Hoher Norden Hamburg: Die Perle im Norden

Wer nach Hamburg zieht, muss wissen: Die Leute dort glauben, sie leben in der schönsten Stadt der Welt. Sympathisch ist das nicht. Aber es könnte stimmen - wenn man auch das Umland betrachtet. Schleswig-Holstein ist bildhübsch. Junge Karriere hat sich umgeschaut.

M. Roos, J. Hackhausen, mse | , aktualisiert

6.30 Uhr, Hamburg, Hafen. Männer mit Tatoo-verzierten Unterarmen warten am Kai. Trucker. Manche rauchen, manche lachen lauter als die Lachmöwen, die um sie herum fliegen. Die Männer warten auf Container aus Bombay, Guayaquil oder Hongkong , um sie erst durch Hamburg und dann quer durch Europa zu karren. Ein weiter Weg liegt vor den Truckern. Und der Hamburger Hafen ist ihr Brotgeber. Die Hansestadt ist Drehscheibe für den Handel zwischen Asien und dem alten Kontinent. Hamburg profitiert davon, dass alle Welt im Container transportieren lässt. Heute arbeiten 156.000 Menschen für den Hafen, Tendenz steigend. Auf der Weltrangliste der wichtigsten Verladehäfen liegt Hamburg mit seinem Gesamtumschlag von 135 Millionen Tonnen auf Platz acht - nach sechs asiatischen Häfen und Rotterdam. Bis 2015 soll der Gesamtumschlag auf 220 Millionen Tonnen steigen. Bis dahin will die Stadt den Hafen weiter ausbauen. Kaimauern müssen verlängert, neue Flächen für Terminals geschaffen werden. Geld soll in die Vertiefung der Elbe und den Ausbau des Schienennetzes (vor allem nach Osteuropa) gesteckt werden. Die Lkw-Trucker stört das nicht. Sie werden immer gebraucht. Denn überall wird die Bahn auch in Zukunft nicht hinkommen können.

9 Uhr, Lübeck Innenstadt. Hier sind sie vereint: Napoleon, Lady Liberty, Neil Armstrong bei der Mondlandung und Marilyn Monroe - so süß. Wirklich zum Anbeißen, diese Figuren aus Marzipan. Sie stehen im Stammhaus des Familienunternehmens Niederegger in der Innenstadt von Lübeck. Niederegger ist für die Hansestadt so etwas wie Beckenbauer für den FC Bayern: der Botschafter schlechthin. Als 1806 der aus Ulm stammende Konditorgeselle Johann Georg Niederegger den damals noch kleinen Betrieb seines Lehrherrn übernahm, rechnete er kaum damit, dass die Produkte seines Unternehmens in 200 Jahren in Deutschland fast in aller Munde sein würden. Niederegger gehört weltweit zu den bekanntesten Marzipan-Herstellern und ist mit seiner Marke in über 40 Ländern präsent. 200 Jahre ist Niederegger inzwischen alt und wird heute von Holger Strait und seiner Frau in siebter Generation geführt. Niederegger gehört zu den größten Arbeitgebern Lübecks und ist selbst für Promis die Touristenattraktion der Stadt: Im Museum im zweiten Obergeschoss des Café Niederegger sind die prominentesten Fans der Marke lebensgroß in Marzipan gegossen, darunter das Dichterdenkmal Thomas Mann oder auch Hamburgs Modemacher Wolfgang Joop - für seinen Geschmack wohl etwas zu speckig.

10 Uhr, Husum Schlossgarten. Von wegen graue Stadt am Meer. Blau ist sie, ja lila! Im Februar, spätestens im März und April, blühen im Husumer Schlossgarten so viele Krokusse wie in der gesamten Restrepublik nicht. Diese Krokusse sind der Traum von Gartenfreunden aus aller Welt. Zigtausende kommen. Busladungen voll werden sie herangefahren aus Nord, Ost und Süd. Von Westen kommen sie über die Nordsee, von den Halligen, aus Helgoland und England. Besonders beliebt: die "Vernus" (Lateinisch: zum Frühling gehörend) aus der Familie der Schwertlilie. Wie viele Krokusse in diesem Blumenmeer blühen, weiß niemand so genau. Dem amtierenden Stadtgärtner zufolge sind es angeblich genau 100 auf einem Quadratmeter, bei 45.000 Quadratmetern also viereinhalb Millionen Krokusse.

