Herbst des Lebens Wer länger arbeitet, lebt auch länger

Sie träumen vom vorzeitigen Ruhestand, um den Rest Ihres Lebens dann zu genießen? Lassen Sie das lieber. Eine Studie zeigt: Wer mit 60 Jahren aufhört zu arbeiten, hat eine geringere Lebenserwartung.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Wer länger arbeitet, lebt auch länger

Foto: Jürgen Fälchle/Fotolia.com

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will durchsetzen, dass ältere Arbeitnehmer bereits ab 60 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen können. Außerdem will er flexible Übergänge in den Ruhestand schaffen und dafür sorgen, dass die Menschen länger gesund durchs Erwerbsleben gehen. "Ein Facharbeiter, der fünf Tage powert und mit 59 nicht mehr kann, ist sicher nicht die bessere Alternative zu einem Teilzeitarbeitnehmer, der es bis zur regulären Renteneintrittsgrenze schafft", sagt DGB-Chef Reiner Hoffmann.

Der Trend

Die Statistiken geben ihm Recht: Immer weniger Deutsche arbeiten tatsächlich bis 67. Wie Stephan Kühntopf vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden und Thusnelda Tivig vom Rostocker Zentrum zur Erforschung herausgefunden haben, hörten 21,1 Prozent der deutschen Männer und 38,1 Prozent der deutschen Frauen bereits mit 60 Jahren auf zu arbeiten. Nur 25 Prozent der Männer und 31,2 Prozent der Frauen arbeiteten bis 65 Jahre. Das mittlere Renteneintrittsalter der Männer und Frauen lag bei 61,6 Jahren.

Und das ist offenbar nicht gesund. Besonders bei Männern hänge die Lebenserwartung stark vom Renteneintrittsalter ab. Ein deutscher Mann, der mit 55 Jahren erstmals eine Erwerbsminderungsrente bezogen hatte, konnte zum Zeitpunkt der Analyse im Alter von 65 Jahren im Schnitt noch mit einer weiteren Lebenszeit von 13 Jahren rechnen. Männer, die bis zum Alter von 65 Jahren gearbeitet hatten, durften dann hingegen noch auf weitere 17,3 Jahre hoffen.

Risikogruppen

Der Grund liegt auf der Hand: "Männer, die vor ihrem 60. Geburtstag in Rente gingen, hatten vielfach gesundheitliche Probleme", sagt Tivig. Die Wahrscheinlichkeit, schon vor dem 72. Geburtstag zu sterben, ist den Berechnungen zufolge unter den Empfängern einer Altersrente am höchsten bei Männern, die bereits mit 60 Jahren in Rente gingen – und davor mindestens vier Monate lang krank waren. Am niedrigsten ist sie bei Männern, die mit 64 Jahren aufhörten zu arbeiten – und davor niemals ernsthafte gesundheitliche Probleme hatten.

Ein besonders hohes Risiko, den Ruhestand nicht mehr allzu lange auskosten zu können, haben demnach Kranken- und Altenpfleger. 30 Prozent des medizinischen Pflegepersonals gehen vorzeitig erschöpft und krank in Rente – durchschnittlich in einem Alter von 50 Jahren.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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