Generation CEO Club der Superfrauen

Mehr Frauen in Vorstandsetagen – es scheint zu funktionieren. 2013 werden zudem weitere weibliche Aufsichtsräte berufen. Ein Blick hinter die Kulissen des Netzwerks Generation CEO zeigt, wie selbstbewusst und geschickt Managerinnen ihre Karrieren inzwischen vorantreiben.

Claudia Obmann | , aktualisiert

Club der Superfrauen

Foto: Helder Almeida/Fotolia.com

Die Sensation ist gelungen: Die rund 100 Managerinnen des Netzwerkes "Generation CEO", die sich in dieser Woche in der Bertelsmann-Repräsentanz in Berlin trafen, sind begeistert. Als Erste aus ihrem Kreis hat Hauke Stars einen Vorstandsposten bei einem Dax-Konzern erobert. Im Dezember wird die 45-jährige Managerin, die bis dato noch beim Computerhersteller Hewlett-Packard in der Schweiz beschäftigt ist, als erste Frau in den Vorstand der Deutschen Börse einziehen und das IT-Ressort verantworten.

Top-Kontakte

Nach fünf Jahren intensiven Netzwerkens gibt es endlich ein Vorbild aus den eigenen Reihen. "Das ist fantastisch", freut sich Christine Graeff. Dabei zählt die Expertin für Finanzkommunikation innerhalb dieses hochkarätigen Kreises selbst zu den Aufsteigerinnen des Jahres: Die bisherige Chefin der Frankfurter Niederlassung der PR-Agentur Brunswick wird neue Sprecherin der Europäischen Zentralbank.

Und egal, ob sie im Foyer steht oder im Vortragssaal Platz nimmt, dauernd wird sie angesprochen. Die Kolleginnen wollen ihr gratulieren und erfahren, wo und wie sie künftig arbeitet. Es wird umarmt und gelacht – aber auch vertraulich die Stimme gesenkt. Die Damen sind sich einig, Top-Positionen finden sich nicht in Onlinebörsen, von ihnen erfährt man nur in bestens verdrahteten Kreisen.

Und noch eine Erfolgsmeldung genießen die Managerinnen in Berlin fast so sehr wie die Crème brulée mittags zum Dessert: Inzwischen hat jede Vierte von ihnen ein Aufsichtsratsmandat inne. "Ich bin sehr stolz", sagt Heiner Thorborg, der das exklusive Frauen-Netzwerk 2007 gegründet hat und seitdem jedes Jahr bis zu 20 ausgewählte Neuzugänge begrüßt.

Solche Personalien beweisen: Der Aufstieg bestens qualifizierter Frauen in die deutschen Chefetagen geht voran – wenn auch langsam. Unter den 30 Dax-Konzernen ist die Deutsche Börse nunmehr der zwölfte, in dem eine Frau im Vorstand sitzt. 14 Frauen sind es mit Hauke Stars dann insgesamt. Dem steht die knapp zehnfache Zahl an Männern gegenüber.

Gleichstellung per Gesetz?

Berater Thorborg hält eine gesetzliche Quote für "Unsinn" Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich im oberen Drittel. Führend ist Norwegen. Die Skandinavier haben bereits im Jahr 2005 einen Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten von 40 Prozent gesetzlich beschlossen und 2009 umgesetzt.

Ob Quote oder nicht – die Frage beschäftigt auch die deutsche Frauen-Runde immer noch, aber nicht zu allererst. Die Meinungen gehen zudem auseinander. Thorborg hält Forderungen wie die von EU-Kommissarin Viviane Reding nach einer 40-Prozent-Frauenquote in den Aufsichtsgremien börsennotierter Unternehmen für "Unsinn". Für Ausreden von Unternehmern und Personalmanagern wie "Wir finden keine geeigneten Kandidatinnen für Spitzenpositionen" hat er erst recht kein Verständnis.

Auch Topmanager Ex-Eon-Chef Wulf Bernotat sekundiert: "Unternehmen dürfen die Hälfte der Talente nicht einfach links liegen lassen." Schon wegen der demografischen Entwicklung nicht – immer mehr alte, immer wenige junge Menschen.

Bernotat ist einer der langjährigen Förderer des Frauen-Netzwerkes und wird bei der Veranstaltung Unter den Linden von seinen 30- bis 45-jährigen Kolleginnen umringt. Sein grauer Anzug taucht manchmal zwischen den roten, beigen und smaragdgrünen Blazern und Kostümjacken auf.

"Es muss vielmehr gelingen, ein größeres Reservoir an weiblichen Nachwuchskräften zu bilden, aus dem Unternehmen schöpfen können", fährt der erfahrene Manager und Multi-Aufsichtsrat fort, der sich inzwischen hauptamtlich als Mentor betätigt.

