Gründerboom "Investmentbank ist out"

An den Wirtschaftshochschulen gibt es einen wahren Start-up-Boom. Die Unis helfen nach.

Malte Buhse | , aktualisiert

"Investmentbank ist out"

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Foto: amenic181/Fotolia.com

Auch große Namen und hohe Gehälter konnten Fabian Schaaf-Mehta nicht von seinem Plan abbringen. Mit seinem MBA-Abschluss in der Tasche standen dem 34-Jährigen alle Türen offen Investmentbanken, Unternehmensberatungen, große Industrieunternehmen. Doch Schaaf-Mehta ging zu einem ganz kleinen Unternehmen: seinem eigenen.

2009 gründete der Absolvent der HHL Leipzig Graduate School of Management zusammen mit zwei Geschäftspartnern das Internetportal Bestattungen.de. Auf der Webseite kann man die Preise und Angebote von Bestattern vergleichen. Die Seite ist kräftig gewachsen, die drei Gründer konnten schon mehrere Mitarbeiter einstellen.

Noch vor wenigen Jahren wäre Schaaf-Mehta ein Exot gewesen. An Wirtschaftshochschulen tummelten sich damals vor allem Karrierebewusste, die sich mit dem MBA für Höheres empfehlen und möglichst schnell in eine Führungsposition in namhaften Unternehmen aufsteigen wollten.

Start-ups unterstützen die Region

"Vor zehn Jahren gab es so gut wie niemanden, der nach einem MBA direkt ein eigenes Unternehmen gegründet hat", sagt Schaaf-Mehta. Doch das hat sich geändert. Allein aus seiner MBA-Klasse gingen fünf Start-ups hervor. Unter MBA-Studenten entwickelt sich gerade ein wahrer Gründerboom.

Einer, der dafür mitverantwortlich ist, ist Vivek Velamuri. Seit 2012 ist er Professor für Gründertum und Technologietransfer an der HHL. Lehrstühle wie seiner gehören an Business-Schools mittlerweile zum guten Ton.

Seine Aufgabe: bei den Studenten den Gründergeist wecken. Velamuri gibt Kurse in Innovationsmanagement, organisiert Treffen mit Wagniskapitalgebern und holt erfolgreiche Gründer für Gastvorträge und Seminare an die Business-School. Finanziert wird sein Lehrstuhl von der Stadt Leipzig. "Wir wollen auch der Region helfen und neue Unternehmen hervorbringen, die Arbeitsplätze schaffen", sagt Velamuri.

Imagewandel in kurzer Zeit

"Gründen ist cool geworden", ergänzt er. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder die Google-Erfinder Sergey Brin und Larry Page seien starke Vorbilder und hätten das Gründerimage innerhalb kürzester Zeit geändert.

"Noch in meiner Generation war ein eigenes Unternehmen für MBA-Absolventen keine Option", sagt der 34-Jährige, der seinen Abschluss auch erst 2006 gemacht hat. "Inzwischen will in einigen Kursen fast jeder Zweite nach dem Abschluss eine eigene Firma gründen."

Was dabei allerdings auch eine Rolle spielen dürfte: In den klassischen Abnehmerbranchen für MBA-Absolventen wird längst nicht mehr so gut gezahlt wie noch vor ein paar Jahren.

"Vor allem im Investmentbanking sind die Konditionen schlechter geworden", sagt Velamuri. "Man gibt daher nicht so viel auf wie früher, wenn man ein eigenes Unternehmen gründet."

Außerdem gilt, dass die klassischen Schornsteinkarrieren, bei denen man jung in ein Unternehmen einsteigen muss, um sich hochzuarbeiten, seltener werden. Inzwischen kann man zwischen Gründerdasein und Großkonzern munter hin und her wechseln.

Eins nach dem anderen

So wie Jay Habib. Schon während seines Wirtschaftsinformatikstudiums gründete er sein erstes Unternehmen und verkaufte es später. Danach arbeitete er eine Zeit als Berater und machte einen MBA an der WHU - Otto Beisheim School of Management nahe Koblenz.

Während des Studiums gründete er mit Kommilitonen schon das nächste Start-up. Nach dem Abschluss arbeitete er dann erst einmal wieder bei einem Private-Equity-Unternehmen – bis er wiederum eine Geschäftsidee hatte. Mit seiner neuen Firma ShopCo tüftelt der 30-Jährige nun an einer neuen Bezahltechnologie für Onlineshops.

Jobangebote dank aktiver Entrepreneur-Erfahrung

Karrierewege wie der von Jay Habib könnten bald ganz normal sein, glaubt Nils Stieglitz, Professor für Strategisches Management an der Frankfurt School of Finance & Management. "Unternehmen wissen die Erfahrungen, die man als Start-up-Unternehmer macht, immer mehr zu schätzen."

Wer mit seiner Gründung scheitert oder irgendwann doch keine Lust mehr auf das Leben als Unternehmer hat, kann zurück auf den klassischen Karriereweg wechseln. "Seit der Gründung habe ich so viele Jobangebote bekommen wie nie zuvor", sagt auch Benjamin Berndt, der nach seinem MBA an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht vor drei Jahren Fuelgard gegründet hat.

Dass es ausgerechnet unter MBA-Absolventen gerade zu einem Gründerboom kommt, ist kein Zufall. Für Fabian Schaaf-Mehta ist das Studium die perfekte Gründerausbildung.

Fünf Jahre hatte er zuvor bei einem mittelständischen Automobilzulieferer die Abteilung für Marketing und PR geleitet. Wie man ein Team führt, wusste Schaaf-Mehta daher. "Aber ich wollte mein betriebswirtschaftliches Wissen vertiefen und vor allem ein Netzwerk aufbauen und Mitstreiter finden – für all das war der MBA perfekt", sagt er.

Professionelles Managementsystem

Laut Management-Professor Nils Stieglitz überleben Unternehmen, die von MBA-Absolventen gegründet wurden, deutlich öfter die kritische Phase nach dem ersten Wachstum.

"Am gefährlichsten wird es für Start-ups meistens nach ein bis zwei Jahren", sagt Stieglitz. Da muss neues Kapital beschafft werden, um das weitere Wachstum zu finanzieren, und das Team besteht nicht mehr nur aus engen Freunden oder ehemaligen Kommilitonen. "In dieser Phase muss man ein professionelles Managementsystem einführen", sagt Stieglitz. Hier sind MBA-Absolventen im Vorteil.

Leichter Umgang mit Investoren

Deswegen haben es MBAler oft auch leichter, Investoren zu überzeugen. Jay Habib hat das mehrfach erlebt.

"Die Visitenkarte mit dem MBA-Abschluss ist oft ein entscheidendes Argument in den Verhandlungen", sagt er. "Investoren fassen schneller Vertrauen, wenn sie sehen, dass man an einer renommierten Business-School war."

Einige Hochschulen haben inzwischen eigene Venture-Capital-Fonds aufgelegt, mit denen sie ihren Absolventen helfen, aus einer guten Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu formen. Vivek Velamuri glaubt daher, dass der Gründerboom weitergehen wird. "Das ist ein genereller Trend: Investmentbank ist out, Gründen ist in."

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