Gute Aussichten Noch besser leben!

Neue Werte bestimmen die Zukunft: Wir sehnen uns nach Wohlstand und Lebensqualität, danach gesünder, bewusster und sozialer zu leben. Mit Optimismus gelingt die Kunst, den Job und das Leben zu genießen.

Mark Fehr, wiwo.de | , aktualisiert

Noch besser leben!

Foto: fotogestoeber/Fotolia.com

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski erklärt, was wir ändern sollten, um langfristig glücklich zu sein – im Beruf und Leben.

Was müssen Arbeitnehmer tun, um ihren Job langfristig zu behalten?

Beschäftigungsverhältnisse nehmen weiter zu, die Leistungsanforderungen sowie der Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck auch. Ohne Fleiß und Ehrgeiz geht gar nichts mehr. Wer unter solchen Bedingungen seinen Job nicht verlieren will, muss selbst zum Unternehmer am Arbeitsplatz werden und auch im Angestelltenstatus unternehmerisches Handeln beweisen. Anpassung muss durch Anspruch ersetzt werden. Den bloß "abhängig Beschäftigten" gibt es bald nicht mehr.

Was müssen wir heute unseren Kindern beibringen, damit sie morgen Erfolg haben?

Ganz obenan stehen Selbstvertrauen und Selbstständigkeit. So gesehen kann in Zukunft Persönlichkeitsentwicklung wichtiger als fachliche Spezialisierung werden. Im Übrigen ist Erfolg nicht nur eine Geldfrage. Die Arbeitspersönlichkeit der Zukunft will auch mit Sinn honoriert werden. Dies trifft insbesondere für qualifizierte Nachwuchskräfte zu, die ihr Privatleben mit dem Berufsleben in Einklang bringen wollen. Dafür sind sie aber auch zu mehr Leistung und Verantwortungsübernahme bereit.

In welche Zukunftsfelder sollten Unternehmen investieren?

Neue Sehnsüchte prägen neue Märkte. Wer in Zukunftsfelder investieren will, muss veränderte Lebensziele im Blick haben, wie gesünder leben, bewusster leben, sozialer leben. Das Motto lautet: Besser statt mehr. Der aktuell von mir in Zusammenarbeit mit dem Ipsos-Institut entwickelte 'Nationale WohlstandsIndex für Deutschland' (NAWI-D) zeigt, dass sich die Einstellung zu Wohlstand und Lebensqualität grundlegend verändert. Für die nahe Zukunft gilt: Lieber gut leben als viel leben.

Lohnt es sich angesichts negativer Realzinsen überhaupt noch, zu sparen? Was sind neben Sparen und Geldanlage alternative Formen der Daseinsvorsorge?

Wer nachhaltige Zukunftsvorsorge betreiben will, muss umdenken. Gesundheit zählt mehr als Geld. Sicherheit wird wichtiger als Freiheit. Und die Familie wird zur besten Lebensversicherung. Ihre Rendite heißt Lebenserfüllung. Der Familienzusammenhalt trägt in Zukunft mehr zur Gewinnmaximierung des Lebens bei als das Sparbuch und die Geldanlage.

Macht die Große Koalition Deutschland fit für die Zukunft?

Nein. Die Koalition hat keine Vision. Das ist eine große Enttäuschung. Sie will die Vergangenheit verwalten und nicht die Zukunft gestalten. Nach einer aktuellen Ipsos-Repräsentativbefragung kritisiert jeder zweite Bundesbürger die Große Koalition mit der Begründung, dass sie keine großen Reformen wagt und wenig Weitsicht beweist.

Ist das Thema Zukunft in den Augen von Politikern überhaupt eine relevante Größe?

Viele Politiker haben Angst vor der Zukunft und befürchten, von den Wählern abgestraft zu werden. In den Augen von Politikern besteht die Zukunft lediglich aus den medialen Aufregerthemen der nächsten drei Wochen. Da sind mittlerweile selbst die Chinesen noch fortschrittlicher, weil sie sich eine direkt dem Kabinett unterstellte Denkfabrik leisten. Zu Zeiten der sozial-liberalen Koalition unter Willi Brandt gab es noch eine unabhängige Kommission für wirtschaftlichen und sozialen Wandel. Davon können wir heute nur noch träumen. Fortschritt droht zum Rückschritt zu werden. Zu Recht bemängelt der Sachverständigenrat eine "rückwärtsgewandte Politik" Deutschland.

Für wen wird 2014 ein gutes Jahr – und wer muss sich warm anziehen?

Es ist kaum zu glauben. Für 2014 ist "Bestzeit" angesagt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Anteil der Pessimisten, die dem neuen Jahr mit Skepsis und gemischten Gefühlen entgegensehen, fast erdrutschartig um die Hälfte gesunken. "German Angst" ist tot. Die Deutschen sind ein Volk von Optimisten geworden, weil die wirtschaftlichen Aussichten die Bevölkerung geradezu in Hochstimmung versetzen – wenn auch in unterschiedlichem Maße. Frauen fühlen sich nach wie vor auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Und viele Ostdeutsche leben auf der Schattenseite des Wohlstandslebens. Die Wohlstandgewinner des Jahres 2014 lassen sich mit vier Merkmalen umschreiben: jung, urban, gebildet und besser verdienend.

Wagen Sie eine Prognose des Unworts des Jahres 2014?

Ich habe 1999 mit "Generation@" das Wort des Jahres erfunden. Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsproblematik in aller Welt halte ich den zynischen Begriff "Armutseinwanderung" für ein Unwort. Die Wohlhabenden bangen um ihren Reichtum, den sie nicht teilen wollen. Wir sollten uns daran gewöhnen: Wo es viel Wohlstand gibt, gibt es auch viel Armut. Die Kluft zwischen Arm und Reich darf nicht zu groß werden, wenn wir weiterhin Freude an unserem Wohlstand haben wollen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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