Die ersten Krokusse sollen Mönche im 16. Jahrhundert hergeholt und gepflanzt haben. Damals stand in dem Garten noch ein Franziskanerkloster. Die Touristen, die heute im Schlosspark wandeln, haben weniger Gebet als vielmehr Poesie im Kopf. Nach Krokus-Rundgang und Kuchen im Schloss-Café ist es für die meisten Pflicht und Freude, eine Gedenkminute vor der überlebensgroßen Bronzebüste des großen Dichtersohns der Stadt, Theodor Storm, einzulegen - nicht selten in einem Pulk von Chinesen und Japanern, die Storm besonders heiß verehren.

11 Uhr, Kiel, Düsternbrooker Weg. Wer schlaue Leute sucht, findet sie hier. Am Düsternbrooker Weg 120 ruft sich die Elite der Wirtschaftsforschung ein "Moin, Moin!" zu. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ist eine der großen Institutionen für Prognosen und Analysen in Deutschland. Das Institut steht für seriöse Arbeit und zurückhaltende Selbstdarstellung. Seine Konjunkturexperten haben den Ruf, eher vorsichtige als gewagte Prognosen abzugeben, in aller Regel am unteren Ende der Erwartungen. 1914 gründete es Bernhard Harms als "Königliches Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft". Später hieß es dann einprägsamer "Institut für Weltwirtschaft". Das IfW ist der Kieler Christian-Albrechts-Universität angegliedert; für junge BWL-Studenten, Ökonomen und Forscher an der Kieler Uni eine ideale Gelegenheit, frühzeitig Kontakt aufzunehmen. Seit Januar dieses Jahres ist das IfW eine unabhängige Stiftung des öffentlichen Rechts des Landes Schleswig-Holstein. Es beschäftigt zurzeit etwa 140 Mitarbeiter.

12 Uhr, Hallig Habel. Es ist vermutlich der romantischste Ort im hohen Norden: grün, meerumspült, sonnenbeschienen, naturtrunken. Doch niemand kennt ihn. Fast niemand. Genauer gesagt: einer. Der Vogelwart des Vereins Jordsand. Auf Habel, der kleinsten nordfriesischen Hallig, hat die Natur absolutes Vorrecht. Besucher sind unerwünscht. Die 3,6 Hektar kleine Insel, zwei Kilometer östlich von Gröde, liegt im Nationalpark Wattenmeer und darf von Fremden nicht betreten werden. Nur der Vogelwart darf hier forschen. Vor 200 Jahren war Habel noch 95 Hektar groß. Seitdem schrumpfte sie. Als der letzte Privatbesitzer sie 100 Jahre später an den preußischen Staat verkaufte, hatte sie nur noch 17 Hektar Fläche. Erst 1930 begann das Land Schleswig-Holstein, die Halligkanten zu befestigen, um die heutige kleine Fläche zu sichern. Bis zu 60 Mal im Jahr wird Habel vom Meer überflutet. Besuch bekommt der Vogelwärter dennoch ab und zu: Zweimal im Jahr wandert der Schornsteinfeger mit seinem Sohn von Dagebüll aus durchs Watt hinüber und putzt den Schornstein des Vogelwarts. Im Sommer kommt auch der Postbote vorbei. Bei Ebbe stapft er einmal pro Woche durch den Schlick. Gut, dass es auch E-Mail gibt.

