Hochburg der IT-Branche Baden-Württemberg, die Region der Alleskönner

Selten, dass Streber auch witzig sind. In der Werbung sind sie es. Außer Hochdeutsch gibt es in Baden-Württemberg tatsächlich fast alles - Porsche, Daimler, Bosch, das beste Opernhaus, die meisten Tüftler und beste Jobaussichten. Ein Tag im Musterbundesländle.

Heike Anger, Martin Roos | , aktualisiert

7.31 Uhr, Böblingen, S-Bahnstation Hulb. 
Die orange-rote S1 Richtung Herrenberg fährt ein. Die Türen öffnen sich, Menschen drängen auf den Bahnsteig. Über den Schultern hängen Notebook-Taschen. Getragen werden sie zum Technologie- und Businesspark. Hier sitzen Global Player wie der Computerkonzern Hewlett-Packard, der die Hälfte seiner bundesweit 9.000 Mitarbeiter in seiner Deutschland-Zentrale in Böblingen beschäftigt. Knapp fünf Kilometer entfernt betreibt IBM das größte Entwicklungszentrum außerhalb der USA, in Stuttgart-Vaihingen steht die deutsche Zentrale. Die Region ist eine Hochburg der deutschen IT-Industrie.

9.00 Uhr, Stuttgart-Untertürkheim
DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche genießt eine neue Aussicht. Nachdem er die Konzernzentrale vom Stadtteil Möhringen in ein Hochhaus auf dem Gelände des Stammwerks in Untertürkheim verlegt hat, kann er nun von der Vorstandsetage direkt auf die Produktion blicken. Ein weitläufiges Panorama, denn Fahrzeugaggregate und Komponenten werden in sieben Werkteilen auf über zwei Millionen Quadratmetern gefertigt. Zetsche will mit seinem Umzug nach Untertürkheim näher am Werk sein.

11.15 Uhr, Baden-Baden. 
Zwei gut situierte ältere Damen schlendern in Richtung Kurhaus, erfreuen sich am akkurat geschnittenen Rasen und den opulenten Blumenrabatten. Für heute Abend haben sie Karten für das Festspielhaus. Die Berliner Philharmoniker spielen Berlioz, Strawinsky und Beethoven. Danach lockt die Spielbank. Seit über 250 Jahren rollen hier im plüschigen Ambiente die weißen Roulettekugeln. Neben allerlei Hochadel und Neureichen zieht es neuerdings auch immer mehr junge Leute ins edle Kurstädtchen - gelockt von Kneipen, Bars, Entertainment und Wellness.

11.30 Uhr, Heidelberg.
Die Delegation erregt Aufsehen, als sie quer über den Universitätsplatz eilt, um im Gebäude der Neuen Universität zu verschwinden. "Hier scheint was Wichtiges zu passieren", sagt ein besonders Scharfsinniger, der auf sein nächstes Seminar wartet. Recht hat er. Die 15-köpfige Expertengruppe prüft in den nächsten Wochen, ob die Universität Heidelberg im Zuge der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern den Status einer Elite-Universität erhält. Die Spitzenforschung der ältesten Universität Deutschlands bekäme dann bis 2011 130 Millionen Euro Fördermittel. An der mit 27.500 Studierenden größten Uni in Baden-Württemberg würde das einen Boom auslösen.

13.00 Uhr, Ludwigsburg. 
Das Café "Blauer Engel" ist voll und laut. Die Kellner hetzen mit Pizza, Pasta und belegten Baguettes an der langen Theke entlang. Ein ungewöhnlicher Service für eine Mensa. Als solche nämlich dient das Bistro für die angrenzende Filmakademie Baden-Württemberg. Den Studenten bekommt die kreative Nahrungsaufnahme offenbar: Seit ihrer Gründung vor 15 Jahren hat sich die Akademie zur international anerkannten Schmiede für den Filmnachwuchs entwickelt. Von den 900 Absolventen entwerfen einige heute Fabelwesen für Harry-Potter-Filme oder für Starwars. Volker Engel bekam für seine Special Effects im Film "Independance Day" einen Oscar. Die Region profitiert von den fertigen Regisseuren, Drehbuchautoren, Digital-Artists und Trickfilmern: Mit seinen zahllosen Animationsstudios und Produktionsfirmen belegt der Raum Stuttgart bundesweit Platz eins bei den Multimedia-Dienstleistungen.

