Hightech-Boom Schweiz: Arbeiten in der Alpenrepublik

Die Schweizer können Uhren basteln, Käse machen, Alphorn blasen - und vieles mehr. Die Alpenrepublik ist ein internationaler Hightech- und Dienstleistungsstandort, der immer mehr Deutsche anzieht. Sie kommen als Grenzgänger oder werden ganz in den Bergen sesshaft.

Florian Willershausen | , aktualisiert

Vorbei am Schreibtisch, drei Schritte geradeaus, die Balkontür auf und Blick nach halblinks - ist das noch Büro oder schon Urlaub? Vor der Gipfelkulisse schaukeln weiße Yachten auf dem Genfer See. An der Kaimauer knutschen Verliebte. Claudia Thumm blickt vom Balkon des Nestlé-Headquarters und seufzt: "Bei solch einem Panorama fällt mir das Arbeiten echt nicht schwer."
Ab an den Schreibtisch, der Job wartet. Die 40-Jährige aus dem Schwäbischen ist bei Nestlé Personalchefin für die Schweiz-Zentrale. Zehn Jahre arbeitet die diplomierte Übersetzerin nun für den weltgrößten Lebensmittelhersteller mit Sitz im französischsprachigen Vevey. Sie hat sich für ein Berufsleben in der Schweiz entschieden - mit 42-Stunden-Woche, fünf Wochen Jahresurlaub und schmalem Kündigungsschutz. Klar, hier wird mehr malocht als in Deutschland. Dafür sind die eidgenössischen Gehälter fast ein Fünftel höher, die Steuern niedriger und die Jobs dank Beinahe-Vollbeschäftigung sicherer.

Besuch von den Nachbarn

Die Alpenrepublik, die Autofahrer trotz Tempolimit in gut drei Stunden durchqueren, lockt immer mehr Ausländer - vor allem Deutsche. Aus Baden-Württemberg pendeln täglich 35.000 Grenzgänger an ihre Schweizer Arbeitsstätten. Rund 143.000 Deutsche, schätzt die Botschaft in Bern, haben sich in der Schweiz niedergelassen. Hinzu kommen etwa 60.000, die nicht umgemeldet sind, darunter viele Saisonarbeiter. Sie arbeiten im Tourismus, bei Banken und Versicherungen, Hightech-, Pharma- und Chemieunternehmen oder an Hochschulen.
Ausländern stehen Tür und Tor offen, erst recht seit sich die Schweizer Regierung mit der Europäischen Union auf ein Freizügigkeitsabkommen geeinigt und den "Inländervorrang" bei der Stellenbesetzung gekippt hat. Doch auch die Schweiz ist kein Wunderland: Die Wirtschaftskrise zur Jahrtausendwende ist nicht spurlos vorübergegangen und hat zu Stellenabbau in mehreren Branchen geführt. Inzwischen wächst die Wirtschaft aber wieder.

Weltstadt Zürich

Wer über die Eidgenossen sinniert, denkt an den Typ aus der Ricola-Werbung, an Offiziersmesser und Swatch, an Alphorn, Emmentaler und Edelschokolade. Doch der Eindruck von Gemütlichkeit - fast Beschränktheit - täuscht. Die Schweiz gilt als offen, modern, multikulturell und dennoch traditionsbewusst, die Schweizer als präzise, kreativ und flexibel.
Welch internationaler Treffpunkt die Alpenrepublik geworden ist, zeigt allein die 340.000-Einwohner-Stadt Zürich. Wer übers Bärenbrüggli am Schanzengraben spaziert, wo sich die Businesswelt zur knapp bemessenen Mittagspause trifft, hört zuweilen nichts als englisches Vokabular. Überhaupt scheinen die Schweizer in Zürich nur knapp in der Mehrheit zu sein, so viele Ausländer halten sich tagsüber in der Dienstleistungsmetropole auf.