13 Uhr, Hamburg Speicherstadt. Die Bewohner der Speicherstadt rücken aus. Der Hunger treibt sie zu Wrap-Rolls, Toast und Salatvariationen im "Fleetschlösschen", einem ehemaligen Zollhäuschen, das am Kanal steht. Ein paar Häuser weiter schlürfen Teeliebhaber bei Hälssen & Lyon bis zu 25 Sorten Tee. Hälssen & Lyon, gegründet 1879, ist ein Hamburger Traditionsunternehmen und kauft überall dort ein, wo Tee angepflanzt wird, von Argentinien bis Uganda. Und am Sandtorkai sitzt gleich der Kaffeehändler: Die Neumann-Gruppe bezeichnet sich selbst als die weltweit führende Dienstleistungsgruppe für Rohkaffee. Und das alles in der Speicherstadt, einem Ensemble von Lagerhäusern mit grünen Kupferdächern, mit rotem Backstein und zierlichen Giebeln, goldenen Schriftzügen und vielen Erkern und Luken. Mit einer Länge von 1,5 Kilometern ist sie einer der größten zusammenhängenden Speicherkomplexe der Welt. Hier wird Importware zwischengelagert - Tee, Kaffee, Kakao, Gewürze und wertvolle Teppiche. Seit 1991 steht die Speicherstadt unter Denkmalschutz. Spätestens seitdem steht für die Hamburger fest: Hamburg ohne Speicherstadt wäre wie Rom ohne Vatikan.

14.30 Uhr, Helgoland. Touristen besteigen die Insel. Wie immer. Und wie immer scharenweise. Doch selten haben sich die Insulaner darüber so gefreut wie in diesem Jahr. Das liegt vor allem an der Mehrwertsteuererhöhung. Helgoland ist das einzige Stückchen Deutschland, das sich auf die Steuererhöhung gefreut hat. Denn während Handel und Verbrauchern in Restdeutschland der Anstieg des Satzes von 16 auf 19 Prozent seit Januar 2007 ein böser Dorn im Auge ist, ist auf der Hochseeinsel alles beim Alten geblieben: null Prozent auf Lebensmittel, null Prozent auf alle sonstigen Produkte und Dienstleistungen. Die 1.550 Einwohner haben daher gut lachen. Die Steuererhöhung auf dem Festland könnte den zuletzt wirtschaftlich gebeutelten Felsen für Touristen und Investoren wieder interessanter machen. Dass die Festland-Friesen die Insulaner mittlerweile Mehrwertsteuer-Piraten nennen, ist ihnen egal. Die Helgoländer sind selbstbewusst. Und freundlich - was vor allem die Touristen schätzen. "Da nich für", erwidern auf solche Komplimente dann die Insulaner - was soviel wie "Bitte, gerne" heißt.

16.30 Uhr, Flensburg-Mürwik. Die Soldaten sind weg. Verschwunden. Vor acht Jahren verließ die Bundesmarine den Stützpunkt Mürwik, einen für die deutsche Kriegsmarine vor allem im Zweiten Weltkrieg geschichtsträchtigen Ort. Auf dem Gelände ist heute der maritime Stadtteil Sonwik entstanden - eine Verbindung von Gewerbeflächen und Wohnen. 20 Wasser- und Steghäuser stehen nun am und im Meer. Idyll und Stille statt Schnellbootflotte und Minensuchgeschwader. Doch auch wenn der Schiffs- und Bootsverkehr heute bescheidener ausfällt, profitiert die Fördestadt immer noch vom Verkehr: Berüchtigt ist das Flensburger Verkehrszentralregister, auch "Sünderkartei" genannt, das fleißig die Strafpunkte deutscher Autofahrer sammelt. Um einen anderen, sogar internationalen Sündenverkehr kümmert sich in Flensburg ein Privatunternehmen: Beate Uhse ist Europas größter Erotikkonzern.

17 Uhr, Sylt. Jetzt im Winter sind die Einwohner Sylts endlich fast unter sich. Die 21.000 genießen die Ruhe. Es ist schön jetzt. Wirklich still. Die zahlreichen Zweitwohnsitze wohlhabender Sylt-Gäste aus Hamburg und Düsseldorf sind nun verwaist. Das lokale Leben verödet zwar ein wenig - aber die Sylter wissen, dass es ja schon bald wieder losgeht. Kurz vor Ostern. Dann überrennen bis in den Spätherbst wieder bis zu 600.000 Touristen die Insel. Manche Sylter fliehen dann. Auf eine andere Insel, die Kanaren oder Balearen. Oder eine Inselstadt. Venedig zum Beispiel. Dort ist es im Hochsommer gegenüber Sylt richtig ruhig ...

