Führungskräfte Schnellstraße ins obere Management

Firmeneigene Berater gelten als Führungskräftereserve. Wer sein Netzwerk aufbaut und bei internationalen Beratungsprojekten Eindruck hinterlässt, kann den Konzernaufstieg schaffen.

Chris Löwer | , aktualisiert


Foto: Sean Gladwell/Fotolia

Wechsel in eine entscheidende Position

Alexander Moscho ist im Top-Management angekommen. Er verantwortet den Bereich Unternehmensentwicklung der Pharma-Sparte von Bayer. Vorher leitete der ehemalige McKinsey-Mann gut vier Jahre lang die firmeneigene Beratung der Bayer Business Services. Was folgte, war ein fast schon logischer Wechsel des Inhouse-Beraters in die Führungsetage des Konzerns.

Sein Nachfolger, Alexander Meyer auf der Heyde, hat einen ähnlichen Karriereweg zurückgelegt. Der heutige Leiter der internen Unternehmensberatung des Bayer-Konzerns stand unter anderem zehn Jahre im Dienste der Management- und Technologieberatung Accenture, wo er zuletzt in Schanghai als Partner die Bereiche Pharmaceuticals & Medical Products und die Strategie für China verantwortete.

Doch der diplomierte Mikrobiologe mit einem MBA wollte, wie er sagt, "von einer beratenden in eine entscheidende Position" wechseln. Da kam das Angebot eines Headhunters gerade recht.

Strategien umsetzen

Denn im Gegensatz zum externen Berater entwickelt er als Inhouse-Berater nicht nur Strategien. Er wirkt auch daran mit, dass sie umgesetzt werden. Das gilt für alle in seinem 140 Mitarbeiter starken Team.

"Wir brauchen Kräfte, die nicht nur in der Industrie beraten, sondern dort auch arbeiten möchten", sagt Meyer auf der Heyde.


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Kaderschmiede für Manager

Nach diesem Prinzip eröffnen sich gute Karrieremöglichkeiten – nicht nur bei Bayer. Die gut 20 internen Beratungseinheiten der Dax-Unternehmen dienen als Kaderschmiede für die Führungskräfte von morgen – auch wenn die Konzerne das selbst so nicht immer explizit aussprechen.

Bei Bayer ist die Perspektive klar: "Eine Tätigkeit in unserer Beratungseinheit dient auch der Personalentwicklung und gilt als Zwischenschritt, um sich in den Konzern hinein zu entwickeln", sagt Meyer auf der Heyde. "Das ist ein Sprungbrett für den Managementnachwuchs."

Nicht anders sieht das Ralf Klinge, Leiter von Commerz Business Consulting (CBC), der internen Beratungseinheit der Commerzbank: "Wir haben den Auftrag, Nachwuchskräfte auf Führungs- und Fachebene für unseren Konzern zu entdecken und zu entwickeln."
 
Gute Voraussetzungen

Die Berater lernen nicht nur die gesamte Bank kennen, sondern auch die Methoden einer Managementberatung. "Das sind beste Voraussetzungen für den Karriereschritt in den Konzern – ob als Vorstandsassistent, Spezialist oder Führungskraft", sagt Klinge.

So hat Thomas Fehr, Vorstandsmitglied beim Tochterunternehmen Commerzbank International S.A. Luxemburg (Cisal), seine Karriere bei CBC begonnen. Nach fünf Jahren im Inhouse-Consulting wechselte er in die Konzernstrategie, dann in die Geschäftsentwicklung des Segments Private Banking und wurde schließlich zum Mitglied des Vorstands der Cisal ernannt.


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Teil der Personalstrategie

Auch bei Eon hat die Inhouse-Beratung eine personalstrategische Komponente. "Hauseigene Berater bringen Fachwissen über die Industrie und den Konzern mit und behaupten sich in einem internationalen Umfeld", sagt Anja Isabel Dotzenrath, Geschäftsführerin Eon Inhouse Consulting.

Ein Großteil wechsele nach drei bis fünf Jahren in "attraktive Linienfunktionen" im Energiekonzern.

So etwa Martina Böhm. Nach dem Studium stieg die heute 30 Jährige als Project Consultant bei Eon Inhouse Consulting ein. Es folgten internationale Einsätze, bei denen sich Böhm um die Restrukturierung eines IT-Dienstleisters kümmerte. Nach vier Jahren bot ihr der Energiekonzern eine Senior-Manager-Stelle im ITBereich einer Tochterfirma an.

Im eigenen Unternehmen unterwegs

Wer viel im eigenen Unternehmen unterwegs ist, lernt die wichtigen Personen kennen – das persönliche Netzwerk knüpft sich für interne Berater quasi von selbst. Das erleichtert den Aufstieg.

Bei Bayer Business Consulting übernehmen erfahrene Kräfte im Schnitt nach drei bis fünf Jahren eine leitende Funktion, beispielsweise als strategischer Planer oder Abteilungsleiter.


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Führungskraft nach vier Jahren

Bei Volkswagen Consulting übernehmen die internen Berater nach etwa vier Jahren eine Führungsposition. Idealerweise haben sie dafür bereits ein entsprechendes Geschäftsfeld im Blick, um für den Wechsel mit Fachwissen überzeugen zu können. Ähnlich verlaufen die Karrierewege in anderen Unternehmen, beispielsweise bei Siemens Management Consulting – vorausgesetzt, die Qualifikation stimmt.

Das Profil eines Einsteigers mit guten Karrierechancen skizziert CBC-Chef Ralf Klinge: Neben einem exzellenten Hochschulabschluss benötigt er gute analytische Fähigkeiten, eine kreative Herangehensweise an Aufgabenstellungen und strategisches Denkvermögen. Er muss zuhören und die richtigen Fragen stellen können. Außerdem muss der Kandidat Kommunikationsstärke und soziale Kompetenz mitbringen. Das ist noch wichtiger als bei einem Job in einer externen Beratungsgesellschaft: „Bei unseren Kunden und deren Mitarbeitern handelt es sich ja um Kollegen, denen man nach Projektende auf dem Flur oder in der Kantine wieder über den Weg läuft“, sagt Klinge.

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