Frauenquote Mit Frauen an der Spitze steigt das Lohnniveau

Führen mehr Frauen an der Unternehmensspitze automatisch zu mehr Gleichberechtigung im Unternehmen? Nein – aber dafür steigt das Lohnniveau, wie eine neue Studie zeigt.

Tina Groll , Zeit.de | , aktualisiert

Mit Frauen an der Spitze steigt das Lohnniveau

Frau an der Spitze 2

Foto: Elnur / Fotolia.com

Um kaum eine Frage rund um die Frauenquote wird so sehr gestritten wie die, ob mehr Frauen in Führungspositionen tatsächlich die Kultur in einem Unternehmen verändern. Befürworter der Quote sagen: Mit dem Frauenanteil verändere sich auch das Betriebsklima. Die Firma werde frauen- und familienfreundlicher sowie vielfältiger. Insgesamt verbessere sich die Chancengleichheit von Männern und Frauen im Unternehmen – die Kultur verändere sich. Und das trage auch zum Erfolg des Unternehmens bei. Doch stimmt das auch?

Verschiedene Studien wie etwa eine ganze Forschungsreihe des Beratungsunternehmens McKinsey oder Untersuchungen der Beratung Ernst& Young vergleichen, wie sich mit der Veränderung des Frauenanteils in Führungsjobs die wirtschaftlichen Kennzahlen entwickeln. Das Ergebnis: Es gibt zumindest starke Indizien dafür, dass mehr Frauen in den Entscheidungspositionen auch gut für die Wirtschaft sind. Was bisher aber fehlte, sind Angaben darüber, wie die Beschäftigten den steigenden Chefinnenanteil wahrnehmen.

Kununu wertet fast 20.000 Bewertungen zum Thema Gleichberechtigung aus 

Dieser Frage hat sich nun die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu gewidmet. Dort können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch ehemalige Mitarbeiter und Auszubildende ihre Arbeitgeber bewerten. Abgefragt werden Faktoren wie Arbeitsatmosphäre, das Verhalten von Vorgesetzten, Arbeitsbedingungen, Work-Life-Balance, aber auch der Umgang mit älteren Kollegen – und Gleichberechtigung. Konkret sollen Beschäftigte hier angeben, ob Frauen die gleichen Karrierechancen wie Männer im Unternehmen haben, ob sie als Arbeitskraft wertgeschätzt werden, ob sich Eltern- und Erziehungszeiten ohne Nachteile für die berufliche Laufbahn realisieren lassen oder wie einfach der Wiedereinstieg nach einer Familienzeit vonseiten des Unternehmens gestaltet wird.

Kununu hat nun fast 20.000 Bewertungen von Beschäftigten aus 160 börsennotierten Unternehmen ausgewertet und die Einschätzungen der Mitarbeiter zum Thema Gleichberechtigung mit der Anzahl der Frauen im Vorstand der Unternehmen ins Verhältnis gesetzt. Anschließend wurde ein Ranking der Aktienunternehmen nach dem Kriterium Gleichberechtigung erstellt.

Ergebnisse der Auswertung sind mit Vorsicht zu genießen

Der Auswertung zufolge gilt die GfK mit Sitz in Nürnberg als besonders frauenfreundlich. Das Meinungsforschungsinstitut führt auch andere Rankings in Sachen Gleichberechtigung an: Im jährlichen Women-on-Board-Index (WoB-Index) des Vereins Frauen in die Aufsichtsräte (FidAr) etwa landet die GfK schon seit einigen Jahren auf einem der vorderen Plätze. FidAr untersucht seit vielen Jahren, wie sich der Frauenanteil in den 160 größten börsennotierten Unternehmen verändert hat. In diesem Jahr kam das Meinungsforschungsinstitut allerdings nur auf Platz 20, im vergangenen Jahr war es noch Platz 6. Außer einer Frau im Vorstand – Alessandra Cama – ist auch ein Drittel der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt.

