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Gründen Auf das Team kommt es an

Ohne Mitstreiter scheitert die beste Geschäftsidee. Die Gründer der Softwarefirma Metaio erklären, wie man ein Team aufbaut. Ihr Beispiel macht deutlich, dass man Geschäftspartner auch im Freundeskreis und durch ehemalige Praktikanten gewinnen kann.

Tanja Könemann | , aktualisiert

Thomas Alt kann Monster erschaffen. Seine Firma Metaio stellt eine Software her, die 3D-Animationen in die reale Welt verfrachtet. Das kann aussehen wie in "Jurassic Park": In dem Film bewegen sich virtuelle Dinosaurier in einer echten Umgebung. Augmented Reality - erweiterte Realität - lautet die korrekte Bezeichnung. Das 2003 in München gegründete Unternehmen wuchs schnell: 50 Mitarbeiter beschäftigen Alt und sein Geschäftspartner Peter Meier inzwischen an drei Standorten. Die Gründer lockten sie mit guten Einstiegschancen und vielen Freiheiten.

Am Anfang waren nur sie beide da, erzählt Thomas Alt. Die zwei Ingenieure entdeckten während eines Vortrags, dass sie an exakt derselben Technologie arbeiteten. "Peter kam damals auf mich zu und sagte: ,Wir werden die neuen Bill Gates.'" Dass sie gemeinsam eine Firma gründen würden, schien vorbestimmt.

Sich Mitstreiter suchen - dies sei der erste Schritt auf dem Weg zur Firmengründung, sagt Investor Cornelius Boersch (siehe Interview Seite 3). "Wenn man allein gründet, kostet es zu viel Zeit, sein Produkt zu entwickeln." Schnell sei dann ein Trend vorrüber oder ein Wettbewerber an einem jungen Unternehmen vorbeigezogen. Außerdem: "Mit wem sonst soll man Freud und Leid teilen?" Boersch rät, zunächst im Freundes- und Bekanntenkreis zu fragen. Dort fänden sich meist Gründungswillige, bei denen die Chemie stimmt.

Wie bei Alt und Meier, die, neben dem gemeinsamen Interesse für die Technik, auch persönlich zusammenpassen. "Wir hatten von Anfang an ein freundschaftliches Verhältnis zueinander", sagt Alt. Gut so, denn die Verbindung zwischen Unternehmensgründern muss viel aushalten. "Peter und ich halten uns ständig den Spiegel vor, und manchmal fliegen dabei auch die Fetzen. Daran sind wir sehr gewachsen."

Managementerfahrung per Training-on-the-job

Wachsen mussten auch ihre Managementfähigkeiten. Statt sich einen dritten Mann ins Unternehmen zu holen, der ihnen Arbeit abnimmt und sich um die Finanzen und Businesspläne kümmert, vertrauten sie auf ihre Lernfähigkeit. "Wir haben uns nie formal für die Führung eines Unternehmens qualifiziert", sagt Alt. "Unsere Managementerfahrung kam per Training-on-the-job."

In den ersten Monaten mussten auch "Fools, Friends and Family" herhalten, wie Thomas Alt seine Unterstützer der ersten Stunde nennt. In Managementfragen half sein Bruder Markus, der als Unternehmensberater arbeitet. Alts Lebensgefährtin entwarf Aushänge für schwarze Bretter an Universitäten, auf denen sie um Mitarbeiter für Metaio warb.

Neue Mitstreiter finden - das ist eine Aufgabe, die Alt und Meier sehr gewissenhaft angehen. Ob Werkstudent oder fest angestellter Mitarbeiter: Sie nehmen sich viel Zeit bei ihrer Auswahl. "Wir wollen herausfinden, ob jemand in unserer Start-up-Atmosphäre arbeiten mag", sagt Alt. Schließlich sei Metaio weniger durchorganisiert als ein Großkonzern, die Mitarbeiter würden häufig einen großen Teil ihrer Aufgaben selbst definieren. So viel Eigenständigkeit sei nicht jedermanns Sache.

Mittlerweile wissen Alt und Meier, wie sie einem potenziellen Mitarbeiter auf den Zahn fühlen können. "Wir beschreiben dem Bewerber im Vorstellungsgespräch einen typischen Tag bei Metaio und fragen ihn, wie er ein bestimmtes Problem lösen würde." Außerdem bräuchten sie Mitstreiter, die voll und ganz hinter Metaio stehen. So wie sie.

"Wir versuchen herauszufinden, ob jemand seine Aufgabe als Berufung oder als Beruf sieht. Deshalb stellen wir natürlich auch die klassische Frage: Warum Metaio?" Von einem Software-Entwickler, der sich bewirbt, lässt sich Thomas Alt zum Beispiel erklären, warum er die Technologie spannend findet. Ein Vermarkter müsse das Verkaufspotenzial des Produktes darlegen können.

