Gründer-Trends Echte Weltverbesserer

Gesundheitsprodukte und Handysoftware, Online-Geschäfte und Umwelttechnik: Aussichtsreiche Jungunternehmer setzen auf diese Trends, um bei Kapitalgebern und Kunden zu punkten.

Jens Tönnesmann, wiwo.de | , aktualisiert


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Wasser – ein Luxusgut

Die Zahl ist erschreckend: Weltweit haben nach Angaben der Vereinten Nationen knapp 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Ein Problem, zu dessen Lösung Florian Benz und Alexander Goldmaier beitragen wollen. Die Jungunternehmer sind Gründer von Autarcon und haben eine innovative Anlage entwickelt, mit der sich Trinkwasser aufbereiten lässt:

Sie stellt das Chlor, das zur Reinigung notwendig ist, aus den Salzen her, die im Wasser vorhanden sind – das Wasser reinigt sich gewissermaßen selbst.

Solarmodule mit Einsparpotenzial

Weil sie mit Solarmodulen ausgestattet ist, kommt sie auch ohne Batterien oder Anschluss ans Stromnetz aus. 400 Liter Trinkwasser kann die Anlage pro Stunde produzieren – genug, um ein kleines Dorf oder Krankenhaus zu versorgen.

In Ländern wie Indien und Gambia sind die ersten Geräte bereits im Einsatz. Eine Idee, die den Ingenieuren mehrere Auszeichnungen eingebracht hat.


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Auch Kapitalgeber fand das Duo schnell. Denn die beiden setzen auf einen Trend, der die Gründerszene zurzeit besonders bewegt.

Jedes fünfte Investment deutscher Risikokapitalfonds ging im ersten Quartal dieses Jahres an ein Unternehmen aus dem Bereich Cleantech – also Firmen, die zum Beispiel umweltfreundlichere oder energieeffizientere Technologien entwickeln.

Das zeigt eine Umfrage des Venture Capital Panels, an dem 36 führende deutsche Wagnisfinanzierer teilnehmen.

Wertvolle Smartphone-Technologien

Unter Business Angels sind solche Startups ebenfalls enorm begehrt. Aber auch Gründer, die Gesundheitsprodukte entwickeln, können bei privaten Geldgebern punkten.

Unter institutionellen Risikokapitalgebern sind außerdem Startups gefragt, die neue Geschäftsmodelle im Internet entwickeln oder Software herstellen, etwa für Smartphones. Welche Startups auf die wichtigsten Trends setzen, zeigt folgende Übersicht.


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Trend 1: Saubere Welt

Startups, die neue Umwelttechnologien entwickeln, auf erneuerbare Energien oder Elektromobilität setzen, stehen nicht nur bei Geldgebern hoch im Kurs.

Auch beim WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb gewann 2011 mit E-Bility ein Unternehmen, das mit Elektrorollern den europäischen Markt erobern will.

Neben E-Bility und Autarcon setzen auch diese jungen Unternehmen auf die grüne Welle:

>>> Fos4X

Etwa 22.300 Windkraftanlagen gibt es in Deutschland – bald sollen die ersten mit der Technologie des Münchner Startups Fos4X ausgerüstet werden. Das Gründerteam Thorbjörn Buck, Lars Hoffmann, Mathias Müller und Rolf Wojtech hat neue Messgeräte und Sensoren entwickelt, mit denen sich die Rotorblätter der Anlagen überwachen lassen.

Das soll den Verschleiß der kostbaren Teile verringern und ein Windrad mit einer Lebenszeit von 20 Jahren um etwa 250.000 Euro rentabler machen. Die Gründer haben vier Mitarbeiter eingestellt und Investoren wie den High-Tech-Gründerfonds gewonnen.


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>>> ProEco

Ein herkömmliches Fahrrad mit ein paar Handgriffen in ein modernes Elektrobike verwandeln?

Das Bremer Unternehmen ProEco macht es möglich – dank Roola, einem Vorderrad, in dem ein Elektromotor und Batterien stecken.

Die erste Charge mit rund 350 Rädern ist schon ausverkauft, im kommenden Jahr wollen Gründer Luis d. Neves und sein siebenköpfiges Team knapp 24.000 Stück verkaufen. Dabei sollen ausgewählte Läden der Warenhauskette Saturn helfen, in denen Roola ab August zu haben ist.

