Gesprächstechnik Selbstbewusstsein demonstrieren durch Körpersprache

Sie wollen einen besseren Job? Im Meeting besser rüberkommen? Sich mit dem Chef auf Augenhöhe unterhalten? Dann achten Sie auf Ihre Haltung und Ihre Füße! Wie Sie im Büro selbstbewusst und kompetent wirken, verrät die Körpersprache-Expertin Violeta Mikic.

Wenke Wensing, wiwo.de | , aktualisiert

Selbstbewusstsein demonstrieren durch Körpersprache

Körpersprache

Foto: STUDIO GRAND OUEST/Fotolia.com

Frau Mikic, wer ist eigentlich der absolute Körpersprache-Profi?

Violeta Mikic: Fast alle Tagesschau-Sprecher. Sie stehen aufrecht von der Sohle bis zum Scheitel. Ihre Arme sind rechts und links vom Körper, nicht vor dem Bauch. Sie sprechen mit der Kamera, dementsprechend sind die Fußspitzen zur Kamera gerichtet, der Oberkörper, ihre Hüften, das Gesicht – der ganze Körper ist dem Gesprächspartner zugewandt. Das ist die größte Wertschätzung, die ich dem anderen entgegenbringen kann.

Und wie strahle ich im Sitzen Kompetenz aus?

Ganz einfach: Je näher Sie am Tisch sind, desto weniger selbstbewusst und kompetent wirken Sie. Halten Sie Abstand, klammern Sie sich nicht fest. Wenn Sie sich einen gewissen Raum nehmen, wirken Sie kompetenter. Am besten legen Sie ihre Arme auf die Stuhllehnen. Das wirkt offen. Außerdem verhindert es, dass Sie die Hände vor dem Körper verschränken. Wenn Sie zuhören, können Sie sich in ihrem Stuhl auch ein wenig zurücklehnen.

Dann habe ich aber das Gefühl zu versacken.

Nein, wenn Sie aufrecht sitzen und die Wirbelsäule nicht abrunden, versacken Sie nicht. Die Schultern bilden eine Linie, sind also weder hochgezogen noch lassen Sie sie fallen. Wenn Sie zuhören, können Sie auch einen Arm auf den Tisch legen.

Arm auf dem Tisch, Körper zum Sprechenden. Drehe ich dann nicht automatisch jemandem in der Runde den Rücken zu?

Ja. Wenn rechts von Ihnen jemand sitzt, wirkt der Arm schnell wie eine Mauer. Lassen Sie ihn dann lieber auf der Armlehne.

Der Tisch ist aber doch verlockend, unbewusst stütze meine Ellenbogen auf. Ist das schlimm?

Das wirkt sehr brav. Der Tisch ist nicht zum Festhalten da, sondern um Kaffee hinzustellen.

Ist es okay, wenn ich den Kopf aufstütze?

Eine lange Diskussion kann dazu führen, dass wir den Kopf aufstützen. Es signalisiert, dass wir müde sind, unser Kopf voll ist und dass wir keine Lust mehr haben.

Ich kann es einfach nicht lassen, mich am Gesicht, Hals oder Arm zu berühren.

Sie müssen nicht prüfen, ob Sie noch da sind, indem Sie sich berühren. Das zeigt eine innere Unruhe und Unsicherheit, die Sie nicht zeigen möchten.

Wie gewöhne ich mir das ab?

Der erste Schritt ist, dass Sie die Bewegungen verlangsamen. Lassen Sie Ihre Hand, wenn sie schon mal da ist, ein wenig verweilen. Sich Ticks abzugewöhnen, braucht seine Zeit. Sie sollten im Alltag darauf achten, sie zu bändigen. Aufzustehen und zu sagen: "Heute ist das Meeting, heute spiele ich nicht am Gesicht rum" funktioniert nicht.

Ist es eine Alternative, die Hand unters Kinn zu legen?

Es gibt dieses Schubladen-Denken. Wir sollten nicht wie Marionetten-Puppen sein. Ich muss mir anschauen, ob es gerade passt und ob die Haltung für die Situation fördernd ist. Wenn ich mir ein Märchen anhöre und die Hand unters Kinn lege und nur zuhöre, dann kann das durchaus schön und richtig wirken. In den beruflichen Kontext gehört es einfach nicht hinein.