Daniel Gelder, 28, lockten zunächst die Entwicklungsmöglichkeiten, die ihm Alt und Meier in ihrem jungen Unternehmen bieten konnten. Er kam im April 2005 als Praktikant zu Metaio. Er konnte viel ausprobieren, sagt der ehemalige BWL-Student heute, durfte den Internetauftritt überarbeiten und schuf eine Simulationssoftware für Inneneinrichtungen. Mit der gewann er auf der IT-Messe Cebit in Hannover sogar einen Preis.

Die Mitarbeiter von Metaio schätzen diese Freiheiten offenbar. "Fast alle unsere jetzigen Angestellten sind ehemalige Studenten", sagt Thomas Alt. Es ist eine optimale Entwicklung, wie er findet, schließlich wüssten die Berufseinsteiger genau, worauf sie sich einließen. Daniel Gelder nutzte die Chancen, die ihm Metaio bot: Nach dem Studium fing er 2006 als Vertriebsmitarbeiter an. Schon ein Jahr später beförderten ihn die Unternehmensgründer Thomas Alt und Peter Meier zum Leiter Vertrieb und Marketing.

Von Gründern für Gründer

Wer sich selbstständig macht, hat viele Fragen. Eine davon: Wie haben es andere gemacht? Günter Faltin, Teekanne-Gründer und Professor für Entrepreneurship, erklärt es, in seinem Buch "Kopf schlägt Kapital" (Carl Hanser Verlag, 19,90 Euro). Anhand zahlreicher Beispiele legt er dar, wie Unternehmer Konzepte entwickeln und umsetzen können.

Alltägliche Fragen, die Gründer bewegen, beantworten Christoph Ahr, Jacqueline Schwenk und Kevin Matros in ihrem Buch "Gründungsratgeber von Gründern für Gründer" (Shaker Media, 19,90 Euro).

Die Studenten und Gründer der Beratung Con-Q setzen sich mit Fragen zu Steuern und der Bürosuche auseinander. Und auch im Netz gibt's Unterstützung: Foerderland.de bietet Fachbeiträge und Interviews mit Gründern sowie ein Forum, in dem Gründer ihr Wissen weitergeben.

Ehrgeiz statt Intelligenz

Herr Boersch, wie sollte ein Gründerteam beschaffen sein?
Zum Gründerteam sollten zwei bis vier Personen gehören, die sich nicht zu sehr ähneln, sich aber dennoch sehr gut verstehen. Sie sollten sich in dem Bereich auskennen, in dem sie gründen. Branchenfremde haben es meist schwer.

Wie sollten die Aufgaben verteilt sein?
Sie brauchen einen Innenminister, der die internen Abläufe im Auge behält und die Produktion sicherstellt. Dann brauchen Sie einen Außenminister. Er sollte ein Verkäufer und ein Visionär sein, der Investoren und Kunden begeistern kann. Kapitalgeber erwarten von Gründerteams auch zunehmend, dass jemand dabei ist, der die Finanzen kontrolliert.

Welche persönlichen Eigenschaften sollte ein Gründer mitbringen? 
Ehrgeiz. Eine gewisse Gebrauchtwagenverkäufer-Mentalität und ein wenig Erfahrung können auch nicht schaden. Die Bedeutung von Intelligenz wird überschätzt. Normalerweise kommt man zunächst mit einer Idee auf den Markt, die nicht funktioniert. Und wenn die Gründer in dem Moment nicht lockerlassen und immer weiter an ihrer Idee basteln, dann haben sie auch irgendwann Erfolg.

Wie prüfen Sie als Investor ein Team?
Es gibt kein Muster, nach dem man vorgehen kann. Ich bin immer wieder überrascht darüber, wer Erfolg hat und wer nicht. Manchmal sieht die Verpackung besser aus als der Inhalt.

Aber nach irgendwelchen Kriterien müssen Sie doch entscheiden? 
Ich lese zum Beispiel keine Businesspläne, sondern sehe mir die Leute an. Sind sie hartnäckig? Sind sie sympathisch? Könnte ich mit ihnen auch ein Bier trinken gehen? Das ist eine wichtige Frage, schließlich werden wir einige Jahre miteinander verbringen.

Wann würden Sie auf gar keinen Fall investieren?
Wenn jemand überzogene Gehaltsansprüche hat. Wenn er ankommt und als Erstes sagt, ich will reich werden. Jemand muss erfolgreich sein wollen und alles legal Mögliche dafür tun. Außerdem habe ich schlechte Erfahrungen mit gelernten Bankern und Unternehmensberatern gemacht. Banker sind zu wenig risikobereit, und Unternehmensberater eignen sich nicht für kleine Unternehmen, in denen man Dinge auch mal ohne Flipchart und Powerpoint-Präsentation entscheidet.

Cornelius Boersch, 41, ist Gründer und CEO der Investmentgesellschaft Mountain Partners Group. Das Europäische Business-Angel-Netzwerk Eban kürte ihn kürzlich zum "European Business Angel of the Year 2009", eine Auszeichnung, die Boersch als erster Deutscher erhielt. Er hat in den vergangenen Jahren in mehr als 200 Firmen investiert.

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