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Gut versichert Berufsunfähig – was dann?

Jeder vierte Erwerbstätige scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsleben aus. Doch nur wenige haben sich privat gegen Berufsunfähigkeit abgesichert. Es ist riskant, sich alleine auf den Staat zu verlassen.

Dörte Jochims/handelsblatt.com | , aktualisiert


Foto: Peter Atkins/Fotolia

Aus dem gewohnten Leben gerissen

Der eine heiratet, bekommt Kinder und führt jahrzehntelang ein verantwortungsvolles Leben, als ihn eine schwere Krankheit zurückwirft. Der andere ist Milliardär und hat sich nie über etwas Gedanken macht, das unterm Strich keine Summe ergab. Im Film "Das Beste kommt zum Schluss" landen beide im selben Krankenzimmer.

Obwohl sie aus unterschiedlichen Welten stammen, brechen sie gemeinsam auf, um künftig nur noch zu tun, was ihnen wirklich wichtig ist. Das verzweifelte Ziel, Versäumtes nachzuholen, schweißt sie fest zusammen.

Was würde passieren, wenn Krankheit, Kündigung oder Klagen Sie aus ihrem gewohnten Leben reißen würden und ihnen kein zynischer Milliardär à la Jack Nickolson zur Seite steht?

Finanzielle Absicherung

Kluge sorgen vor und kümmern sich rechtzeitig darum, sich zumindest gegen die finanziellen Folgen solcher Schicksalsschläge abzusichern. Denn 2001 wurde die staatliche Berufsunfähigkeitsrente abgeschafft. Die Hilfe vom Staat wurde damit ausgerechnet für Kranke auf das Niveau des 19. Jahrhunderts zurückkatapultiert.

So erreichte zu Bismarcks Zeiten die oft hoch gelobte Altersrente zunächst fast niemanden. Denn das Durchschnittsalter lag damals bei etwa 40 Jahren. Einen Anspruch konnten aber nur 70-Jährige geltend machen. Dafür kamen deutlich mehr Invalide als gedacht in den Genuss einer regelmäßigen Zahlung.

Ansonsten gilt bei diesem Thema wie beim Filmepos mit Jack Nicholson: Nur nichts aufschieben, was für einen selbst wirklich wichtig ist – schon gar nicht den Abschluss der Police.


Foto: Peter Atkins/Fotolia

Und wer zahlt?

Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Wer seine Altersrente antritt, kann statistisch gesehen auf 25 Jahre Zahlung hoffen. Arbeitnehmer, die nach 1961 geboren sind und aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen, bleibt dagegen meist nur Hartz IV.

Nur wer nachweislich nicht länger als drei Stunden arbeiten kann, bekommt den vollen Satz der Erwerbsminderungsrente und damit 38 Prozent seines letzten Bruttoeinkommens. Wer noch zwischen drei und sechs Stunden schaffen kann, hat Anspruch auf den halben Satz. Berufsanfänger, die noch nicht mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt hat, gehen ganz leer aus. Gleiches gilt für Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen.

Private Vorsorge ist daher Pflicht. Denn immerhin jeder Vierte wird berufsunfähig. Doch noch gehören entsprechende Versicherungspolicen zu den am stärksten vernachlässigten Versicherungen.

Unverzichtbarer Schutz

Dabei sind sie für jeden, der mit Arbeit sein Geld verdienen muss, unverzichtbar. Denn sie ersetzen im Versicherungsfall vollständig oder teilweise den Verdienstausfall.

Die Versicherung springt ein, wenn Betroffene nachweislich zu mehr als 50 Prozent berufsunfähig sind und ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können. Der Staat zahlt hingegen nur bei so genannter Erwerbsminderung. Hier können Betroffene überhaupt keine Tätigkeit mehr ausüben.


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Teure Verträge

Doch billig ist der Versicherungsschutz nicht. So zeigen Berechnungen, die Experten von Morgen & Morgen exklusiv für Handelsblatt Online erstellt haben, das etwa ein 42-jähriger Abteilungsleiter in der Pharmaindustrie für 3000 Euro Rente zwischen 1500 und 1700 Euro pro Jahr zahlt.

Ein 51-jähriger Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens müsste für 5000 Euro Rente zwischen 3.500 und 3.900 Euro berappen.

Knackpunkt ist zudem die so genannte Gesundheitsprüfung. Dazu füllen meist die Versicherten einen Fragebogen aus. Danach entscheiden die Assekuranzen, ob sie die Bewerber aufnehmen. Für chronisch Kranke und für Berufe, die als riskant gelten, sind kaum Policen zu bekommen. Dazu zählen Dachdecker, Gerüstbauer oder Fliesenleger. Dass auch Goldschmiede einen Aufschlag zahlen, ist allerdings kaum nachzuvollziehen.

Rechtzeitig abschließen

Auch ein 42-jähriger Banker reagiert zunächst ungehalten, als ihm ein Versicherungsberater sagt, dass es ab 40 teurer werde, sich zu versichern. Zudem steige das Risiko abgelehnt zu werden.

Und dann würden Bewerber oft auf einer Art schwarzen Liste landen und auch woanders leer ausgehen. Er sollte daher unbedingt mehrere Anbieter gleichzeitig anschreiben.


Foto: Peter Atkins/Fotolia

Häufigste Ursachen

"Ich verstehe, dass Schwertschlucken eine riskante Tätigkeit ist", so der Banker. Hier gebe es wunde Hälse, Brustschmerzen oder Durchlöcherungen von Rachen oder Speiseröhre. Er hingegen sitze am Schreibtisch oder in Meetings. Er habe im Vorjahr erstmals einen Marathon gelaufen und ziehe zwei Kinder groß. Der Arzt schreibe ihm höchstens hin und wieder Massagen gegen Nackenverspannungen auf.

Statistisch gesehen werden jedoch die meisten aus psychischen Gründen erwerbsunfähig. Auf Rang zwei der Ursachen für Erwerbsunfähigkeit rangieren Skeletterkrankungen und damit vor allem Rückenbeschwerden. Wer daher eine Psychotherapie gemacht hat oder Rückenprobleme behandeln lässt, hat es schwer, eine Police zu bekommen.

Gründe für eine Ablehnung können auch Vorerkrankungen wie Asthma oder Psychosen sein. Auch besonders gefährliche Sportarten gefährden eine Annahme. Flunkern hilft nicht. Dann besteht das Risiko, dass oft für Jahrzehnte Beiträge einbezahlt werden und der Versicherer dennoch im Schadensfall die Zahlung verweigert. Denn offenbar wird oft erst die Krankenakte geprüft. Und da Patienten oft nicht wissen, was Ärzte alles aufschreiben, empfehlen Berater oft, den Hausarzt beim Ausfüllen des Bogens hinzuziehen.

Ersatzweise "Schwere-Krankheiten-Police"

Wer keinen Berufsunfähigkeitsschutz erhält, muss zwar nicht verzweifeln. Er sollte sich aber keinesfalls nur mit einer Unfallversicherung abspeisen lassen. Sie leistet im Ernstfall eine einmalige Auszahlung.

Und "Ernstfall" heißt hier ausschließlich Unfall. Nur jeder Zehnte wird aus diesem Grund arbeitsunfähig. Eine so genannte "Schwere Krankheiten-Police" deckt ein deutlich breiteres Spektrum an Risiken ab. Ob der Versicherte dabei seinen Beruf weiter ausüben kann, spielt keine Rolle.

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