Vorausschauende Reaktion der Konzernlenker

Dazu muss der Druck auf Arbeitgeber, bei Arbeitszeit und -ort mehr Flexibilität zu zeigen, aufrechterhalten werden. Auch, weil sich engagierte und ehrgeizige Frauen nicht länger zwischen Familie und Karriere entscheiden wollen.Vorausschauende Konzernlenker reagieren. Bestes Beispiel Bertelsmann. Chef Thomas Rabe etwa setzt für seinen geplanten Konzernumbau in den nächsten fünf bis zehn Jahren ganz bewusst auf ein möglichst bunt gemischtes Führungsteam.

In seinem Gastvortrag betont er: "Vielfalt ist für ein Medienhaus, das von Kreativität lebt, absolut entscheidend. Das ist keine Glaubensfrage, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit." Julia Jäkel, als frisch bestellte Vorständin der Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr eine weitere Aufsteigerin des Jahres, dürfte somit nicht die letzte neue Managerin des Medienkonzerns sein – und vermutlich auch nicht die letzte aus der Generation CEO-Runde. Trotz ihres engen Terminkalenders und eines gebrochenen Arms nahm sich die Mutter von Zwillingen die Zeit, wenigstens den Vormittag bei der Networking-Veranstaltung zu verbringen.

Generation CEO: Divenfreie Zone

Schließlich ist es eine wertvolle Info- und Kontaktbörse – frei von Konkurrenzdenken, ohne Diven. "Die Chemie im Netzwerk stimmt", sagt Miriam Kraus, eine der hochrangigsten Managerinnen bei SAP, die von Anfang an bei Generation CEO dabei ist.

Ob Führungsfrage oder Tipps zu empfehlenswerten Aufsichtsratsschulungen, zu jedem Thema findet sich eine versierte Ratgeberin im Netzwerk. "Der Wunsch nach fachlichem und persönlichem Austausch ist groß", sagt Maren Lorth, seit 2009 Mitglied und eine weitere Aufsteigerin des Jahres.

Denn den Frauen, die oft als erste in Männerdomänen vorgedrungen sind, fehlt es in ihren Unternehmen häufig an Sparrings-Partnerinnen. Ex-WestLB-Managerin Lorth, die selbst vor fünf Wochen in den Vorstand der Personalberatung Goetzfried wechselte, weiß: "Netzwerke sind wichtig für die Karriere." Und Christine Graeff bestätigt: "Wenn ich im Netzwerk gute Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mache, empfehle ich diejenige auch gern weiter." Ihr Aufsichtsratsmandat beim TV-Sender Sky verdankt zum Beispiel Miriam Kraus einer solchen Empfehlung.

Stars, Jäkel, Graeff und Co. haben selbstbewusst erreicht, was ihren Vorgängerinnen verwehrt blieb: den Zugang zu den Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft. Und 2013 dürfte Deutschland dann auch bei den Aufsichtsrätinnen merklich aufholen: Wulf Bernotat, selbst in mehreren Aufsichtsräten aktiv: "Im Superwahljahr für Aufsichtsräte werden wir eine Welle weiblicher Unternehmens-Kontrolleure sehen. Am allerliebsten würden Unternehmen ja gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und eine Ausländerin in ihren Aufsichtsrat holen."

Es kann sein, dass Unternehmen auch dazu im Netz von Generation CEO fündig werden. Denn unter den mittlerweile rund 119 Managerinnen sind nicht nur etliche Frauen mit einem ausländischen Pass, etwa aus Italien und Großbritannien, sondern auch zwei Chinesinnen und eine Koreanerin.

Etliche von ihnen haben außerdem die entsprechenden Zusatzqualifikationen und die Erfahrung. Wulf Bernotat ist zuversichtlich: "Zunächst sehe ich gute Chancen bei kleineren und mittleren Unternehmen, aber ich schließe nicht aus, dass wir auch einige Kandidatinnen für Dax-Unternehmen sehen werden."

18 neue Preisträgerinnen

"Generation CEO", gegründet von Personalberater Heiner Thorborg, ebnet Frauen den Weg ins Topmanagement. Seit 2007 zeichnet Thorborg, in diesem Jahr erneut gemeinsam mit dem Handelsblatt, jährlich bis zu 20 Managerinnen aus.

Bislang gehören 119 Frauen zum exklusiven Netzwerk. Auch die diesjährigen Neuzugänge weisen eine exzellente akademische Ausbildung, hohe Personal- und Projektverantwortung, internationale Führungserfahrung und signifikante Umsatz-, Ergebnis- und Budgetverantwortung auf.

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