Generation 45+ Lernen – ein Managerleben lang

Nach dem MBA-Abschluss ist vor der nächsten Weiterbildung. Die Hochschulen erkennen, dass sie mehr tun müssen, als Ehemaligen Seminare anzubieten. Die Wirtschaftsschulen brauchen Konzepte für die Generation ab 45.

Stefani Hergert | , aktualisiert


Foto: U. Steinbrich/Pixelio
Auf der Agenda internationaler Wirtschaftshochschulen

„Wenn uns die Ereignisse der vergangenen Jahre eines gelehrt haben, dann dass die Regeln der Wirtschaft – und damit auch der Wirtschaftsausbildung – sich rasch ändern können.“ Thomas Robertson, Dekan der renommierten US–Wirtschaftshochschule Wharton an der Universität von Pennsylvania appelliert an die Ehemaligen seiner Fakultät. In anderen Fächern wie Medizin sei es gang und gäbe, dass sich die Absolventen kontinuierlich weiterbilden – nur in Wirtschaft nicht.

Lebenslanges Lernen – das ist zum Modewort an den internationalen Wirtschaftshochschulen geworden. Auch wenn das Älterwerden der Gesellschaft und der Beschäftigten seit Jahren ein Thema ist, fangen die Unternehmen erst jetzt an, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. So kommt das Thema auch immer stärker auf die Agenda der internationalen Wirtschaftshochschulen. Gerade im Management war es früher eher die Regel denn die Ausnahme, dass im Alter von 55 Jahren der Ruhestand vorbereitet wurde. Heute ist gerade diese Generation gefragter denn je. „Durch die Verlängerung der Berufsphase entsteht ein Weiterbildungsmarkt für Manager in einem Alter, in dem sie früher eher schon ans Aufhören gedacht haben“, sagt Ulrich Hommel, Professor an der European Business School und Direktor bei der europäischen Akkreditierungsorganisation EFMD.

Durchgängige Angebote fehlen

Vergünstigte oder gar kostenlose Seminare für die Ehemaligen und Kongresse zum Netzwerken reichen aber nicht, diese Generation braucht zum Beispiel mehr Coaching. Allein das Angebot an Weiterbildungskursen, an deren Ende kein akademischer Abschluss steht, begründe noch keinen Ansatz zum lebenslangen Lernen, sagt EFMD-Direktor Hommel, „Allerorts redet man über lebenslanges Lernen, aber durchgängige Angebote gibt es noch kaum, vor allem nicht für die Generation 45 plus“, sagt Ayad Al-Ani, der die Berliner Hochschule ESCP Europe leitet.

Das zeigt sich auch bei dem Angebot, dass die Haas School der Berkeley-Universität den Absolventen ihrer MBA-Studiengänge macht. Sie können nach dem Abschluss zwar zwei Tage kostenlose Weiterbildung an der Hochschule belegen – allerdings nur innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Abschluss. Bisher verstehen viele Wirtschaftshochschulen unter lebenslangem Lernen vor allem die Kundenbindung. Sie wollen den Kontakt zu den Ehemaligen, die sie auch finanziell unterstützen sollen, nicht verlieren. Wer auf der Homepage der Haas School den Suchbegriff Lebenslanges Lernen eingibt, landet auf der Seite des Alumninetzwerks.


Foto: U. Steinbrich/Pixelio 
Fallstudien, Erfahrungsaustausch, Networking
 
Die Angebote der Business Schools enden bisher zum Großteil bei Teilnehmern um die 45 Jahre: Nach einem ersten Studienabschluss ist das praxisnahe Managementstudium mit dem Abschluss des Master of Business Administration (MBA) der Einstieg an der Wirtschaftshochschule. Vor allem in den USA sind die Studenten Anfang bis Mitte 20, in Europa nur wenige Jahre älter.

In dieser Phase geht es darum, die wichtigsten Kompetenzen in den Funktionsbereichen wie Marketing, Strategie, Finanzierung oder Rechnungslegung zu vermitteln. Weitverbreitetes Mittel ist noch immer die Fallstudie, in der das reale Problem eines Unternehmens auf wenigen Seiten skizziert wird, und die Studenten eine Lösung oder Handlungsempfehlung erarbeiten sollen.

