Gesundheit So kriegen Ihre Mitarbeiter keine Grippe

Im Winter werden etwa zehn Prozent der Fehltage durch Grippe verursacht. Wie man sich vor Ansteckung schützt und welche Vorkehrungen Unternehmen treffen können.

Tina Groll / Zeit.de | , aktualisiert

Zwischen einer und fünf Millionen Menschen lassen sich in Deutschland jährlich gegen Grippe behandeln. Gerade jetzt, in den späten Wintermonaten zwischen Januar und März, verzeichnen Ärzte etwa viermal mehr Grippekranke als in anderen Monaten. Influenza ist zwar besonders für ältere Menschen und chronisch Kranke gefährlich, aber nicht nur. Je nach Grippesaison erwarten Experten zwischen einigen Hundert bis mehr als 10.000 Toten.

Influenza-Viren werden durch Tröpfchen übertragen, beim Husten, Niesen oder Händeschütteln gelangen sie von Mensch zu Mensch. Auch über die eingeatmete Luft dringen sie in den Körper ein. Wo viele Menschen zusammenkommen, ist das Ansteckungsrisiko besonders hoch: In öffentlichen Verkehrsmitteln, auf dem Weg zur Arbeit und im Büro.

Weitere Ansteckungen

Meist fallen die erkrankten Arbeitnehmer für eine bis zwei Wochen aus, häufig steckt sich ein großer Teil der Belegschaft an. Das kostet. Berechnungen der gesetzlichen Krankenkassen zufolge werden zwischen Dezember und April etwa zehn Prozent aller krankheitsbedingten Fehltage durch Grippe oder grippale Infekte verursacht.

Darum lassen einige Unternehmen ihre Mitarbeiter bereits in den Herbstmonaten Oktober und November gegen Grippe impfen. Vor allem in großen Konzernen ist die Schutzimpfung für die Belegschaft Usus. Unter den mittelständischen Betrieben hingegen bietet nicht einmal die Hälfte die Impfung an, hat eine Studie des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung ermittelt.

Betriebsärzte raten auch den kleineren Unternehmen zu der Impfung. Sie kostet etwa zehn bis 15 Euro pro Mitarbeiter und ist in der Regel gut verträglich. Der Impfstoff wird jedes Jahr neu entwickelt und ist den sich verändernden Viren angepasst. Ob sich die Impfung betriebswirtschaftlich lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von den Aufwendungen für Impfstoff und Arzt sowie von den Kosten, die dem Arbeitgeber durch krankheits- oder impfungsbedingte Ausfallzeiten entstehen.

Kostenübernahme für das Impfen

Die gesetzlichen Krankenkassen kommen für betriebliche Impfungen nur auf, wenn sie Mitarbeiter in der Pflege oder Arbeitnehmer über 60 Jahren vor Impfung schützt. Manche Kassen übernehmen jedoch auch in anderen Fällen die Kosten für den Impfstoff, so dass der Arbeitgeber nur die Arztkosten trägt.

Verträgt ein Mitarbeiter die Impfung gut, ist seine Ausfallzeit zunächst gering: Der Impfvorgang dauert maximal 20 Minuten pro Person. Nebenwirkungen können aber durchaus zu einem krankheitsbedingten Ausfall von mehreren Tagen führen. Und auch wer durch die Impfung gegen Grippe geschützt ist, kann sich eine andere Form der Erkältung zuziehen und ausfallen. Niemand kann exakt voraussagen, wie eine Grippesaison verlaufen wird – und ob sich die Investition für das Unternehmen letztlich lohnt.

Auch wollen sich längst nicht alle Arbeitnehmer impfen lassen. Dazu gezwungen werden können sie nicht. Das Angebot ist freiwillig. Nur wenn im Arbeitsvertrag etwas anderes geregelt ist, besteht Impfzwang. Davon sind in der Regel allerdings lediglich Mitarbeiter in einer Arztpraxis betroffen.

Wenn bereits einige Mitarbeiter im Betrieb an Grippe erkrankt sind, kann eine Schutzimpfung für den Rest der Belegschaft immer noch sinnvoll sein. Voraussetzung: Die Mitarbeiter sind am Tag der Impfung gesund.

Gründliche Reinigung

Ansonsten gelten in dieser Zeit die generellen Hygiene-Regeln. Während der Grippesaison sollten Arbeitgeber darauf achten, dass die Büroräume besonders gründlich gereinigt werden. Das Putzpersonal sollte vor allem auf der Toilette und in der Teeküche Desinfektionsmittel verwenden und damit auch die Türgriffe abwischen. Hier finden sich die meisten Viren. Papiertücher und Flüssigseife auf der Toilette vermindern das Ansteckungsrisiko. Frotteehandtücher dagegen sind Virenbrutstätten.

Auch regelmäßiges Lüften der Räume – insbesondere im Großraumbüro – verhindert das Ausbreiten der Grippeviren. Besonders wichtig ist, darauf zu achten, dass kranke Mitarbeiter zu Hause bleiben und sich auskurieren. Wenn Mitarbeiter trotz ärztlichem Attest bei der Arbeit erscheinen und sich ihr Gesundheitszustand dadurch verschlechtert, steht der Arbeitgeber in der Haftung.

Trotzdem ist auch jeder einzelne Arbeitnehmer gefordert. Wer statt in die Hand in die Ellenbeuge niest, macht schon vieles richtig. Auch ist es vernünftig, während der Grippezeit häufiger die Hände zu waschen, etwas Abstand zu halten sowie Körperkontakt und Händeschütteln zu vermeiden. Das ist für Mitarbeiter mit engem Kundenkontakt allerdings oftmals unmöglich. Eine vorübergehende Freistellung ist nur dann möglich, wenn der Arbeitgeber einwilligt.

Normales Unternehmerrisiko

Wenn doch viele Mitarbeiter im Unternehmen erkranken, müssen die gesunden nicht notwendigerweise die Arbeit der kranken Kollegen übernehmen. Grippeausfälle zählen zum normalen Unternehmerrisiko. Hier kommt es auf den genauen Wortlaut im Arbeitsvertrag an. Prinzipiell dürfen die gesunden Mitarbeiter nur für gleichwertige andere Tätigkeiten eingesetzt werden.

Übrigens: Wenn es durch eine Grippepandemie sogar zur vorübergehenden Betriebsschließung kommt, weil die Produktion nicht aufrechterhalten werden kann, bekommen die Mitarbeiter dennoch ihren Lohn.

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