Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Alles, was erfolgreich macht.

Hochschule Bachelor: Den Fachwechsel gut planen

Studenten, die während des Bachelors ihr Fach oder die Uni wechseln wollen, haben es schwer: Selbst für Fächer mit identischem Namen werden die Leistungen nicht immer angerechnet. Wichtig ist es, seinen Wechsel gut zu planen.

Andreas Monning | , aktualisiert

Als Grischa Dallmer im letzten Sommersemester sein Studium an der Berliner Humboldt-Uni (HU) aufnahm, war er hoch motiviert. Philosophie und Sozialwissenschaften als Kombi-Bachelor sollte es sein. Doch dann fand er heraus, dass Philosophie an der Freien Uni (FU) "wesentlich kritischer gelehrt wird", wie Dallmer sagt. Also entschloss er sich, sein Studium nach dem zweiten Semester aufzuteilen: Mit dem Hauptfach wollte er an die FU wechseln, das Nebenfach Sozialwissenschaften wollte er an der HU studieren. Eine simple Sache, sollte man meinen.

Nach einer Odyssee durch mehrere Studienberatungen musste er allerdings erkennen: Die Tücken im System machen einen Wechsel fast unmöglich. "Man hat wirklich versucht mir zu helfen", sagt er. "Aber dass es keine vernünftige Lösung gibt, das hätte ich nicht gedacht."

20 Prozent der Studenten wechseln

Grischa Dallmer ist nicht allein. Jeder Fünfte wechselt im Verlauf seines Studiums das Fach, die Hochschule oder beides. Diese Flexibilität ist gewünscht und zählt zu den Zielen des Bologna-Prozesses. Einfach in dem zweistufigen Bachelor-Master-System ist der Wechsel aber nur nach dem ersten Abschluss. Wer seine Fach- oder Hochschulwahl während des Bachelors korrigieren will, hat "gravierende Schwierigkeiten", heißt es in der Studie "Mobilität und Studium", die die Hochschulrektorenkonferenz im vergangenen Jahr veröffentlichte. Oft gibt es Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen, die dazu führen, dass Wechsler viel Zeit verlieren.

Kim Raese vom Asta der Uni Bochum erfährt dies täglich. "Letztens war eine Geologie-Studentin bei mir, die nach dem zweiten Semester im gleichen Fach von Bochum nach Hamburg wechseln wollte." Um in Hamburg ins dritte Semester eingestuft zu werden, fehlten ihr allerdings Einführungsscheine, die es in Bochum nicht gibt. "Letztlich konnte sie die hier im Ruhrgebiet auch nirgendwo nachmachen." Um nicht zwei Semester zu verlieren, verzichtete die Studentin auf den Wechsel.

Das Problem: Selbst identisch klingende Studiengänge sind kaum vergleichbar. Die Studienordnungen im gleichen Fach unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule und von Bundesland zu Bundesland. Kein Wunder also, dass die Quote derjenigen, die während des Bachelors im gleichen Fach die Hochschule wechseln, seit Einführung des Abschlusses gesunken ist.

Starke Eigentinitiative gefragt

Mangelnde Vergleichbarkeit, fehlende Anerkennung, drohender Zeitverlust: Sollte man angesichts dieser Barrieren einen Uni-Wechsel nur dann anstreben, wenn er unumgänglich ist? "Das kann man pauschal natürlich nicht sagen", sagt Benita Bischoff, die Leiterin der Studienberatung der HU. Grundsätzlich müsse ein Wechsel natürlich immer gut überlegt sein. Wenn die Entscheidung aber gefallen ist, komme es viel auf die eigene Initiative an. Als Erstes die wichtigen Ansprechpartner aufsuchen, rät Bischoff, also die jeweiligen Fachberater und die Prüfungsämter. Dabei gilt: In Fächern mit örtlicher Zulassungsbeschränkung oder ZVS-Vergabe besteht oft auch in höheren Fachsemestern eine Zulassungsbeschränkung.