Wer schon einige Jahre Berufserfahrung und erste Führungserfahrung hat, für den sind die sogenannten Executive MBA-Programme (EMBA) gedacht. Die Teilnehmer solcher Programme berichten, dass sie vor allem von den Erfahrungen der anderen gelernt haben, dass der Austausch mit den Mitstudenten im Vordergrund steht.

Altersmix stimmt nicht

„Wer in der Mitte seiner Karriere ist, braucht Anleitung und Lenkung von Dozenten aus der Praxis“, hat der Leiter der britischen Ashridge Wirtschaftshochschule, Kai Peters, in einem Aufsatz zu den Phasen der Managementausbildung geschrieben. Das Problem: Die Studenten in vielen MBA- und EMBA-Programmen werden im Schnitt immer jünger. Und ob es sinnvoll ist, einen 55-jährigen Manager auf hoher Hierarchiestufe mit einem 35-Jährigen zu unterrichten, der gerade die erste Führungsposition innehat, ist mehr als umstritten.

Die nächste Stufe sind die kurzen Weiterbildungsprogramme – Executive Education genannt– , die Wirtschaftshochschulen entweder als frei zugängliche oder nur für Mitarbeiter einer Firma geöffnete Kurse anbieten. Sie wären die Plattform auch für das Lernen in höherem Alter. Doch: „Das Durchschnittsalter im Bereich Executive Education liegt heute etwa bei 35, auch an der ESCP ist das so. Wir diskutieren mit unseren Partnerunternehmen, ob und wie man die Seminare und Angebote für die Gruppe 45 plus verändern muss“, sagt ESCP-Direktor Al-Ani.


Foto: U. Steinbrich/Pixelio
Reflektion mit dem Coach
 
Ein Manager Anfang 50 hat nun einmal auch andere Ansprüche an die Seminare. Prüfungs- oder Klausurstress wollten sie nicht mehr, ist an den Hochschulen zu hören – stattdessen Kamingespräche und individuelle Beratung. Sehr erfahrene Manager in hohen Positionen bräuchten eigentlich gar keine Seminare mehr, sondern vor allem Coaching, sagt Ashridge-Chef Peters. Um Reflektion gehe es dabei vor allem, dafür müssten die Wirtschaftshochschulen Coaches und Psychologen einstellen. So weit aber sind sie noch lange nicht. „Es dauert wohl noch fünf, zehn oder gar 15 Jahre, bis Lebenslanges Lernen so ausgestaltet ist, dass es für Hochschule und Teilnehmer sinnvoll ist“, sagt Peters.

Ashridge hat schon einmal für Beratungsfirmen solche Coaching-Angebote kreiert. In dieser Branche würden die Manager vielleicht mit 45 zu Partnern, mit 55 setzen sie sich dann mit den Ashridge-Experten zusammen und diskutieren über die Lebensplanung oder neue Beschäftigungsmöglichkeiten wie Aufsichtsratsmandate. „Es geht darum, ihnen noch einmal einen anderen Blickwinkel zu geben“, sagt Peters. Doch die Konkurrenz beim individuellen Coaching ist groß – und viele spezialisierte Coachs sind den Wirtschafthochschulen womöglich überlegen.

Die Frage, die sich die Verantwortlichen in den Wirtschaftshochschulen aber stellen müssen: „Welche Teilmärkte müssen sie bedienen“ Und welchen Bedarf gibt es für welchen Karriereweg?“, sagt EFMD-Direktor Hommel. Er kann sich gut vorstellen, dass die Schulen in Zukunft verstärkt kurze Weiterbildungsprogramme als Bausteine für Studiengänge mit Masterabschluss anbieten – aber für die Zielgruppe jenseits der 45. Das wäre dann so etwas wie ein Senior EMBA. Einige amerikanische Hochschulen wie die Harvard Business School seien da schon viel weiter als die Anbieter in Europa, sagen Experten unisono.

Anregungen der Absolventen gefragt

Vor allem die Alumni sollen den Wirtschaftshochschulen erklären, was sie sich wünschen. Daher nehmen viele Verantwortliche ihre Ehemaligen in die Pflicht. „Business Schools wie auch die ESCP Europe öffnen ihre Weiterbildungsangebote für Alumni und entwickeln mit den Ehemaligen auch neue Seminare und Angebote“, sagt ESCP-Leiter Al-Ani. In Berlin ist so eine kompakte Seminarwoche zu Trends im Marketing, in der Finanzierung oder der Mitarbeiterführung entstanden – die sogenannte Summer School.

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