Gründer aus Frust Startup oder Start-Over?

Wenn aus Frustrierten Chefs werden: In Deutschland machen sich viele Menschen selbstständig, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. International ist Frust das Hauptmotiv für die Unternehmensgründung. Kann das gut gehen?

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Startup oder Start-Over?

Für manche Gründer ist die Selbstständigkeit ein Ausbruch aus dem frustrierenden Alltag. Wirkt sich dieses Motiv auf den Gründungserfolg aus?

Foto: Viorel Sima/Fotolia.com

Wenn man die Deutschen fragt, ob sie sich jemals selbstständig machen würden, dann sagen viele: Durchaus – wenn ich mal arbeitslos werde. Ähnlich ist es bei jenen, die den Schritt in die Selbstständigkeit tatsächlich wagten. Auch ihnen ging es oft nicht nur darum, tolle Ideen zu verwirklichen oder darum, der eigene Chef zu sein. Viele wollten einfach raus aus der Arbeitslosigkeit.

Eine solche Notgründung ist allerdings durchaus mit Vorsicht zu genießen. So zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Instituts für die Zukunft der Arbeit (IZA), dass der Erfolg eines jungen Unternehmens stark von den Gründungsmotiven abhängt. "Je stärker die eigene Geschäftsidee, das Besetzen einer Marktlücke oder der Wunsch, sein eigener Chef zu sein im Vordergrund stehen, desto ausgeprägter ist der Erfolg der neuen Unternehmen. Wer hingegen ausschließlich aus der Not heraus, die Arbeitslosigkeit beenden zu müssen, ein Unternehmen gründet, dessen unternehmerischer Erfolg steht unter deutlich schlechteren Vorzeichen", heißt es.

Vom Maler zum Gastronom

Die Studie zeigt außerdem, dass sich die Notgründer in Branchen versuchen, in denen sie sich nicht auskennen und deshalb häufig scheitern. Außerdem versuchen sich viele an einer Gründung ohne entsprechende Finanzierung im Rücken. Läuft es dann in der Anfangszeit nicht rund, droht die Verschuldung. Oder der Unternehmer muss neben seiner Vollzeitstelle noch einen Zweitjob annehmen, um über die Runden zu kommen. Effektiv ist anders.

Dementsprechend sollte einem die Studie "Entrepreneurship as a Mobility Process" von Jesper Sørensen (Stanford Graduate School of Business) und Amanda J. Sharkey (University of Chicago) zu denken geben:

Neuanfang oder Flucht?

Laut den Forschern ist Frustration – zumindest auf dem US-Arbeitsmarkt und in Dänemark ein großes Motiv für die Selbstständigkeit. Ärger mit dem Vorgesetzten, mangelnde Anerkennung und schlechte Aufstiegschancen im eigenen Unternehmen seien Gründe für die Gründung.

Für den Einzelnen mag die Selbstständigkeit dann – so sie erfolgreich ist – auch eine Erleichterung sein, innovativ ist sie in der Regel aber nicht. Schließlich steht dahinter nicht der Gedanke, Großes zu schaffen – sondern möglichst schnell aus dem alten Hamsterrad auszubrechen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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