14.00 Uhr Metzingen.
In der schwäbischen Metropole des Fabrikverkaufs bricht der Verkehr zusammen. Langsam schieben sich die Autokolonnen auf riesige Parkplätze, von dort strömen Massen modebewusster Schnäppchenjäger in die Outlet-City. Hugo Boss, Joop, Tommy Hilfiger, Marc O'Polo, Esprit - 30 Kilometer südlich von Stuttgart gibt es Markenartikel zu Billigpreisen und in Grabbeltisch-Atmosphäre: Zwischen den nackten Betonwänden der Boss-Verkaufshalle wühlen sich Menschen durch Anzüge und Hemden. Die meterlangen Verkaufsständer hängen voll. Zwei Millionen Kunden aus ganz Europa strömen jedes Jahr nach Metzingen, zum Mode-Mekka fürs Volk.

14.30 Uhr, Tübingen. 
An den Anlegestellen am Hölderlin-Turm weht ein laues Lüftchen, der Neckar fließt gemächlich, von den Bäumen fallen Blätter auf den Fluss und schwimmen davon. Am schmalen Ufer vor dem Hölderlin-Turm stehen Grüppchen - Touristen, Einheimische, Studenten. Sie haben sich zum "Stochern" eingefunden - mit einer sieben Meter langen Stange stößt sich der "Stocherer" auf dem Holzboot vom Flussgrund ab und bewegt so den Kahn. Das Stocherkahnrennen der Burschenschaften im Sommer ist ähnlich aufregend wie das "Boat Race", der Ruderwettkampf, zwischen Oxford und Cambridge. Nur nicht ganz so ehrgeizig. Denn am Neckar geht es vor allem auch darum, dass alle mal ins Wasser fliegen.

15.00 Uhr, Freiburg im Breisgau. 
Die Sonne knallt vom Himmel. Nichts außergewöhnliches, denn Freiburg ist die sonnigste Stadt Deutschlands. Und die grünste - politisch gesehen. Wen wundert's da, dass die Metropole der Gässle und Bächle zur deutschen Solar-City avanciert ist. Dieter Salomon, einziger grüner Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt, hat in den vergangenen vier Jahren seiner Amtszeit alles darangesetzt, am Image Freiburgs als Umwelt- und Solarhauptstadt zu feilen. Die Zukunftsbranchen stellen schon jetzt mehr als 10.000 Arbeitsplätze in der Region.

16.15 Uhr, Waldachtal-Tumlingen. 
Im nördlichen Teil des Schwarzwalds, inmitten von Wald und Wiesen, wird getüftelt was das Zeug hält. 1958 wurde hier in den Fischerwerken der Dübel erfunden, erst vor kurzem unterzog der Schwergewichtsboxer Luan Krasniqi die Fischer-Produkte einem Belastungstest: Eigenhändig half er mit, den 2,6 Tonnen schweren Geländewagen von Inhaber Klaus Fischer an einem einzigen Verbundanker hochzuheben. So etwas geht nur im Erfinderländle. Hier wurde das Auto erfunden, der Zeppelin und der Bürokopierer. Alle 40 Minuten meldet ein Baden-Württemberger ein Patent an, 2005 waren es 120 Patente pro 100.000 Einwohner.