Platz 2 im Kununu-Ranking hinter der GfK belegt GFT Technologies gefolgt von der Grenke Leasing AG. Beide Firmen schneiden auch beim WoB-Index besonders gut ab und liegen hier immerhin im oberen Drittel. Nicht fehlen darf bei den besonders frauenfreundlichen Arbeitgebern außerdem die Deutsche Telekom, die sich als erster Dax-Konzern überhaupt schon 2011 selbst eine Frauenquote auferlegte. Die Telekom liegt in beiden Listen weit vorn. Hier sind immerhin acht Posten im Aufsichtsrat mit Frauen besetzt und mit Claudia Nemat ist auch eine Frau im Vorstand vertreten.

Allerdings zeigt die Kununu-Auswertung auch, dass die Ergebnisse nicht so klar sind, wie mancher Quotenbefürworter vielleicht erhofft hat. Denn berücksichtigt man nur, welche Arbeitgeber auf der Bewertungsplattform besonders positiv beim Thema Gleichberechtigung abschneiden, dann zeigt sich, dass hier auch Unternehmen ohne Frauen in der obersten Führungsebene vertreten sind: Unter den ersten fünf der Dax-30-Unternehmen ist nur die Deutsche Telekom als Konzern vertreten, der eine Frau im Vorstand hat. Alles anderen – SAP, Beiersdorf, Infineon und ProSiebenSat1 Media – haben keine Frau im Vorstand. Der Blick in den WoB-Index zeigt zudem: Diese Unternehmen erreichen, bis auf Infineon mit 37,5 Prozent, nicht mal den aktuellen durchschnittlichen Frauenanteil in den Aufsichtsräten von knapp 26 Prozent.

Mehr noch: In der Kununu-Untersuchung kommen die börsennotierten Unternehmen mit vielen Frauen in den Spitzenführungspositionen auf die gleiche Bewertungsnote in Sachen Gleichberechtigung wie die Unternehmen, die an der Spitze ohne Frauen auskommen – im Schnitt beurteilen die Mitarbeiter die Chancengleichheit von Männern und Frauen mit 3,74 von fünf möglichen Höchstpunkten. Allerdings zeigt sich bei Arbeitgebern mit Frauen im Vorstand eine andere Auffälligkeit: Hier werden die Kategorien Umwelt- und Sozialbewusstsein, Gehalt und Sozialleistungen sowie Image deutlich positiver bewertet als bei Unternehmen, die keine Frauen in den Top-Entscheidungspositionen haben.

Frauen in Führungspositionen setzen stärker auf Kunden- und Mitarbeiterbindung

Es scheint also, dass mit den Führungsfrauen auch das generelle Lohnniveau steigt und die Sozialleistungen verbessert werden. Möglicherweise ist den Führungsfrauen auch das Thema Umweltschutz wichtiger – und das Image der Unternehmen verbessert sich ebenfalls.

Tatsächlich zeigen auch andere empirische Befunde, dass Frauen als Chefinnen stärker auf Kunden- und Mitarbeiterbindung setzen. Sie fördern stärker als männliche Chefs die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und setzen sich etwa für die Schaffung von Betriebskindergärten ein. In von Frauen geführten Unternehmen bekommen Mitarbeiter weniger oft einen Dienstwagen, aber dafür viel mehr Weiterbildungen oder Programme zur Gesundheitsförderung.

Laut Women-on-Board-Index 2016 liegt der kumulierte Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen derzeit bei 16,2 Prozent (Aufsichtsräte 25,9 Prozent, Vorstände 6,4 Prozent). Damit hat er sich seit 2011 verdoppelt, von Gleichberechtigung kann aber noch keine Rede sein. Und immerhin 11,3 Prozent der börsennotierten Unternehmen in Deutschland waren im Jahr 2016 an der Unternehmensspitze komplett frauenfrei.

Die Kununu-Auswertung liefert insofern eine wichtige Ergänzung. Allerdings ist die Untersuchung trotz der Menge der Daten nicht repräsentativ, schließlich könnte es sein, dass nur diejenigen ihren Arbeitgeber bewertet haben, die besonders zufrieden oder besonders unzufrieden sind.


Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de

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