Gehaltsverhandlungen Kein Feilschen mehr ums Geld

Zu hoch gepokert oder schlecht verkauft? Gehaltsverhandlungen sind schwierig. Vielen Stellenbewerbern ist das Feilschen ums Gehalt peinlich. Wie es ohne Feilschen geht, macht Österreich vor.

Nele Hansen / wiwo.de | , aktualisiert


Foto: E. Rose/Pixelio

Die Kultur des lautstarken Feilschens wie auf orientalischen Bazaren ist den Deutschen fremd. Auch wenn sich hierzulande viele Preise verhandeln lassen, machen wenige davon Gebrauch. Umso unangenehmer ist es für viele, wenn sie ihren eigenen Wert beim Gehalt verhandeln müssen. Wie verkaufe ich mich richtig? Wie viel kann ich verlangen, ohne unverschämt zu wirken? – Das sind schwierige Fragen, die sich nicht nur Berufsanfänger stellen.

Am liebsten wäre es den Deutschen daher, wenn ihr Arbeitgeber das zukünftige Gehalt direkt in der Stellenanzeige angeben würde. Das ergab eine Umfrage des Karriereportals Monster unter 583 Nutzern. 91 Prozent der befragten Arbeitnehmer gaben an, dass sich die Gehaltsverhandlungen dadurch erleichtern und vieles transparenter machen würden.

Neun Prozent fanden, dass das Gehalt nicht in die Öffentlichkeit gehöre.
 
Vorbild Österreich

Was in Deutschland gewünscht wird, ist in Österreich bereits Realität. Hier gibt es bereits eine gesetzliche Regelung, nach der Stellenanzeigen auch eine Gehaltsangabe enthalten müssen.

Bislang setzen noch nicht alle Unternehmen diese Regelung um, ab Januar 2012 drohen allerdings Geldstrafen, falls das Gehalt in der Stellenanzeige fehlt.


Foto: E. Rose/Pixelio

Für Bewerber gibt die Gehaltsangabe zwar eine erste Orientierung geben und hilft den oft Nerven aufreibenden Gehaltspoker zu vermeiden. Doch das könnte eine Gefahr für Unternehmen werden. „Es besteht das Risiko, dass sich Topkräfte gar nicht erst bewerben, denn für diese sind Unternehmen in der aktuellen Marktlage eigentlich bereit, durchaus mehr als das Marktübliche zu zahlen“, erklärt Marco Reiners, Leiter des Vergütungsbereiches bei der Unternehmensberatung AON Hewitt.

Außerdem könnten die Gehälter insgesamt steigen: „Je mehr veröffentlicht wird, desto stärker wird jeder versuchen, sich selbst zu vergleichen und wird dann ein höheres Gehalt verlangen.“

Die reine Gehaltsangabe ist nach Ansicht Reiners oft nicht komplett aussagefähig: Bewerber interessierten sich auch für mögliche Bonusmöglichkeiten und Extras wie Dienstwagen oder Altersvorsorge.

Denjenigen, die sich nicht in Österreich bewerben und von festen Gehaltsangaben profitieren, raten Experten: Sich ausreichend informieren und vorbereiten. Bewerber sollten in jedem Falle wissen, was Arbeitskollegen auf ähnlichen Posten verdienen. In der Verhandlung gilt es, Ruhe zu bewahren und nicht zu nett zu sein.

Ein bisschen wütend dürfen Bewerber werden, nur übertreiben sollten sie es nicht. Wichtig ist außerdem der richtige Zeitpunkt: Wer gerade ein Projekt erfolgreich abgeschlossen hat, erhöht seine Chancen auf erfolgreiche Gehaltsverhandlungen.

Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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