Eine gute Möglichkeit, einen Studienplatz an einer anderen Hochschule zu erhalten, ist der Studienplatztausch. Bis zu 6000 Gesuche verzeichnet die Online-Tauschbörse des Vereins Studentischer Belange (VSB) pro Semester, immerhin ein Drittel davon klappt. "Tauschen kann man grundsätzlich in fast allen Fächern", erklärt Projektleiter Manfred Bähr. Neben den medizinischen Fächern sei vor allem Jura ein typisches Tauschfach, weil Studierende häufig die Hochschule wechseln müssten, nachdem sie sich für Schwerpunkte wie Staatsrecht oder Finanzrecht entschieden haben. Bei BWL dagegen sind die Zahlen seit Einführung des Bachelors spürbar gesunken.

Ein Tausch klappt, wenn der Partner an der anvisierten Hochschule im gleichen Fach mit demselben Abschluss und im selben Semester eingeschrieben ist. Der Tausch zwischen einem Diplom- und einem Bachelor-Studiengang ist nicht möglich. In seltenen Fällen lassen Hochschulen mit sich verhandeln. "Die meisten haben für den Tausch aber einen strengen Regelkatalog", sagt Bähr, und auf den werde seiner Erfahrung nach häufig unnachgiebig gepocht. Die letzte Möglichkeit ist ein Rechtsstreit. Bevor man allerdings klagt, sollte man die erhaltene Absage nochmal prüfen lassen: statt vom Fachberater dann eventuell vom Fachbereichsleiter.

Die nächste Hürde ist die Anrechnung bereits erbrachter Studienleistungen Auch hier gibt es kein pauschalen Lösungen. Im Zweifelsfall muss man auf positive Einzelfallentscheidungen der Fachstudienberatung und des Prüfungsamtes hoffen. Diese Stellen lassen nach Aussagen von Asta-Beratern allerdings häufig das nötige Fingerspitzengefühl vermissen. Leistungen würden im Zweifelsfalle lieber nicht anerkannt. Hartnäckigkeit könne sich jedoch lohnen, sagt Kim Raese. Sie hat den Eindruck, dass Dozenten und Berater häufig überlastet sind - oder schlichtweg überfragt. Zu der Beraterin kommen immer wieder aufgelöste Studenten, die mit negativem Bescheid "abgefertigt" wurden. "In solchen Fällen schalten wir uns direkt ein und wenden uns im Namen der Studierenden an die Beratungsstellen." Der offizielle Auftritt setze zumindest den Klärungsprozess wieder in Gang.

Oft nur die Basisveranstaltungen vergleichbar

Auch zu Bärbel Gertich kommen ausschließlich Studierende mit Problemen: Wenn der Hochschul- oder Fachwechsel im Fachbereich BWL nicht glatt über die Bühne gehen will, wenden sich die Betroffenen an die Professorin und Studienfachberaterin der HU. Zeitverluste beim Wechsel kann allerdings auch ihr Einsatz nicht verhindern, selbst wenn der Student im gleichen Fach bleibt: "Der Bachelor-Studiengang heißt zwar auch an anderen Hochschulen BWL, das Lehrprogramm ist aber häufig ein ganz anderes", erklärt die Expertin. Jede Uni versuche, ihr Studienangebot besonders, einzigartig oder maßgeschneidert zu gestalten. Deshalb seien meistens maximal die Basisveranstaltungen vergleichbar, die Vertiefungen dagegen sehr speziell. "Wenn jemand an seiner Uni Krankenhausmanagement in der Vertiefung hatte und nach Berlin kommt, findet er das an der mathematisch-empirisch ausgerichteten HU nicht vor."

Logischerweise spielt die inhaltliche Vergleichbarkeit der Studiengänge eine große Rolle. "Wer aus den naturwissenschaftlichen Fächern zu BWL wechselt, etwa aus der Mathematik, der bringt bereits den ganzen mathematisch-statistischen Strang mit", sagt Gertich. Auch Jura habe viele Überschneidungen, beispielsweise im Wirtschaftsrecht. Die Einstufung in ein höheres Fachsemester sei also sehr wahrscheinlich.

