Hochschulabsolventen Für wen gibt's das beste Einstiegsgehalt?

Während die einen gerade erst ins Wintersemester starten, schauen sich die anderen nach ihrem ersten Job um. Was Trainees, Doktoranden und Jobstarter erwarten können und wer das meiste Geld verdient.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Für wen gibt's das beste Einstiegsgehalt?

Einstiegsgehalt 2

Foto: pathdoc/ Fotolia.com

An den deutschen Unis und Fachhochschulen kehrt wieder Ruhe ein: Die Erstsemester haben die ersten Wochen hinter sich, die Absolventen ihre Zeugnisse abgeholt. Allein im vergangenen Jahr haben 492.000 junge Menschen – Bachelorabsolventen, Master und Doktoren – die Unis verlassen und sich ins Berufsleben gestürzt. Dieses Jahr dürften es etwas mehr als 500.000 Absolventen sein, die nun einen Job suchen. Die Mehrheit davon mit einem Bachelorabschluss in Rechts-, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften.

Die Erwartungen der Berufseinsteiger sind hoch: Arbeitsmarktforscher versprechen ihnen sichere Jobs und gutes Gehalt. "Je höher die Qualifikation, desto besser ist die Position auf dem Arbeitsmarkt", sagt auch IAB-Forscher Enzo Weber.

Einstiegsgehälter zwischen 30.000 und 64.200 Euro

Das macht sich auch bei den Einstiegsgehältern für Absolventen bemerkbar – selbst bei den Bachelorabsolventen. Das Bild des Abschlusses, der bei seiner Einführung stark kritisiert wurde, scheint sich gewandelt zu haben. "Die Einstiegsgehälter für Bachelorabsolventen fallen dieses Jahr sehr hoch aus", bestätigt Thomas Gruhle, Vergütungsexperte bei der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry Hay Group. Sein Arbeitgeber hat für eine aktuelle Vergütungsstudie, die WirtschaftsWoche Online vorliegt, deutsche Unternehmen befragt, wie viel sie ihren Berufseinsteigern zahlen wollen.

Die Spannbreite der Einstiegsgehälter liegt demnach über alle Branchen hinweg zwischen 30.000 und 64.200 Euro brutto im Jahr. Unabhängig von Fachrichtung und Branche liegt das marktübliche Einstiegsgehalt für Bachelorabsolventen bei 48.100 Euro brutto, Masterstudenten bekommen im Median 50.500 Euro und Promovierte 50.400 Euro brutto im Jahr. Der Doktortitel ist nämlich mitnichten ein Garant für ein exorbitantes Einkommen. Mit einer Ausnahme: Juristen beschert er ein stattliches Lohnplus. Bei allen anderen macht er sich bloß gut auf der Visitenkarte.

Da nicht nur der Abschluss und die Branche des einstellenden Unternehmens über die Höhe des Einstiegsgehalts entscheiden, hat die Unternehmensberatung Korn Ferry Hay Group verschiedene Studiengänge und die Einstiegsgehälter der jeweiligen Absolventen genauer untersucht. Zu Recht, wie Simone Melcher sagt, die bei der Personalberatung Lurse für Vergütungsstudien und Benchmarking zuständig ist. "Unsere Daten zeigen, dass Ingenieure immer noch mehr verdienen, als beispielsweise Absolventen kaufmännischer Studiengänge."

Die üblichen Verdächtigen unter den Gewinnern

Bei den Daten von Korn Ferry liegen die Medianwerte über alle Studiengänge hinweg relativ nah beieinander (47.900 bis 50.600 Euro). Trotzdem gibt es auch in dieser Studie Gewinner und Verlierer unter den Berufszweigen.

Zumindest planen die befragten Unternehmen, Informatiker, Naturwissenschaftler, Juristen und Wirtschaftswissenschaftler besonders gut zu bezahlen. Absolventen aus den Fachrichtungen Marketing, Finanzen und Logistik haben dagegen finanziell das Nachsehen.

