Fraunhofer-Studie Unternehmenskulturen Programmierte Karrierebrüche

Der Grund, warum Frauen meist weniger Karriere machen, liegt in der Kultur der Unternehmen, so eine aktuelle Studie. Herkömmliche Maßnahmen reichen also nicht um das zu ändern – es muss ein Wandel her.

Katja Köllen, wiwo.de | , aktualisiert

Programmierte Karrierebrüche

Foto: iceteastock/Fotolia.com

Konformismus, Traditionalismus und Hierarchien prägen einen Großteil der Unternehmen in Deutschland. Für die Initiatoren der Studie "Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden" ein Grund dafür, warum es weniger Frauen in Führungspositionen gibt.

Reine Maßnahmen können einen richtigen Wandel demnach nicht herbeiführen. Das Fraunhofer-Institut hat 220 männliche und weibliche Führungskräfte zum Thema befragt. Allianz Deutschland AG, BASF SE, Bayer AG, Robert Bosch GmbH, Daimler AG, Deutsche Bahn AG, EADS, Infineon Technologies AG und Microsoft beteiligten sich mit dem Ziel, den Anteil von Frauen in Führungspositionen im eigenen Unternehmen zu erhöhen.

Kein Patentrezept

Das Fazit der Studie: Die bisherigen Maßnahmen, um Karrierebrüche von Frauen zu vermeiden reichen einfach nicht aus. Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, ist ein umfassender Kulturwandel in den Unternehmen notwendig. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass jedes Unternehmen, Maßnahmen einführen und umsetzen sollte, die zur jeweils eigenen Kultur passen. Nicht alle Lösungen funktionieren bei allen gleich gut", sagt Martina Schraudner, wissenschaftliche Leiterin des Projekts bei Fraunhofer.

Die Gründe, woran Frauen auf dem Weg zur großen Karriere scheitern, sind nicht neu, werden aber von einem etwas anderen Blickwinkel beleuchtet. Natürlich tauchen die gängigen und bekannten Probleme in den Befragungen wieder auf: Frauen benötigen eine bessere Vereinbarkeit von Karriere und Familie und Vorgesetzte trauen ihnen häufig weniger Kompetenz zu als den männlichen Kollegen. Des Weiteren wird auch deutlich, dass die manchmal als Allheilmittel bezeichneten Maßnahmen wie Kompetenzerweiterungen, Mentoring- oder Seminarangebote nicht ausreichen, um die Probleme zu beseitigen.

Vier Unternehmenskulturen

Das klare Statement der Studie: "Ein erfolgreiches Engagement für mehr Frauen in Führungspositionen setzt eine detaillierte Analyse der unternehmenskulturellen Rahmenbedingungen voraus." Deshalb zeigt die Untersuchung vier Typen von Unternehmenskulturen, unter denen sich jedes Unternehmen (idealtypisch gesehen) einordnen kann: die Hochleistungskultur, die Formalkultur, die Ausschlusskultur und die Bewahrungskultur.

1. Die offene Hochleistungskultur

Diese Kultur zeichnet sich durch offene und liberale, aber auch sehr dynamische Anforderungen aus. Ein Unternehmen, das dieses Modell in sich vereint, fordert von seinen Mitarbeitern eine hohe Flexibilität und besondere Leistungen.

Das Problem für Frauen: Wenn sie im Privaten Verantwortung für ihre Familie übernehmen und gewisse Vorsorgepflichten erfüllen müssen, kommen sie im Unternehmen häufig in Bedrängnis, da sie eben gerade nicht grenzenlos flexibel sind.

Um Probleme zu vermeiden, sollte die Personalpolitik stärker an den Lebensphasen der Mitarbeiter orientiert werden, empfiehlt die Studie, da besonders Frauen nicht in jedem Alter gleich leistungs- und einsatzfähig sind. So gehört gerade bei Frauen die Zeit ab 30 häufig der Familiengründung, aber zeitgleich im Unternehmen auch die Phase für den Karriereaufstieg. Beides lässt sich zumeist nicht problemlos verbinden. Dadurch gehört etwa eine späte Karriere zu möglicherweise erfolgreicheren Alternativen.

2. Die konformistische Formalkultur

Ein Unternehmen, das auf den Grundlagen dieser Kultur basiert, ist von Verhaltensnormen geprägt, die von Männern definiert wurden. Die Strukturen sind sehr bürokratisch und setzen auf formales und vor allem angepasstes Verhalten.

Solche Strukturen sind für Frauen deshalb problematisch, weil sie häufig die Anforderungen nicht erfüllen können. In einem derart männlich geprägten Umfeld wirken sie leicht unpassend oder ungewöhnlich. Deshalb wird ihnen dort seltener Führungskompetenz gegeben.

Ein Lösungsansatz: Unterschiedliche Perspektiven und Herangehensweisen müssen nicht nur akzeptiert, sondern wertgeschätzt und auch als mögliche Option anerkannt werden. Um verschiedene Perspektiven einnehmen zu können müssen die Verantwortlichen, die Stellen besetzen und Verfahren bewerten, sowohl Frauen als auch Männer sein.

Ganz wichtig: Anforderungskriterien sollten dadurch weder eindeutig männlich noch eindeutig weiblich sein – das fördert die Gleichberechtigung und verhindert typisch geschlechtsspezifische Normen.

3. Die konservative Ausschlusskultur

Noch stärker als in der Formalkultur behindern hier die "Männerzirkel" den Aufstieg von Frauen. Unternehmen, die von dieser Kultur geprägt sind, setzen auf traditionelle Vorstellungen und Rollenbilder. Dies beeinflusst die tägliche Arbeit, gibt Frauen wenig Chancen das Arbeitsumfeld mitzuprägen und bremst Aufstiegsmöglichkeiten kurzerhand aus.

Die Grundvoraussetzung, um diese Unternehmenskultur zu verbessern, ist ein klares Bekenntnis zur Veränderung. Die Unternehmensleitung muss die Ziele eindeutig definieren und mit Maßnahmen fördern. Ein Weg: Eine "Gender-Diversity Stelle" zu schaffen, empfiehlt die Fraunhofer-Studie.

4. Die veränderungsorientierte Bewahrungskultur

Unternehmen, die sich in dieser Kategorie wiederfinden, haben zwei rivalisierende Ziele: Einerseits wollen die Entscheider etwas verändern, setzen aber andererseits weiterhin auf konservativ-hierarchische Strukturen und Werte. Für die Frauen im Unternehmen bedeutet das häufig besonders hohe Erwartungen: Sie sollen den Wunsch nach Veränderung – Schlagwort "Diversity-Engagement" – erfüllen, stoßen aber gleichzeitig auf die Ängste der männlichen Kollegen, ihre Macht zu verlieren. Wer über "Diversity" bereits diskutiert, muss natürlich nicht mehr darauf aufmerksam gemacht werden.

Um die unangenehme Atmosphäre zu beseitigen, sollte das Unternehmen seinen männlichen Mitarbeitern aber deutlich machen, weshalb dies auch einen ökonomischen Vorteil haben kann.

Fazit: Kulturwandel ist notwendig

Verändern die Unternehmen die eigene Unternehmenskultur entsprechend der vorhandenen Kulturmuster, könnten Karrierebrüche bei Frauen in Zukunft weniger werden. Auf Grundlage der Studie könnten neue Ansatzpunkte für eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen erarbeitet werden. Wichtig also: Die Unternehmen müssen damit beginnen, ihre Kultur zu verändern.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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