Geld-Tipps Die Finanzen in den Griff bekommen

Was Sie schon immer über Geld wissen wollten und nicht zu fragen wagten: Die Junge Karriere-Serie Finanzguide für Einsteiger erklärt, was Absolventen und Berufsstarter über Finanzen, Versicherungen und Vorsorge wissen müssen und wie sie von Anfang an Steuern sparen können.

Katja Stricker | , aktualisiert

Endlich aus dem Vollen schöpfen! Eine größere Wohnung, ein neues Auto, eine tolle Reise - davon träumt fast jeder, der sein Examen in der Tasche und den ersten Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Dass sich mit dem Berufseinstieg nicht nur der Kontostand ändert, sondern auch alles andere, was Finanzen und Vorsorge betrifft - wer denkt schon daran?
Dabei kommt es mit dem Wegfall des Studentenstatus knüppeldick: Da fällt man von heute auf morgen aus der kostenlosen oder vergünstigten Krankenversicherung und der Privathaftpflicht der Eltern raus. Eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit muss her und die erste Steuererklärung steht an. Alles absolutes Neuland. Jedenfalls für die meisten.

Null Ahnung von nix

Wie gravierend die Wissenslücken der Twentysomethings bei Themen wie Steuern, Versicherungen und Altersvorsorge sind, zeigt eine Umfrage von NFO Infratest: Von 35 Fragen zu Zahlungsverkehr, privater Vorsorge und Geldanlage konnten die 18- bis 29-Jährigen fast zwei Drittel nicht beantworten. "Das Gros der Hochschulabsolventen und Jobeinsteiger hat erschreckend wenig Ahnung von Finanzen", beobachtet Martin Kinkel, Finanzexperte und Autor des Buches "Job & Money" (www.jobmoney.de).
Selbst Wirtschaftsstudenten fehlt es an finanzieller Allgemeinbildung, hat eine Untersuchung der Commerzbank herausgefunden. Danach hörte jeder Zweite zum ersten Mal, dass ein Bausparvertrag nicht an eine Immobilie geknüpft sein muss, und zwei Drittel konnten nicht erklären, was die Beitragsbemessungsgrenze zur Sozialversicherung ist. Keine Überraschung: Steht doch praktisches Finanzwissen weder in der Schule noch an der Uni auf dem Stundenplan.
Auch beim Thema Altersvorsorge ist das Informationsdefizit der Unter-29-Jährigen groß, fand das Institut für Demoskopie Allensbach heraus. Mit üblen Folgen. "Gerade sie müssen sich am stärksten um eine private Absicherung kümmern, sonst stehen sie im Rentenalter mit leeren Händen da", sagt Finanzexperte Kinkel.

Jedes Jahr zählt

Die Phase nach dem Studium ist der ideale Zeitpunkt, finanziell die Weichen für die Zukunft zu stellen. Zwischen 25 und 30 Jahren sollte man spätestens anfangen, in seine Altersvorsorge zu investieren und sich eine BU-Versicherung zuzulegen. Denn mit jedem Jahr wird der Schutz gegen Berufsunfähigkeit teurer, und bei der Altersvorsorge gehen wertvolle Zinseszinseffekte verloren. "Vereinfacht gesagt: Wer am Anfang zehn Jahre Vermögensaufbau verpasst, hat im Alter 20 Jahre früher kein Geld mehr", rechnet Kinkel vor. Bevor Berufsanfänger neue Versicherungen und Sparverträge abschließen, sollten sie sich einen Überblick im eigenen Versicherungsdschungel verschaffen. Nur knapp ein Viertel der Unter-29-Jährigen können auf Anhieb sagen, wie viele Policen sie bereits besitzen. Oft haben die Eltern schon im Kindesalter oder während des Studiums Unfall- und Lebensversicherungen für den Nachwuchs abgeschlossen, oder die Auto- oder Krankenversicherung läuft noch über Vater und Mutter. "Am besten lässt man sich alle Unterlagen geben, um seine Finanzen in Zukunft selbst managen zu können", rät Kinkel allen Jobeinsteigern.

Kein Hexenwerk

Versicherungen, Vorsorge, Steuern - das alles selber zu regeln ist kein Hexenwerk, wenn man die Basics beherrscht. Eine eigene Haftpflichtpolice und eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit sollten nach dem Examen oberste Priorität haben.

Auch bei der Altersvorsorge gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das erste Gehalt erscheint im Vergleich zum schmalen Studentenbudget zunächst einmal üppig. Eine gute Gelegenheit, direkt mit dem Sparen für später zu beginnen, solange man noch an den studentischen Lebensstandard gewöhnt ist, empfiehlt Experte Kinkel. "Wer von Anfang an konsequent zehn Prozent seines Nettogehalts für die Altersvorsorge auf die Seite legt, schafft sich eine gute Zusatzrente fürs Alter."