Illustre Gäste

Nicht nur des Jobs wegen haben sich Menschen aus aller Welt in Zürich niedergelassen. Gerade haben es die Zürcher in einem Ranking wieder auf Platz eins der Städte mit der weltweit höchsten Lebensqualität geschafft. Züricher Autofahrer bremsen für Fußgänger, selbst wenn weit und breit kein Zebrastreifen zu sehen ist. Die Stadt ist sauber und geschmackvoll hergerichtet.  An vielen Häusern hängen Plaketten jener Promis, die hier im Laufe der Jahrhunderte gelebt haben - Karl der Große, Zwingli, Goethe, Keller. Lenin war hier im Exil, auch Bertolt Brecht und Thomas Mann. Im Bankenviertel laufen Armeesoldaten Patrouille. Einem Schlipsträger, der vor den schwer bewaffneten Eidgenossen erschrickt, rufen sie freundlich "Grüezi" zu. Balsam für das kollektive Sicherheitsbedürfnis.

Umweg über Japan

In Zürich lagert ein Viertel des weltweit im Ausland angelegten Geldvermögens - natürlich auf den berühmt-berüchtigten Nummernkonten. Die Banken stehen im Ruf tadelloser Zuverlässigkeit und Diskretion. Damit sichern sie sich seit Jahrzehnten das Vertrauen der Superreichen - jener mit und ohne weißer Weste. Bernd Wilke betreut zwar keine Nummernkonten, doch mit den Prädikaten des Schweizer Finanzwesens lässt er sich gern schmücken.
Der 38-jährige Geograf arbeitet als Risikoingenieur für Swiss Re. Über den Umweg Japan ist er vor ein paar Jahren bei dem Züricher Rückversicherer gelandet. In Tokio hat er Japanisch gelernt und Praktika absolviert. Als sein deutsches Stipendium auslief, musste er sich nach einem Job umsehen. "Die deutschen Unternehmen mit Japangeschäft hatten an einem Japan-Experten irgendwie kein Interesse", erinnert sich Wilke. Aber Swiss Re erkannte, wie wertvoll einer sein kann, der Japanisch beinahe fließend spricht.

Händchen fürs Risiko

Heute betreut Wilke alle Märkte mit den Schwerpunkten in USA und Asien. Er ist Experte für Großrisiken in den Bereichen Chemie und Umwelt. Mit Schadensfällen hat der gebürtige Offenbacher selten zu tun. Hauptsächlich stellt er Risikoprognosen für Großprojekte auf, auf deren Grundlagen die Prämien gestaltet werden. "Wenn jemand ein Werk für hochexplosive Chemikalien in ein Wohngebiet stellen will, dann muss ich mir darüber mal Gedanken machen", erzählt Wilke. Er zieht Erfahrungswerte heran, vergleicht mit anderen Projekten und besichtigt industrielle Großanlagen in aller Welt. Wenn der Geograf ein Gutachten schneidert, geht es oft um Raffinerien und Wasserkraftwerke. Seine Kunden sind Global Player.

Die Schweiz kennt Bernd Wilke in- und auswendig. Acht Jahre arbeitet er schon in Zürich. Bevor er für drei Jahre nach Japan zog, hatte er an der Basler Uni den Master in Geografie gemacht. Noch heute trifft er des öfteren auf die alten Klischees vom stillen, gemütlichen und verschwiegenen Eidgenossen, den viele Deutsche überdies für einen Ordnungsfanatiker und Partymuffel halten. "Und dann kommst du in die Schweiz und stellst fest, dass die Schweizer genau dasselbe über uns Deutsche denken", wundert sich Wilke. Er schätzt die Vorzüge der schweizerischen Unternehmenskultur: Offenheit, flache Hierarchien, Eigeninitiative ist gewünscht.

Vertrauensvorschuss

Genauso hat Daniela Hille die Schweiz kennen gelernt. Die 38-jährige Betriebswirtin kam vor acht Jahren zum Pharmakonzern Hoffmann-La Roche nach Basel. Erst arbeitete sie im Controlling, aber bald durfte sie ihre eigene Abteilung aufbauen, die Gruppe Innovationsmanagement in der Organisationsentwicklung. Mit ihrem Team macht sie Organisationsabläufe im Konzern schneller, effizienter und günstiger. "Die trauen einem hier richtig was zu", freut sich Hille, "die Schweizer sind viel eigenverantwortlicher." Die Magdeburgerin weiß das zu schätzen. Vor ihrem Schweiz-Job bekam sie eine Überdosis "typisch deutscher" Unternehmenskultur verabreicht. "Da will der Chef jede Büromittelbestellung persönlich unterschreiben", erinnert sie sich an ihre Zeit bei einem Mittelständler im Schwarzwald. Die Schweizer seien viel unkomplizierter, weniger hierarchisch und patriarchisch als die Deutschen. Und das zwischenmenschliche Klima sei bei den Eidgenossen "irgendwie ein bisschen wärmer".