19.30 Uhr, Hamburg-Eimsbüttel. Hier leben Menschen, denen schöne Altbauten mit hohen Decken, Stuck und tollen Fassaden wichtig sind. Glücklich ist, wer so eine alte Bude gefunden hat. Der Wohnungsmarkt ist hart umkämpft. Nicht selten, dass sich bis zu 100 Personen für ein und dasselbe Objekt interessieren. In Eimsbüttel leben Studenten, Kinderwagen schiebende Hausmänner und -frauen, Großmütter und -väter durchaus auch mal in einem Mietshaus. Auch das macht für viele den Charme aus. Man sieht und trifft sich zum nachmittäglichen Kakao mit Kuchen im Café um die Ecke oder zum Bier in Kneipen und Restaurants. Nur Partyfans sind hier vielleicht falsch am Platz. Wer lieber 'ne "Perle", 'ne "Schnegge" oder 'nen "Alden" will, sollte direkt auf'n Kiez gehen.

Studieren und die Top-Arbeitgeber in Hamburg und Schleswig-Holstein

Studieren in Hamburg - Staatliche Universitäten:

Universität Hamburg www.uni-hamburg.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf www.uke.uni-hamburg.de
Technische Universität Harburg www.tu-harburg.de
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg www.haw-hamburg.de

Hochschule für bildende Künste www.hfbk-hamburg.de
Hochschule für Musik und Theater www.musikhochschule-hamburg.de
Private und andere Hochschulen: Bucerius Law School www.law-school.de
Northern Institute of Technology in Harburg http://nithh.tu-harburg.de

Hamburg School of Business Administration www.hsba.de
AMD Akademie Mode & Design www.amdnet.de
Hamburg Media School www.hamburgmediaschool.com
Hamburg School of Logistics www.hslog.de
Helmut-Schmidt-Universität - die Universität der Bundeswehr Hamburg www.hsu-hh.de/hsu

Studieren in Schleswig-Holstein

Staatliche Universitäten: Christian-Albrechts-Universität Kiel www.uni-kiel.de
Universität Lübeck www.uni-luebeck.de
Private und andere Hochschulen: Nordakademie Elmshorn www.nordakademie.de
Fachhochschule Wedel www.fh-wedel.de
Fachhochschule Flensburg www.fh-flensburg.de
Muthesius Kunsthochschule Kiel www.muthesius.de
Quelle: Junge Karriere

Top-Arbeitgeber in Hamburg und Schleswig-Holstein

Airbus Deutschland Geschäftsfeld: Flugzeugbau Kontakt: Airbus Deutschland GmbH, HR Service Center, Postfach 95 01 09, 21111 Hamburg, www.airbus-careers.com

Axel Springer Geschäftsfeld: Verlag, Medien, Druckerei Kontakt: Axel Springer AG, Personalabteilung, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg, www.axelspringer.de

Beiersdorf Geschäftsfeld: Körperpflege, Klebstoffe Kontakt: Beiersdorf AG, Personalmarketing, Unnastr. 48, 20245 Hamburg, www.beiersdorf.de

Blohm+Voss-Gruppe Geschäftsfeld: Schiffbau, Reparatur Kontakt: Blohm+Voss GmbH, Personalabteilung, Hermann-Blohm-Str. 3, 20457 Hamburg, www.blohmvoss.de

Coop Schleswig-Holstein Geschäftsfeld: Einzelhandel Kontakt: Coop, Personalverwaltung, Benzstr. 10, 24148 Kiel, www.coop.de

Damp Holding Geschäftsfeld: Gesundheitswesen, Touristik Kontakt: Damp Holding AG, Personal und Recht, Seeuferweg 10, 24351 Damp, www.damp.de