18.30 Uhr, Hochrhein am Bodensee.
Christian M. sitzt auf einem der weißen Hocker der Vanilla-Lounge und studiert die Wohnungsanzeigen für Lörrach. Er sucht eine helle Wohnung mit kleiner Kochnische, fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. "Eine günstige Lage zu öffentlichen Verkehrsmitteln ist am wichtigsten", sagt er. Als Berufspendler fährt er jeden Morgen nach Basel. Damit gehört Christian zu den 32.000 Menschen, die in der Region täglich über die Staatsgrenze hinweg zu ihrem Arbeitsplatz pendeln. Auf 320 Kilometern grenzt zwischen Basel und Konstanz Deutschland an die Nordwestschweiz. Lörrach im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz ist mit über 14.000 Grenzgängern Pendel-Spitzenreiter.

20.15 Uhr, Maulbronn. 
Die Gaststube der Klosterschmiede ist gut gefüllt. Küchenmeister Karl Schempf wacht streng darüber, dass die Maultaschen, Spätzle und Saitenwürstle schnellstmöglich auf die weiß eingedeckten Tische kommen. Das hat Tradition. Das Kloster Maulbronn zwischen Karlsruhe und Heilbronn gilt als Geburtsstätte der Maultaschen. Im 30-jährigen Krieg sollen die Mönche in der Fastenzeit an Fleisch gekommen sein. Der Hunger siegte, das Fleisch wurde klein gehackt und mit Spinat vermengt kurzerhand in einer Teighülle versteckt. Als "Herrgottsbscheißerle" waren die Maultaschen geboren.

23.00 Uhr, Stuttgart. 
Vor der "Röhre" hat sich eine Schlange gebildet, die vom Neon-Schriftzug über dem Eingang in ein bläuliches Licht getaucht ist. Was als Autotunnel zwischen Stuttgart-City und Stuttgart-Ost geplant war, dient heute als Konzert- und Party-Location. Drinnen wölbt sich die Decke, es gibt Alternative und Independent auf die Ohren und "ne Halbe", also Humpen mit 0,5 Liter Bier. Die ganze Nacht werden nebenan die Autos durch den Wagenburgtunnel rauschen, während hier Luftgitarre gespielt wird. Und zwar was das Zeug hält. Meister in dieser Disziplin sind die Schwaben noch nicht. Der aktuelle Deutschland-Champion kommt aus Berlin.

ABB

Branche: Elektrotechnik, Maschinenbau 
Mitarbeiter in BW: k.A. 
Einstellungen in BW: 60 
Kontakt: Kallstadter Str. 1, 68309 Mannheim, Tel. 06 21.43 81-0, www.abb.de

Bosch

Branche: Kfz-Zulieferer
Mitarbeiter in BW: 48.000 
Einstellungen bundesweit: 2.500 
Kontakt: Ref. Traineeprogramme, Postfach 10 60 50, 70049 Stuttgart, www.bosch-career.de

EnBW

Branche: Energie 
Mitarbeiter in BW: 14.500 
Einstellungen bundesweit: 175 
Kontakt: Annika Heitmann, Durlacher Allee 93, 76131 Karlsruhe, Tel. 07 21.63-1 39 61, e-Mail: a.heitmann@enbw.com, www.enbw.com/karriere

Heidelberg Cement

Branche: Bau 
Mitarbeiter in BW: k.A. 
Einstellungen bundesweit: 40 
Kontakt: Personal, Berliner Str. 6, 69120 Heidelberg, Tel. 0 62 21.4 81-0, www.heidelbergcement.com

Hugo Boss

Branche: Mode 
Mitarbeiter in BW: k.A. 
Einstellungen bundesweit: 200 
Kontakt: Dieselstr. 12, 72555 Metzingen, Tel. 0 71 23. 94-0, www.hugoboss.com

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Branche: Finanzdienstleistung 
Mitarbeiter in BW: 9.924 
Einstellungen bundesweit: 20 
Kontakt: Personalmanagement, Am Hauptbahnhof 2, 70173 Stuttgart, Ansprechpartner: Kathrin Reutter, Tel. 07 11.1 27-4 05 10; Dagmar Cooper, Tel. -4 76 51; Anja Warth, Tel. -4 24 92, www.LBBW.de