Daniela Hille kennt die Schweiz bloß als Arbeitsstätte. Sie zählt zu den 35.000 Deutschen, die als Grenzgänger jeden Morgen in die Schweiz pendeln. Sie müssen zwar dem deutschen und dem schweizerischen Finanzamt Steuern zahlen, können aber ihre großen schweizerischen Gehälter zu kleinen deutschen Preisen ausgeben. Die Zahl der Grenzgänger steigt beinahe täglich. Konzerne wie Hoffmann-La Roche unterstützen ihre Einpendler bei allen Formalitäten, wie Daniela Hille bestätigt: "Ich musste damals nur meine Papiere abgeben, alles Weitere hat das Unternehmen erledigt."

Vorurteile, nein danke

Claudia Thumm kam ebenfalls zunächst als Grenzgängerin, als sie ihre Nestlé-Karriere im Thomy-Werk Basel begann. Inzwischen ist sie in Vevey heimisch geworden; ihr Mann und ihr sechsjähriger Sohn sind mit ihr an den Genfer See gezogen. "In der Schweiz herrscht eine sehr positive Kultur des Zusammenlebens", sagt sie. Vor allem liebt sie die Verbindung von Tradition und Moderne.
Thumm ist Personalchefin von mehr als 600 Mitarbeitern von Nestlé Schweiz - obwohl sie Deutsche ist. Nie hätten die Schweizer ein Problem damit gehabt, versichert sie, dass ihnen Nestlé eine deutsche Personalerin vor die Nase setzte. Vom ersten Tag an habe sie sich respektiert gefühlt. Die meisten dachten gar, sie sei aus der Deutsch-Schweiz, zum Meeting begrüßten die Personaler ihre neue Kollegin daher in feinstem Schwyzerdütsch. "Ich habe zwar Sprachen studiert, aber am Anfang nur Bahnhof verstanden", sagt Thumm.

Anbiedern unnötig

Das Sprachverständnis klappt inzwischen sehr gut. Aber selber sprechen könne sie höchstens zwei Wörter, räumt sie ein, "und mehr werde ich wohl auch nicht mehr lernen". Das Gute ist halt, dass sich Ausländer nicht anbiedern müssen, um von den Schweizern akzeptiert zu werden. Konzernsprache bei Nestlé ist Englisch, in der Schweiz-Zentrale spricht man Französisch und Deutsch. Nestlé legt Wert darauf, dass sich die nationalen Niederlassungen eigenständig entwickeln. "In Frankfurt schmeckt der Nescafé anders als in Lau- sanne", verrät Thumm. Gleiches gilt für die Unternehmenskultur. Konzern-Richtlinien setzen die Landesvertretungen allesamt lokal um. Die Eidgenossen sind halt in aller Welt zu Hause. "Der Schweizer ist glücklich, ein Schweizer zu sein, aber er schaut gern über die Landesgrenzen hinaus", sagt Thumm. Doch der Ausblick auf den Genfer See ist ihnen immer noch der liebste.

Viele Franken scheffeln, wenig Euro ausgeben - so machen es rund 35.000 Erwerbstätige, die täglich von Süddeutschland in die Alpenrepublik pendeln. Nach eidgenössischem Recht sind sie "Grenzgänger". Sie haben Anspruch auf einen "Ausweis G", der zunächst fünf Jahre gültig ist und den der Arbeitgeber beantragt. Wenigstens einmal pro Woche müssen sich Grenzgänger in ihrem Wohnsitzland blicken lassen. Normalerweise reichen Passfoto, Wohnsitzbescheinigung und ein Arbeitsvertrag, der mindestens ein Jahr läuft, um den G-Ausweis zu beantragen.
Ihre Einkommensteuer zahlen Grenzgänger zunächst in der Schweiz. Die kantonale Gemeindeverwaltung besteuert 4,5 Prozent des Bruttolohns jedes Einpendlers (Quellensteuer). Das deutsche Finanzamt verlangt eine Einkommensteuererklärung, berücksichtigt aber die in der Schweiz gezahlten Steuern. In Deutschland fallen außerdem Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an. Ihre Sozialabgaben entrichten Grenzgänger in der Schweiz. Trotz der Steuer- und Abgabenbelastung lohnt sich das Grenzgängertum: Während die Schweizer Gehälter wesentlich höher sind als die deutschen, bleiben die Lebenshaltungskosten etwa im Schwarzwald deutlich hinter denen der Eidgenossen zurück.

