Glücksfaktoren Was macht wirklich glücklich?

Geld macht nicht glücklich, sagt der Volksmund. Die Wissenschaft sieht das anders: Geld macht bis zu einem gewissen Niveau glücklich. Und die Zufriedenheit wächst, wenn das Gehalt kontinuierlich steigt, die Arbeitsbelastung aber nicht.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Was macht wirklich glücklich?

Foto: Franz Metelec / fotolia.com

Die Frage, ob Geld glücklich macht, ist in etwa so alt wie der Lohnunterschied. Wer kaum genug verdient, um die Miete zu bezahlen, schielt neidisch auf den Nachbarn, der schon zum dritten Mal im Jahr in den Urlaub fliegt und ein teures Auto fährt. "Der muss ja platzen vor Glück." Da Auto, Gehalt und Urlaub aber vor Trauer, Einsamkeit oder Krankheit nicht schützen, tröstet der Volksmund die Armen seit jeher damit, dass Geld eben nicht glücklich mache. Doch so richtig überzeugen lässt sich der neidische Mensch damit nicht. So konterte einst der verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki: "Aber wenn ich traurig bin, weine ich lieber im Taxi als in der U-Bahn."
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Zum Thema gibt es zahlreiche Studien und Theorien. Die Psychologen Elizabeth Dunn und Michael Norton beispielsweise sind überzeugt, dass Geld dann glücklich macht, wenn man es beispielsweise für ein Erlebnis, statt für eine Sache ausgibt. Also lieber Konzertkarten statt einer Sound-Anlage kaufen. Ihre Theorien haben sie in ihrem Buch "Happy Money: So verwandeln Sie Geld in Glück" zusammen getragen.

Ab 66.000 Euro ist Schluss

Und der britische Konsumforscher und Ökonom Angus Deaton von der Universität Princeton hat erst vor wenigen Wochen den Wirtschaftsnobelpreis für seine Forschung zum Thema Glück durch Geld bekommen. Seine Erkenntnis: Das subjektive Glücksgefühl der Menschen steigt bis zu einem Jahresverdienst von 75.000 Dollar – also umgerechnet 66.000 Euro jährlich oder 5.500 Euro monatlich.

Darüber hinaus sorge mehr Geld nicht für mehr Zufriedenheit. Wer also 120.000 Dollar brutto im Jahr nach Hause bringt, ist genauso glücklich oder unglücklich wie der Kollege mit 75.000 Dollar. Der Grund: Wer mehr als 75.000 Dollar verdient, hat so viel Stress und Druck und so wenig Zeit für die angenehmen Dinge, dass alles Geld es nicht mehr wettmachen kann.

Genausowenig macht ein einmaliger Geldsegen glücklich, wie die Wirtschaftswissenschaftler Christian Bayer von der Universität Bonn und Falko Jüssen von der Universität Wuppertal nachgewiesen haben. Sie haben sie Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 1984 bis 2010 ausgewertet und Angaben zum Einkommen, der Einkommensentwicklung und der Arbeitszeit mit den Angaben zur allgemeinen Zufriedenheit in Relation gesetzt. Die Ergebnisse der Auswertung "Happiness and the Persistence of Income Shocks" sind in aktuellen Ausgabe des "American Economic Journal: Macroeconomics" zu lesen.

Eines ihrer Ergebnisse: Ein ständiger Einkommensanstieg macht zufriedener, als ein einmaliger Gehaltszuwachs. Dass ein plötzlicher Geldregen nicht glücklich macht, hat bereits die Erfahrung mit Lottogewinnern gezeigt, denn Glück haben und glücklich sein sind zwei paar Schuhe, wie Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel von der Technischen Hochschule Nürnberg sagt. "Der Lottogewinn ist ein Zufallsglück, der ist ihm halt passiert. Deswegen ist er nicht unbedingt glücklich."

Mehr Geld bei gleicher Belastung

Entscheidend für das Glücklichsein seien Faktoren wie Beziehungen, sinnvolle Tätigkeiten in Beruf und Freizeit sowie physische und psychische Gesundheit. Der Lottogewinn könne eine Chance sein, hieran etwas zu ändern – falls man nicht schon materiell abgesichert und zufrieden mit dem eigenen Leben sei, sagt Ruckriegel.

Insofern deckt sich das mit Deatons Forschungsergebnissen. Bayer und Jüssen haben aber nicht nur herausgefunden, dass steter Geldregen besser ist als ein einmaliger Geldsegen, sondern auch, dass Geld die Zufriedenheit auch über ein bestimmtes Gehaltsniveau hinaus steigern kann – wenn der Stress nicht zunimmt. "Die Formel für eine höhere Lebenszufriedenheit lautet demnach: dauerhaft mehr Geld bei gleichbleibender Stundenzahl", so Bayer. Denn Überstunden wirken sich auf das individuelle Glückniveau aus – allerdings negativ.

Der feine Unterschied

"Wer ständig mehr arbeiten muss, wird unglücklicher", sagt Bayer, der am Hausdorff Center for Mathematics und am Institut für Makroökonomik und Ökonometrie der Universität Bonn lehrt und forscht. "Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu vielen anderen Studien, die zu dem Schluss kommen, dass es schon zufriedener macht, überhaupt eine Beschäftigung zu haben als keine." Die Untersuchung deutet daraufhin, dass Arbeitslose also eher darunter leiden, kein Geld zu haben, als darunter, dass der Job an sich fehlt. Das belegen auch die Erkenntnisse von Nobelpreisträger Deaton: ein geringes Einkommen macht Menschen unzufrieden und unglücklich.

Das Erstaunliche: Dauerhafte Gehaltserhöhungen machen zufrieden – und zwar unabhängig von der Höhe. Auch wer nur 100 Euro mehr bekommt, die dafür regelmäßig, ist zufriedener als der, der nur vorübergehend mehr bekommt. Bisherige Forschungen hatten diesen Unterschied unberücksichtigt gelassen und alle Einkommensveränderungen gleich behandelt. Mit dieser Erkenntnis ausgestattet könnte man nun in die nächste Gehaltsverhandlung gehen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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