GMAT-Score Eintrittskarte mit vier Buchstaben

Ein hoher Wert beim Standardtest GMAT ebnet den Weg zur Business School. Aber hat man damit auch später die besseren Karrierechancen?

Jan Guldner | , aktualisiert

Eintrittskarte mit vier Buchstaben

Foto: pockygallery11 / fotolia.com

Ob die Bewerbung für ein berufsbegleitendes Managementstudium mit Abschluss Master of Business Administration (MBA) erfolgreich ist, darüber entscheidet an den besten Wirtschaftshochschulen der Welt eine dreistellige Zahl: Das Ergebnis des Graduate Management Admissions Test, kurz GMAT. Liegt das GMAT-Ergebnis oberhalb von 700 Punkten, stehen viele Türen offen: Die bestangesehensten Business-Schools der Welt empfangen Kandidaten und während des Studiums öffnen renommierte Unternehmen ihre Türen für Praktika.

Liegt der Wert dagegen gar unter 600, gestaltet sich schon die Bewerbung für viele MBA-Studiengänge schwierig. Wer unterdurchschnittlich abschneidet, bekommt Probleme, überhaupt in ein gutes Programm aufgenommen zu werden – egal welche anderen Qualifikationen er noch so vorzuweisen hat. Denn der GMAT ist gerade bei hohen Bewerberzahlen ein Ausschlusskriterium. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage des amerikanischen Branchenportals Poets & Quants unter MBA-Bewerbungsberatern: 65 Prozent der Befragten gaben an, Business-Schools messen dem GMAT heute so viel Gewicht bei wie noch nie.

Immer mehr Teilnehmer – und höhere GMAT-Werte

Das macht den Test zur wichtigsten Einstiegshürde für MBA-Aspiranten. Jedes Jahr legen ihn mehr als 100.000 potenzielle Bewerber ab, mehr als 6.000 Management-Studiengänge weltweit akzeptieren ihn. In Deutschland wagten sich 2014 4.320 Frauen und Männer an den Test, zwölf Prozent mehr als noch fünf Jahre zuvor, heißt es beim Graduate Management Admission Council (GMAC), der Organisation, die den Test konzipiert und organisiert.

In den vergangenen Jahren sind die durchschnittlichen GMAT-Werte der Bewerber stetig gestiegen. 2010 erzielten die Bewerber weltweit im Durchschnitt 544 Punkte, 2014 waren es schon 550. Besonders in den Vereinigten Staaten, dem Mutterland der Management-Ausbildung an Business-Schools, ist die Punkteinflation zu beobachten. An der University of Chicago Booth School of Business lag der Durchschnitt der diesjährigen MBA-Klasse bei 726 Punkten, an der Kellogg School of Management der Northwestern University bei 724.

Auch die deutschen MBA-Anbieter sind keine Ausnahme. An der Mannheim Business School etwa ist der Durchschnitt des GMAT-Ergebnisses auf 670 Punkte gestiegen, an der ESMT in Berlin liegt er bei 640. Generell kamen die Deutschen im GMAT 2010 auf durchschnittlich 568 Punkte, 2014 schon auf 574.

Nur: Woran liegt das? Werden die Studenten wirklich immer besser? Oder sind sie nur besser vorbereitet?

So einfach ist es dann doch nicht. Zum einen gibt es schlicht mehr gute Bewerber. Aus Asien, insbesondere Indien und China, interessieren sich immer mehr junge Menschen für ein Studium an den renommierten Business-Schools vor allem in den USA. Das alleine würde den durchschnittlichen GMAT-Wert aber noch nicht so sehr nach oben treiben. Doch die neuen Bewerber sind oft hochmotiviert und bestens vorbereitet – und haben deshalb auch bessere Ergebnisse. Das hebt den Schnitt.
 
Einen weiteren Grund für den Anstieg der Testwerte hat Jörn Meissner festgestellt. "Die Testteilnehmer bereiten sich immer besser vor, weil sie dazu mehr Möglichkeiten haben", sagt der Professor der Kühne Logistics University, der lange an der Lancaster University Management School unterrichtet hat und heute mit seinem Unternehmen Manhattan Review gewissermaßen zur GMAT-Inflation beiträgt: Er hilft angehenden MBA-Studenten, sich auf die schwierige Prüfung vorzubereiten.

