Generationenwechsel im Unternehmen Wie junge Chefs mit Fachkompetenz punkten

Hochmotivierte Absolventen, die heute bereits mit 21 Jahren ins Arbeitsleben eintauchen, haben gute Chancen auf große Karrieren, noch bevor sie 30 sind.

Führungskraft | Lin Freitag, wiwo.de | , aktualisiert

Wie junge Chefs mit Fachkompetenz punkten

Führungsnachwuchs 2

Foto: Lumina Images / Fotolia.com

Nicht nur junge Politiker verändern gerade das Weltgeschehen. Auch die Wirtschaft befindet sich im Umbruch.

Aktuell wird im weltpolitischen Geschehen vor allem über Zahlen gesprochen. Mit Emmanuel Macron zog vergangene Woche ein 39-Jähriger als französischer Präsident in den Pariser Élysée-Palast ein. In Österreich hat mit Sebastian Kurz ein 30-Jähriger Aussicht auf das Kanzleramt, nachdem der Außenminister am Wochenende zum neuen Chef seiner Partei gekürt wurde. Und auch Kanada wird mit Justin Trudeau von einem regiert, der mit seinen 45 Jahren wenig gemein hat mit dem Bild eines gesetzten Staatsmannes. Aber auch in Deutschland gibt es eine solche junge Politikhoffnung: Christian Lindner, 38 Jahre, Gesicht der FDP und gerade mit einem zweistelligen Ergebnis in den Düsseldorfer Landtag eingezogen.

Die vier haben vieles gemeinsam: Sie gelten als charmant und eloquent. Aber auch als Symbol für den Bruch mit dem Etablierten. Ihre Jugend allein ist schon Versprechen genug, dass sich etwas ändern wird. Das der Generationenwechsel eingeleitet ist. Und endlich diejenigen Politik machen, die die Konsequenzen aus den heute getroffenen Entscheidungen auch in Zukunft noch miterleben werden. Ein Blick auf Deutschlands Chefetagen zeigt ein ganz anderes Bild. Natürlich gibt es viele erfolgreiche junge Gründer, aber in den Vorstand von Konzernen und Unternehmen ziehen nach wie vor meist ältere Herren ein. Von einem Generationswechsel ist in der Wirtschaft wenig zu spüren.

Absolventen steigen früh ins Berufsleben ein

Das bestätigen auch die Zahlen. Laut einer Erhebung des Wirtschaftsinformationsdienstes Bürgel ist die durchschnittliche deutsche Führungskraft 51,8 Jahre alt. Die ältesten Chefs führen ihre Mitarbeiter in Baden-Württemberg, dort sind sie im Schnitt 53,6 Jahre alt. Die jüngsten hingegen befinden sich laut Erhebung in Sachsen-Anhalt – dort sind die Manager im Schnitt 50,5 Jahre alt. In den Dax-Konzernen ist das Alter des Vorstandes in den vergangenen Jahren sogar noch gestiegen: 2015 waren der typische Vorstand mit 54 Jahren rund zwei Jahre älter als noch 2010.

Doch was aktuell in der Politik passiert, wird sich auch in der Wirtschaft zeigen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Dank der Umstellung auf Bachelor und Master sowie der G8-Reform strömen viele Absolventen bereits mit 21 Jahren auf den Arbeitsmarkt. Wer ehrgeizig ist und sich gut anstellt, wird bereits mit Ende 20 befördert.

Vision schlägt Erfahrung

Außerdem bringen die Jungen immer häufiger die Kompetenzen mit, die in Zeiten der Digitalisierung dringend gebraucht werden. Erfahrung, früher Grundvoraussetzungen für einen Chefposten, wird hingegen immer unwichtiger. In einer Zeit, in der sich alles schnell ändert, hilft der Blick zurück meist wenig weiter. Es zählen die Visionen.

Das erklärt auch die jugendlichen Chefs an der Spitze der großen Tech-Konzernen. Evan Spiegel, der Chef von Snap, herrscht mit nur 26 Jahren über rund 2000 Mitarbeiter. Durch den Börsengang Anfang des Jahres wurde er zum jüngsten Milliardär der Welt. Oder Mark Zuckerberg, 32 Jahre alt. Vor mehr als 12 Jahren gründete er Facebook. Heute gehört das Unternehmen zu den erfolgreichsten weltweit und Zuckerberg ist Chef von 17.000 Mitarbeitern. Nicht wenige von ihnen sind deutlich älter als er. Klar, dass das nicht konfliktfrei läuft.

Zuckerberg, der nicht unbedingt als begnadeter Kommunikator gilt, soll ein schwieriger Chef sein. Ein ehemaliger Mitarbeiter schreibt in einem Buch über Wutausbrüche, bösen E-Mail-Verkehr und unzählige Überstunden. Natürlich hat das nicht nur mit dem Alter zu tun. Doch auch eine aktuelle Studie der WHU Otto Beisheim School of Management und der Universität Konstanz kommt zu dem Schluss: Je jünger der Chef, desto größer die Probleme.

"Gerade zwischen Mitgliedern der Generation Y und den Baby Boomern zeigt sich Konfliktpotential", sagt Martin Klaffke, der an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) zu dem Thema Generationenmanagement forscht. Ticken diese beiden Generationen doch so völlig anders: Die freiheitsliebenden Jungen treffen auf die in starren Hierarchien aufgewachsenen Älteren.

Durch Fachkompetenz Respekt verschaffen

Zudem hebelt die Kombination junger Chef, älterer Mitarbeiter das traditionelle Karrieremuster aus. Früher galt das Senioritätsprinzips: Ältere Arbeitnehmer mit Erfahrung gaben ihr Wissen an die Jüngeren weiter. Doch heute spielt die künftige Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters eine größere Rolle als vergangene Verdienste - vor allem bei Beförderungen. Eine schwierige Situation für beide Seiten: "Wir erwarten aufgrund unserer Erfahrungen unbewusst, dass eine ältere Person auch den höheren Rang innehat", sagt Jürgen Wegge, Professor für Arbeitspsychologie an der TU Dresden. "Alles andere läuft unseren natürlichen Normen zuwider".

Die Studie der WHU und der Universität Koblenz kommt deshalb zu dem Schluss, dass sich ältere Mitarbeiter mit einer jungen Führungskraft unwohl fühlen. Sie denken oft ungerecht behandelt zu werden und haben Angst davor irgendwann abgehängt zu sein. Wenn Mitarbeiter sehen, dass gleichaltrige Kollegen schneller Karriere machen oder sie sogar von jüngeren überholt werden, entsteht Unzufriedenheit. Dieses Unbehagen wiederum könnte sich auf die Gesamtstimmung im Unternehmen auswirken, glauben die Forscher. Dieses Phänomen tritt branchenunabhängig auf. Die Wissenschaftler befragten für Ihre Studie 61 Unternehmen. Darunter Dienstleister, Finanzunternehmen und das produzierenden Gewerbe.

Aber was lässt sich dagegen tun? Ein ideales Alter für einen Chef gibt es laut der Studie nicht. Es komme nicht auf das absolute Alter, sondern viel mehr auf die Relationen an. In einem jungen Unternehmen kann deshalb auch ein junger Chef das Sagen haben. Vorausgesetzt: "Die Jungen können sich auch durch Fachkompetenz Respekt verschaffen und sollten die Erfahrung der Älteren würdigen", sagt Psychologin Felicitas von Elverfeldt, die seit 20 Jahren Führungskräfte berät. Am Ende hat vermutlich Otto Rehagel Recht. "Es gibt keine alten und jungen Spieler, sondern nur gute und schlechte", sagt Fußballtrainer.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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