Gehaltstrends 2018 So viel können Sie nächstes Jahr verdienen

Die Wirtschaft brummt: volle Auftragsbücher, geringe Inflation, kaum Arbeitslosigkeit. Trotzdem steigen die Gehälter kaum. Woran das liegt, wie es 2018 weiter geht und wie die Digitalisierung die Vergütung verändert.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

So viel können Sie nächstes Jahr verdienen

Gehaltstrends 2

Foto: Elnur / Fotolia.com

Yanet Yellen, Chefin der amerikanischen Notenbank Fed, ist ratlos: Obwohl die Fed – genauso wie die EZB unter Mario Draghi – die Märkte mit Geld flutet, ist von Inflation weit und breit nichts zu sehen. Bei zwei Prozent sollte die Teuerungsrate in den USA und dem Euroraum liegen – tatsächlich liegt sie jedoch – trotz aller Bemühungen – bei derzeit 1,8 Prozent in Deutschland und bei 1,7 Prozent in den USA.

Was den Währungshütern Kopfschmerzen bereitet – eine zu geringe Inflation oder sogar Deflation gefährdet Unternehmensgewinne, Investitionskraft und sorgt letztlich für eine schwächere Konjunktur – ist für den deutschen Arbeitnehmer erst einmal gut. Und das nicht nur, weil er sich zunächst mehr kaufen kann. Ihm bleibt von seiner Lohnerhöhung nämlich noch ein bisschen was übrig – wenn auch nicht viel.

2,5 bis 3 Prozent Lohnerhöhung pro Jahr

Wie die aktuelle Vergütungsstudie der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry Hay Group zeigt, sind die Löhne und Gehälter in Deutschland im Jahr 2017 durchschnittlich um 2,4 Prozent gestiegen. Aufgrund der bisherigen Inflationsrate von 1,7 Prozent bleibt aber nur ein Plus von 0,7 Prozent. So gering fiel die Steigerung der Reallöhne zuletzt im Jahr 2011 aus, wie die Erhebung zeigt, der die Gehaltsdaten von mehr als 20 Millionen hochqualifizierten Arbeitnehmern aus 25.000 Unternehmen weltweit zugrunde liegen. 2011 fiel die reale Gehaltssteigerung mit 0,2 Prozent aus. Von 2013 bis 2016 lagen die Erhöhungen zwischen 1,3 und 2,3 Prozent.

"Die Prognose zur Lohnerhöhung bei deutschen Unternehmen pendelt jedes Jahr zwischen 2,5 und drei Prozent – und zwar unabhängig von der Inflation", sagt Thomas Gruhle, Vergütungsexperte bei Korn Ferry Hay Group. "Die tatsächliche Inflation entscheidet dann darüber, wie viel beim Mitarbeiter wirklich hängen bleibt."

2018: Kein Jubeljahr für Arbeitnehmer?

In anderen Ländern dagegen stimmten die Betriebe ihre periodischen Gehaltserhöhungen auf die zu erwartende Teuerungsrate ab. Ergo: Je näher die Inflationsrate an die gewünschten zwei Prozent heran rückt, desto weniger bleibt von den klassischen Lohnrunden auf dem Konto – individuelle Gehaltsverhandlungen einmal außen vor. Da ist schließlich jeder seines eigenen Inflationsausgleiches Schmied.

Nun ist das Jahr 2017 fast vorüber, Zeit also, einen Ausblick auf 2018 zu wagen: Welche Branche erhöht die Löhne am stärksten, welche Berufsgruppen bekommen das dickste Plus? Da in den Monaten Januar und April die meisten Gehaltserhöhungen (tariflich wie außertariflich) gewährt werden, könnte es sich ja lohnen, jetzt schon mal nach einem Lohnplus zu fragen. Jedenfalls zeigt die Gehaltsstudie, dass im Schnitt 16 Prozent der Unternehmen die Gehälter im Januar anheben, 21 Prozent tun dies im April. Zum Vergleich: Im Dezember erhöhen nur 0,4 Prozent die Gehälter.

Trotzdem wird auch 2018 kein Jubeljahr für Arbeitnehmer: Erneut prognostizieren die meisten Unternehmen eine Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent, während Ökonomen von einer Inflationsraten von 1,6 Prozent ausgehen. Treffen beide Prognosen so ein, steigt der Reallohn im kommenden Jahr also nur um 0,9 Prozent. Was nicht sonderlich viel ist.