Doch nicht erst mit dem Berufsstart, auch schon während des Studiums und auf der Zielgeraden zum ersten Job können Absolventen Geld sparen - etwa bei den Steuern. Wie, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Teil 1: Steuern

Netto mehr

Schon vor dem Jobeinstieg können Studenten kräftig Steuern sparen. Im ersten Berufsjahr wird geerntet.

Steuererklärungen sind nur etwas für Berufstätige? Denkste. Schon Studenten im Examensjahr können beispielsweise Bewerbungskosten absetzen und damit die Steuerlast im ersten Berufsjahr deutlich senken. Welche Posten das Finanzamt bei Studenten, Absolventen und Berufseinsteigern akzeptiert und welche Kniffe noch erlaubt sind:

Verluste anhäufen

Studenten und frisch gebackene Absolventen sollten auch dann eine Steuererklärung abgeben, wenn sie im letzten Studienjahr noch keine Einnahmen, sondern nur Ausgaben bei der Jobsuche hatten. Diese können sie als "vorab entstandene Werbungskosten" von der Steuer absetzen. Sie führen zu einem Verlust, den das Finanzamt mit dem Steuerbescheid feststellt. Im nächsten Jahr verringert dieser Verlust das zu versteuernde Einkommen und führt damit zu einer niedrigeren Steuerbelastung.
Kosten, die durch Bewerbungen entstehen, sind selbst dann steuerlich absetzbar, wenn sie nicht erfolgreich waren. Darunter fallen etwa Ausgaben für Passfotos, Kopien, Mappen, Beglaubigungen, Porto, Stellengesuche, Einwahlgebühren für Internet-Jobbörsen, Telefonkosten, Bewerbungsbücher und -kurse sowie die Fahrten zu Vorstellungsgesprächen. Dagegen können weder Anzug noch Kostüm, die extra fürs Bewerbungsgespräch gekauft wurden, von der Steuer abgesetzt werden. Auch nicht der Computer, den ein Jobsuchender für das Schreiben der Bewerbungen und Lebensläufe angeschafft hat.
Wer es versäumt hat, Quittungen für Fotos, Mappen und Co. zu sammeln, kann sich zumindest einen Teil der Bewerbungskosten wiederholen: Nach einem Urteil des Finanzgerichts Köln lassen sich Bewerbungskosten in bestimmten Grenzen sogar ohne Belege pauschal absetzen. Für eine Bewerbungsmappe werden 8,50 Euro akzeptiert. Das Finanzamt will allerdings eine Liste mit Adressen aller Unternehmen sehen, bei denen sich der Absolvent beworben hat.

Studium absetzen

Seit 2004 erkennt das Finanzamt Kosten für ein Erststudium als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag von 4 000 Euro jährlich an. Anders als bei Werbungskosten senken Sonderausgaben die Steuerlast nur, wenn im gleichen Jahr auch Einkünfte erzielt wurden. Verluste aus dem Studium bunkern und sie im ersten Jobjahr geltend machen, funktioniert hier also nicht.
Doch die Chancen für Studenten, ihr Studium als Werbungskosten abzusetzen (und damit das erste Jahresgehalt nahezu steuerfrei zu kassieren), stehen nicht schlecht. Derzeit beschäftigt sich der Bundesfinanzhof mit einer entsprechenden Klage. "Wer später von einer positiven Entscheidung profitieren will, sollte bereits als Student auch ohne Einkünfte eine Steuererklärung machen", rät Finanzexperte Martin Kinkel.
So geht's: Alle Ausgaben fürs Studium sollten Studenten in Anlage N als Werbungskosten eintragen. Dazu gehören Kosten für Fachbücher, Büromaterial, Computer, Studien- und Semestergebühren sowie unter Umständen auch Miete und Nebenkosten für die Studentenbude und die Kosten für Heimfahrten. "Im Steuerbescheid wird das Finanzamt die Kosten nur als Sonderausgaben anerkennen und einen Verlustvortrag ablehnen", erklärt Kinkel.
Gegen diesen Steuerbescheid muss der Student dann innerhalb eines Monats schriftlich Einspruch einlegen: "Weisen Sie in einem formlosen Schreiben am besten auf das laufende Verfahren mit dem Aktenzeichen VI R 26/05 hin und beantragen Sie das Ruhen des Verfahrens", empfiehlt Kinkel. Die Mühe kann sich lohnen: Entscheiden die Richter, dass die Kosten für ein Erststudium doch als Werbungskosten absetzbar sind, genießt man die Steuervorteile auch im Nachhinein noch.