Nestlé

Geschäftsfeld: 
Lebensmittel, Konsumgüter Umsatz: 58,3 Mrd. Euro Mitarbeiter: 247.000 Einstellungen: k.A.

Qualifikationen: 
Wirtschaftswissenschaften, Jura, Ingenieurwesen, Chemie, Psychologie Einstiegsgehalt: 51.000 Euro/Jahr Kontakt: Nestlé Deutschland AG, Lyoner Str. 23, 60528 Frankfurt am Main, Tel. 0 69.66 71-1, www.careers.nestle.com

Marktführer:
4,5 Punkte Smarties, Nescafé, Maggi, Alete, Kitkat, Choco Crossies - der Konzern hat viele bekannte Marken. 98 Prozent des Umsatzes werden außerhalb der Schweiz gemacht. Für den führenden Lebensmittelhersteller der Welt ist Deutschland der drittwichtigste Absatzmarkt. 

Kuschelfaktor:
3,5 Punkte Die Hierarchien bei Nestlé sind flacher geworden. Die Internationalität fördert ein Klima der Offenheit und Aufgeschlossenheit im täglichen Umgang. Nach Feierabend treffen sich Vorgesetzte und Mitarbeiter in den Betriebssportgruppen.

Entwicklung:
4 Punkte Personaler und Vorgesetzte sind dafür verantwortlich, dass die Mitarbeiter ihre Karrierewünsche umsetzen können. Die Besten der Besten gehen in ein spezielles Entwicklungsprogramm und werden am Genfer See auf Managementposten vorbereitet. 

Jobsicherheit:
3 Punkte Am Standort Deutschland sind gegenüber dem Jahr 2003 fast 4.000 Stellen weggefallen. Das lag allerdings nicht an Stellenabbau, sondern an Verkäufen und Umstrukturierungen. Nestlé wächst moderat und bietet guten Leuten relativ sichere Arbeitsplätze.

Work-Life-Balance:
4,5 Punkte Mitarbeiter können sich für die Vier-Tage-Woche, Teilzeitarbeit oder das Home Office entscheiden - Hauptsache, Kind und Karriere lassen sich unter einen Hut bringen. Das gilt selbst für die Entscheider auf den höheren Hierarchiestufen.

Gehalt:
4,5 Punkte Wer bei Nestlé Schweiz anfängt, erhält im Schnitt 51.000 Euro. Auch in Deutschland verdienen Nestlé-Mitarbeiter mit 40.000 Euro mehr als mancher Banker. Hinzu kommen Beiträge für eine Pensions- und Krankenkasse, sowie leistungsabhängige Boni.

SwissRe

Geschäftsfeld: 
Rückversicherung Ergebnis: 929 Mio. Euro Mitarbeiter: 8.882 Einstellungen: 51 Qualifikationen: Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften, IT Einstiegsgehalt: k.A.

Kontakt: 
Swiss Re, Mythenquai 50/60, CH-8022 Zürich, Tel. 00 41.43.2 85-0, e-mail: recruiting@swissre.com, www.swissre.com

Marktführer:
4 Punkte SwissRe will bis Mitte 2006 die GE-Tochter General Electric Insurance Solutions übernehmen. Damit wären die Schweizer Weltmarktführer unter den Rückversicherern - und hätten endlich die Münchner Rück überholt, die seit den 80er Jahren vorn liegt.

Kuschelfaktor:
2,5 Punkte Die hohe Mitarbeiterfluktuation von weltweit zehn Prozent weist auf klimatische Probleme hin, die sicher mit der Restrukturierung zusammenhängen. Wenigstens wird in der branchenunüblich flachen Hierarchie - vier Stufen - offen kommuniziert.

Entwicklung:
3,5 Punkte Karrieren werden bei Swiss Re individuell geplant. Dazu dienen Jahresgespräche und Zielvereinbarungen. Permanente Fortbildung gehört zum Geschäft in der Rückversicherung. Die Zürcher haben dafür eine eigene Akademie eingerichtet.

