HIS-Studie Nach der Schule ist vor der Uni

Trotz finanzieller Einschränkungen, Lernstress und Leistungsanforderungen, die mit einem Studium verbunden sind, strebt die überwiegende Mehrheit von Abiturienten einen Hochschulabschluss an. Gründe dafür sind Anerkennung und gute Verdienstmöglichkeiten.

Adriana Cardozo | , aktualisiert


Foto: Klaus-Eppele/ Fotolia.com

Ansturm auf die Hochschulen

Bloß keine Zeit verlieren, so die Maxime der heutigen Abiturienten. Hoch qualifiziert zu sein ist ein Trend: 72 Prozent der Studienberechtigten streben einen Hochschulabschluss an. Bildungsreformen wie die Verkürzung der Gymnasialzeit, die Abschaffung von Studiengebühren und die Etablierung des dualen Fachhochschulstudiums sowie die Aussetzung der Wehrpflicht treiben den Sturm in die Hörsäle an.

Laut Statistischem Bundesamt erwirbt heute fast jeder zweite Schüler eine Hochschulreife und knapp 30 Prozent der Abiturienten beginnt ein Hochschulstudium. Die beliebtesten Studienrichtungen sind Wirtschaftswissenschaften, Lehramtsstudiengänge sowie Maschinenbau. Im Studienjahr 2011 (SS/WS) haben sich 24 Prozent mehr Studenten als im Vorjahr für die Ingenieurwissenschaften immatrikuliert.

Wie eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung ergab, ist auch der Anteil der Studienberechtigten, die sich ein halbes Jahr nach Schulabschluss bereits in einem Studium oder einer Berufsausbildung befinden, von 49 Prozent auf 60 Prozent gestiegen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Frauen können sich schneller entscheiden als Männer: 22 Prozent der Frauen haben sich bereits während der Schulzeit für eine Berufsausbildung entschieden. Ein halbes Jahr nach Schulabgang haben sich auch mehr Frauen an einer Hochschule immatrikuliert.
 
Bei einem Großteil der Männer erfolgt der Einstieg in die nachschulische Qualifizierung erst ein bis anderthalb Jahre später.


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Geschlechtsunabhängig ist dagegen die Entscheidung für den weiteren Werdegang, der von verschiedenen individuellen und institutionellen Faktoren abhängig ist.

In erster Linie sind die individuellen Interessen und Begabungen der Studienberechtigten entscheidend für die Auswahl des Studiums. Zweitens werden Kosten und Erträge abgewogen: Studienberechtigte, die Studienkosten nicht tragen können oder wollen, entscheiden sich eher für ein duales Studium oder eine berufliche Ausbildung. Drittens hängt die Entscheidung auch mit den Erwartungen des sozialen und kulturellen Umfelds im Elternhaus ab.

Auch die Übergangzeit spielt eine Rolle während des Entscheidungsprozesses. Einige nutzen diese Zeit, um Erfahrung zu sammeln und die eigenen Interessen und Möglichkeiten auszuloten. Andere wiederum gaben an, die Zeit mit einem Praktikum (3 Prozent), einer Erwerbstätigkeit (5 Prozent), dem Wehr- oder Zivildienst (13 Prozent) oder einer anderen Tätigkeit wie Jobben, einem Auslandsaufenthalt oder einem freiwilliges soziales Jahr (18 Prozent) zu überbrücken.
 
Männer haben höhere Erwartungen

Obwohl studieren so attraktiv ist, bleiben Abiturientinnen häufiger bei der klassischen Berufsausbildung (28 Prozent); bei Männern sind es gerade einmal 17 Prozent. Für Männer, Akademikerkinder und leistungsstärkere Schüler/innen ist ein Studium die erste Wahl.
 
Zwar sind sich die meisten Studienberechtigten darin einig, dass ein Studium mit einer höheren gesellschaftlichen Anerkennung einhergeht, jedoch sind es insbesondere die Männer, die sich durch das Studium neben mehr Prestige auch ein höheres Einkommen versprechen.


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Die höchste Entlohnung erwarten Studienberechtigte, die einen Masterabschluss anstreben. Besonders hohe Einkommen versprechen sie sich von einem Studium der Rechtswissenschaften und der MINT-Fachrichtungen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).
 
Frauen neigen zu Studienrichtungen im Bereich Sozialwissenschaften, Sozialwesen und Medizin. Zudem sind sie zahlenmäßig stärker in Lehramtsstudiengängen (Germanistik/Deutsch) sowie in kultur-/sprachwissenschaftlichen Studienrichtungen vertreten.

Die Studie hat erneut belegt, dass die Stärken der Frauen im sprachlich-kommunikativen Bereich liegen, während die Begabungen der Männer eher dem Anforderungsprofil der ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studienrichtungen entsprechen.

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