Ich könnte meine Finger auch zur Merkel-Raute formen.

Viele Menschen eignen sich Posen an, von denen sie denken, dass sie ihnen stehen und sehen dann lächerlich damit aus. Angela Merkels Pose passt zu ihr.

Mein Gegenüber fummelt sich hektisch im Gesicht rum. Das irritiert mich.

Das sollten Sie sich nicht abschauen, wenn Sie selbstbewusst wirken möchten. Unsicherheit zeigt sich in kleinen unrhythmischen Bewegungen wie dem schnellen Wechsel von einem Bein aufs andere oder schnellen Augenbewegungen. Die Wahrheit steckt oft in den Füßen.

Wir sind aber in einem Meeting – da verschwinden die Füße unter dem Tisch.

Ihr Oberkörper transportiert vielleicht Offenheit, aber wenn ihr Unterkörper die Unsicherheit in Person ist, scheitert der souveräne Auftritt. Wenn jemand kompetent wirken will, muss die Ferse mindestens unterhalb des Knies sein. Ist sie es nicht, können Sie nicht flexibel auf den Wechsel des Sprechers reagieren.

Was lesen Sie an den Füßen Ihres Gegenübers ab?

Desinteresse. Wenn ich wissen will, wie der andere zu mir steht, dann schaue ich mir ganz genau die Füße an. Niemand kontrolliert seine Fußstellung bewusst. Sie sind also der perfekte Spiegel der inneren Haltung. Wenn ich mich zum Beispiel mit Ihnen unterhalte, die Fußspitzen aber schon in Richtung Ausgang zeigen, sollten Sie das Gespräch nicht in die Länge ziehen. Ich habe dann einfach keine Lust mehr darauf.

Ich soll also den Füßen mehr trauen als dem Gesicht?

Wir bekommen schon als Kinder beigebracht, wie man "eine gute Miene zum bösen Spiel macht" oder wie ein Pokerface funktioniert. Die Füße zu kontrollieren, bekommen wir nicht beigebracht, auf sie ist also Verlass.

Vom Sitzen zum Stehen: Wohin mit meinen Armen?

Viele Menschen denken: "Oh mein Gott meine Arme hängen und ich sehe aus wie ein Affe." Man muss sich im Alltag darin üben, die Hände hängen zu lassen. Es ist die menschlichste Haltung überhaupt. Das ist aber trotzdem unangenehm.
Sie können Mittelfinger und Daumen zusammenführen, um besseren Kontakt zu sich selbst zu haben. So kann man seine Hände und Arme besser kontrollieren.

Ich verschränke oft die Arme. Ist das der erste Schritt in die falsche Richtung?

Der Gestus ist ja nur ein Teil des Gesamtbildes. Verschränkte Arme wirken schnell unsicher oder desinteressiert. Man kann das aber mit einer offenen und dem Gegenüber zugewandten Körperhaltung ausgleichen. Wer sehr kompetent wirken möchte, muss sich großmachen. Dazu gehört auch, dass die Hände neben und nicht vor dem Körper sind.

Was ich mit einen Armen machen soll, weiß ich jetzt. Aber was mache ich, wenn mein Chef mich in sein Büro ruft und mir direkt in die Augen sieht? Wie viel Blickkontakt ist richtig?

Die Augen und der Körper gehören zu dem, der spricht. Wer Blickkontakt vermeidet, wirkt sehr ängstlich. Wenn wir selbst sprechen, können unsere Augen kurz abschweifen, um sich den nächsten Satz zu überlegen. Das Ende des Satzes gehört immer in die Augen des Zuhörers, damit ich seine Reaktion erkenne.

Sonderfall: Mein Chef sitzt, ich muss stehen – und fühle mich unwohl.

Bleiben Sie mindestens drei Meter von ihm entfernt stehen, kommen zwei Schritte durch die Tür und warten, dass er etwas sagt. Das wird zu 90 Prozent sein: "Kommen Sie doch mal bitte zu mir." Dann können Sie sagen: "Gut, dauert es länger? Kann ich mich hinsetzen?" Sie sind als Angestellter ja kein Befehlsempfänger.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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