Führungskräfte "Frauen ziehen andere Frauen nach"

Personalberater Heiner Thorborg setzt sich für mehr Frauen in Führungsetagen ein. Unter seiner Ägide entstand die Initiative Generation CEO, die sich als Netzwerk für junge Managerinnen etabliert hat. Im Interview erklärt er, warum Deutschland mehr als eine Dax-Vorstandschefin braucht.

Tanja Kewes | , aktualisiert

In den Führungsetagen von Familienunternehmen sind Frauen häufiger vertreten als in deutschen Aktiengesellschaften. Wundert Sie das?
Nein, die Familienunternehmen sind hier, wie in vielen anderen Bereichen auch, Vorreiter. Bei der Nachfolge ist inzwischen die Leistung und die Eignung ausschlaggebend und nicht das Geschlecht. Und so haben sie mit Managerinnen wie Nicola Leibinger-Kammüller, die die Trumpf-Gruppe führt, oder Bettina Würth vom gleichnamigen Konzern, Vorbilder geschaffen und den Teufelskreis durchbrochen. Familienunternehmer brauchen deshalb weder eine Quote, noch geraten sie wie Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, der seinem Konzern eine Frauenquote verordnen musste, in Zugzwang.

Haben in Familienunternehmen denn auch fremde Managerinnen bessere Chancen?
Ja. Die Aufgeschlossenheit und die Nachfrage nach weiblichen Kandidaten, die ich als Headhunter spüre, ist zwar nicht größer als bei börsennotierten Konzernen. Bei der Auswahl ihrer Führungskräfte sind Familienunternehmer aber wie bei der Nachfolgeentscheidung pragmatischer und unabhängiger. Und in der ersten Ebene dominieren noch ganz deutlich die Frauen aus der Familie. Doch ziehen diese andere Frauen nach und sie unterstützen den weiblichen Führungsnachwuchs - unabhängig davon, ob er aus der eigenen Familie stammt oder nicht, wie Liz Mohn es bei Bertelsmann macht.

Warum setzen Sie sich für mehr Frauen auf Führungspositionen ein?
Wir haben unter unseren Frauen ungeheures Potenzial, und wir wissen inzwischen, belegt durch mehrere Studien, dass gemischte Teams signifikant erfolgreicher sind. Allein schaffen diese tollen Frauen es aber nicht oder nur wenige von ihnen. Ich will ihnen helfen und sie auf ihrem Weg nach oben begleiten. Ich bin ,Überzeugungstäter'.

Was wäre für Sie ein. Meilenstein? Eine Vorstandschefin im Dax?
Ja, aber am besten sind es gleich zwei. Dann ist sie nicht ganz so exponiert und kann sich von Anfang an auf ihren Job konzentrieren.

Was wäre ein Rückschlag?
Wenn diese Vorstandschefin patzt. Denn dann würden alle alten Vorurteile wieder hervorgeholt. Und im derzeitigen Hype um Frauen, der einige Konzerne ja in Zugzwang gebracht hat, laufen wir Gefahr, dass es auch nicht wirklich geeignete Kandidatinnen an die Spitze schaffen.

Was wünschen Sie sich?
Dass spätestens dann, wenn meine heute zwölfjährige Tochter ins Berufsleben tritt, kein Unterschied mehr zwischen Mann und Frau gemacht wird.

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