Home-Office Regeln für reibungslose Heimarbeit

In den Niederlanden gibt es ihn: Den Anspruch auf das Home-Office. Deutsche Angestellte können davon nur träumen. Was Unternehmen und Mitarbeiter regeln sollten, wenn sie sich auf das Arbeiten von Zuhause aus einlassen.

Claudia Tödtmann, wiwo.de | , aktualisiert

Regeln für reibungslose Heimarbeit

Foto: tab62 / Fotolia.com

Für ThyssenKrupp war der Kita-Streik ein gelungener Feldversuch in Sachen Home-Office. Der Konzern hatte seine Führungskräfte während des Streiks aufgefordert, sich besonders flexibel zu zeigen und Heimarbeit anzubieten. Mit dem Ergebnis des ungeplanten Feldversuchs ist ThyssenKrupp-Personalvorstand Oliver Burkhard hoch zufrieden: "Der Kita-Streik hat gezeigt, dass in der Praxis die meisten Vorbehalte unbegründet sind."

Denn, so sein Fazit: "Sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte haben viele gute Erfahrungen gemacht." Der Konzern habe eine klare Devise: Sofern es die betrieblichen Belange zulassen und auch die Führungskraft zustimmt, kann die Arbeit flexibel gestaltet werden – und dazu zählt auch Arbeit im Home-Office.

Recht auf Home-Office nicht zu erwarten

Unser Nachbarland Holland ist da schon weiter: Arbeitnehmer haben dort sogar einen gesetzlichen Anspruch aufs Home-Office. "Doch das ist hierzulande nicht zu erwarten" sagt Ina-Kristin Hubert, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Rödl & Partner in Hamburg. Der Arbeitgeber muss seinen Angestellten nicht einmal vorübergehend die Arbeit im Home-Office erlauben, wie das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz vergangenen Dezember einer jungen Mutter beschied (Aktenzeichen 5 Sa 378/14). Von Unternehmen könne nicht verlangt werden, dass sie den Betrieb nach den Wünschen der Mitarbeiter umstrukturieren, urteilten die Richter. "Umgekehrt kann die Firma keinen Angestellten zwingen, nicht mehr in der Firma, sondern von Zuhause aus zu arbeiten", so Anwältin Hubert.

Anders sieht es aus, wenn ein Mitarbeiter bereits ein Home-Office hat. Dann kann der Arbeitgeber ihn nicht so einfach in die Zentrale zurückbeordern – jedenfalls nicht, solange er nicht beweisen kann, dass dies für die Firma notwendig ist. Entschieden hat dies das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 4 Sa 404/14). Ein Fall wie bei Yahoo, wo Chefin Marissa Meyer plötzlich alle Home-Offices strich, wäre hierzulande entsprechend knifflig. Gibt es in der Firma einen Betriebsrat, muss der zuvor angehört werden, erläutert Arbeitsrechtlerin Hubert.

Ob und wie im Home-Office gearbeitet werden soll, müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Arbeitsvertrag vereinbaren – und zwar im Detail. Gibt es bereits einen Arbeitsvertrag, sollten Unternehmen und Mitarbeiter alle Einzelheiten in einer Ergänzung zum Arbeitsvertrag festhalten, rät Hubert. Will das Unternehmen dann irgendwann zurück zur Präsenzkultur, müssen Unternehmen und Mitarbeiter einen neuen Arbeitsvertrag schließen und damit gemeinschaftlich den alten Vertrag aufheben. Sind sie uneins oder streiten gar, kann das Unternehmen dem Mitarbeiter eine Änderungskündigung schicken. Die Idee, für diesen Fall vorzubeugen und eine entsprechende Klausel in den Arbeitsvertrag einzubauen, sollten

Arbeitgeber übrigens gleich wieder verwerfen. Ein Unternehmen im Rheinland, das dies probiert hatte, musste sich vom Landesarbeitsgericht Düsseldorf belehren lassen, dass eine solche Klausel unwirksam ist und das Home-Office somit Bestand hat (12 Sa 505/14).

Geregelt werden sollte im Arbeitsvertrag:

  • Die Arbeitszeit, also die Stundenzahl. Auch Zuhause muss der Arbeitnehmer übrigens die gesetzlich vorgeschriebene Pause nach sechs Stunden Arbeitszeit einhalten.
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  • Die Überlassung eines Büroraums


     
  • Die Überlassung der Arbeitsmittel vom Computer über Drucker bis hin zum Handy, Schreibtischstuhl, Glühbirnen und Büromaterial. Wen die Firma nicht selbst ausstattet, der sollte die Dinge für das Unternehmen kaufen oder die Belege für die Anschaffungen zwecks Kostenerstattung einreichen.


     
  • Die Kostenübernahme von anteiliger Miete, Strom und Heizung. Achtung: Nicht beteiligen braucht sich das Unternehmen an den Kosten der Müllabfuhr. Natürlich muss aber der Arbeitgeber für die ordnungsgemäße Vernichtung sensibler Daten Sorge tragen. Jedenfalls muss der Mitarbeiter seiner Firma eine Kopie seines eigenen Mietvertrags geben und ihm regelmäßig die Strom- und Heizkostenrechnung schicken.
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  • Wartung und Pflege der Kommunikationsgeräte
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  • Ein Zutrittsrecht des Arbeitgebers in die Wohnung – zum Beispiel, um zu kontrollieren, dass die Schutz- und Sicherheitsvorschriften für Arbeitnehmer eingehalten werden. Büros müssen eine Heizung haben und eine Mindestgröße aufweisen ebenso wie der Schreibtisch. Auch der PC-Bildschirm hat Mindeststandards – Stichwort: Bildschirmarbeitsplatzverordnung. Zudem muss der Raum ein Fenster haben. Der Arbeitgeber muss diese Dinge kontrollieren, dazu ist er wegen seiner Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer verpflichtet.
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  • Der Ersatz für Fahrtkosten in den Betrieb


Zuerst veröffentlicht auf
wiwo.de



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