Jobsicherheit:
2 Punkte Personalabbau ist ein großes Thema im Konzern, allein die Übernahme der Versicherungssparte von GE kostet 1.700 Stellen. Schweizer Medienberichten zufolge stehen weitere 600 Jobs in Zentralfunktionen auf der Streichliste.

Work-Life-Balance:
3 Punkte Teilzeitangebote stehen den Mitarbeitern aller Hierarchieebenen offen. Ein für Unternehmen dieser Größe angemessenes Work-Life-Balance-Paket enthält unter anderem Sport- und Fitnessangebote sowie medizinische Vorsorgeuntersuchungen.

Gehalt *
Swiss Re verspricht "marktübliche" Bezahlung. Zum Grundgehalt können Boni, Aktienoptionen, Prämien oder Provisionen kommen, außerdem Firmenwagen für Führungskräfte.
* keine Bewertung wegen fehlender Angaben des Unternehmens.

F. Hoffmann-La Roche

Geschäftsfeld: 
Medizinische Diagnostik, Pharma

Umsatz: 
22,7 Mrd. Euro Mitarbeiter: 68.000 Einstellungen: 170

Qualifikationen: 
Biologie, (Bio-)Chemie, Biotechnologie, Pharmazie, Ingenieurwesen, Informatik, BWL, Jura

Einstiegsgehalt: 
51.000- 60.000 Euro/Jahr Kontakt: F. Hoffmann-La Roche Ltd., Personalmarketing, Grenzacherstr. 124, CH-4070 Basel, Tel. 00 41.61.6 88 11 11, e-mail: basel.personalmarketing@roche.com, careers.roche.com

Marktführer:
4 Punkte. Der Healthcare-Konzern ist der führende Diagnostika-Hersteller der Welt. Die Pharma-Sparte, die in Deutschland stark vertreten ist, spielt mit Krebs- und Transplantationsmedikamenten sowie in der Virologie eine weltweit führende Rolle.

Kuschelfaktor:
4 Punkte. Hoffmann-La Roche setzt auf kurze Entscheidungswege und flache Hierarchien. Der Vorgesetzte soll sich als Coach verstehen, der die Mitarbeiter bei deren Karrieren anleitet. Am Konzernsitz in der Schweiz herrscht ein offenes, positives Arbeitsklima.

Entwicklung:
3,5 Punkte Das Unternehmen zieht alle Register der modernen Personalentwicklung - von klassischen Fortbildungen über Führungsseminare bis zu Team- und Einzelcoachings. In den Mitarbeitergesprächen werden Zielvereinbarungen getroffen.

Jobsicherheit:
4,5 Punkte In den vergangenen drei Jahren hat Roche allein in der Schweiz rund 1.200 neue Stellen geschaffen, auch weltweit ist der Konzern kräftig gewachsen. Davon profitieren Forschung und Produktion. Die Arbeitsplätze dürften auf absehbare Zeit gesichert sein.

Work-Life-Balance:
3,5 Punkte Für die Schweiz hat Roche ein Jahresarbeitszeitmodell eingeführt, das die individuelle Arbeitszeit an das Arbeitsaufkommen koppelt. Der Konzern bietet Koch-, Sprach- und Freizeitkurse sowie Betriebssport an. Es gibt eine Kinderbetreuungsstätte.

Gehalt
5 Punkte Roche greift tief in die Tasche, um Spitzenleute anzuwerben und zu halten. Zum Grundgehalt kommen leistungsabhängige Zulagen für alle Mitarbeiter. Dazu bietet Roche eine betriebliche Altersvorsorge und der Führungsmannschaft Aktienoptionen.

Studieren: 

Büffeln in den Bergen

Hochschulen 
Zwölf Universitäten und sieben Fachhochschulenhat die Schweiz. Von den 110.000 Studierenden kommt jeder Fünfte aus dem Ausland. Der Bund betreibt die Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne. Die übrigen zehn Unis werden von den Kantonen verwaltet, darunter in Basel die älteste Schweizer Hochschule (gegründet 1460). Die Uni Zürich ist mit 23.000 Studierenden die größte in der Alpenrepublik.

