Gute Gründe zum Gründen Das Mantra vom Tun

Besser vorbereitet als je zuvor wagen vor allem junge Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Das stellt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im aktuellen Gründerreport fest.

Anne Ritter | , aktualisiert

Das Mantra vom Tun

Foto: Artur Zebrowski/Fotolia.com

Gründer beleben nicht nur die Volkswirtschaft, indem sie Arbeitsplätze, Wettbewerb und Innovation schaffen, sondern sind oft auch zufriedener. Sich selbst verwirklichen, den eigenen Job gestalten – diese Autonomie beschreibt Lawrence Leuschner, Gründer und Geschäftsführer von reBuy.de, als einen Rausch: "Wer Lust auf ein Abenteuer hat, sollte keine Sekunde länger warten, es zu beginnen. Wer einmal an dem Duft der Freiheit als Unternehmer geschnuppert hat, kommt davon nicht mehr los."

Entrepreneure bereiten sich besser auf die Selbstständigkeit vor – lautet eine zentrale Erkenntnis des Gründerreports. Sie beobachten ihre Branche, analysieren ihre Zielgruppe, sinnieren über das Alleinstellungsmerkmal, büffeln BWL und entwickeln den Businessplan. Viele von ihnen gehören zu den Startups der New Economy, die sich das nötige Knowhow durch die eigenen Netzwerke aneignen.

Auch der kürzlich veröffentlichte Gründungsmonitor der KfW-Banken bekräftigt diesen Trend: Drei Viertel der Gründer brauchen meist deutlich weniger als ein Jahr von der ersten Idee bis zur Umsetzung – bei der Hälfte vergehen sogar nur höchstens drei Monate. 

Gründerland Deutschland

Nicht nur deswegen ermutigt der DIHK-Präsident Eric Schweitzer den Nachwuchs, seine Businesspläne umzusetzen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen: "Die erfolgreichen Existenzgründer von heute sind der starke Mittelstand von morgen. Damit wir auch künftig einen wettbewerbsfähigen Mittelstand haben, brauchen wir vor allem eine positivere Einstellung gegenüber der Selbstständigkeit."

Dessen ist sich auch die Bundesregierung bewusst und umwirbt die Gründer mit der Imagekampagne "Gründerland Deutschland": Die Initiative informiert, berät und bietet Programme für Gründervorhaben. Mit Aktionen wie der Gründerwoche Deutschland (Link) soll eine neue Gründungskultur etabliert werden.

Gezielte Maßnahmen wie www.unternehmergeist-macht-schule.de und www.exist.de fördern Unternehmertum und Selbstständigkeit schon in der Schule und Hochschule. Innovative Gründungen werden mit dem Gründerwettbewerb und dem Hightech Gründerfond belohnt. Die Unternehmensnachfolge, die gerade für den Mittelstand von großer Bedeutung ist, wird mit gezielten Projekten erleichtert.

Erfolgreiche Unternehmer haben vorgemacht, dass es sich auszahlt, wenn man jung gründet: Bill Gates war 20, Steve Jobs war 21 und Estée Lauder war 29 Jahre alt. "Mit einer großen Portion Naivität, Neugier und natürlichem Selbstbewusstsein kann man jede Situation meistern. Mein Mantra: Let’s do this!", sagt Lawrence Leuschner von reBuy.de.

Im Keller des Elternhauses entwickelte Lawrence Leuschner mit einem Freund die Idee für seinen An- und Verkaufsshop im Internet. Heute führt der 30-Jährige ein Unternehmen mit 40 Millionen Euro Umsatz und 3,5 Millionen Kunden. Sein Unternehmen ist mit ihm erwachsen geworden.

In Deutschland haben solche Erfolgsstorys noch Seltenheitswert: Denn der Gründerreport macht auch deutlich, dass die Deutschen insgesamt weniger gründen. Positiv gelesen kann das bedeuten: Wer jetzt gründet, hat weniger Konkurrenz und bekommt mehr Unterstützung durch die offiziellen Stellen.