Deutsche Bahn Geschäftsfeld: Personen- und Gütertransport Kontakt: www.bahn.de

Deutsche Lufthansa Geschäftsfeld: Luftverkehr Kontakt: Deutsche Lufthansa AG, 22335 Hamburg, www.be-lufthansa.com/jobs_und_karriere.html

Deutsche Post Geschäftsfeld: Transporte Kontakt: Deutsche Post AG, Personal, Kaltenkirchener Str. 1, 22769 Hamburg, www.dpwn-karriere.de

Drägerwerk Geschäftsfeld: Medizin- und Sicherheitstechnik Kontakt: Drägerwerk AG, Personalabteilung, Moislinger Allee 53-55, 23542 Lübeck, www.draeger.com

Ethicon Geschäftsfeld: Pharmazeutische Industrie Kontakt: Ethicon GmbH, Personalabteilung, Robert-Koch-Str. 1, 22851 Norderstedt, www.ethicon.de

Gruner + Jahr Geschäftsfeld: Druck- und Verlagshaus Kontakt: Gruner + Jahr AG & Co. KG, Personalabteilung, Am Baumwall 11, 20459 Hamburg, www.guj.de

Hamburg-Mannheimer Geschäftsfeld: Versicherung Kontakt: Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG, Überseering 45, 22297 Hamburg, www.hamburg-mannheimer.de

Hapag Lloyd Geschäftsfeld: Transport/ Touristik Kontakt: Hapag Lloyd AG, Ballindamm 25, 20095 Hamburg, www.hapag-lloyd.com/de

Howaldtswerke - Deutsche Werft Geschäftsfeld: Schiffbau Kontakt: Howaldtswerke-Deutsche Werft, Personalabteilung, Werftstr. 112/114, 24143 Kiel, www.hdw.de

HSH Nordbank Geschäftsfeld: Finanzen Kontakt: HSH Nordbank, Gerhart-Hauptmann-Platz 50, 20095 Hamburg, www.hsh-nordbank.de

LBK Hamburg (Landesbetrieb Krankenhäuser) Geschäftsfeld: Gesundheitswesen Kontakt: LBK Hamburg GmbH, Friedrichsberger Str. 56, 22081 Hamburg, www.lbk-hh.de

Mobilcom Geschäftsfeld: Telekommunikation Kontakt: Mobilcom AG, Personal, Hollerstr. 126, 24753 Rendsburg-Büdelsdorf, www.mobilcom.de

Otto Group Geschäftsfeld: Versandhandel Kontakt: Otto Group, Personalmarketing, Wandsbeker Str. 3-7, 22172 Hamburg, www.otto.com/jobs.html

Philips Geschäftsfeld: Elektronik Kontakt: Philips GmbH, Personal, Steindamm 94, 20099 Hamburg, www.philips.de/about/careers/Index.html

Unilever Deutschland Geschäftsfeld: Lebensmittelindustrie Kontakt: Unilever Deutschland Holding GmbH, Dammtorwall 15, 20355 Hamburg, www.unilever.de

Für Studenten ist Hamburg kein Schnäppchen. Die monatlichen Lebenshaltungskosten betragen 838 Euro. Damit gehört die Hansestadt zu den teuersten Städten in Deutschland. Eintrittspreise für Konzerte, Events oder Partys, die vorwiegend von studentischem Publikum besucht werden, variieren zwischen fünf und 20 Euro. Ein kleiner Trost sind die Kosten fürs Wohnen: Mit einer durchschnittlichen Miete von 6,26 Euro pro Quadratmeter liegt Hamburg unter dem Mietpreisniveau anderer Großstädte. mse. Hamburg ist mit über 12.000 Medienunternehmen Deutschlands Medienhochburg. Die größte Sparkasse der Bundesrepublik ist die "Haspa". Sie beschäftigt ca. 5.800 Mitarbeiter. Hamburg hat die älteste deutsche Börse (1558). 24 so genannte Kulturfabriken bietet die Hansestadt. Damit ist sie Europas Nummer eins. In Hamburg gibt es 2.485 Brücken und Viadukte. Keine andere Stadt in Europa besitzt mehr. Mit 400.000 Grabstellen hat Hamburg in Ohlsdorf den größten "Parkfriedhof" der Welt.