Trend 2: Gesunde Welt

Rund 290 Milliarden Euro haben die Deutschen nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2010 für ihre Gesundheit ausgegeben – 50 Milliarden mehr als noch vor fünf Jahren.

Das lockt vor allem Wissenschaftler, die ihre Technologie an einer Universität entwickelt und das Marktpotenzial erkannt haben.


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>>> Dolosys

Beim Verabreichen von Schmerzmitteln für Schwerkranke stecken Ärzte täglich in einem Dilemma: eine zu niedrige Dosis lässt Patienten unnötig leiden, eine zu hohe Dosis kann die Heilung verzögern.

Der Mediziner Jan Baars von der Berliner Charité hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich exakt messen lässt, wie sehr ein Patient einen Schmerz wahrnimmt.

Ein Monitor signalisiert dem Arzt, wie er die Medikamente dosieren muss. Um die Technologie auf den Markt zu bringen, hat Baars mit zwei Ärzten und einem Betriebswirt das Unternehmen Dolosys gegründet.

>>> Cosinuss

Schon 2008 hatte Johannes Kreuzer für seine Diplomarbeit einen Sensor entwickelt, mit dem sich im Ohr die Körpertemperatur, der Puls und die Sauerstoffsättigung messen lassen – klein und unauffällig wie ein Hörgerät.

Weil der Elektrotechniker so viele Anfragen erhielt, gab er 2011 seinen Job auf und gründete mit seiner Frau das Münchner Startup Cosinuss. Hersteller von Sportgeräten und Medizintechnikanbieter haben bereits Interesse bekundet.


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>>> CoGap

Es gibt kein Patentrezept, um abzunehmen und gesünder zu leben – deshalb haben die Gründer von CoGapaus Köln ein Analyseverfahren entwickelt, mit dem sich anhand der Gene eines Menschen sein Stoffwechseltyp bestimmen lässt.

Ärzte nehmen die Probe, schicken sie anonymisiert ans Labor. Dann liefert CoGap die Auswertung und empfiehlt die richtige Ernährung und passende Sportarten.

Das kommt an: Zwischen 30 und 50 Proben analysiert CoGap inzwischen täglich.

Trend 3: Mobile Welt

Mehr als 15 Millionen Deutsche nutzen inzwischen Apps auf ihren Smartphones, wie eine Umfrage des High-Tech-Verbands Bitkom belegt.

Im Durchschnitt haben sie 17 der kleinen Programme installiert – ein Milliardenmarkt, der Gründer lockt.


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>>> Contigua

Beim zehnten Kaffee gibt es den elften umsonst – das Prinzip von Stempelkarten ist simpel und weit verbreitet. Arash Houshmand, Felix Baaken, Harald Siebenweiber und Markus Eichinger vom Startup Contigua setzen es auf Smartphones um.

Wer ihre App 10Stamps lädt, kann beim Einkaufen Stempel sammeln, wenn er an der Kasse über die Smartphone-Kamera einen Code einscannt. Später lassen sich die Stempel gegen Belohnungen tauschen.

Für Kunden ist der Dienst kostenlos, Ladenbesitzer zahlen eine monatliche Gebühr. Zahlreiche Einzelhändler und Ketten wie Coffee Fellows und Nordsee machen schon mit.

>>> Carzapp

Über Internet-Plattformen Autobesitzer und -mieter zueinanderzubringen, gilt vielen Startups derzeit als interessantes Geschäftsmodell. Die Gründer um Oliver Lünstedt von Carzapp aus Berlin gehen einen Schritt weiter: Sie entwickeln eine Technologie, die die Schlüsselübergabe obsolet macht.

Vermieter rüsten die Schlösser ihrer Autos mit einem sogenannten Zappkit auf, Mieter können den Wagen per Smartphone-App öffnen und losfahren. Der Prototyp funktioniert, in Kürze soll ein Test mit 100 Teilnehmern starten.


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>>> Pockettaxi

Tag für Tag fahren in Deutschland Millionen Menschen alleine in ihrem Auto zur Arbeit und wieder zurück.

Ein Startup aus Karlsruhe will helfen, Fahrgemeinschaften zu organisieren und Geld zu sparen.

