Gastbeitrag Soziale Evolution, aber keine Twitter-Revolution

Soziale Netzwerke sind die Hoffnungsträger vieler Arbeitgeber und Personaldienstleister. In einem Gastbeitrag wagt Manuel Koelman, Mitgründer der Online-Personalberatung Talential.com, einen Ausblick auf die Zukunft des Social Recruiting.

Manuel Koelman (Gastautor) | , aktualisiert

Es ist keine Neuigkeit, dass sich der Recruiting-Markt in einem grundlegenden Wandel befindet. Klassische Recruiting-Kanäle wie Print verlieren in der Breite immer mehr an Bedeutung. Aber auch das Schalten von Stellenanzeigen in Online-Stellenbörsen liefert nicht immer die richtigen Resultate. Zwar bringen Stellenanzeigen quantitativ viele Bewerber, qualitativ aber häufig nicht die passenden.

Die Krise hat insbesondere im Jahr 2009 einige Symptome zwar gelindert, aber das strukturelle Problem bleibt. Mit anziehender Konjunktur wird die Suche nach Alternativen laut. Dabei wird Recruiting mit Social Media häufig als Heilsbringer genannt. Doch wie steht es tatsächlich um Social Media? Welche Chancen, aber auch welche Grenzen bietet es? Wie wird sich Social Recruiting in den nächsten 12 Monaten entwickeln? Eine Prognose.

Social Media wird vom Hype zum nachhaltigen Trend und damit zu einem ernsthaften HR-Kanal

Social Media Recruiting oder Social Recruiting ist im Begriff, die Hype-Ecke zu verlassen und zum wirklichen Trend zu werden. Unklar ist aber weiterhin, welchen Mehrwert Social Media im Recruiting tatsächlich leisten kann. Wenn er es mittlerweile noch nicht ist, so wird der Begriff “Social Recruiting” oder “Social Employer Branding” in den nächsten Monaten HR-Mainstream - und es wird weiterhin ein viel diskutiertes Thema auf Konferenzen sein.

Spätestens im zweiten Halbjahr 2010 werden alle größeren HR-Dienstleister auf den Social-Media-Zug aufgesprungen sein. Dabei wird nicht überall, wo Social Media draufsteht, auch Social Media drin sein. Frische Inhalte und innovative Maßnahmen werden die Ausnahme bleiben und die Branche muss sich erst mal auf einen längeren Lernprozess einstellen.

Der Erfolg bleibt schwer messbar und die Arbeitgeber sind orientierungslos

Nicht nur viele HR-Dienstleister, sondern auch viele Arbeitgeber wissen noch nicht, wie sie am Besten mit ihrer Kandidaten-Zielgruppe auf den sozialen Kanälen kommunizieren sollen. Das Problem fängt aber schon früher an: Etliche wissen nicht, wo die Zielgruppe sich aufhält und angesprochen werden kann. Oder besser gesagt angesprochen werden will.

Auch in den nächsten 12 Monaten wird es vielen Unternehmen schwer fallen einen representativen Return on Investment zu ermitteln. Messbarkeit von Social-Media-Aktivitäten wird nach den ersten Gehversuchen von HR-Abteilungen zunehmend in den Fokus der Diskussion rücken. Insbesondere für 2010 und für Anfang 2011 steckt Social Recruiting noch in den Kinderschuhen. Es wird viel experimentiert und probiert. Dabei wird sich zeigen, ob Unternehmen einen dauerhaften Atem haben und den Wandel durch Social Media verstehen: Social Media ist schließlich ein Prozess- kein Event.

Keine Twitter-Revolution - Twitter wird nicht die erhofften Recruiting-Erfolge bringen

Twitter – der Social Media Hype 2009 – wird als Recruiting-Instrument hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das ist schon jetzt absehbar. Für einige Jobbörsen, Recruiting-Abteilungen und HR-Dienstleister ist Twitter nicht mehr als ein trendiger RSS Feed, über den Jobs oder Artikel in das Twitterversum "gepushed" werden. Aus Recruiting-Sicht ist dies wahrscheinlich in der Tat erstmal das Maximale, was aus Twitter rauszuholen ist.

Obwohl wir auch in den nächsten 12 Monaten nicht signifikant mehr Einstellungen bzw. „direkte“ Bewerbungen durch Twitter erwarten, sehen wir es mittelfristig aber durchaus als interessanten Baustein im HR-Mix. Es ist für Recruiting eher weniger interessant, aber hat viel Potential im Bereich Employer Branding.

Insbesondere kleine Unternehmen können dabei bei moderatem Ressourceneinsatz eine gute Reichweite erzielen. Für große Unternehmen sollte Twitter als Basis-Kanal selbstverständlich sein. Konnten Unternehmen in den letzten Monaten insbesondere Aufmerksamkeit dadurch erzielen, dass sie Twitter nutzten, wird der Erfolg in Zukunft davon abhängen wie sie Twitter einsetzen. Den richtigen Ton zu treffen, nachhaltig relevante Inhalte zu haben und eine Kommunikation mit der Zielgruppe aufzubauen, ist die große Herausforderung in der nächsten Zeit.

"Volks"-Netzwerke: Facebook als zukünftiger Recruting-Kanal, aber wie einsetzen?

Facebook wird das soziale Netzwerk sein, welches in Deutschland weiterhin stark wachsen wird. Weltweit hat Facebook nach Eigenaussage über 500 Mio. aktive (!) Nutzer, davon über 10 Mio. in Deutschland. Das bedeutet, dass mittlerweile gut 12 Prozent der Deutschen vertreten sind. Im Ländervergleich – in den USA sind ca. 40 Prozent auf Facebook – ist die Durchdringung immer noch verhältnismäßig gering.

So gehen wir davon aus, dass nicht nur die Nutzerzahlen wachsen, es sieht so aus als würde auch das Innovationstempo ungebremst weiter gehen. Bis sich die ersten wirklich erfolgsversprechenden Nutzungsszenarien herauskristallisiert haben, werden Recruiter aber noch nach dem Motto “trial and error” ihr Glück versuchen. Ähnlich wie Twitter haben “Early Mover” zwar den Image-Vorteil gehabt, zählbare Erfolge in der Breite für das Recruiting wird es dort aber erstmal noch nicht geben.

Für das Employer Branding erwarten wir eine ähnliche Entwicklung wie zuvor bei Twitter beschrieben. Im Vergleich ist Facebook allerdings der erfolgversprechendere Kanal. Nicht nur hat Facebook mehr Nutzer, für die meisten Unternehmen sind auch mehr der „richtigen“ Nutzer vertreten.

Und was ist mit StudiVZ oder Wer-Kennt-Wen? Die beiden größten deutschen sozialen Netzwerke werden in den nächsten Jahren – aus unserer Sicht – keine nennenswerte Rolle mehr spielen. Eine Doppelnutzung kann temporär für einige Unternehmen sinnvoll sein. Facebook wird aber mittelfristig die relevante Plattform bleiben.

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