Pfizer

Branche: Pharma 
Mitarbeiter in BW: k.A.
Einstellungen bundesweit: 80 
Kontakt: Pfizerstr. 1, 76139 Karlsruhe, Tel. 07 21. 61 01-01, www.pfizer.de

Porsche

Branche: Automobil 
Mitarbeiter in BW: 10.000 
Einstellungen bundesweit: 120 
Kontakt: Personalmarketing, Porscheplatz 1, 70435 Stuttgart, Tel. 07 11.9 11- 2 29 11, www.porsche.de/personal

SAP

Branche: Software
Mitarbeiter in BW: k.A.
Einstellungen bundesweit: 450 
Kontakt: Steffen Laick, Dietmar-Hopp-Allee 16, 69190 Walldorf, e-Mail: steffen.laick@sap.com, www.sap.de/jobs

SEW Eurodrive

Branche: Antriebsautomatisierung 
Mitarbeiter in BW: k.A.
Einstellungen bundesweit: 50 
Kontakt: Personalabteilung, Postfach 30 23, 76646 Bruchsal, Tel. 0 72 51.75-19 01, www.sew-eurodrive.de

Stihl

Branche: Elektrotechnik, Maschinenbau
Mitarbeiter in BW: k.A.
Einstellungen bundesweit: 90 
Kontakt: Badstr. 115, 71336 Waiblingen, Tel. 0 71 51.26-0, www.stihl.de

Trumpf

Branche: Fertigungstechnik
Mitarbeiter in BW: k.A.
Einstellungen bundesweit: 70 
Kontakt: Johann-Maus-Str. 2, 71254 Ditzingen, Tel. 0 71 56.3 03-0, www.trumpf.com

Voith

Branche: Technik, Maschinenbau 
Mitarbeiter in BW: 17.767 
Einstellungen bundesweit: 120 
Kontakt: Stefanie Marwitz, Corporate Human Resources, Sankt Pöltener Str. 43, 89522 Heidenheim, Tel. 0 73 21.37 20 92, www.voith.de/career

Würth

Branche: Befestigungstechnik 
Mitarbeiter in BW: 2.362
Einstellungen bundesweit: 17 
Kontakt: Personalabteilung, Reinhold-Würth-Str. 12-17, 74653 Künzelsau-Gaisbach, Tel. 0 79 40.15-0, www.wuerth.de/de/aktuell/stellenangebote.html

Zeiss

Branche: Elektronik, Mikroelektronik

Mitarbeiter in BW: k.A.
Einstellungen bundesweit: 500 
Kontakt: Carl Zeiss AG, Personal, Carl-Zeiss- Str. 22, 73447 Oberkochen, Tel. 0 73 64.20-0, www. zeiss.de

ZF Friedrichshafen 
Branche: Kfz-Zulieferer
Mitarbeiter in BW: 11.800 
Einstellungen bundesweit: 300 
Kontakt: Frank Ross, Zentrale Personalentwicklung, Graf-von-Soden-Platz 1, 88046 Friedrichshafen, Tel. 0 75 41.77 74 85, e-Mail: frank.ross@zf.com, www.zf.com/karriere (Quelle: eigene Recherchen)

Exportmeister
Baden-Württemberg ist das Bundesland mit der besten Exportquote. Der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz beträgt 47 Prozent. Zu den Unternehmen im Ländle, die sogar Exportweltmeister sind, zählen:

Carl Zeiss 
Weltmarktführer in Planetarien, Operationsmikroskopen, 3D-Mikroskopen 
Mitarbeiter: 13.700 Export: 80 %
Kontakt: Carl Zeiss AG, Eva Kröhl, 73447 Oberkochen, Tel. 0 73 64.20-37 57, e-Mail: karriere@zeiss.de, www.zeiss.de

