Gesundheitsmanagement Fitness-Praxis fürs Wohlbefinden

Unternehmen kümmern sich verstärkt um die Fitness der Mitarbeiter. Wer hier clevere Ideen hat, profitiert davon auch im Personalmarketing.

David Meiländer | , aktualisiert


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Einmal durchchecken, bitte!
 
Anja Maliezefski hat den VW-Bus zur Fitnesspraxis umgerüstet. In ganz Deutschland ist sie mit dem Gefährt unterwegs. Die Sportwissenschaftlerin arbeitet im Gesundheitsmanagement der Targobank.

Zusammen mit drei Kollegen hat sie ein Ziel: Bis zum Sommer wollen sie jeden der 6500 Mitarbeiter in jeder der 300 Filialen einmal durchgecheckt haben. 

"Der demografische Wandel stellt eine signifikante Herausforderung für Unternehmen dar", sagt Jens Stefan Baier, Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting. Arbeitgeber müssen sich in Zukunft immer stärker um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern.

Produktiv bleiben im Alter

Solche Investitionen rentieren sich auch kurzfristig. Denn Firmen können mit ihren Angeboten bei potenziellen Bewerbern punkten.

Noch vor sieben Jahren war nur ein Fünftel der Deutschen über 65 Jahre alt. Laut Prognose des Statistischen Bundesamts werden es im Jahr 2050 über 30 Prozent sein.

Die Alterung könnte sogar negative Auswirkungen auf die Produktivität haben, glaubt Unternehmensberater Jens Stefan Baier. Ein Automatismus ist das nicht. Es kommt auf die Arbeitsumstände an.


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Gute Arbeitsbedingungen

"Mit zunehmendem Alter gibt es eine Differenzierung in der beruflichen Leistungsfähigkeit", sagt Götz Richter, der bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und -medizin über den demografischen Wandel forscht. Die einen bleiben gesund, die anderen werden öfter krank.

"Eine große Rolle spielt, wie stark man im Beruf belastet war", sagt Richter. Das gilt sowohl körperlich als auch psychisch.

Arbeitswissenschaftler sind sich einig: Oft ist es die Arbeit selbst, die Beschäftigte krank macht. "Prävention im Gesundheitsmanagement ist deshalb vor allem die Veränderung der Arbeitsbedingungen", sagt Richter.

Ergonomisch angepasste Stühle

Das Tesa-Werk in Offenburg setzt auf die gesunde Gestaltung der Arbeitsplätze. Regelmäßig werden diese von einer Physiotherapeutin analysiert. In den Büros stehen höhenverstellbare Schreibtische sowie ergonomisch angepasste Stühle.

Auch Gesundheitschecks bietet die Firma an. Besonders nötig ist Prävention bei sehr anstrengenden Tätigkeiten, etwa am Fließband: Ein hoher Lärmpegel schadet dem Gehör, immer gleiche Bewegungen führen zu Haltungsschäden. Das rächt sich im Alter. Unternehmen können ihre Mitarbeiter nicht mehr flexibel einsetzen.


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Keine klaren Ursachen

Nicht immer sind die Ursachen sinkender Produktivität so klar zu bestimmen wie bei den Folgen jahrelanger Fließbandarbeit. Auch psychische Belastungen können sich sehr negativ auswirken.

Laut einer Untersuchung der Krankenkasse DAK-Gesundheit vergrößert übermäßiger Stress das Herzinfarktrisiko erheblich.

In der Arbeitswelt haben die Belastungen zugenommen. "Die Mitarbeiter sind heute überall erreichbar", sagt Patric Traut, Gesundheitsmanager beim IT-Konzern IBM. "Es gibt überhaupt eine größere Arbeitsdichte."

Unter Zeitdruck

Jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland fühlt sich durch Zeitdruck und hohes Arbeitsaufkommen belastet, ergab die Studie der DAK-Gesundheit. Dem versucht IBM im eigenen Unternehmen, unter anderem mit Kursen zur Stressbewältigung und flexiblen Arbeitszeiten entgegenzuwirken.

Auch beim Tesa-Werk werden Führungskräfte im Erkennen und im Umgang mit psychischen Krankheiten geschult. Für ihr Gesamtkonzept erhält die Firma in diesem Jahr den Sonderpreis in der Kategorie "Betriebliche Gesundheitsförderung" beim Wettbewerb "Deutschlands Beste Arbeitgeber".


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Unternehmen kümmern sich...

"Gesundheitsmanagement ist mittlerweile in der Realität vieler Betriebe angekommen", sagt Forscher Götz Richter. "Das heißt aber nicht, dass es ein ausgeprägtes Demografiebewusstsein gibt." Viele Unternehmen stellen andere Gründe für ihre Fitnessbemühungen in den Vordergrund.

So auch die Targobank: "Für uns ist Gesundheitsmanagement auch ein Instrument zur Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern", sagt Personaldirektor Jürgen Reinhold. "Vor drei Jahren war es ein Vorteil, wenn man es hatte – heute ist man im Nachteil, wenn man es nicht hat." 

Das ergab auch eine Studie des Marktforschungsunternehmens Puls. Es befragte etwa 1000 Beschäftigte, ob sie den Wunsch haben, den Arbeitgeber zu wechseln. In Unternehmen mit Gesundheitsmanagement verneinten das stolze 67 Prozent, in denen ohne lag die Zahl um 15 Prozentpunkte niedriger.

...Mitarbeiter bleiben

"Für Beschäftigte wird es immer wichtiger, etwas für ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden zu tun", sagt Bernhard Allmann, Professor an der Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Deshalb empfänden sie Maßnahmen, die sie dabei unterstützen, als wertvollen Vorteil.

"Bei der Wahl zwischen zwei Arbeitgebern kann das ein Argument sein", sagt Allmann.


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Kranksein gleich Produktivitätsverlust

Das zunehmende Interesse führt er auf einen Paradigmenwechsel zurück: "Früher war es Privatsache, wenn man krank wurde. Heute ist Mitarbeitergesundheit ein Produktivitätsfaktor."

Auch Anja Maliezefski beobachtet bei ihren Besuchen in den Filialen der Targobank einen "größeren Andrang als erwartet". Die Untersuchungen sind freiwillig.

Ob ihr Projekt nach seinem Abschluss im Sommer verlängert wird, steht zwar noch nicht fest. "Aber wir ziehen das stark in Erwägung", sagt Targobank-Personalleiter Reinhold.

Und so könnte das Gesundheitsmobil auch in den nächsten Jahren in ganz Deutschland unterwegs sein.

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