Homeoffice Heimarbeiter bleiben auf Kosten sitzen

Homeoffice ist bei den Deutschen beliebt und gehört in vielen Firmen zum guten Ton. Doch für die Ausstattung sind die Mitarbeiter selbst zuständig. Das kann teuer werden.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Heimarbeiter bleiben auf Kosten sitzen

Foto: apops/Fotolia.com

Homeoffice, Gleitzeit und Co. gehören mittlerweile fast überall zum Standard: Arbeitgeber, die für Mitarbeiter attraktiv sein wollen, bieten selbstverständlich die Möglichkeit zum Homeoffice an und immer mehr Angestellte nutzen das Angebot auch. Wenn das Kind krank ist, die Handwerker vor der Tür stehen oder die Geräuschkulisse im Großraumbüro stört, arbeiten die Deutschen im heimischen Büro.

Laut einer aktuellen Umfrage des Bürodienstleisters Regus arbeiten 62 Prozent der Deutschen zumindest ab und zu von zu Hause aus. Einige sind überwiegend Heimarbeiter und kommen nur zu wichtigen Meetings in den Betrieb. Die Technologie macht es schließlich möglich, am PC zu Hause dasselbe zu tun wie im Büro.

Doch je nach persönlicher Ausrüstung ist das nicht ohne Weiteres möglich: je nach Aufgaben reicht vielleicht das private Tablet, vielleicht braucht man aber auch einen Computer oder einen Mac mit der entsprechenden Leistung. Natürlich muss die entsprechende Software zur Verfügung stehen und ohne schnelles Internet geht es auch nicht. Wer acht Stunden oder mehr arbeitet, sollte das außerdem nicht am Küchentisch tun, sondern an einem entsprechenden Schreibtisch auf einem ergonomischen Stuhl sitzen. Nur: Zahlen müssen das die Mitarbeiter häufig selbst.

Nur geringe Beteiligung an Kosten

Die Umfrage unter den 44.000 Berufstätigen aus mehr als 100 Ländern hat ergeben, dass zwar weltweit 61 Prozent im Homeoffice arbeiten, aber nur 51 Prozent davon auch einen komplett ausgestatteten Arbeitsplatz zur Verfügung haben. Der Rest sitzt mit dem privaten Laptop auf der Couch und nutzt das eigene Handy.

Und bei denjenigen, die im Homeoffice entsprechende Hard- und Software nutzen, beteiligten sich nur 34 Prozent der Arbeitgeber an den Kosten. In Deutschland sind es immerhin 51 Prozent. Natürlich lassen sich die Kosten für das Arbeitszimmer von der Steuer absetzen, aber zunächst einmal ist das Geld weg.

Im Durchschnitt kostet ein Homeoffice in Deutschland übrigens gut 3 000 Euro pro Jahr für Miete, Strom, Heizung, Internet, Telefon, Büromaterialien und dergleichen. Und hier liegt das Problem: Die Unternehmen können die Kosten für das Homeoffice nicht steuern. Sie können ihrem Mitarbeiter nicht vorschreiben, welche Möbel er sich zu kaufen hat, wie oft er putzen soll und wann er die Heizung auszuschalten hat.

Deshalb scheint für viele Chefs die Devise zu gelten: Natürlich können Angestellte zu Hause arbeiten. Wie sie das finanzieren, geht das Unternehmen jedoch nichts an. Homeoffice ist schließlich Kür, keine Pflicht. Wem es nicht passt, der kann ja ins Büro kommen.

Entsprechend schlecht ist die Meinung der deutschen Heimarbeiter von ihren Vorgesetzten: 36 Prozent gehen davon aus, dass ein Großteil der Firmen, die Homeoffice gestatten, nur die Kosten für einen Arbeitsplatz auf Mitarbeiter abwälzen wollen. Und 64 Prozent berichten, dass sich Firmen nicht um einen angemessenen Versicherungsschutz des Heimarbeitsplatzes kümmern. Wer im Homeoffice arbeitet, sollte also nicht darauf hoffen, dass es als Arbeitsunfall gilt, wenn er ausrutscht und sich ein Bein bricht.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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