Ekato 
Weltmarktführer in Rührwerken, Mischanlagen
Mitarbeiter: 600 Export: 80 % 
Kontakt: Ekato Rühr- und Mischtechnik GmbH, Gregor Dietrich, Käppelemattweg 2, 79650 Schopfheim, Tel. 0 76 22.29-2 38, e-Mail: personal@ekato.de, www.ekato.de

Freudenberg 
Weltmarktführer in Kautschuk-Bodenbelägen
Mitarbeiter: 32.000 Export: 75 % 
Kontakt: Freudenberg & Co. KG, Höhnerweg 2-4, 69469 Weinheim, Tel. 0 62 01.80-0, www.freudenberg.de

Fuchs Petrolub 
Weltmarktführer in Schmierstoffen 
Mitarbeiter: 4.200 Export: 75 % 
Kontakt: Fuchs Petrolub AG, Katja Fischer, Friesenheimer Str. 17, 68169 Mannheim, Tel. 06 21.38 02-1 63, e-Mail: katja.fischer@fuchs-oil.de, www.fuchs-oil.de

Herrenknecht 
Weltmarktführer in Tunnelvortriebsmaschinen 
Mitarbeiter: 1.600 Export: 92 % 
Kontakt: Herrenknecht AG, Schlehenweg 2, Michael Krenkel, 77963 Schwanau-Allmannsweier, Tel. 0 78 24.3 02-7 25, e-Mail: krenkel.michael@herrenknecht.de, www.herrenknecht.de

R. Stahl 
Weltmarktführer in elektrischem Explosionsschutz 
Mitarbeiter: 1.875 Export: 64 % 
Kontakt: R. Stahl AG, Eberhard Walter, Am Bahnhof 30, 74638 Waldenburg, Tel. 0 79 42.9 43-11 34, e-Mail: eberhard.walter@stahl.de, www.stahl.de

Stihl 
Weltmarktführer in Motorsägen 
Mitarbeiter: 7.847 Export: 88 % 
Kontakt: Andreas Stihl AG & Co. KG, Dennis Blöcher, Badstr. 115, 71336 Waiblingen, Tel. 0 71 51.26-21 87, e-Mail: dennis.bloecher@stihl.de, www.stihl.de

Es ist wie die Geschichte der zwei Königskinder: Sie haben einander so lieb und finden doch nicht zusammen. Sie - das sind Unternehmen und hoch qualifizierte Hochschulabsolventen. Während die einen klagen, keinen geeigneten Nachwuchs zu finden, sind die anderen frustriert, dass der passende Arbeitgeber nicht auf sie aufmerksam wird. Um es Bewerbern und Unternehmen leichter zu machen, haben wir eine absolute Neuheit auf dem Recruiting-Markt ins Leben gerufen: die karriere company days.

So nah wie nie
Mit diesem einzigartigen Bewerbungs-Tool öffnet karriere gut ausgebildeten Hochschulabsolventen die Türen zu attraktiven Unternehmen, die dringend einstellen wollen. Gleichzeitig ermöglichen wir den Unternehmen, geeignete Kandidaten zu finden. Gastgeber und damit auch potenzielle Arbeitgeber werden immer Unternehmen aus der Region sein, die wir einen Monat vor den karriere company days in unserem Dossier vorstellen.
Den Anfang macht ein Schwabe: die Robert Bosch GmbH mit Stammsitz in Stuttgart. Am 21. November haben bis zu 15 Absolventen und Berufseinsteiger einen Tag lang die Chance, Experten und Abteilungsleiter aus Personal, Produktion, Vertrieb oder Marketing von Bosch in Gesprächen kennen zu lernen. Bosch sucht Nachwuchs für sein Werk in Bamberg. Und damit das Ganze nicht zu steif wird, sind alle Teilnehmer am Vorabend (20. November) zu einem lockeren Get-together eingeladen. Wer es als Hochschulabsolvent und Jobsuchender also klein, fein und intensiv haben will, bewirbt sich für die karriere company days bei Bosch unter www.karriere.de/companydays. Bewerbungsschluss ist der 30. Oktober. Über die nächsten Veranstaltungen werden wir Sie regelmäßig in karriere informieren.

