Gehaltsprognosen 2017 In welchen Branchen Sie träumen dürfen

Neues Jahr, mehr Geld: Wie viel lässt sich 2017 für Sie finanziell rausholen? Welche Jobs bieten das höchste Einstiegsgehalt und wer zahlt so gut, dass sich ein Wechsel lohnt? Hier sind die Antworten.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

In welchen Branchen Sie träumen dürfen

Träume 2

Foto: aleutie / Fotolia.com

Ingenieure und Chemiker verdienen nächstes Jahr drei Prozent mehr, der öffentliche Dienst bekommt ab Februar 2,35 Prozent mehr Lohn und im Maschinenbau bekommt jeder das, was er verdient. So lesen sich einige der Vergütungsprognosen für das kommende Jahr. Grund, einmal genauer hinzuschauen, wer im nächsten Jahr wie viel (mehr) verdienen kann.

Soviel sei vorweg verraten: Es lohnt sich, auch im kommenden Jahr in Europa zu bleiben. Gemäß der Gehaltsentwicklungsprognose 2017 der Personalberatung Kienbaum, an der sich 1400 Unternehmen aus 32 Ländern beteiligt haben, steigen 2017 in allen europäischen Ländern die Gehälter. In Griechenland weniger stark als in Norwegen oder Rumänien, aber aufwärts geht es überall. Für Deutschland rechnen die Berater mit Steigerungsraten von durchschnittlich drei Prozent.

Hierzulande zahlen vor allem die Chemie- und die Pharmabranche überdurchschnittlich gut. Gemäß einer Analyse der Hamburger Vergütungsberatung Compensation Partner verdienten Beschäftigte in der Pharmaindustrie vergangenes Jahr durchschnittlich 20 Prozent mehr als in anderen Branchen, in der Chemie und dem Halbleitersektor verdienten sie 19 Prozent mehr als der Durchschnitt. Auch die Automobilindustrie zahlt überdurchschnittlich gut, wie Thomas Gruhle, Vergütungsexperte bei der Personalberatung Korn Ferry Hay Group, sagt. "Die Metall- und Elektroindustrie und die Chemiebranche haben sehr hohe Tarifverträge, entsprechend hoch sind natürlich auch die Gehälter der Mitarbeiter, die außertariflich bezahlt werden."

Gehaltsprognosen für das neue Jahr schwanken 

Der "Compensation & Benefits Report Deutschland" der Korn Ferry Hay Group geht für die Chemiebranche jedoch nur von einem Gehalt aus, das acht Prozent über dem Gesamtmarkt liegt.

Der Unterschied von immerhin stattlichen elf Prozent mag an der Auswahl der Daten liegen: Compensation Partner griff für seinen Gehaltsatlas auf 32.000 Gehaltsdaten aus 17 Berufen zurück, die in 60 unterschiedlichen Branchen vorkommen. Dazu gehören unter anderem der Personalleiter, der Geschäftsführer, der Vertriebsinnendienst und der System- und Netzwerkadministrator. Für den Gehaltsreport der Korn Ferry Hay Group haben mehr als 580 Unternehmen rund 370.000 Vergütungsdatensätze geliefert, überwiegend von Fach- und Führungskräften. "Wir liefern ein gutes Abbild der deutschen Wirtschaft, aber wir haben natürlich nicht alles", sagt Gruhle. "Und wir haben vor allem nicht den Malerbetrieb um die Ecke."

Diese selektive Sichtweise sorgt dafür, dass sich nicht jeder in Gehaltsstatistiken wiederfindet. Wenn der Durchschnitt drei Prozent mehr verdient, kann Dieter Zetsche immer noch 15 Prozent mehr verdienen und Otto Normalbürger weiterhin genauso viel wie im vergangenen Jahr. Auch wenn weniger als ein Prozent der von Korn Ferry befragten Unternehmen nächstes Jahr eine Nullrunde einlegen wollen.

Hinzu kommen Faktoren, die ein Gehalt – unabhängig von der Person, die es bekommt – ebenfalls beeinflussen, etwa Standort oder Beliebtheit des Unternehmens. Konzerne mit schillernden Namen müssen nicht zwangsläufig mit Geld locken, weil ihnen die Bewerber ohnehin die Türen einrennen. Diese grundlegenden Faktoren ändern sich auch im kommenden Jahr nicht.