Ein ganz ähnliches Bild zeichnet die aktuellste Erhebung der Einstiegsgehälter des Portals gehalt.de anhand von 14.760 Gehaltsdaten. Demnach arbeiten die Topverdiener im Aktiv- und Passivgeschäft von Banken, dicht gefolgt von dem Jahreseinkommen eines Key-Account-Managers mit 52.800 Euro und das eines Ingenieurs in der Instandhaltung mit 52.000 Euro. Des Weiteren können Bachelorabsolventen in der technischen Forschung und Entwicklung mit einem hohen Jahreseinkommen von rund 50.000 Euro rechnen.

Der Test- und Versuchsingenieur belegt mit 49.400 Euro den fünften Platz. Steuerfachangestellte, Absolventen die irgendwas-mit-Medien machen auch: Am schlechtesten weg kommen bei gehalt.de die jungen Architekten mit Masterabschluss mit 32.400 Euro brutto im Jahr.

Die unterschiedlichen Top-Verdiener und Top-Branchen sind natürlich immer der Auswahl der Befragten geschuldet und variieren deswegen von Untersuchung zu Untersuchung. Beim einen sind es die Banker, die am meisten verdienen, beim nächsten sind es die Naturwissenschaftler und beim dritten die Ingenieure.

Vergütung nach Position, weniger nach Fachrichtung

Was jedoch allen Auswertungen und Befragungen gemein ist, ist das: Philosophen, Historiker, Linguisten oder Ethnologen sind es nie. "Das Gehaltsniveau der Geisteswissenschaftler liegt deutlich unter dem anderer Fachrichtungen", sagt Melcher. Daran hat auch die steigende Bedeutung von soft skills nichts geändert. Deutschland ist und bleibt nun mal Industrienation, die ihre Dichter zwar schätzt, aber nicht gut bezahlt.

"Allerdings", sagt Melcher, "vergüten Unternehmen nicht mehr so stark nach Fachrichtung, sondern mehr nach der Position, die besetzt wird." Geisteswissenschaftler haben also nicht per se keine Chance auf ein hohes Einstiegsgehalt.

Hinzu kommt laut Melcher, dass sich die Gehälter in manchen Branchen oder Fachrichtungen unterschiedlich schnell entwickeln. "Juristen, die in einer Kanzlei anfangen, haben sofort ein gutes Gehalt und eine gute Gehaltsentwicklung. In einer Beratung entwickelt sich das Gehalt erst nach zwei, drei Jahren signifikant", sagt sie. Auch bei den Wirtschaftswissenschaften kommt es auf Schwerpunkt und Arbeitgeber an. Wer Firmenübernahmen betreue, verdiene mehr als jemand in der Personalabteilung.

Ein Masterabschluss lohnt sich

Anders als der Maschinenbauingenieur wird der Absolvent der LMU München, der Spätantike und Byzantinische Kunstgeschichte studiert hat, vermutlich nicht wegen seines Abschlusses eingestellt. Von Museen und Universitäten einmal abgesehen. Diesen Nachteil kann der Kunsthistoriker allerdings ausgleichen, in dem er sich auf eine Traineestelle bewirbt. Diese richten sich mitunter explizit an Geisteswissenschaftler. Und die verdienen als Trainee sogar mehr als der Werkstudent mit Schwerpunkt Anlagenelektronik. Das geht zumindest aus der Vergütungsstudie von Korn Ferry hervor. Demnach erreichen Trainees in Unternehmen – unabhängig vom Studienfach – mit 3900 Euro brutto im Monat die höchste Medianvergütung.

Doktoranden bekommen dagegen im Median 2300 Euro brutto im Monat, Werkstudenten 1200 Euro, duale Studenten 1100 Euro monatlich und Praktikanten 800 Euro. Und im Zweifelsfall wirkt sich Weiterbildung – oder ein höherer Abschluss – fast immer positiv auf das Gehalt aus.

"Nach dem Bachelor- noch einen Masterabschluss zu absolvieren lohnt sich nicht nur hinsichtlich des Einstieggehalts, sondern auch langfristig. Denn wer später eine Führungsposition übernehmen möchte, erhöht mit einem Masterabschluss definitiv seine Chancen", sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von gehalt.de.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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