Wie lebt es sich in Stuttgart?

Katharina Pfingsttag, 25, Studentin: "Ich wohne in Böblingen. Alle zwei Wochen fahre ich aber nach Stuttgart zum Shoppen oder abends zum Ausgehen. Das macht hier richtig Spaß."
Christoph Hagensieker, 24, Student: "Ich kam für ein Praktikum bei Bosch hierher. Die Leute schienen mir erst schwierig, aber dann ging's doch gut. Jetzt habe ich hier Vorstellungsgespräche für meine Diplomarbeit."
Ralph Schollähn, 40, Designer: "Hier gibt es viele engagierte Galerien. Auch das neue Kunstmuseum hat einiges zu bieten. Stuttgart kann mit Berlin oder Hamburg mithalten. Eine kleine große Stadt!"
Petra Kikel, 37, Lehrerin: "Oft werden ja die Stuttgarter für ihre Spießigkeit kritisiert. Sicher, der Schwabe wirkt manchmal kleinkariert, er ist aber auch beständig und verlässlich."
Susanne Conzelmann, 32, Kunsterzieherin: "Das Nachtleben hat sich echt gemausert. Auf der Theodor-Heuss-Straße haben viele Bars, Clubs und Lounges aufgemacht. Ja, wir Schwaben können auch feiern!"
Jenny Becker, 24, Verkäuferin: "Stuttgart ist überschaubar, das mag ich. Im Winter kann man mitten in der Stadt auf dem Schlossplatz Eis laufen - wo gibt's das noch?"
Thomas Piecha, 25, Buchhalter: "Stuttgart ist eine saubere Stadt. Mir gefällt das. Immer ein Highlight sind auch die Volksfeste, zum Beispiel die Cannstatter Wasen."
Oktay Karagel, 26, Einzelhandelskaufmann: "Wir Schwaben sind gar nicht so geizig und verschlossen. Geht mal in den Club N-Pir in der Borsigstraße. Da kann jeder sehen, wie locker wir drauf sind."
Tatjana Etzel, 35, Beamtin: "Ich bin in Heidelberg geboren und lebe jetzt seit acht Jahren in Stuttgart. Hat dich hier erst einmal einer ins Herz geschlossen, hält die Freundschaft für immer."
Evgeny Semenyuk, 32, Student: "Ich bin erst vor kurzem hergezogen. Ich find's langweilig hier, nach 21 Uhr ist kein Mensch mehr auf der Straße. Ich hoffe, in zwei Jahren bin ich wieder weg!"
Tatjana Suchy, 35, Software-Oberflächendesignerin: "Hier gibt's noch gut bezahlte Jobs, ich kann durch die Weinberge spazieren und im Winter sind die Skigebiete in Österreich und der Schweiz schnell zu erreichen."
Christian Dilger, 34, Fachmann für Wissensmanagement: "Stuttgart hat gemütliche Orte. Zum Beispiel meine Stammkneipe Mata Hari."
Anne Fischer, 25, Managementassistentin: "In Stuttgart lebt es sich super, besonders kulinarisch! Empfehlenswert: das geschichtsträchtige, schwäbische Kochenbas und das enge, aber extrem leckere asiatische Noodle 1."
Margit Herbert, 25, Projektassistentin: "Die Stadt hat sehr viel Grün. Ruck-zuck bin ich im Park. Oder beim Schlosspark oder draußen bei den Mineralbädern in Cannstatt."
Thomas Jurettko, 34, Jurist: "Die Kessellage der Stadt ist außergewöhnlich. Besonders schön ist es, in einer Halbhöhenlage zu wohnen, etwa in Killesberg. Dort weht immer ein frischer Wind. Für die Wochenenden liegt die Schwäbische Alb quasi vor der Tür. Dort fahre ich dann entspannt Mountainbike."
Berthold Steinhilber, 38, Fotograf: "Hier kann jeder seine Nische finden. Rund um die Innenstadt haben sich viele kleine Fachbetriebe angesiedelt, die alles Mögliche herstellen. Jeder hat etwas zu tun, jeder kann Geld verdienen. Ich finde, dadurch herrscht eine positive und kreative Stimmung. Jetzt muss nur noch der Fußballverein etwas besser werden!"
Kai Jürgens, 30, wissenschaftlicher Mitarbeiter: "Der öffentliche Nahverkehr ist hier sehr gut strukturiert. Das ist auch wichtig, da man mit dem Auto doch nur sehr selten einen Parkplatz findet."