Mit einer von den Gründern programmierten App können Pendler Mitfahrer mit ähnlichem Ziel finden. Siemens und EnBW zählen zu den ersten Pockettaxi-Kunden.

Trend 4: Shopping-Welt

25 Milliarden Euro sollen nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels in diesem Jahr im deutschen Online-Handel umgesetzt werden – knapp 17 Prozent mehr als 2011.
 
Mithilfe neuer Geschäftsmodelle wollen sich auch viele Gründer ein Stück davon abschneiden:


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>>> Modomoto

Wer Shoppingausflüge eher als Last denn als Lust empfindet, kann sich von Stil-Experten von Modomoto die passenden Stücke zusammenstellen lassen.

Hemden, Anzüge, Hosen – alles wird nach Hause geschickt. Bezahlen muss man nur, was man behält.

Sechs Monate nach dem Start muss Gründerin Corinna Powalla Kunden bereits auf eine Warteliste setzen.

>>> Wummelkiste

Wer immer passende Spielsachen für seine Kinder auf Lager haben will, kann beim Berliner Startup Wummelkiste ein Abo abschließen: Für 19,95 Euro kommt jeden Monat eine Kiste mit Materialien zum Basteln, Lernen und Spielen nach Hause.

Das entspannt die Eltern, bindet Kunden und überzeugt Investoren. Gründerin Philippa Pauen hat bereits zahlreiche Kunden gewonnen und konnte vor Kurzem auch 800.000 Euro von renommierten Kapitalgebern einwerben.


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>>> Friendfund

Die Gründer Martin Peschke und Harry McCarney verbinden die Idee der sozialen Netzwerke mit E-Commerce.

Nutzer ihrer Plattform Friendfund können in sogenannten Pools Geld zusammenlegen, um für ihre Freunde Produkte oder Dienstleistungen zu kaufen – zum Beispiel Geburtstagsgeschenke.

Wenn ein Pool innerhalb einer Frist gefüllt wird, tauscht das Startup das Geld eins zu eins gegen Warengutscheine und erhält eine Provision des Händlers. Alternativ überweist es das gesammelte Geld auf das Konto des Pool-Gründers und wird am Umsatz des Pools beteiligt.

Trend 5: Soziale Welt

Wer ein Unternehmen gründet, tut das oft nicht nur, um Geld zu verdienen.
 
Immer mehr Gründer möchten auch zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen.


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>>> Doonited

Ende 2010 kündigte Oliver Stark seinen Job, um ein ungewöhnliches Unternehmen aufzubauen: Doonited.

Die Internet-Plattform ermöglicht es, Freunde in sozialen Netzwerken zu guten Taten anzuregen oder selbst Gutes zu tun und davon zu erzählen. Knapp 50.000 gute Taten hat das Startup aus Berlin schon ermöglicht.

Jetzt wollen Stark und sein Team Unternehmen als Kunden gewinnen, die zu guten Taten aufrufen und sie belohnen können. Namhafte Konzerne sind bereits interessiert.

>>> Polarstern

Noch einen Energieanbieter gründen? Florian Henle, Jakob Assmann und Simon Stadler sind nach eigenen Angaben das erste Unternehmen in Deutschland, das 100-prozentiges Ökogas anbietet, das komplett aus Abfällen gewonnen wird.

Auch Ökostrom hat ihr Startup Polarstern im Angebot. Zusätzlich fördert es den Aufbau von Mikrobiogasanlagen in Entwicklungsländern und investiert in den Bau von Ökokraftwerken in Europa.


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>>> BringMeBack

Wer schon mal einen Schlüssel verloren hat, weiß, wie viel Ärger einem das Kölner Startup BringMeBack ersparen kann. Die Gründer Christoph Kind und Thomas Ott verkaufen Marker mit einem Code, mit denen sich beliebige Gegenstände kennzeichnen lassen.

Wer einen Gegenstand findet, muss den Code nur auf der Web-Seite eingeben – dann wird der Finderlohn nach den gesetzlichen Vorgaben berechnet und der Kontakt zum Besitzer hergestellt.

Kunden haben so bereits Produkte im Wert von mehr als 600.000 Euro gesichert. Nun haben sich die ersten Unternehmen gemeldet, um die Codes gleich in ihre Produkte zu integrieren.


Zuerst veröffentlich auf wiwo.de 

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