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Gehalt Keine falsche Bescheidenheit

Frauen in Top-Positionen sind so gefragt, dass Konzerne Gehaltsaufschläge zahlen. Doch im Mittelstand verdienen sie noch immer viel weniger als Männer.

Claudia Obmann | , aktualisiert


Foto: Sergey/Fotolia

Managerinnen verdienen mehr

Nie waren in Deutschland die Chancen für Frauen besser, eine Spitzenkarriere als Managerin zu machen. Von Allianz bis ZF Friedrichshafen gibt es kaum ein renommiertes Unternehmen, das sich nicht gern mit einer weiblichen Führungskraft auf Chefebene schmücken würde.

Für versierte weibliche Verstärkung zahlen Großunternehmen sogar inzwischen Gehaltsaufschläge. Das zeigt eine interne Auswertung der Vergütungsberatung Mercer, die dem Handelsblatt vorliegt.

Derzufolge verdienen die wenigen Frauen auf Geschäftsführungs- oder Direktorenebene in Konzernen inzwischen mehr als Männer auf vergleichbarer Position. Die Saläre hochrangiger Managerinnen liegen in Deutschland beim Grundgehalt inklusive Boni etwa fünf bis zehn Prozent über dem ihrer männlichen Kollegen.

"Konzerne kaufen sich Frauen"

"Konzerne kaufen sich Frauen für Top-Management-Positionen teuer ein, denn die Nachfrage ist groß, aber das Angebot knapp", sagt Mercer-Expertin Christa Zihlmann. Nur im Mittelstand zeigt sich das Plus nicht. Und das, obwohl sich Managerinnen dort offenbar wohler fühlen als bei den Konzernen.

Derzeit ist etwa jede fünfte Führungskraft im Mittelstand weiblich, bei den Nachwuchsführungskräften sind es sogar 37 Prozent – Quoten, von denen börsennotierte Unternehmen nur träumen können.


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Wegen der vergleichsweise flachen Hierarchien bieten sich etwa überdurchschnittlich gute Karriereperspektiven. Im Gegensatz zu Publikumsgesellschaften verfolgen viele Mittelständler eine längerfristige Strategie. Marika Lulay, Diplom-Informatikerin und seit 2002 Mitglied des vierköpfigen Vorstandes des IT-Dienstleisters GFT Technologies in Stuttgart, gefällt genau das.

Lulay hat sich ganz bewusst für den Mittelständler entschieden. Sie schätzt besonders die an Nachhaltigkeit orientierte Führungskultur. "Ein Führungsprinzip, das zwar eher Frauen zugeschrieben wird, das aber genauso gut von Männern verfolgt wird", sagt sie.

Mittelständler legen außerdem häufig besonderen Wert auf die langfristige Bindung und Förderung fähiger Mitarbeiter und bieten ihnen eine hohe Flexibilität bei den Arbeitszeiten – ein weiterer Pluspunkt für beruflich engagierte Frauen, die wie Marika Lulay auch Familie haben wollen.

13 Prozent weniger Gehalt

Doch gerade beim Gehalt bleiben Managerinnen im Mittelstand offenbar weit unter ihren Möglichkeiten. So hat die Mercer-Gehaltsanalyse, die auf den Angaben von rund 11.000 Führungskräften aus 337 mittelständischen Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern beziehungsweise 50 Millionen Euro Jahresumsatz in Europa gezeigt:
 
Unabhängig von der Branche stehen sich Managerinnen im Mittelstand beim Gehalt deutlich schlechter als Männer. Diese erhalten im Mittelbau etwa 13 Prozent mehr Grundgehalt als vergleichbare weibliche Mitarbeiter, Geschäftsleiter verdienen rund 20 Prozent mehr als eine Unternehmenschefin.


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Noch eklatanter wird der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern bei der Gesamtvergütung – also dem Gehalt plus Bonus. Da liegt das Jahressalär von Männern auf Abteilungs- oder Bereichsleiterebene sogar durchschnittlich 17 Prozent und auf Geschäftsführerebene 26 Prozent über der Vergütung von Frauen.

"Während der am Anfang des Jahres vereinbarte Zielbonus für Männer und Frauen noch gleich hoch ist, kassieren Männer durchweg am Jahresende deutlich höhere Prämien", sagt Zihlmann.

Ein Grund ist offenbar das mangelhafte Selbstmarketing der Frauen. "Sie stellen ihr Licht häufig unter den Scheffel und schätzen ihre Leistung selbst zurückhaltender ein", sagt Zihlmann. Leitet sich davon dann ein geringerer Bonus ab, würden Frauen das meist widerspruchslos akzeptieren.

Rückschritt wird akzeptiert

"Für Frauen hat der Faktor Vergütung insgesamt einen geringeren Stellenwert als für Männer", sagt Jens Hohensee, Experte der Kienbaum-Personalberatung. Der Headhunter sieht noch ein weiteres karrierehemmendes Verhalten von Frauen:

"Oftmals geben Managerinnen aus den verschiedensten Gründen ihre Leitungsposition ab, betrachten das aber nicht als Rückschritt. Die meisten Männer würden das niemals auch nur in Erwägung ziehen."

Hohensee rät Managerinnen zu mehr Mut zum Wechsel. Wer feststellt, dass die männlich geprägten Firmenstrukturen oder die Erfolgsstrategie des TopManagements den eigenen Aufstieg behindern, sollte sich zügig nach einer Alternative umsehen.

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