Abschlüsse
Wie die Deutschen krempeln die Schweizer bis 2010 ihr Hochschulsystem um: Diplom und Staatsexamen sowie das dem deutschen Magister entsprechende Lizenziat müssen Bachelor und Master weichen. Bereits jetzt gibt es viele international anerkannte Studiengänge.

Studienbedingungen 
Verglichen mit den meisten deutschen Hochschulen herrschen in der Schweiz optimale Studienbedingungen: Kein Mangel an Räumen, Büchern oder technischer Ausstattung, die Vorlesungsverzeichnisse sind prall gefüllt, es gibt genügend Dozenten. An der Universität Zürich beispielsweise betreuen 2.500 Lehrkräfte 23.000 Studenten. Vielsprachigkeit und internationales Flair der Uni-Städtchen kommen der Lehre und der persönlichen Entwicklung der Studenten zugute.

Zulassung
 Die Bewerbungsverfahren regeln die Hochschulen selbst. Das deutsche Abi-Zeugnis reicht als Eintrittskarte meist nicht aus, vielerorts sind Eignungsprüfungen zu bestehen. Wer in der Schweiz studieren will, muss mit der Zulassung eine Aufenthaltsgenehmigung bei der schweizerischen Fremdenpolizei beantragen.

Kosten
Studiengebühren sind die Regel. Die Höhe variiert deutlich von Uni zu Uni. Im Durchschnitt liegt die Semestergebühr bei 600 Franken (rund 400 Euro), was immer noch günstiger ist als ein Studium im angelsächsischen Raum.

Arbeit auf Eidgenössisch

Jobsuche 
Vor allem IT-Unternehmen, Banken, Versicherungen, aber auch Tourismus und Gesundheitswesen suchen Mitarbeiter. Deswegen werden verstärkt Ausländer eingestellt - vor allem solche aus den EU-15-Ländern. Deutsche haben schon wegen der Sprache ausgezeichnete Chancen. Die großen Schweizer Online-Jobbörsen vermitteln einen Überblick:www.jobwinner.ch, www.jobpilot.ch, www.jobsearch.chwww.treffpunkt-arbeit.ch

Einwandern
Seit 2002 gilt das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU. Arbeitnehmer aus EU-Ländern erhalten unter Vorlage ihres Arbeitsvertrags eine Aufenthaltsbewilligung und als "Aufenthalter" dann die Arbeitserlaubnis. Zwar ist die Zahl der Bewilligungen begrenzt, doch Erwerbstätige aus EU-Ländern werden bevorzugt behandelt. Im Juni 2007 soll die Kontingentierung entfallen. Nach fünf Jahren Aufenthalt werden "Aufenthalter" den Schweizern gleichgestellt - nur wählen dürfen sie nicht.

Arbeitsbedingungen
Jeder Arbeitnehmer sollte wie in Deutschland einen schriftlichen Arbeitsvertrag schließen, der Aufgaben, Arbeitszeit, Vergütung und Kündigungsfrist festhält. In der Schweiz gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn, wohl aber Höchstarbeitszeiten. Diese liegen je nach Beschäftigungsart zwischen 45 und 50 Stunden wöchentlich. Seit einigen Jahren nimmt die Jahresarbeitszeit auf hohem Niveau kontinuierlich zu.

Gehalt
Im internationalen Vergleich zahlen Schweizer Unternehmen Spitzenlöhne und -gehälter, wobei es nach wie vor üblich ist, dass Männer besser verdienen als Frauen. Steuern und Sozialabgaben sind wesentlich niedriger als in anderen Industriestaaten. Dafür liegen die Lebenshaltungskosten in den Städten deutlich über dem europäischen Mittel - lediglich Kopenhagen und Oslo toppen die Schweizer Metropole Zürich. Besonders teuer sind Wohnungen und Krankenkassenbeiträge.

Steuern und Abgaben 
"Aufenthalter" sind in der Schweiz steuerpflichtig. Sowohl der Bund als auch die Kantone und Gemeinden erheben Einkommensteuern. Da jeder der 26 Kantone ein eigenes Steuergesetz hat, kann die Steuerbelastung sehr unterschiedlich ausfallen. Im Allgemeinen sind die Steuersätze deutlich niedriger als in Deutschland. Natürlich fallen auch in der Schweiz Sozialversicherungsbeiträge an - für die Kranken-, Renten-, Unfall-, Invaliden- und Arbeitslosenkassen.

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