(Umfrage Heike Anger)

Kurz hinter Ulm beginnt das deutsche Wirtschaftswunder. Sofort zu merken ist das nicht. Acker reiht sich an Acker, ab und an taucht eine bewaldete Hügelkette auf. Endlos lang schlängelt sich die Bundesstraße 30 hinein in das Herz Oberschwabens. Adrett blitzt der Marktplatz von Biberach an der Riß in der Morgensonne. An den Fenstern der Fachwerkbauten prangen gut bestückte Blumenkästen. Die Zoll-Bäckerei scheint die halbe Kreisstadt mit den beliebten Knauzenwecken zu versorgen. Hier wird "g'schwätzt", Kartoffeln heißen "Krumbera", im Lädle gibt's frisches Brät und alle Radfahrer tragen Helm. Willkommen im erfolgreichsten Landkreis Deutschlands.
Arthur Handtmann kann von seinem Büro direkt auf die Zufahrt zu den Werkhallen blicken. Sein Konzern, seit 133 Jahren in Familienbesitz, ist führend im Maschinenbau, in der Metallformtechnik und Automobilzulieferung. Der 79-jährige Patron fährt jeden Tag zum Stammsitz in der Arthur-Handtmann-Straße, auch wenn sein Sohn Thomas schon vor acht Jahren die Geschäftsführung übernommen hat.
Erwarteter Umsatz für dieses Jahr: 410 Millionen Euro. "Startkapital hatte ich keines", erinnert sich der Senior-Chef an die Anfänge. "Die Produktionsräume beschränkten sich auf eine Baracke, der Maschinenpark war museumsreif und meine Mitarbeiter waren ein Schlosser, ein Dreher und ein Lehrling."
Handtmann gilt heute als einer der großen Wirtschaftsführer des Südens und ist sichtlich stolz darauf, dass er in den vergangenen 60 Jahren aus einem kleinen Mittelstandsbetrieb eine weltweit agierende Unternehmensgruppe mit mehr als 2.100 Mitarbeitern gemacht hat.

Der fleißige Oberschwabe

Die rund 7.000 Familienunternehmen und Mittelständler bilden das Rückgrat der Region. Viele von ihnen basieren auf technischem Erfindergeist. Ein Resultat der Rohstoffarmut des Landstrichs: Sie brachte die Menschen zum Tüfteln. Die Memminger Straße entlang stehen Werkhallen und Fabrikgebäude so weit das Auge reicht. Hier produziert Liebherr, einer der größten Baumaschinenhersteller der Welt. Auch ein Familienbetrieb: Der Gründer Hans Liebherr, der 1949 seinen ersten Turmdrehkran konstruierte, stammt aus Kirchdorf, einer kleinen Gemeinde im östlichen Landkreis Biberach.

Ein Stück weiter betreibt der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sein größtes internationales Forschungs- und Entwicklungszentrum und bündelt seine biotechnologischen Aktivitäten. Das familiengeführte Unternehmen wählte vor über 60 Jahren Biberach als Standort neben dem Stammwerk in Ingelheim am Rhein. Firmenchef Handtmann führt den Biberacher Erfolg vor allem auf die typischen Eigenschaften der Oberschwaben zurück: "Für uns ist Arbeit eine Ehre und keine Beleidigung." Er selbst will ein Chef sein, der auch für den einfachen Arbeiter glaubwürdig ist. Schwäbische Bescheidenheit kommt an erster Stelle. "Angebereien und Imponiergehabe, die dicksten Schlitten und verrückte Partys - das hasse ich regelrecht", sagt Handtmann und erwartet diese Haltung auch von seiner Familie. "Wir könnten uns schon einiges leisten, aber wir tun es mit Absicht nicht."

