Gleichstellung Freiwillig zu mehr Frauen im Management

Die Dax-Konzerne haben sich verpflichtet, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Damit ist die gesetzliche Frauenquote zunächst vom Tisch.

Tina Groll, zeit.de | , aktualisiert


Foto: Franz Pfluegl/Fotolia

Jetzt doch freiwillig

Es ist vorerst nur ein Versprechen, das die deutsche Wirtschaft gegeben hat: Bis zum Jahr 2020 werde man den Anteil der weiblichen Führungskräfte auf bis zu 35 Prozent erhöhen, teilten die Personalvorstände der Dax-Konzerne mit.

Bei einem Spitzengespräch mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Familienministerin Kristina Schröder und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger präsentierten sie einen Plan, der Anhängern einer Frauenquote beileibe nicht weit genug gehen dürfte.

Statt einer Frauenquote, die für alle Unternehmen gilt, sieht die Vereinbarung nur individuelle Ziele für die Unternehmen vor. Sie verpflichten sich etwa dazu, mehr Frauen im mittleren und höheren Management zu beschäftigen und weiblichen Arbeitskräften mehr Trainee-Stellen anzubieten. Außerdem wollen sie die eigenen Betriebskindergärten ausbauen und Frauen bei der Personalentwicklung besonders fördern.

Verantwortung bei Unternehmen

Die freiwillige Vereinbarung ist nicht zuletzt ein Sieg für Familienministerin Schröder. Sie ist eine bekennende Gegnerin einer festen Quote. "Die Rahmenbedingungen sind in jedem Unternehmen unterschiedlich, deshalb ist eine gesetzliche Regelung nicht zielführend", sagt sie an diesem Montag.

Bereits im März hatte sie ihren Stufenplan vorgestellt, der eine schrittweise Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen vorsah – ohne, dass dafür ein Gesetz geändert werden muss. Die Erklärung der Wirtschaft ist eine Antwort auf die Vorschläge.

Dementsprechend lässt die Ministerin verlauten, die Unternehmen zeigten "Einsicht und Transparenz". Nun müsse man sie an ihren Zielen messen.


Foto: Franz Pfluegl/Fotolia

Die Dax-Konzerne selbst versprechen, die selbst gesteckten Ziele regelmäßig zu überprüfen. Dazu wollen sie eine Arbeitsgruppe gründen, in der die Personalvorstände der 30 Dax-Konzerne fünf Jahre lang die Entwicklung diskutieren sollen.

Dort wolle man auch "Erfahrungen austauschen", sagt Harald Krüger, Vorstand beim Autohersteller BMW. Der Münchener Konzern hat angekündigt, seinen Frauenanteil im Nachwuchsprogramm für Führungskräfte bis zum Jahr 2020 auf bis zu 30 Prozent zu erhöhen. Bis dahin ist noch viel zu tun: Derzeit sind nur zehn Prozent der Entscheider im Konzern Frauen.

Ob sich dieser Wert durch die Maßnahmen des Konzerns erhöhen wird, sei dahingestellt. Skeptisch zeigte sich auch Ursula von der Leyen. Die Arbeitsministerin gilt als Verfechterin einer festen Quote; ihr geht die freiwillige Verpflichtung der Konzerne nicht weit genug. Sie kritisiert, dass die Führungspositionen der einzelnen Unternehmen
nicht näher definiert sind. Viele Stellen seien "nicht miteinander vergleichbar". Zudem hätten einige Unternehmen internationale Ziele erklärt, andere nationale. "Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen", sagte die Ministerin.

Ministerin von der Leyen will mehr

Lobenswert findet von der Leyen allerdings, dass die Dax-Konzerne erstmals ihren Frauenanteil veröffentlichen. Endlich würden die Unternehmen mit dem "Märchen aufräumen, dass es keine Frauen für Führungspositionen gibt".

Genug findet das die Ministerin nicht. "Wir haben immer noch nur 3,7 Prozent Frauen in den Vorständen. Das ist eine für den Wirtschaftsstandort Deutschland unterirdische Zahl." Für diese obersten Entscheidungspositionen sieht die Selbstverpflichtungserklärung keine Ziele vor. Darum schließt von der Leyen eine gesetzliche Frauenquote für die Aufsichtsräte nicht aus.

Wie gering der Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen in Deutschland ist, zeigt der Women-on-Board-Index, der vom Verein Frauen in die Aufsichtsräte (FidAr) herausgegeben wird. Dessen Präsidentin Monika Schulz-Strelow kritisiert die freiwillige Selbsterklärung der Dax-Konzerne als Minimallösung.


Foto: Franz Pfluegl/Fotolia

"Die Richtung stimmt, aber die Ebene nicht. Managementebene ist nämlich nicht Vorstand oder Aufsichtsrat", sagt die Lobbyistin. Letztlich erfülle die Wirtschaft mit ihrem Katalog nur die Ziele, die sie sich schon vor zehn Jahren in einer Selbstverpflichtungserklärung gegeben habe. Der einzige Unterschied: "Diesmal gibt es ein Monitoring, an dem die Erreichung der Ziele messbar wird."

Hinzu kommt: Die Unternehmen müssen – anders als etwa in Norwegen – keine Strafen fürchten, wenn sie die Vereinbarung nicht einhalten. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger machte deutlich, dass sie von Sanktionen "nicht viel" halte. Diese seien das "falsche Signal an die Wirtschaft", die ihr Personal nachhaltig entwickeln müsse.

Verschleppt die Wirtschaft das eigentliche Ziel?

Genau das sieht Regine Stachelhaus, Personalvorstand bei E.on, mit der Selbstverpflichtungserklärung erreicht. "Wir bauen jetzt den Pool von Führungsfrauen auf, aus dem wir später für die Spitzenpositionen rekrutieren können. Eine gesetzliche Quote für diese Positionen halte ich für entbehrlich."

Vielen Konzernen fehlten die Frauen bereits auf den unteren Ebenen. Hier müsste die Frauenförderung vor allem ansetzen. "Eine starre Quote verkennt die Realität in deutschen Unternehmen", sagt auch Joachim Sauer, Präsident des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM) und Geschäftsführer bei Airbus.

Ad hoc könnten nur wenige Unternehmen ihren Frauenanteil auf Leitungsebene stark erhöhen. Das sieht die Lobbyistin Schulz-Strelow ganz anders. Sie fürchtet, dass die Unternehmen ihre Ziele verschleppen werden. "Die Frauen auf allen Ebenen zu fördern, ist sinnvoll. Nur geht bei solchen langfristigen Zielen viel Energie verloren und
die Gefahr besteht, dass nicht mehr auf die höchste Führungsebene geschaut wird."

Dies ist auch die Sorge der Arbeitsministerin. Von der Leyen hat deshalb ein Spitzengespräch der Dax-Aufsichtsräte und der Bundesregierung angeregt. Das soll sogar mit dem Kanzleramt abgestimmt sein.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...