Ost-West-Gefälle in Deutschland sorgt weiterhin für ungleiche Gehälter

Da die Höhe der Gehälter auch von der Wirtschaftskraft des jeweiligen Bundeslandes abhängt, existiert in Deutschland in punkto Vergütung ein deutliches Ost-West-Gefälle. Ein Chemiker in Leuna verdient zwar mehr, als der dort ansässige Versicherungsmakler, aber immer noch weniger als der Kollege in Hamburg.

Einzige Ausnahme ist Berlin, das zwar geografisch im Osten liegt, aber aufgrund der vor Ort ansässigen Unternehmen und seiner Attraktivität für junge Leute ganz anders dasteht, als andere Städte.
Insgesamt rechnen die befragten Unternehmen mit einem um 2,5 Prozent höheren Personalbudget. Die Branchen Energie, Chemie und Pharma legen hier noch mal eine Schippe drauf und zahlen ihrer Belegschaft drei Prozent mehr.

Grundsätzlich lohnt sich das Chef-Sein: In nahezu allen Branchen bekommen Führungskräfte ein größeres Lohnplus als einfache Angestellte; Vorstände bekommen mehr als Abteilungsleiter. Das bestätigt auch die aktuelle Studie zur Pay Ratio der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Demnach verdienten Vorstände im Dax vergangenes Jahr im Mittel 57-mal so viel wie die durchschnittlichen Beschäftigten in ihrer Firma.

Einige Beispiele: Demnach verdiente Beiersdorf-Chef Stefan F. Heidenreich im Jahr 2014 das 17-fache eines durchschnittlichen Mitarbeiters. Ex-Chef Michael Diekmann bekam 33 Mal so viel wie ein durchschnittlicher Allianz-Mitarbeiter und Karl-Ludwig Kley verdiente das 81-fache von dem, was ein normaler Angestellter beim Pharmakonzern Merck bekam. Den Vogel abgeschossen hat übrigens Volkswagen: Laut Hans-Böckler Stiftung verdiente Ex-Chef Martin Winterkorn 141 Mal so viel wie ein durchschnittlicher VW-Mitarbeiter.

Falls es den Merck-Angestellten ein Trost ist: Laut den Branchenprognosen wird in der Chemie- und Pharmabranche die Gehaltserhöhung für einfache Angestellte im nächsten Jahr prozentual höher ausfallen als die der Führungskräfte. Hinzu kommt, dass die Fachkräfte die einzigen im Unternehmen sind, deren Gehalt deutlich über dem Durchschnitt liegt: Das Senior Management in der Chemie- und Pharmabranche bekommt in der Regel das marktübliche Durchschnittsgehalt, das mittlere Management verdient nur leicht überdurchschnittlich.

Tariflöhne steigen in einigen Branchen

Branchen, in denen Tarifangestellte die prozentual höhere Gehaltserhöhung als der Vorstand bekommen, gibt es natürlich auch: In der Baubranche beispielsweise steigen die Gehälter der Tarifmitarbeiter nächstes Jahr um 2,5 Prozent. Bei den Mitarbeitern, die außertariflich vergütet werden, steigen die Bezüge schon nur noch um 2,4 Prozent. Und auch leitende Angestellte und Mitglieder der Geschäftsleitung bekommen 2,4 Prozent mehr Geld und damit eine geringeres Plus als die Angestellten, die nach Tarif bezahlt werden.

Und auch in der Energiebranche steigt das Tarifgehalt im kommenden Jahr um 2,4 Prozent, wogegen leitende Angestellte und Mitglieder der Geschäftsleitung sich mit einem Lohnplus von 2,2 Prozent zufrieden geben müssen.

Inflation 2017 bremst den Anstieg von Realgehältern aus 

Zum Schluss noch ein kleiner Wermutstropfen: Während Mitarbeiter die letzten zwei Jahre nach Gehaltserhöhungen auch real mehr in der Tasche hatten, wird die Inflation 2017 für ein eher mickriges Plus sorgen. Je nach dem, wessen Prognose eintrifft: Die Europäische Kommission geht von einer Inflationsrate von 1,5 Prozent aus, die Experten von The Economist Intelligence Unit rechnen mit 1,7 Prozent.

Zum Vergleich: 2016 liegt die Inflationsrate in Deutschland bei 0,4 Prozent. 2015 und 2016 sind die Reallöhne also stärker gestiegen, als sie es nächstes Jahr tun werden – so die Prognosen eintreten. Oder, wie Gruhles Kollege Thomas Haussmann sagt: "Die Reallöhne steigen deutlich weniger, aber noch geht die Party weiter."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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