Hoher GMAT lockt die Personaler

Es gibt eine Vielzahl an Büchern, an Online-Kursen und Vor-Ort-Seminaren mit demselben Ziel: den perfekten Wert zu erreichen. Doch Jörn Meissner hat noch einen anderen Treiber für die steigenden GMAT-Punktzahlen ausgemacht: Ein hoher GMAT ist für die Wirtschaftshochschulen auch ein wichtiges Werbekriterium. "Wenn man sagen kann, man hat einen durchschnittlichen Wert von mehr als 700 Punkten", so Meissner, "dann werten das die großen Firmen wie McKinsey und Goldman als Indikator für gute Studenten und kommen zur Personalsuche vorbei."

Dazu kommt, dass der durchschnittliche GMAT-Wert eines Jahrgangs auch als Gütekriterium von den Machern der wichtigen MBA-Rankings genutzt wird. Die angesehene Rangliste des U.S. News & World Report zum Beispiel basiert zu 16 Prozent auf dem durchschnittlichen GMAT. Sowohl das spätere Einstiegsgehalt der Absolventen als auch die Meinungen von Personalverantwortlichen aus Unternehmen werden in dieser Liste weniger stark gewichtet.

Da die Platzierungen in den einschlägigen Rankings aber für die Business-Schools ein wichtiger Bestandteil der Eigenwerbung sind, achten die Zulassungsverantwortlichen penibel darauf, dass der GMAT-Schnitt nicht zu weit gedrückt wird.

Das kann bisweilen kuriose Blüten tragen. So gibt es Berichte von Studenten aus den USA, die aufgrund früherer Noten, des Lebenslaufs und des Vorstellungsgesprächs problemlos aufgenommen wurden, denen aber nahegelegt wurde, doch noch einmal einen GMAT-Test zu absolvieren, weil sie sonst den Durchschnitt senken würden. Andere Wirtschaftshochschulen drängen aussichtsreiche Kandidaten mit schlechterem GMAT, sich doch bitte mit dem ähnlich anspruchsvollen Test GRE (Graduate Record Exam) zu bewerben. Das Ergebnis dieses Tests wird nämlich von keinem Ranking berücksichtigt – und der unterdurchschnittliche GMAT-Wert des Kandidaten taucht so nirgends auf.

Dabei gibt es durchaus gute Gründe, den GMAT als wichtiges Auswahlkriterium zu nutzen. Gerade in Studiengängen, die so international sind, wie es der MBA zumeist ist, ist es schwierig, die Kandidaten miteinander zu vergleichen. "Wir haben Bewerber aus allen Teilen der Erde, von Aserbaidschan über Deutschland und Kanada bis Venezuela", sagt Ralf Bürkle, Marketingdirektor der Mannheim Business School. "Der GMAT bietet da eine gewisse Objektivität und Vergleichbarkeit in der Beurteilung des Leistungsvermögens."

Guter GMAT, gute Noten

Außerdem zeigt er, dass der Bewerber sich auf etwas gezielt vorbereiten und sich in die Materie einarbeiten kann. Eine Fähigkeit, die an der Business-School und später im Beruf extrem geschätzt wird. Viele Studien zeigen, dass der Erfolg an den Business-Schools gut mittels des GMAT vorhergesagt wird. Eine Forschergruppe um Darrin Kass von der Bloomsburg University fand zum Beispiel in einer Untersuchung heraus, dass Menschen mit höheren GMAT-Werten bessere Noten im MBA-Programm hatten.

Sie testeten den Einfluss des GMAT-Ergebnisses auch auf für Manager wichtige Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit, Entscheidungs- und Führungsfähigkeit. Das Ergebnis: Der aus quantitativem und verbalem Test gebildete Wert hat darauf keinen Einfluss. Viel aussagekräftiger war dagegen ein guter Testwert beim analytischen Schreiben.

Was sagt der GMAT über die Karrierechance aus?
 
Ein hoher GMAT-Wert ist deshalb auch kein Indikator für eine steile Karriere nach dem MBA. Die kanadische Rotman Business School hat das sogar empirisch untersucht. Kevin Frey, der Direktor des MBA-Programms, analysierte die Daten seiner Studenten über mehrere Jahre hinweg und versuchte herauszulesen, welche Eigenschaften einen erfolgreichen Berufseinstieg vorhersagten.

Aussagekräftig waren Arbeitserfahrung, frühere Noten, die Punktzahl beim Bewerbungsinterview und beim analytischen Schreibtest. Der GMAT dagegen war es nicht. Business-Schools, die ihre Bewerber nach dem GMAT-Score aussortieren, müssen sich deshalb fragen lassen, warum sie ihre Studenten danach wählen, wie gut sie das MBA-Programm überstehen werden – und nicht danach, wie gut sie später auf dem Arbeitsmarkt zurechtkommen.

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