Die Firma kommt vor privaten Interessen. 85 Prozent des gesamten Gewinns nach Steuern werden reinvestiert. Und damit es auch in Zukunft schwäbisch sparsam zugeht, hat Handtmann Schulungen für die kommende Unternehmergeneration organisiert - er hat 17 Enkel, ein gerahmtes Gruppenfoto steht auf seinem Schreibtisch. Im Landkreis Biberach leben rund 187.000 Menschen in 45 Gemeinden. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,9 Prozent. Das ist der landesweit niedrigste Wert. Nur 3.810 Menschen sind ohne Job, weniger als die Hälfte davon fallen unter die Langzeitarbeitslosen.
Auch die demografische Entwicklung des Landkreises ist außergewöhnlich, gemessen am alternden Rest-Deutschland: Zwischen Donau und Bodensee werden mehr Menschen geboren als sterben. Zudem wandern jährlich mehrere hundert "Reigschmeckte", Nicht-Schwaben, in den Landkreis ein. Prognosen besagen, dass auf diese Weise die Biberacher Bevölkerung bis 2010 auf 195.000 ansteigen wird. Kein Wunder also, dass eine aktuelle Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung den Landkreis Biberach in Sachen Zukunftsfähigkeit zur Nummer eins in der Bundesrepublik erklärt hat.

Jobchancen für Reigschmeckte

Kathleen Klaus sitzt an einem Pult in der Hochschule Biberach, vor ihr liegt ein dicker, mit bunten Post-it-Haftzetteln gespickter Leitz-Ordner. Für die BWL-Studentin mit Schwerpunkt Bau und Immobilien steht die Klausur in Investition und Finanzierung an. Die Dresdnerin ist eine der "Reigschmeckten". Die hübsche 23-Jährige mit den strahlend blauen Augen hat es vor zwei Jahren zum Studieren in den Landkreis Biberach verschlagen.
Klaus hat sich für eine der renommiertesten Fachhochschulen für Bauwesen und Wirtschaft in Deutschland entschieden. Hier geht es familiär zu: 1.400 Studierende sind immatrikuliert, nur etwa ein Drittel kommt nicht aus Baden-Württemberg. Dass in der Hochschule - wie auf der Campus-Website beschworen - eine "Leistungskultur" herrscht, die bestimmt wird "durch eine Mehrheit von Menschen, die hier aufgewachsen sind", findet die Dresdnerin in Ordnung. "Für die Studienfachrichtung, die mich interessierte, hatte Biberach das beste Ranking, also bewarb ich mich hier", sagt Klaus. Der schwäbischen Beschaulichkeit versucht Kathleen das Beste abzugewinnen. WG-Zimmer sind billig ab 150 Euro zu haben, bei 40 Leuten im gleichen Jahrgang sind Kontakte schnell geknüpft. "Für ein zügiges Studium gibt es nichts Besseres - null Ablenkung hier", sagt die Studentin nicht ganz ohne Ironie. Allenfalls wenn es in Biberach "schützelet", also das alljährliche Schützenfest ansteht, verfällt die Stadt in kollektiven Feiertaumel.

Eine große Chance für die spätere Jobsuche sieht Kathleen im Praxisbezug während des Studiums: "Unsere Professoren haben gute Connections zu den wichtigen Firmen am Ort." Also auch zu Handtmann und Liebherr. Dessen Werk besuchten die Studenten vergangenes Semester. Spannend sei es gewesen und erstaunlich, wie unglaublich bescheiden sich der Schwabe präsentiert habe - bei einem Jahresumsatz von 5,3 Milliarden Euro.

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