Im Zentrum der Macht Junge Akademiker in Ministerien

Die Bundesministerien bieten jungen Akademikern interessante Karrierechancen. Junge Karriere zeigt drei Aufsteiger aus dem Auswärtigen Amt, dem Finanz- und dem Verteidigungsministerium.

Til Knipper | , aktualisiert

Links von der Pforte ist die Antarktis, gegenüber, hinter dem Pförtnerhäuschen, liegt Australien, der Rest der Welt befindet sich weiter hinten in dem großzügigen Park.

Die Erdteile bezeichnen die Wohn- und Seminargebäude der Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin. In dieser Miniwelt am Tegeler See bildet das Auswärtige Amt die zukünftigen Diplomaten aus für ihren späteren Einsatz in deutschen Vertretungen weltweit. David Krivanek ist einer von 48 Jungdiplomaten, die dort zurzeit ihre einjährige Attaché-Ausbildung absolvieren.

Der Jurist und seine Kollegen haben sich im Bewerbungsverfahren gegen 1500 Mitbewerber durchgesetzt. Dazu musste er einen Wissenstest machen, Aufsätze schreiben, Sprach- und Psychotests durchlaufen und einen Vortrag halten. "In den diplomatischen Dienst zu gehen, ist eine Entscheidung fürs Leben", begründet Ausbildungsleiter Michael Ebel den Aufwand.

Das Auswärtige Amt ist aber nicht das einzige Ministerium, das interessante Jobs für Akademiker bietet. Alle Ressorts suchen regelmäßig Referenten, insgesamt haben die Bundesministerien etwa 20000 Mitarbeiter in Berlin und Bonn. Die Spannbreite der Fachrichtungen reicht von Juristen, Ökonomen, Ingenieuren, bis hin zu Geistes- und Naturwissenschaftlern, und ein einheitliches Bewerbungsverfahren gibt es nicht. Das Einstiegsgehalt liegt bei rund 40000 Euro im Jahr. Der Beamtenstatus verleiht Sicherheit. In der Wirtschaftskanzlei, in der er vorher als Anwalt gearbeitet hat, hätte David Krivanek wohl mehr Geld verdient. "Mich hat aber die Vielfalt aus Kultur, Politik, Wirtschaft und juristischer Tätigkeit gereizt." Bei seiner ersten Station würde der 32-Jährige gerne nach Afrika gehen, wo er auch schon während seines Referendariats für das Ruanda-Tribunal gearbeitet hat.

Wer ins Ausland will, muss aber nicht zwingend zum Auswärtigen Amt. Jeanette Schwamberger war für das Finanzministerium vier Monate lang bei den Vereinten Nationen in New York. "Ich habe mich bewusst gegen die Diplomatenlaufbahn entschieden, weil ich lieber selbst bestimme, wann ich ins Ausland gehe", sagt die 36-Jährige, die heute zum Sprecherstab von Peer Steinbrück gehört. Die studierte Volkswirtin startete zunächst als Unternehmensberaterin, "wollte aber immer schon politiknah arbeiten". Nach zwei Jahren bewarb sie sich beim Finanzministerium.

Angefangen hat sie in der Abteilung Bund-Länder-Finanzbeziehungen, dann wechselte sie in die Grundsatzabteilung Finanzpolitik. Nach ihrer Rückkehr aus New York landete sie als Redenschreiberin im Leitungsbereich, bevor sie im vergangenen Jahr den Sprecherjob bekam. "Mein Weg zeigt, was für Möglichkeiten eine Laufbahn im Ministerium bietet", sagt Schwamberger. Ob auch die Nähe zur Macht den Reiz des Jobs ausmacht? "Natürlich war es aufregend, als ich als Referentin meine erste Ministervorlage geschrieben habe." Die Nervosität lege sich aber mit der Zeit. Mittlerweile sind selbst die gemeinsamen Flüge mit dem Minister Routine. Trotz Finanzkrise mache ihr der Sprecherjob viel Spaß. Sie hätte aber auch nichts dagegen, noch einmal ins Ausland zu gehen.

Benedikta von Seherr-Thoß wollte dagegen wieder nach Deutschland zurückkehren. Die Historikerin hat acht Jahre im Ausland studiert und gearbeitet. "Man wird sonst schnell zu exotisch für deutsche Arbeitgeber", sagt sie. Als 32-Jährige Zivilistin ist sie aber auch so eine Exotin im von Militärs dominierten Planungsstab des Verteidigungsministeriums, dem Beraterstab des Ministers. 2007 wechselte sie vom Nato-Hauptquartier ins Bundesverteidigungsministerium. Hier kümmert sie sich um die Themen Transatlantische Sicherheitspolitik, Nato und USA. "Wir unterstützen den Leitungsbereich des Hauses mit Analysen und Entscheidungsvorschlägen", erklärt sie. Darüber hinaus erarbeitet sie mit Kollegen und in Kooperation mit dem Kanzleramt und dem Außenministerium sicherheitspolitische Konzepte.

Insgesamt kann von Seherr-Thoß einen Job im Ministerium nur empfehlen: "Auch wenn die Hürden für eine Anstellung hoch sind, darf man sich nicht abschrecken lassen."

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