Stadtwechsel vergolden

Wer für seinen neuen Job in eine andere Stadt ziehen muss, kann den Fiskus an den Umzugskosten beteiligen. Absetzbar sind neben den Kosten für die Möbelspedition oder den Kleintransporter auch Reisekosten für die Wohnungssuche, Gebühren für Inserate, den neuen Telefonanschluss und das Auto-Nummernschild. Halten sich die Kosten in Grenzen, ist es eventuell günstiger, die Umzugspauschale von 560 Euro für Ledige beziehungsweise 1 120 Euro für Verheiratete in Anspruch zu nehmen.
Berufseinsteiger sollten sich direkt für eine dauerhafte Bleibe in der neuen Stadt entscheiden und kein Übergangszimmer mieten. Einen solchen etappenweisen Umzug erkennt das Finanzamt nämlich nicht an und berücksichtigt nur den Einzug ins Übergangsheim. Deshalb: In den ersten Wochen zur Not lieber in einer günstigen Pension oder bei Bekannten unterkommen und dann direkt in die endgültige Wohnung ziehen.
Die Gebühren für den Makler kann ein Jobwechsler nur dann steuerlich geltend machen, wenn er in eine Mietwohnung zieht. Maklerkosten, die bei der Suche nach einer Eigentumswohnung anfallen, sind laut eines Urteils des Bundesfinanzhofes nicht absetzbar. Und zwar auch dann nicht, wenn sie für die Vermittlung einer vergleichbaren Mietwohnung ebenfalls angefallen wären. Grund: Die Gebühren zählen zu den Anschaffungskosten einer Immobilie und fallen damit nicht unter abzugsfähige Werbungskosten.

Fernbeziehung pflegen

Sie findet einen Job in der Heimatstadt Köln, ihn verschlägt es nach dem Studium nach Hamburg. Wer aus beruflichen Gründen eine Wochenendbeziehung führt und zwischen Hauptwohnsitz und Arbeitsort pendelt, kann sich vom Finanzamt einen Teil der Mehrausgaben zurückholen. Die so genannte doppelte Haushaltsführung können auch Unverheiratete geltend machen - zeitlich unbegrenzt.
Um die Kosten abzusetzen, muss der Pendler die Finanzbeamten überzeugen, dass der Lebensmittelpunkt auch weiterhin am Erstwohnsitz ist, weil dort Ehe- oder Lebenspartner wohnen. Wochenendpendler können dann sämtliche Kosten für die Zweitwohnung, wie Miete, Nebenkosten, Möbelkauf und Renovierung, sowie wöchentliche Fahrten nach Hause mit 30 Cent pro Kilometer ansetzen.

Freibeträge nutzen

Wer nicht bis zur ersten Steuererklärung auf eine Rückzahlung warten will, kann sich die voraussichtlichen Kosten etwa für die täglichen Fahrten zur Arbeit oder die doppelte Haushaltsführung bereits im laufenden Jahr als Freibetrag auf die Lohnsteuerkarte eintragen lassen. So können Berufstätige sofort ihr Nettogehalt kräftig pushen.
Deadline für die Eintragung der Freibeträge ist in jedem Jahr der 30. November. Man verpflichtet sich allerdings, am Jahresende eine Steuererklärung zu machen, in der die wirklich angefallenen Kosten mit den eingetragenen Freibeträgen verrechnet werden.


Alles sammeln
Ab dem ersten Arbeitstag sollten Berufseinsteiger sämtliche Belege für ihre Steuererklärung horten - zur Not im Schuhkarton, besser im Ordner. Der Aufwand bringt's: 800 bis 1 000 Euro bekommt im Schnitt jeder Arbeitnehmer, der seine Steuererklärung abgibt, vom Staat zurück. Ein nettes Extra für den nächsten Urlaub. Wer mit seinen Werbungskosten über der Pauschale von 920 Euro liegt, spart mit jedem weiteren Euro Ausgaben Steuern. Die Pauschale knacken zum Beispiel Berufspendler, die täglich mehr als 15 Kilometer zur Arbeit fahren, allein mit ihren Fahrtkosten locker.
Sammeln sollte man Quittungen für Fachbücher, den zumindest teilweise beruflich genutzten Computer und Drucker für daheim, Sprach-, Computer- oder andere Fortbildungskurse. Auch Spenden, Steuerberatungsrechnungen und medizinische Kosten, wie Praxisgebühr, Goldinlays oder die neue Brille, sorgen für eine satte Steuererstattung. Auf dass am Jahresende netto mehr bleibt.

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