Gesundheit im Job Meditieren gegen Bürokrankheiten

Die richtigen Gedanken können heilen, will eine Psychologin nachgewiesen haben. Dann klappt's auch mit den Kollegen besser.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert

Meditieren gegen Bürokrankheiten

Foto: Dirima/Fotolia.com

Das Wichtigste sagt Barbara Fredrickson gleich vorweg: "Die Mechanismen der Verbindung zwischen positive Gefühlen und körperlicher Gesundheit bleiben ein Geheimnis", heißt der erste Satz in der Studie, die die Psychologieprofessorin an der University of North Carolina at Chapel Hill in der Zeitschrift "Psychological Science" veröffentlicht hat.

Mit exakt naturwissenschaftlich nachweisbaren Dingen geht es da also nicht zu. Dennoch will sie in einem Feldversuch gezeigt haben, dass Büroangestellte mit geistigen Übungen ihre guten Gefühle mehrten und sich dadurch stärker als Teil der Gemeinschaft wahrnahmen. Das habe auch positive körperliche Veränderungen im vegetativen Nervensystem in Gang gesetzt. Fazit: Es ist möglich, man kann sich gesund meditieren.

Fredrickson und Kollegen trainierten 65 Angestellte der University of North Carolina sechs Wochen lang jeden Tag für 15 Minuten die aus dem Buddhismus stammende sogenannte Liebende-Güte-Meditation (Loving-Kindness-Meditation oder Metta-Meditation).

Und so funktioniert die Liebende-Güte-Meditation:

Man sitzt mit geradem Rücken und überkreuzten Beinen auf einem Kissen am Boden. Die Hände werden auf den Oberschenkeln abgelegt. Diese aufrechte Haltung sollte sich locker und nicht verspannt anfühlen.

Man sagt sich still und wiederholt den von "liebender Güte" getragenen, aufrichtigen Wunsch nach Glück vor, zum Beispiel mit dem Satz: "Möge ich voller Freude sein." Teilnehmer berichten dabei von einem Gefühl der Wärme in Brust und Bauch. Zwischen diesen Gedanken kann man auf den eigenen Atem achten, zum Beispiel den Luftstrom an den Nasenflügeln oder die sich hebende Bauchdecke.

Dazu gehört aber auch, dass die Güte-Gedanken sich erweitern: In der ersten Woche denkt man nur an sich selbst, in der zweiten Woche wünscht man da Glück auch geliebten Menschen, in der dritten Woche allen Bekannten, in der vierten Woche auch Fremden und ab der fünften allen Menschen.

Fredrickson verglich die beobachteten Meditierer mit einer anderen Gruppe, die so lange auf ihr Training warten mussten wie die anderen übten. Die Trainierten berichteten im Rahmen der Studie in einem Onlinetagebuch täglich über ihre positiven und negativen Gefühle – und über die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen mit anderen.

Außerdem maßen Fredrickson und Kollegen vor und nach den Meditationssitzungen die Aktivität des Vagusnervs. Dieser gehört zum vegetativen Nervensystem und ist aktiv, wenn das Herz oder der Bauchraum entspannen. Fredrickson nimmt eine höhere Aktivität dieses Nervs als Marker für die Gesundheit an.

Meditation nährt Seele und Körper

Am Ende des Versuchs nach sechs Wochen hätten, so Fredrickson, berichteten die Meditierer über deutlich mehr Freude, Hoffnung, Dankbarkeit und Liebe und weniger negative Gefühle als eine Vergleichsgruppe. Die guten Gefühle gingen damit einher, dass die Beziehungen zu anderen Menschen als enger und besser empfunden wurden.

Und die Aktivität des Vagusnervs war höher als in der Vergleichsgruppe. Wer schon vorher eine hohe Vagus-Aktivität zeigte, profitierte besonders von der Meditation. Fredrickson will damit bewiesen haben, dass der Zustand des Vagusnervs nicht angeboren ist, sondern beeinflusst werden kann.

Das Fazit der meditationsfreudigen Psychologen: "Regelmäßig kultivierte gute Gefühle sind geradezu ein Nährstoff für den Körper, stärken das Miteinander und verbessern die vegetative Gesundheit, was dazu führt, dass Menschen noch mehr auf freudvolle Momente und gute Beziehungen achten."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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