Man muss den richtigen Zeitpunkt treffen

Grundsätzlich kann man an einer Hochschule auch die Abschlussart wechseln, zum Beispiel vom Diplom- in einen Bachelor-Studiengang. Doch nicht immer geht das gleichermaßen zum Winter- wie zum Sommersemester. Es hängt davon ab, wann die Hochschule den Einstieg anbietet. BWL an der Humboldt-Uni ist in einem dreisemestrigen Turnus angelegt. Dass man im gleichen Fachsemester wie zuvor weiterstudieren darf, ist unwahrscheinlich: Die Scheine aus den alten Studiengängen sind mit den Modulprüfungen des Bachelors nicht gleichzusetzen. Was übertragbar ist, muss im Einzelfall geprüft werden. An der Uni Hamburg beispielsweise wird man beim Wechsel vom BWL-Diplom zum BWL-Bachelor grundsätzlich nicht höher als ins zweite Fachsemester eingestuft. "Trotz aller Probleme, die mit dem neuen System bestehen: Im Prinzip können Wechsel auch reibungslos verlaufen", sagt Manfred Bähr vom VSB. Das hänge zwar leider stark von der Kooperationsbereitschaft der Hochschule ab. Aber auch als Studierender könne man einiges tun, um einen Wechsel zu erleichtern. "Es gibt günstige und weniger günstige Zeitpunkte." So verbiete es sich geradezu, inmitten eines zweisemestrigen Moduls zu wechseln. Dieses wird man nämlich wahrscheinlich weder in einem anderen Fach noch an einer andern Hochschule fortführen können. "Günstig ist der Wechsel dagegen nach großen Scheinen."

Und Grischa Dallmer? Er musste erfahren, dass man sein Studium seit der Einführung des Bachelors nicht mehr auf zwei Hochschulen verteilen kann. "Da war ich erst baff, habe mich dann aber entschieden, komplett an die FU zu wechseln", sagt er. Dort wird seine Kombination zwar nicht angeboten. Aber man verwies ihn auf den Zwei-Fach-Studiengang Philosophie und Politologie. "Im Prinzip wäre das okay, bloß gelte ich bei einem solchen Wechsel nicht mehr als Hochschulwechsler, sondern als Quereinsteiger. Ein Studienplatz ist mir dann nicht mehr sicher."

Von seiner Motivation, die zu Beginn des Studiums noch sehr groß war, ist inzwischen nicht mehr sehr viel übrig geblieben.

Wichtig beim Wechsel

Diese drei Tipps helfen, beim Studiensprung nicht zu fallen.

1. Anträge und Verwaltung

Ob Schwerpunkt-, Fach- oder Hochschulwechsel: Jede Veränderung muss beantragt werden. Anlaufstelle ist meist die Zentrale Studienberatung. Zusätzlich ist beim Prüfungsamt ein Einstufungsantrag zu stellen, der das Fachsemester festlegt, in dem man im neuen Studiengang oder an der neuen Uni weiterstudieren darf.

2. Noten und Co

Im alten Studiengang erbrachte Prüfungsleistungen werden angerechnet, wenn Art, Inhalt und Umfang der Anforderungen vergleichbar sind. Achtung: Für die Mitnahme von Leistungspunkten gilt oft eine Obergrenze. Welche bereits erbrachte Leistung man anrechnen lassen kann, zeigen Äquivalenztabellen, die die Hochschulen erarbeitet haben. Im alten Studiengang erzielte Noten gehen mit dem Gewicht des Leistungsmoduls des neuen Studiengangs, auf das die Prüfungsleistung angerechnet wurde, in die neue Gesamtnote ein.

3. Vorsicht beim Bafög

Für Bafög-Empfänger ist ein Fach- wechsel nur bis zum Beginn des vierten Fachsemesters unproblematisch. Wer sich erst später neu orientiert, verliert in der Regel den Anspruch auf Bafög. Wenn alle bis zum Wechsel absolvierten Semester als Fachsemester für den neuen Studiengang angerechnet werden können, werten die Ämter dies als sogenannte Schwerpunktverlagerung, was unbedenklich ist. Gehen beim Wechsel Semester verloren, werden zur Berechnung der Höchstförderungsdauer des Bafögs auch die Semester im ersten Studiengang berücksichtigt. Seine Wechselabsichten sollte man also unbedingt mit dem örtlichen Bafög-Amt klären.

Envelope

Für Hochschulrektorenkonferenz wurden passende Jobangebote gefunden.

Wollen Sie diese und kommende Jobangebote per E-Mail zugesendet bekommen?

Jobs anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die neuesten Karriere-Themen informieren? Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.karriere.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Ab sofort bleiben Sie bei den aktuellsten Karriere-Themen auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Lade Seite...