Heimarbeit – ja oder nein? Raus aus der Höhle!

Gute Zusammenarbeit ist abhängig von gegenseitigem Vertrauen und wechselseitiger Beobachtung. In virtuellen Teams ist das schwierig, sagt Management-Coach Reinhard Sprenger im Interview.

Claudia Obmann | , aktualisiert

Raus aus der Höhle!

Foto: pixeldompteur44/Fotolia.com

Herr Sprenger, die Yahoo-Chefin Marissa Mayer schafft das Homeoffice ab. Was halten Sie davon?

In dieser Einseitigkeit wenig. Alles oder nichts ist selten ein guter Ratgeber. Aber es zeigt ein Problem. Echte Zusammenarbeit setzt gegenseitige Beobachtung voraus. Die Virtualisierung der Arbeitswelt stößt hier an Grenzen. So wird auch das Homeoffice gefährlich, wenn man es übertreibt und es zur Dauereinrichtung macht. Die soziale Wechselwirksamkeit fehlt und die Zusammenarbeit ist nicht mehr physisch erlebbar.

Auch deutsche Manager müssen Teams führen, deren Mitarbeiter sogar in anderen Zeitzonen sind. Ist das sinnvoll?

Nein, nicht um jeden Preis. Es muss gute Gründe geben, um klassische Teams aufzugeben, die zusammen vor Ort arbeiten.

Welche könnten das sein?

Virtuelle Teams müssen entweder zu besseren Ergebnissen führen als lokal organisierte oder Unternehmen müssen vom Markt dazu gezwungen sein, zum Beispiel in der Softwareentwicklung, wo rund um die Uhr programmiert wird. Denn virtuelle Teams sind anthropologisch gesehen naiv.

Inwiefern spielt denn der Neandertaler heute noch eine Rolle?

Der Mensch ist aufgrund seiner Entwicklungsgeschichte nicht auf Virtualität ausgelegt. Er braucht physische Nähe, um Vertrauen und Beziehungen aufzubauen und um erfolgreich zusammenzuarbeiten. Man braucht sich doch nur anzuschauen, wie manches Geschäft hakt, weil die Kollegen vom Marketing und Vertrieb in unterschiedlichen Gebäuden arbeiten. Daher sollten virtuelle Teams sich auch regelmäßig treffen – Telekonferenzen und E-Mail-Kontakt können die physische Begegnung nicht ersetzen.

Und warum sind dann Unternehmen wie IBM oder Microsoft – große Verfechter virtueller Organisationen – erfolgreich?

Manche Unternehmen sind überraschenderweise 'dennoch' erfolgreich, aber sicher nicht deshalb...

Liegt das an den besonderen Eigenschaften der Führungskräfte?

Virtuelle Strukturen brauchen auf jeden Fall Mitarbeiter, die bereit sind, füreinander statt nur miteinander zu arbeiten. Und ihr Leiter muss etwas von einem guten Gastgeber haben: Er muss zum Dialog einladen, verbinden, die Mitarbeiter so einsetzen, dass sich ihr besonderes Talent entfaltet. Er muss Konflikte moderieren, Vertrauen schaffen, sonst bleibt das Band der Zusammenarbeit sehr locker. Und er muss in besonderem Maße den Rahmen bieten für eine gemeinsame Sinnfindung der Teammitglieder.

Wie kann das gehen?

Dazu muss sich die Führungskraft abhängig machen von ihren Mitarbeitern. 'Ohne Euch bin ich nichts' muss die Grundhaltung sein. Dazu sind aber nur Menschen mit hohem Selbstvertrauen fähig. Offenheit zu demonstrieren und Fehler zuzugeben ist auch wichtig, dient aber nur dazu, einmal gewonnenes Vertrauen zu erhalten. Nur aktiv herbeigeführte Verwundbarkeit und wechselseitige Abhängigkeit startet den Prozess des Vertrauens.

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