Chinatown an der Elbe - eine Reportage

In Hamburg leben tausende Chinesen. Einst kamen sie alsSeeleute, heute sind sie am Elbufer heimisch geworden. Und bieten Jobs. EineStippvisite.

Seit dem Begräbnis ist eine Woche vergangen. Noch fehlt ein Grabstein. Doch eines ist sicher: Unter der Erde liegt ein Chinese. Er ist der erste, der auf dem neuen chinesischen Friedhof in Hamburg seinen himmlischen Frieden gefunden hat.
"Wir haben hier Platz für etwa 80 Gräber", sagt Martin Ming Jeh Chen und deutet mit dem ausgestreckten Arm auf die grüne Wiese, die bis auf das eine Grab noch unberührt ist. Chen ist einer der Vorsitzenden des Chinesischen Vereins in Hamburg. Auf seinem rundlichen Gesicht macht sich ein zufriedenes Lächeln breit. Immerhin war er es, der veranlasst hat, dass die Stadt dieses zweite Gräberfeld auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf zur Verfügung stellt. Zwar haben die Chinesen schon seit 1929 einen eigenen Friedhof. Doch weil im Laufe der Jahre so viele von ihnen nach Hamburg gekommen sind, war es dort zuletzt eng geworden.

Heute leben etwa 10.000 Chinesen in der Stadt. Zudem haben sich annähernd 400 Unternehmen aus China in Hamburg niedergelassen, mehr als in jeder anderen europäischen Stadt. Hamburg hat sich zum wichtigsten Brückenkopf für den Handel zwischen Europa und China entwickelt. Rund ein Drittel aller Waren, die im Hamburger Hafen umgeschlagen wurden, kamen aus der Volksrepublik China oder aus Taiwan. Die Chinesen verfrachteten im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Container per Schiff nach Hamburg. "Vor zehn Jahren hätte das niemand für möglich gehalten", sagt Jürgen Sorgenfrei, Marketingchef des Hamburger Hafens. Dabei reichen die Beziehungen zwischen Hamburgern und Chinesen weit zurück.

1915 kam Martin Chens Großvater auf einem Schiff der Norddeutschen Lloyd nach Hamburg gereist. Bei den deutschen Reedereien waren die Chinesen sehr willkommen, denn billigere Arbeitskräfte konnten sie kaum bekommen. Sie ließen sich am Elbufer nieder. Im Hafenviertel machten sie Läden, Gaststätten oder Wäschereien auf, so dass in den 20er Jahren rund um Reeperbahn und Schmuckstraße ein lebendiges Chinesenviertel entstand. Für die Verstorbenen gab es seit 1929 den ersten chinesischen Friedhof. Auch das Grab des Großvaters Chen Chi Ling befindet sich dort.

Im Dritten Reich wurden die Chinesen von den Nazis vertrieben. Nach 1945 kam Martin Chens Vater jedoch zurück, holte später seine Familie nach. So auch seinen Sohn. Der war damals 13 Jahre alt. Heute ist er 59 und spricht natürlich fließend hamburgisch. Wie auch sein Sohn Benjamin, 24, der an der Uni Hamburg Jura studiert.

Der Job: Chinesische Seeleute an Schiffseigner  vermitteln

Im Büro von Martin Chen schellt das Telefon. Der Mann am anderen Ende der Leitung fragt, ob Chen ihm gute Seeleute besorgen könne. Zwölf Mann für die Wäscherei des Kreuzfahrtschiffs Aida - kein Problem für Chen, er hat viele Kontakte. Und es ist schließlich sein Job, chinesische Seeleute an Schiffseigner zu vermitteln. Von der Provision kann er gut leben. "Crewing" nennt man diese Dienstleistung in der internationalen Schifffahrt. An der Wand von Chens Büro hängen noch die Bilder von Frachtern, auf denen der studierte Schiffsingenieur einst selbst zur See gefahren ist.

Seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO im Dezember 2001 hat Chen viel Gesellschaft bekommen. Chinesische Geschäftsleute nutzen die Handelsmetropole wegen ihrer zentralen Lage in Europa. Kommt ein Schiff im Hafen an, wird die Ladung auf dem Festland gleich weiter verteilt. Davon profitiert die Hansestadt: Die Lieferungen aus China kurbeln wiederum den Handel mit Osteuropa an, so dass Hamburg nach Rotterdam jetzt zum größten europäischen Hafen aufgestiegen ist. Außerdem schaffen die Chinesen Arbeitsplätze. "Wir gehen davon aus, dass etwa 1.500 Menschen bei chinesischen Unternehmen beschäftigt sind", sagt Jens Aßmann von der Hamburger Handelskammer. Die größten Arbeitgeber sind die Logistik-Konzerne Cosco mit etwa 180 Mitarbeitern und China Shipping mit 120. Die meisten Betriebe sind aber klein und kommen mit drei oder weniger Mitarbeitern aus.

Ein kleines Nebengeschäft unterhält auch Chen. In seinem chinesischen Seemannsheim lässt er Matrosen wohnen, solange diese auf Landgang sind. Das Heim bietet Platz für 20 Mann. Wenn noch mehr kommen, räumt der Hausherr schon mal sein Büro und legt Matratzen aus. Für zwölf Euro pro Tag bekommen seine Gäste Kost und Logis, können sich die Zeit vor dem Fernseher oder mit einem Buch aus der chinesischen Bibliothek vertreiben. Ab und an, wenn die Neuankömmlinge aus Fernost mit den deutschen Beamten überfordert sind, hilft Chen auch beim Behördengang.

Aus erzieherischen Gründen ist das Seemannsheim in einem schmucken Stadthaus im bürgerlichen Stadtteil Eppendorf untergebracht - weitab von Hafen, Huren und Halunken. "Darauf hat mein Vater geachtet, als er das chinesische Seemannsheim gründete", sagt Chen. "Die Matrosen sollten nicht gleich ihre Heuer in der Kneipe durchbringen."

Es gibt einen chinesischen Kindergarten und vier private Sonntagsschulen

Die Hamburger Exil-Chinesen haben gleich mehrere Vereine gegründet: so die Chinesisch-Deutsche Gesellschaft, den Ostasiatischen Verein oder den Chinesischen Verein von Martin Chen. Es gibt einen chinesischen Kindergarten und vier private Sonntagsschulen. Hier werden die Söhne und Töchter der chinesischen Geschäftsleute in der Muttersprache unterrichtet. Sie lernen zum Beispiel, dass Hamburg auf Chinesisch "Hanabo" heißt, was wörtlich übersetzt "Burg der Chinesen" bedeutet. An der Universität Hamburg ist das älteste und größte deutsche Institut für Sinologie beheimatet. Am Klinikum in Eppendorf ist kürzlich ein Zentrum für traditionelle chinesische Medizin eingerichtet worden. Und schließlich: Chinesen haben in der Stadt rund 200 China-Restaurants aufgemacht.

Auch im alteingesessenen "Sagebiels Fährhaus" wird chinesische Küche serviert. Das Fährhaus ist eines der beliebtesten Ausflugslokale in den teuren Hamburger Elbvororten. Von der Terrasse kann man die voll beladenen Containerriesen aus dem Reich der Mitte vorbeischippern sehen. Auch der Eigentümer des "Sagebiels" genießt diesen Blick. Er heißt Michael und ist Martin Chens älterer Bruder.

Dass sich seit Großvater Chens Ankunft vor knapp 100 Jahren die Hamburger Chinesen nicht nur gut assimiliert haben, sondern auch von den Hamburgern voll akzeptiert sind, lässt sich wohl kaum besser ablesen als auf dem Friedhof Ohlsdorf. Während der Gedenkstein auf dem Friedhof von 1929 "an die in Hamburg verstorbenen chinesischen Seeleute" erinnerte, ist die Inschrift heute auf dem neuen Friedhof den "chinesischen Mitbürgern" gewidmet.

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