Natürlich gibt es auch Branchen, die die Gehälter überdurchschnittlich stark anheben wollen. So sind die Gewinner des kommenden Jahres der Prognose zufolge die (hochqualifizierten) Angestellten im Gesundheitssektor. Diese Branche plant mit 2,7 Prozent die höchste Steigerung, gefolgt von Chemie, produzierender Industrie und Dienstleistungen (je 2,6 Prozent).

Schlusslichter sind erneut die Versorger, die sogar um 0,1 Prozentpunkte weniger erhöhen wollen (1,7 Prozent Lohnsteigerung). Öl und Gas plant eine Steigerung um 0,3 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent und liegt damit in der Prognose für das Jahr 2018 gleichauf mit der Automobilindustrie (2,3 Prozent). Allerdings können sich diese Prognosen noch drastisch ändern, wie Gruhle sagt. "40 Prozent der Unternehmen haben noch keine Entscheidung für 2018 getroffen. Das sind rund doppelt so viele Unternehmen wie im letzten Jahr." Er erklärt sich das mit der wachsenden Unsicherheit bezüglich der politischen Situation in der Welt – der Konflikt der USA mit Nordkorea, die Situation in der Türkei, die Znspolitik der Notenbanken – und der Angst davor, den Boom durch unvorsichtige Entscheidungen abzuwürgen. In Deutschland spiele die Bundestagswahl Ende September sicher auch eine große Rolle, so Gruhle.

Je mehr Abschlüsse, desto höher letztlich der Lohn

Für Manager und leitende Angestellte besteht natürlich immer noch die Möglichkeit, das Grundgehalt durch variable Vergütung aufzupolieren. Auch normalen Mitarbeitern steht häufig ein Bonus zu. Besonders oft kommen Boni im Vertrieb vor. Hier liegt die Spannbreite der variablen Bezüge zwischen zehn und 30 Prozent vom Grundgehalt. Je mehr Abschlüsse, desto höher letztlich der Lohn.

Nur: Auch die variable Vergütung verändert sich in letzter Zeit. Bei Bosch bekommen die Mitarbeiter schon länger eine Erfolgsbeteiligung, anstatt individueller Leistungen, bei der Deutschen Bahn sollen künftig Teams darüber entscheiden, wer wofür wie viel Extra bekommt und auch Bayer experimentiert derzeit mit der variablen beziehungsweise kollektiven Vergütung. Und tatsächlich überlegen einige der von Kienbaum befragten Führungskräfte, zumindest die Art der Ausschüttung zu verändern. "Einige Unternehmen denken durchaus darüber nach, die Boni durch das Team verteilen zu lassen, anstatt durch den Vorgesetzten allein. Das ist zwar für die meisten Teilnehmer noch Zukunftsmusik, aber immerhin wird solch eine Teamverteilung derzeit von zehn Prozent der Unternehmen in ihre Überlegungen aufgenommen", sagt Hans-Carl von Hülsen, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Kienbaum.

Bisheriges Bonussystem ist überholt

Gemäß einer Untersuchung aus seinem Hause erhalten 90 Prozent der Top-Manager und 84 Prozent der Führungskräfte im mittleren Management individuelle Boni.

Dass der Bonus ausstirbt, kann sich deshalb auch Thomas Haussmann, Vergütungsexperte bei Korn Ferry Hay Group nicht so recht vorstellen. Nur sei dieses Modell mittlerweile etwas aus der Zeit gefallen. "Wie wollen Sie denn Jahresziele festlegen und deren Erfüllung belohnen, wenn Leute nur noch für drei Monate auf einem Projekt arbeiten und dann etwas ganz anders machen?", sagt er. Verändert sich das Arbeiten und das Selbstverständnis der Menschen, müsse sich auch die Bezahlung verändern. Geld werde immer mehr zum Hygienefaktor. "Ein erheblicher Teil der Unternehmen wendet sich deshalb von individuellen variablen Sätzen ab und Beteiligungen am Gesamterfolg des Unternehmens zu." Auch sein Kollege Gruhle sagt: "Es geht in der heutigen Arbeitswelt immer mehr um Zusammenarbeit und Teamleistung. Entsprechend schwierig ist es, Einzelne gesondert hervorzuheben und zu belohnen."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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