung und sicher auch durch die unternehmerische Prägung anzieht. Zudem bietet es hervorragende Karriereperspektiven." In den vergangenen Jahren haben die Hamburger zahlreiche Traineeprogramme aufgelegt, zum Beispiel für Baumanager, in der Rechtsabteilung und für Center Manager.

Dass ECE sich wandelt, hat auch mit den veränderten Bedingungen zu tun. In den ersten Jahrzehnten waren die Hamburger fast ohne Konkurrenz. Heute tummeln sich allein auf dem deutschen Markt zahlreiche Player. Und der Platz wird knapp. Ostdeutschland zum Beispiel gilt bereits als gesättigt. Laut Alexander Otto ist hierzulande trotzdem noch Bedarf an 50 bis 100 Shoppingcentern.

Kommunikation ist einer der Schlüssel zum Erfolg

Um die zu bauen, ist Teamarbeit gefordert. Alleine erreicht keiner etwas, das liest jeder Student schon in der Bewerberbroschüre. Wenn die Vertreter vieler Fachrichtungen über Jahre gemeinsam an einem Projekt arbeiten - und womöglich noch aus unterschiedlichen Ländern kommen -, muss viel kommuniziert werden.

Diese Kultur setzt sich bis in das letzte Glied durch. Dort arbeitet die 29-jährige Julita Zaremba. Sie ist Managerin des Herold Centers in Norderstedt, nördlich von Hamburg, einem von 90 deutschen ECE-Shoppingtempeln. Zwei Jahre absolvierte sie ein Traineeprogramm und lernte sieben Häuser in Deutschland kennen. Hier hat sie nun ihre zweite Station als Profi.

Flexibilität und Macherqualitäten sind im Alltag wichtig, sagt sie: Center Manager müssen wissen, wo der Fettabscheider für die Gastronomie sitzt, sie organisieren die Osterdekoration im Center, sollten ein offenes Ohr für Ladenbesitzer haben. Und sie repräsentieren das Haus vor potenziellen Mietern und Investoren. "Ich verstehe mich als Dienstleister", sagt Zaremba, die ein Team von 16 Mitarbeitern leitet. "Für die Kunden, die Investoren und unsere 140 Mieter."

Der Job als Centermanager bietet vielseitige Herausforderungen

Bei niemandem anzuecken, trotzdem kompetent zu sein, das ist die Herausforderung für einen Center Manager. Ein Mädchen für alles, stilsicher im Anzug, sechs Tage die Woche, 12 Stunden täglich. Zaremba, Absolventin der Akademie Mode Design in Hamburg, macht die Arbeit dennoch Spaß. "Wenn man diesen Job nicht aus Leidenschaft macht, würde man ihn wohl gar nicht machen", sagt sie.

Das gilt für Center Manager besonders, wohl aber auch für andere ECE-Jobs. Und dann sagt Zaremba einen Satz, der einen Großteil der Mitarbeiter charakterisiert: "Man muss selbstbewusst sein, wissen, was man kann und möchte, darf aber nie überheblich werden."

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