Gesunde Jobs Fit für ein langes Berufsleben

Gesundheit und Leistungsfähigkeit gehören zusammen. Immer mehr Unternehmen beschäftigen Experten, um ihre Mitarbeiter vor Burn-Out-Symptomen zu schützen und für ein langes Berufsleben fit zu halten. Noch ist die Aus- und Weiterbildung ungeregelt.

Claudia Obmann | , aktualisiert


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Führungskräfte sind mit Burn-out überfordert

"Der hat doch zu viel Zeit, sonst könnte er sich den Burn-out gar nicht leisten." Solche zynischen Kommentare von Chefs ernten überarbeitete Mitarbeiter selbst dann noch, wenn sie von ihrem Arzt längst aus dem Verkehr gezogen werden.

Auch vorbeugende Vorschläge von gestressten Kollegen, die dringend eine vorübergehende Arbeitszeitreduzierung oder Telearbeit benötigen, um Druck zu reduzieren, wecken noch häufig eher den Unmut des Vorgesetzten als seine Hilfsbereitschaft.

Denn nicht selten ist auch die Führungskraft überfordert, wenn ein Mitarbeiter nachlässt. "Lassen Sie sich lieber komplett krankschreiben, dann kann ich wenigstens eine Ersatzkraft für Sie bekommen", ist ein oft gehörter Satz von Vorgesetzten. Das soll bei der Targobank nicht mehr passieren.

Gesunde Führung

Dort achtet Jürgen Reinhold, als Projektleiter verantwortlich für die Einführung des neuen betrieblichen Gesundheitsmanagements, darauf, dass im Unternehmen künftig "gesund" geführt wird. Statt extremer Profitmaximierung durch harte Zielvorgaben geht es nun darum, den Mitarbeitern wieder mehr Gestaltungsspielraum zu geben und Stärken zu stärken, anstatt sich auf Schwächen zu konzentrieren.

Bis Juli 2012 schult der erfahrene Personalmanager in zweitägigen Workshops rund 700 Führungskräfte, erläutert, wie sich ein Klima schaffen lässt, damit Mitarbeiter, die krank sind oder in einer Krise stecken, zu ihnen kommen.


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Verständnis und Aufmerksamkeit

"In Unternehmen wird viel dafür getan, dass sich kein Mitarbeiter körperlich verletzt, aber wenn einer kommt und sagt, 'ich fühl mich ausgebrannt und brauche eine Pause', dann heißt es schnell, der will sich doch vor der Arbeit drücken. Das sehen wir nicht so", sagt Diplom-Ökonom Reinhold.

Rund 40 speziell ausgebildete Gesundheitsexperten – Personaler und Betriebsräte – sowie Checklisten helfen den Targobank-Führungskräften künftig dabei, das richtige zu tun, wenn Mitarbeiter um Hilfe bitten. Damit die Belegschaft gesund und fit bleibt und darüber hinaus die Balance zwischen Beruf und Privatleben besser gelingt, investiert das Finanzinstitut pro Jahr insgesamt rund eine Million Euro.

Die Führungskultur umkrempeln, ein Gesundheitsmobil an über 300 Firmenstandorte für medizinische Check-ups schicken, Ernährungs- und Fitnessworkshops für 6500 Mitarbeiter sind "eine Investition in die Zukunft, die sich rechnet", ist Wolfgang Kaiser, Personalchef der Targobank, überzeugt.

Potenzial beschützen

Nicht nur, weil Mitarbeiter für ihr längeres Arbeitsleben fit bleiben müssen. "Für Unternehmen ist es ein Wettbewerbsnachteil um kluge Köpfe, kein betriebliches Gesundheitsmanagement zu haben", ist sich Kaiser sicher.

Noch sind es einzelne Vorreiter wie die Targobank, der Telefonkonzern Telefónica, Boehringer Ingelheim Pharma oder die Gothaer Versicherungen. Doch künftig werden immer mehr Unternehmen aus allen Branchen ein betriebliches Gesundheitsmanagement einführen.


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Körper und Psyche beschützen

Damit einher geht ein steigender Bedarf nach entsprechend ausgebildetem Personal, das ein solch komplexes Großprojekt erfolgreich planen und umsetzen kann. Mit einer "Gesundheitswoche" einmal im Jahr oder Seminaren zur Raucherentwöhnung ist es nicht getan.

Sascha Armutat, Leiter des Bereichs "Forschung und Themen" bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), der größten deutschen Personalmanager-Vereinigung, sagt:

"Der 'Gesundheitsmanager' oder 'Leiter Corporate Health' wird ein eigenständiges Jobprofil. Speziell bei großen Unternehmen entwickeln sich die Aufgaben weg von reinen Trainings hin zum ganzheitlichen Präventionsansatz für Körper und Psyche."

Bislang jedoch ist die Qualifikation für diese relativ junge Disziplin nicht einheitlich geregelt. Meist kümmern sich Betriebsärzte oder Personalmanager – oft auch beide gemeinsam – darum. Aber auch für Arbeits- und Organisationspsychologen, Sportwissenschaftler oder Pädagogen könnte es ein neues Betätigungsfeld sein, wenn es darum geht, die Fehlzeitenquote zu senken, die Mitarbeitermotivation und das Betriebsklima zu verbessern, Arbeitsplätze ergonomischer zu gestalten und mentale und körperliche Fitness zu sichern.
 


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Studiengänge müssen nachziehen

Vorausgesetzt, sie interessieren sich auch für die wirtschaftliche Steuerung und das Controlling von entsprechenden Kennzahlen und die Einführung entsprechender Prozesse im gesamten Unternehmen. Pionier unter den wenigen deutschen Hochschulen, die Spezialisten ausbilden, ist die Universität Bielefeld mit ihrem Weiterbildungsstudiengang zum "Betrieblichen Gesundheitsmanager".

Zu den weiteren renommierten, aber stärker praxisorientierteren Anbietern berufsbegleitender Weiterbildung in Sachen Gesundheitsmanagement, die mit Zertifikaten abschließen, zählen die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund sowie die DGFP.

Der Düsseldorfer Personalerverband startet im April seinen neuen fünftägigen Lehrgang für Personalmanager und Betriebsärzte mit Abschlussprüfung zum Thema "Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements".

Der Quereinstieg ist also ebenso gut möglich wie der Einsatz als freier Berater, etwa für kleine und mittelständische Unternehmen, die sich künftig vielleicht einen Gesundheitsmanager teilen wollen, statt ihn Vollzeit zu beschäftigen.

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