Boombranchen in Deutschland

In welchen Branchen Gründungen sich rentieren, prognostiziert der Gründerreport anhand der Erfahrungen der IHKs: Die besten Chancen liegen im Gesundheitssektor. Hierzu zählen etwa Pflegedienstleistungen, der Bereich Sport, Fitness, Wellness und innovative Dienstleistungen wie haushaltsnahe Dienstleistungen für Senioren.

Viele IHKs sehen eine Zukunft im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen wie IT-Services oder Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen. Auch E-Commerce-Angebote wie der individuell zugeschnittene Online-Handel wachsen und werden immer wichtiger. Außerdem eröffnet der Bedarf nach mehr Energieeffizienz in Haushalten und Unternehmen einen Markt für Gründungen in den Bereichen Energieerzeugung, Energieeffizienz und umweltschonende Produktionsprozesse.

Gute Perspektiven haben innovative Gründungen im IT- und Web-Bereich. "Oft lassen sich diese Projekte im Anfangsstadium mit einem kleinen Startbudget umsetzen", heißt es im Gründerreport. Für manch ein Startup reichen ein Laptop und eine flotte Internetverbindung, doch auch neue Finanzierungsmodelle wie Crowdfunding oder Crowdlending ermöglichen völlig neue Investitionsmöglichkeiten. Gerade in Großstädten hat sich eine lebhafte Startup-Szene gebildet, in denen Gründer sich mit Gleichgesinnten in Gemeinschaftsbüros, den so genannten Co-Working-Spaces, vernetzen.

Doch in Deutschland mangelt es an Wagemutigen, die ihre Ideen selbstständig umsetzen wollen. Von einem Gründervolk sind die Deutschen noch weit entfernt. Für die rücklaufenden Zahlen bei den Unternehmensneugründungen macht der Gründerreport den florierenden Arbeitsmarkt verantwortlich: Gründungen "aus Not" sind überflüssig, wenn qualifizierte Fachkräfte gute Einstellungsperspektiven haben. "Viele greifen am Ende dann doch lieber zu einer Festanstellung", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Mit 252.229 Gesprächen im Jahr 2012 ist die Gründungsberatung der Industrie- und Handelskammern sogar auf einem Rekordtief gelandet: Seit der ersten statistischen Erfassung vor zehn Jahren ist der Bedarf um fast ein Viertel gesunken. Der Gründermonitor der KfW-Banken und das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn bestätigen den rückläufigen Trend: So ist die Zahl der Gründer um etwa 14 Prozent gesunken – von 401.000 im Jahr 2011 auf 346.000 im Jahr 2012. Im Vergleich der Industrienationen weist Deutschland die zweitgeringste Gründungsneigung auf.

"Hier stimmt etwas nicht – wir müssen gegensteuern", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken und die Lust der Deutschen am Gründen zu wecken, hat der DIHK deshalb in seinen "Wirtschaftspolitischen Positionen 2013" Empfehlungen für das Regierungshandeln formuliert:

1. Förderung für arbeitslose Existenzgründer weiterentwickeln.
Das Gründerinteresse ist stark gesunken, seitdem der Gründerzuschuss den Empfängern des Arbeitslosengeldes nicht mehr gesetzlich zusteht, sondern nur noch nach Ermessen vergeben wird.

2. Gründungsfinanzierung insbesondere von Hightech-Start-Ups verbessern.
Durch steuerliche Nachteile und schlechte Bedingungen für internationale Investoren gibt es in diesem weltweit wachsenden Markt zu wenige Gründungen.

3. Thema "Selbstständigkeit" systematisch im Bildungssystem verankern.
Unternehmerisches Wissen soll frühzeitig in der Ausbildung vermittelt und unter Leitung einer zentralen Stelle koordiniert werden.

4. Bürokratie für Existenzgründer abbauen, Kommunale Satzungen von unverhältnismäßigen Belastungen befreien.
Genehmigungen, öffentliche Unterstützungen und Finanzierungsmöglichkeiten müssen vereinfacht und die Information hierüber zentralisiert angeboten werden.

5. Eltern durch bessere Kinderbetreuungsangebote die Selbstständigkeit erleichtern.
Die Betreuungszeiten müssen flexibler werden, um Unternehmer in ihrer Familienorganisation besser zu unterstützen.



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